Kaum ein Tag vergeht, an dem in den Nachrichten nicht über Gewalt berichtet wird. Über neue Kriege, alte Spannungen, über schwelende Konflikte und verlustreiche Gefechte wird wortreich und bildhaft informiert: das Ausmaß menschlichen Versagens im Umgang miteinander ist immer eine Meldung wert. Dadurch sind die Assoziationen zum Begriff „Krieg“ relativ leicht aufzudecken: Bilder von Toten, Verletzten, zerbombten Städten, verheerten Landstrichen.
Doch wie lässt sich Frieden definieren?
In der vorliegenden Hausarbeit soll untersucht werden, ob eine Bestimmung des Friedensbegriffes außerhalb der Negativ-Definition als Gegenteil vom Krieg überhaupt möglich ist. Darüber hinaus soll erläutert werden, was der Begriff „Frieden“ beinhaltet. Des weiteren wird die Frage geklärt ob, global gesehen, Frieden herrschen kann während andernorts Kämpfe stattfinden, ob es also legitim ist, von einer Teilbarkeit des Friedens zu sprechen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. (K)eine Definition von Frieden
3. Frieden - ein undendlicher Prozess?
4. „War does not pay“
5. Die UN-Teilbarkeit des Friedens
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Herausforderungen bei der Bestimmung des Friedensbegriffes und hinterfragt, ob Frieden außerhalb der reinen Abwesenheit von Krieg definiert werden kann sowie ob eine Teilbarkeit des Friedens in der globalen Praxis legitim ist.
- Problematik der Definition von Frieden
- Frieden als andauernder, unendlicher Prozess
- Die ökonomische Perspektive auf Krieg (War does not pay)
- Spannungsfeld zwischen Regionalismus und Universalismus
- Die Frage nach der Teilbarkeit des Friedens
Auszug aus dem Buch
4. „War does not pay“
Die Ansicht, Krieg lohne sich nicht, ist bereits mehrere Jahrhunderte alt. Das Motto „war does not pay“ geriet in diesen vielen Jahren allerdings allzu oft in Vergessenheit. Schon im Jahre 1800 formulierte Friedrich Gentz über die Zeit vor der französischen Revolution:
„Eine aufgeklärte, liberale, wohltätige Ansicht der wahren Bedürfnisse und der wahren Interessen der Nationen verdrängte das falsche System, das die Größe oder Wohlfahrt der Staaten auf Kriege und Eroberungen gründete. Die Regenten lernten nach und nach, daß die eigentliche Quelle ihrer Macht, die sie weit von ihrer Heimat gesucht hatten, zu ihren Füßen lag, (…) daß die besten Eroberungen im Innern ihrer Länder gemacht werden müssen. Zur gleichen Zeit erschien die wechselseitige Verbindung der Völker in einem neuen, bisher kaum geahnten Licht. Man wurde inne, daß Industrie und Handel und Reichtum eigentlich gemeinschaftliche Güter sind, die wenngleich in diesem oder jenem Staate ihr Mittelpunkt zu finden ist, doch mehr oder weniger die Wohlfahrt aller befördern, daß selbst die reichste Nation aus der Wohlhabenheit ihrer Nachbarn und aller anderen Nationen weit größere Vorteile als aus ihrer Armut zieht und daß die Verheerungen des Krieges, wo auch immer ihr unmittelbarer Schauplatz sein mag, im letzten Resultat auf die ganze Gesellschaft zurückfallen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Allgegenwärtigkeit von Gewalt in den Medien und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Definition von Frieden sowie der Legitimität einer Teilbarkeit des Friedens.
2. (K)eine Definition von Frieden: Dieses Kapitel diskutiert die Schwierigkeiten, Frieden jenseits einer Negativ-Definition zu fassen, und beleuchtet die Unterscheidung zwischen positivem und negativem Frieden sowie Gerechtigkeit als Verfahrensnorm.
3. Frieden - ein undendlicher Prozess?: Hier wird Frieden als ein ständiger Wandel und Prozessmuster des internationalen Systems betrachtet, wobei insbesondere die prozesshaften Anforderungen von Immanuel Kant und Ernst-Otto Czempiel analysiert werden.
4. „War does not pay“: Das Kapitel analysiert die ökonomische Irrationalität von Kriegen, die Bedeutung der Demokratie als Friedensgrundlage und die Herausforderung der Konfliktregelung in einer pluralistischen Weltgesellschaft.
5. Die UN-Teilbarkeit des Friedens: Diese Sektion untersucht das Spannungsverhältnis zwischen regionalen Staatenbünden und dem Universalismus der Vereinten Nationen und hinterfragt die Annahme, dass Frieden auf Kosten anderer teilbar sei.
6. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass eine allgemein gültige Friedensdefinition weiterhin aussteht und der Weg zum Frieden ein langwieriger Prozess bleibt, der trotz technischer Fortschritte von existenziellen Herausforderungen begleitet wird.
Schlüsselwörter
Frieden, Konfliktforschung, Internationale Beziehungen, Krieg, Gerechtigkeit, Demokratie, Friedensprozess, Gewalt, Teilbarkeit, Weltgesellschaft, Regionalismus, Universalismus, Friedensdefinition, Sicherheit, Internationale Politik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit friedenstheoretischen Kernfragen aus der Perspektive der Internationalen Beziehungen, insbesondere der Definition von Frieden und der Rolle des Krieges.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die theoretische Auslegung des Friedensbegriffs, das Konzept des "gerechten Friedens", der Zusammenhang zwischen Demokratie und Friedenssicherung sowie die Frage der globalen Teilbarkeit des Friedens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob eine Bestimmung von Frieden möglich ist, die über das bloße Fehlen von Krieg hinausgeht, und wie das Spannungsfeld zwischen der Unteilbarkeit des Friedens und der Realität von Teilkrisen zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse politikwissenschaftlicher Konzepte namhafter Friedensforscher wie Galtung, Brock und Czempiel unter Einbeziehung historischer und aktueller Beispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die theoretische Schwierigkeit der Friedensdefinition, die Prozesshaftigkeit des Friedens, die ökonomische Sinnlosigkeit des Krieges ("War does not pay") und die Rolle internationaler Organisationen wie der UN.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind Frieden, Konfliktforschung, Internationale Beziehungen, Gerechtigkeit, Demokratie, Friedensprozess und die Frage nach der Teilbarkeit des Friedens.
Wie unterscheidet sich der positive vom negativen Friedensbegriff?
Der negative Friedensbegriff definiert Frieden primär als Abwesenheit von Krieg, während der positive Begriff strukturelle Gerechtigkeit und das Fehlen von Gewalt als Voraussetzung für stabilen Frieden einfordert.
Warum ist das Beispiel des Versailler Vertrags im Kontext der Friedensforschung wichtig?
Es verdeutlicht, dass ein Friedensschluss, der nicht als gerecht empfunden wird, bereits neue Keime für künftige Konflikte in sich tragen kann, anstatt einen dauerhaften Prozess einzuleiten.
- Quote paper
- Joachim Wulkop (Author), 2008, Friedenstheoretische Kernfragen aus der Perspektive der Internationalen Beziehungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/182407