In der Wissenschaft besteht allgemeine Einstimmigkeit darüber, dass sich Familien- und Beziehungsformen im Wandel befinden (Maihofer / Böhnisch / Wolf 2001, S.8). Es gibt jedoch eine Vielzahl an wissenschaftlichen Arbeiten, die unterschiedliche Teilaspekte des Themengebietes behandeln. Da in einem kurzen Beitrag nicht das umfassende Wissensgebiet dargestellt werden kann, konzentriert sich die vorliegende Arbeit auf folgende Bereiche: die historische Entwicklung der Familie, Erklärungsansätze für den Wandel der Familienformen und bekannte Thesen im Bezug auf die familialen Entwicklungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffliche Grundlagen
3. Entwicklung der Familie
3.1. Die agrarisch-handwerkliche Haushaltsfamilie
3.2. Die bürgerliche Familie
3.3. Die Moderne Kleinfamilie
3.4. Familienformen heute
4. Erklärungsansätze für den Wandel der Familienformen
4.1. Demographische Entwicklung
4.1.1. Entwicklung der Geburtenzahlen
4.1.2. Alterung - steigende Lebenserwartung
4.1.3. Heiratshäufigkeit und Zahl der Scheidungen
4.2. Revolution der Wertestrukturen - Individualisierung
4.2.1. Einfluss auf die Erziehung
4.2.2. Einfluss auf die Familienplanung
4.2.3. Einfluss auf die Familienstruktur
4.3. Wissensgesellschaft: Anforderungen der Arbeitswelt
5. Funktionsverlust der Familie oder Funktionswandel?
6. Pluralisiserung der Lebensformen oder Bedeutungs-verschiebung?
7. Schlussbetrachtung: Krise der Familie?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen und soziologischen Wandel von Familien- und Beziehungsformen. Ziel ist es, die Entwicklung von traditionellen Modellen hin zu modernen, pluralisierten Lebensformen nachzuzeichnen und zu hinterfragen, ob die Familie als Institution tatsächlich in einer Krise steckt oder lediglich einen Funktionswandel durchläuft.
- Historische Entwicklung der Familienformen
- Demographische Faktoren und ihr Einfluss auf die Familienstruktur
- Individualisierungsprozesse und veränderte Wertestrukturen
- Anforderungen der Wissensgesellschaft an das Privatleben
- Diskussion der Thesen zum Funktionsverlust und zur Pluralisierung
Auszug aus dem Buch
3.1. Die agrarisch-handwerkliche Haushaltsfamilie
In der Zeit vor der Industrialisierung gab es eine Vielzahl familialer Lebensformen, die auch heute alle auftreten: Ein-Eltern-Familien, nichteheliche Eltern-Kind-Gemeinschaften, Stiefelternverhältnisse, Kleinfamilien, komplexe Familienverbände und Haushaltstypen, in denen verwandte und nicht verwandte lebten. Allerdings hatten diese Lebensformen im Vergleich zur jetzigen Zeit zumeist eine andere kulturelle Bedeutung. Die Struktur und Funktionsweise der Familie war stark an die Produktionsweise gebunden: Die vorindustrielle Wirtschaft war durch Familienwirtschaft geprägt, wobei die Familien vorrangig Produktionsstätten waren (Peuckert 2005, S. 21).
Zwar gab es vor der Industrialisierung sehr unterschiedliche Familienformen, doch waren diese in der Gesellschaft nicht in gleichem Maße vertreten. Die wichtigste und am weitesten verbreite Familienform war die agrarisch-handwerkliche Haushaltsfamilie (Hettlage 2002, S. 26), die oft auch als „ganzes Haus“ bezeichnet wird, da sie eine Vielzahl gesellschaftlicher Funktionen erfüllte: Produktion, Konsumption, Sozialisation und Alters- und Gesundheitsvorsorge (Peuckert 2005, S. 21). Im Mittelpunkt des Familienlebens stand die Bewirtschaftung des landwirtschaftlichen Hofes. Unter Bedingungen meist schlechter ökonomischer Verhältnisse und materieller Knappheit, stand die Sicherung der Familienexistenz sowie die langfristige Versorgung auch der nächsten Generationen an erster Stelle. Die Verantwortung dafür oblag dem Hausvater, der als Familienvorstand Entscheidungsvorrang hatte und das gesamte Familienleben plante, ordnete und absicherte (Hettlage 2002, S. 24f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der Zielsetzung der Arbeit, die sich auf die historische Entwicklung und Erklärungsansätze für den Wandel der Familie konzentriert.
2. Begriffliche Grundlagen: Erörterung der Schwierigkeit einer eindeutigen Definition des Familienbegriffs in der Wissenschaft.
3. Entwicklung der Familie: Darstellung der historischen Entwicklung vom „ganzen Haus“ über die bürgerliche Familie bis hin zur modernen Kleinfamilie.
4. Erklärungsansätze für den Wandel der Familienformen: Analyse der demographischen Faktoren, der Individualisierung und der Anforderungen der Wissensgesellschaft als Treiber des Wandels.
5. Funktionsverlust der Familie oder Funktionswandel?: Untersuchung der These, dass die Familie Funktionen verliert und sich stattdessen auf neue Aufgaben wie emotionale Zuwendung spezialisiert.
6. Pluralisiserung der Lebensformen oder Bedeutungs-verschiebung?: Kritische Auseinandersetzung mit der These der Pluralisierung der Lebensformen angesichts historischer Kontinuitäten.
7. Schlussbetrachtung: Krise der Familie?: Abschließende Diskussion, die den vermeintlichen Zerfall der Familie als einen fortlaufenden Anpassungsprozess interpretiert.
Schlüsselwörter
Familie, Wandel, Individualisierung, Kleinfamilie, Demographie, Lebensformen, Funktionswandel, Industriegesellschaft, Wissensgesellschaft, Ehe, Wertestrukturen, Erziehung, Familienstruktur, Pluralisierung, Privatheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit behandelt den soziologischen und historischen Wandel von Familien- und Beziehungsformen, insbesondere im Hinblick auf deren Entwicklung in den letzten Jahrzehnten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die historischen Familientypen, demographische Trends, der Einfluss des Wertewandels (Individualisierung) sowie die Auswirkungen der modernen Arbeitswelt auf das Familienleben.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist zu untersuchen, wie sich die Familie über die Zeit verändert hat, und zu klären, ob von einem tatsächlichen Zerfall der Institution oder einem bloßen Wandel von Funktionen und Strukturen gesprochen werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse soziologischer Fachliteratur sowie der Auswertung quantitativer Daten, unter anderem vom Statistischen Bundesamt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Betrachtung der Familientypen, eine detaillierte Untersuchung von Erklärungsansätzen für den Wandel (Demographie, Individualisierung) und eine Diskussion gängiger Thesen zum Funktionsverlust und zur Pluralisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Familie, Wandel, Individualisierung, Funktionswandel, Pluralisierung und Lebensformen.
Wie hat sich die Rolle der Frau laut der Arbeit verändert?
Die Arbeit zeigt auf, dass der Wandel von der Hausfrau zur Berufsfrau und das Streben nach beruflicher Selbstverwirklichung wesentliche Treiber des familialen Wandels sind.
Wird die "Krise der Familie" im Fazit bestätigt?
Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Sichtweise einer Krise begrenzt ist und die Familie ihre Anpassungsfähigkeit durch einen stetigen Funktionswandel bewiesen hat.
- Quote paper
- Maike Siedentopf (Author), 2007, Familienformen im Wandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/182182