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Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus anhand von ausgewählten Biographien

Titel: Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus anhand von ausgewählten Biographien

Examensarbeit , 2011 , 83 Seiten , Note: 2.0

Autor:in: Kay Mankus (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

1.Einleitung

Wie kann man zugleich anwesend und nicht dabei gewesen sein? Diese Frage stellt Christa Wolfs Romanfigur Lenka, die Tochter der Protagonistin in Kindheitsmuster, ihrer Mutter im Spätsommer 1971. Die Antwort darauf ist aus heutiger Sicht noch immer ein Mysterium und das schauerliche Geheimnis der Menschen des letzten Jahrhunderts , wie Wolf sich ausdrückt. Die drei Autoren Christa Wolf, Ludwig Harig und Ruth Klüger, deren autobiographische Werke im Zentrum dieser Literaturbetrachtung stehen, versuchen dem Geheimnis ein Stück weit auf den Grund zu gehen. Ihre Ansätze unterscheiden sich dabei in vielerlei Hinsicht und sollen im Folgenden untersucht wer-den.
Die Lebensläufe von Ludwig Harig, Christa Wolf und Ruth Klüger weisen auf den ersten Blick nur wenige Parallelen auf, wenn man von den Geburtsjahren absieht, die nicht weit auseinanderliegen. Durch diesen Umstand haben alle drei ihre Kindheit und die frühe Jugend unter nationalsozialistischer Obrigkeit verbracht, aber wie sehr beeinflusst eine Jugend in einem totalitären System den Fortgang des Lebens? Auf welche Weise berichten die Autoren von den Ereignissen ihrer Jugend und welche literarischen Mittel und Erzählstrukturen wenden sie dabei an? Die unterschiedlichen Perspektiven der Schriftsteller in Bezug auf den Nationalsozialismus spielen dabei eine wichtige Rolle. Ruth Klüger hat bereits im Kindesalter, aufgrund ihrer jüdischen Herkunft, die Schrecken der Verfolgung bis hin zur Inhaftierung in verschiedenen Konzentrationslagern erlebt. Wolf und Harig dagegen...

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographische Informationen zu den Autoren

2.1 Ludwig Harig

2.2 Ruth Klüger

2.3 Christa Wolf

3. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in der Literatur

4. Das erinnerte Ich, Fiktionalität und Authentizität, Subjektivität und Objektivität

4.1 Autobiographie oder biographischer Roman? – Überlegungen zu Gattungsbezeichnungen der drei Werke

4.2. Dokumente und Zeitzeugen gegen das Vergessen

4.3 Erzählstruktur

4.4 Fakten und Fiktion im biographischen Roman

4.4.1 Fakten und Fiktion in Weh dem, der aus der Reihe tanzt

4.4.2 Fakten und Fiktion in Weiter Leben. Eine Jugend

4.4.3 Fakten und Fiktion in Kindheitsmuster

4.5 Täter, Opfer und Mitläufer

4.6 Intertextualität

4.6.1 Ruth Klügers Lyrik im Konzentrationslager

5. Wie sind wir so geworden wie wir heute sind?

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Aufarbeitung der Kindheit in der NS-Zeit anhand der autobiographischen Werke von Christa Wolf, Ludwig Harig und Ruth Klüger. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie diese Autoren als Erwachsene auf ihre von totalitären Systemen geprägte Jugend blicken, welche literarischen Mittel sie zur Verarbeitung von Schuld und Erinnerung nutzen und inwieweit die Unterscheidung zwischen Täter-, Opfer- und Mitläuferperspektive in ihren Texten reflektiert wird.

  • Analyse autobiographischer Schreibweisen und Gattungsproblematiken.
  • Untersuchung von Faktizität und Fiktionalisierung in Erinnerungsberichten.
  • Reflektion über die Rolle von Sprache, Metaphorik und Intertextualität.
  • Vergleich der unterschiedlichen Perspektiven (Täter, Opfer, Mitläufer) auf das NS-Regime.

Auszug aus dem Buch

Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in der Literatur

Viele Autoren stellen sich im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus die Frage: Ist das Unsagbare sagbar oder tritt das Geschehen hinter seiner Beschreibung zurück? Dieses grundsätzliche erkenntnistheoretische und narrative Problem wird zusätzlich dadurch virulent, weil es immer weniger Zeitzeugen gibt, die das Dritte Reich, wie auch immer, beschreiben könnten.

Eine Kommerzialisierung des Holocaust, wie ihn Klüger teilweise anhand von touristisch anmutenden Gedenkstätten anmahnt (Vgl. Kap. 4.4.2), oder wie man einigen, meist kostengünstigen Film- oder Fernsehproduktionen vorwerfen könnte, sind dagegen vor allem aus ethischen Gründen abzulehnen. Gemeint ist eine reine Zurschaustellung von Elend, bei der Schrecken zu Unterhaltungszwecken genutzt wird. Klüger kritisiert in diesem Zusammenhang beispielsweise die erfolgreiche US-Fernsehserien Holocaust von 1978. Sie wird von ihr als ästhetisch minderwertig bezeichnet. Obwohl ihr immer wieder eine gewisse aufklärende Funktion zugeschrieben werde und das breite Publikum in Deutschland und Amerika erst durch sie auf die jüdische Katastrophe aufmerksam gemacht wurde, lehnt sie diese Art von Verhunzung der Geschichte, wie sie sich ausdrückt, ab. Sie spricht von einer gewissen moralischen Rechtfertigung, die alles gutheiße, was gegen das Vergessen ankämpfe.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung der Thematik und der drei Autoren sowie Formulierung der zentralen Fragestellung bezüglich der literarischen Aufarbeitung der NS-Kindheit.

2. Biographische Informationen zu den Autoren: Kurzer Rückblick auf die Lebensdaten von Ludwig Harig, Ruth Klüger und Christa Wolf als Grundlage für die literarische Analyse.

3. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in der Literatur: Diskussion über die Darstellbarkeit von NS-Verbrechen und Kritik an der Kommerzialisierung sowie Normalisierung des Holocaust.

4. Das erinnerte Ich, Fiktionalität und Authentizität, Subjektivität und Objektivität: Zentrale Untersuchung über Gattungsfragen, den Wahrheitsgehalt von Autobiographien und den literarischen Umgang mit Erinnerungsmaterial.

5. Wie sind wir so geworden wie wir heute sind?: Resümee der Untersuchung, das die unterschiedlichen Ansätze zur Vergangenheitsbewältigung zusammenführt und die Bedeutung der individuellen Perspektive hervorhebt.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, Autobiographie, Kindheitsmuster, Erinnerung, Fiktionalität, Authentizität, Holocaust, Täterperspektive, Opferperspektive, Mitläufer, NS-Literatur, Vergangenheitsbewältigung, Erzählstruktur, Zeitzeugen, Literaturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Christa Wolf, Ludwig Harig und Ruth Klüger in ihren autobiographischen Werken die eigene Kindheit im Nationalsozialismus verarbeiten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die Auseinandersetzung mit Schuld, die Darstellung des NS-Alltags aus verschiedenen Perspektiven und die methodische Reflexion des Erinnerns.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist zu erforschen, mit welchen literarischen Mitteln die Autoren ihre NS-Vergangenheit reflektieren und wie sie ihre eigene Rolle innerhalb des totalitären Systems bewerten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Primärtexte und Sekundärliteratur vergleicht, um Gattungsfragen und erzähltechnische Konstruktionen zu klären.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert intensiv die Begriffe der Fiktionalität und Authentizität, die Gattungszuordnung der Werke sowie die Erzählstrukturen und den Einsatz von Intertextualität.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Autobiographie, Holocaust, NS-Literatur, Erinnerung, Identitätssuche und die Unterscheidung zwischen faktischem Bericht und romanhafter Erzählung.

Warum spielt die Unterscheidung von Tätern und Opfern eine so große Rolle?

Weil die Werke aus sehr unterschiedlichen persönlichen Ausgangslagen entstanden sind: Klüger als verfolgte Jüdin, Harig und Wolf als Kinder im NS-System, was die jeweilige literarische Aufarbeitung maßgeblich beeinflusst.

Wie unterscheidet sich die Schreibweise von Christa Wolf von der der anderen beiden?

Wolf nutzt eine hochkomplexe, mehrschichtige Erzählstruktur und arbeitet stark mit Identitätsspaltungen, während Harig eher episodenhaft und Klüger stärker faktenbezogen und direkt reflektierend vorgeht.

Ende der Leseprobe aus 83 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus anhand von ausgewählten Biographien
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
2.0
Autor
Kay Mankus (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
83
Katalognummer
V182350
ISBN (eBook)
9783656060000
ISBN (Buch)
9783656060123
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nationalsozialismus Biographien Ludwig Harig Christa Wolf Ruth Klüger Kindheitsmuster Weiter Leben Weiter Leben: Eine Jugend Weh dem der aus der Reihe tanzt Kindheitsbiographie Roman Opferperspektive Täterperspektive Verarbeitungsstrategien Erzählstruktur Intertextualität Fiktionalität Fakten und Fiktion Biographischer Roman Autobiographie Autobiographien
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Kay Mankus (Autor:in), 2011, Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus anhand von ausgewählten Biographien, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/182350
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Leseprobe aus  83  Seiten
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