Diese Arbeit soll die wirtschaftliche Involvierung des indonesischen Militärs vom Zeitpunkt der Republikgründung bis zum Sturz Suhartos beleuchten. Die Armee in Indonesien übernahm seit ihrem Bestehen auch diverse außermilitärische Aufgaben. Dazu gehörten neben politischen, ideologischen, sozialen und religiösen vor allem auch wirtschaftliche Belange. Diese Arbeit konzentriert sich dabei in erster Linie auf den Zeitraum vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Rücktritt Suhartos, da sich der Aufstieg und Fall der so genannten „Wirtschaftsoffiziere“ weitgehend auf diesen Zeitrahmen eingrenzen lässt.
Zunächst stelle ich die Entstehung des Militärs und die daraus resultierende ideologische Grundlage für die sozio-politischen Ambitionen des Militärs dar. Unter diese sozio-politischen Ambitionen fallen auch die wirtschaftlichen Tätigkeiten der Armee. Die Rahmenbedingungen, die zur Formation der indonesischen Streitkräfte nach dem Zweiten Weltkrieg geführt haben, sind maßgebend, um die Motivation der Armee in der Folge auch außermilitärische Aufgaben wahrzunehmen, verstehen zu können.
In den zwei darauf folgenden Kapiteln stelle ich die Entwicklung der ökonomischen Aktivitäten des Militärs während der Orde Lama unter Sukarno und während der Orde Baru unter Suharto dar.
Abschließend gebe ich an Hand der Fallbeispiele Pertamina und Bulog einen konkreten Einblick in die Verwicklung des Militärs in die Wirtschaft. Durch diese Beispiele werden auch die Beweggründe der Offiziere und oftmals daraus resultierenden Konsequenzen solch einer Verwicklung verdeutlicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entstehung des indonesischen Militärs
2.1. Der Unabhängigkeitskampf
2.2. Die Dwifungsi-Doktrin als ideologische Grundlage
2.3. Der Weg zur sozio-politischen Vorherrschaft
3. Das Militär auf dem Weg zur wirtschaftlichen Vorherrschaft – Die Orde Lama
3.1. Politische Rahmenbedingungen
3.2. Wirtschaftliche Akteure
3.3. Selbstständige Budgetallokation als Notlösung
3.4. Militärangehörige als staatliche Geldverwalter
3.5. Das Kriegsrecht als Türöffner für den formellen Wirtschaftssektor
3.6. Die Volkswirtschaftliche Situation am Ende der Orde Lama
4. Das Militär als wichtigster wirtschaftlicher Akteur – Die Orde Baru
4.1. Politische Rahmenbedingungen
4.2. Wirtschaftliche Akteure
4.3. Die Finanzierung der Streitkräfte außerhalb des Haushaltes
4.4. Ausländisches Kapital als Arbeitsplatzvernichter
4.5. Suhartos Bruch mit dem Militär
4.6. Schwankende Ölpreise und wirtschaftliche Reformen in den 1980ern
4.7. Der Weg in die Asienkrise und die Konsequenzen
5. Fallstudien
5.1. Pertamina
5.2. Bulog
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die ökonomische Involvierung des indonesischen Militärs von der Gründung der Republik bis zum Ende der Ära Suharto. Im Zentrum steht die Frage, welche politischen Rahmenbedingungen und ideologischen Grundlagen – insbesondere die Dwifungsi-Doktrin – es dem Militär ermöglichten, eine dominante wirtschaftliche Rolle einzunehmen und welche Faktoren letztlich zum Zusammenbruch dieses Systems und dem Abstieg der sogenannten „Wirtschaftsoffiziere“ führten.
- Historische Genese und ideologische Verankerung des Militärs
- Transformation des Militärs vom Sicherheitsorgan zum wirtschaftlichen Akteur
- Rolle staatlicher Konzerne (Pertamina, Bulog) als Finanzierungsinstrumente
- Konflikt zwischen Technokraten und wirtschaftlichen Nationalisten
- Auswirkungen der asiatischen Finanzkrise als Katalysator für den Regimewechsel
Auszug aus dem Buch
3.3. Selbstständige Budgetallokation als Notlösung
Bereits Anfang der 1950er Jahre waren einige Offiziere in kleinere Unternehmungen im wirtschaftlichen Sektor involviert. Dieser Trend verstärkte sich nun insbesondere auf den Außeninseln fernab der Kontrolle der Zentralregierung. Die ursprüngliche Motivation für wirtschaftliche Tätigkeiten von Armeeangehörigen leitete sich aus der Notwendigkeit ab, ihr Budget aufzustocken, um die Einheiten funktionsfähig zu halten und die Loyalität der Soldaten gegenüber ihren Kommandeuren zu gewährleisten. Die Regierung war zu dieser Zeit nicht im Ansatz dazu in der Lage, der Armee ausreichend Finanzmittel zur Verfügung zu stellen. Anfangs beschränkten sich solche Tätigkeiten in exportorientierten Gebieten wie Nord-Sumatra oder Nord-Sulawesi hauptsächlich auf Schmuggel. In anderen Regionen wurden Abmachungen mit häufig chinesisch stämmigen Geschäftsleuten getroffen, welche sich der Unterstützung der lokalen Militäreinheit vergewissern wollten, um eine gewisse Geschäftssicherheit erzielen zu können. Durch die Verhängung landesweiten Kriegsrechts weitete sich die Rolle des Militärs innerhalb der Wirtschaft dramatisch aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage zur wirtschaftlichen Involvierung des indonesischen Militärs vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Sturz Suhartos.
2. Die Entstehung des indonesischen Militärs: Analyse der Ursprünge der Streitkräfte im Unabhängigkeitskampf und der Entwicklung der Dwifungsi-Doktrin als sozio-politische Basis.
3. Das Militär auf dem Weg zur wirtschaftlichen Vorherrschaft – Die Orde Lama: Darstellung der frühen ökonomischen Aktivitäten unter Sukarno, begünstigt durch das Kriegsrecht.
4. Das Militär als wichtigster wirtschaftlicher Akteur – Die Orde Baru: Untersuchung der Institutionalisierung der militärischen Wirtschaftsmacht und des Verhältnisses zu Technokraten und Suhartos Günstlingen.
5. Fallstudien: Konkrete Analyse der staatlichen Institutionen Pertamina und Bulog als zentrale Instrumente der militärischen Finanzierung.
6. Schluss: Zusammenfassende Bewertung der Entwicklung vom Aufstieg bis zum Zusammenbruch der wirtschaftlichen Vormachtstellung des Militärs durch die Asienkrise.
Schlüsselwörter
Indonesien, Militär, Wirtschaftsoffiziere, Dwifungsi, Suharto, Orde Baru, Orde Lama, Pertamina, Bulog, Korruption, Technokraten, Asienkrise, Patronage, Staatsbetriebe, Militärökonomie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung der wirtschaftlichen Beteiligung des indonesischen Militärs, von den Anfängen als Notlösung während der Republikgründung bis hin zu dessen systematischer Ausdehnung und Dominanz unter dem Suharto-Regime.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die ideologische Begründung der Militärrolle durch die Dwifungsi-Doktrin, die Nutzung staatlicher Unternehmen zur Budgetallokation außerhalb des Haushaltes und das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Entwicklung und systemischer Korruption.
Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es zu verstehen, wie und warum sich das Militär eine wirtschaftliche Vormachtstellung erarbeitete, welche Rahmenbedingungen dies begünstigten und warum die Asienkrise 1997 den entscheidenden Auslöser für den Zusammenbruch dieses Systems darstellte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Untersuchung verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-politologische Analyse, die auf einer fundierten Literaturrecherche und der Auswertung von Fallbeispielen basiert, um die sozio-politische Dynamik Indonesiens in dem gewählten Zeitraum zu erklären.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die zwei Ären Orde Lama und Orde Baru, wobei der Fokus auf dem Wechselspiel zwischen politischer Machtkonsolidierung, der Rolle von Technokraten gegenüber wirtschaftlichen Nationalisten und den konkreten Geschäftsaktivitäten des Militärs liegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie indonesisches Militär, Dwifungsi-Doktrin, Suharto-Regime, Pertamina, Korruption und wirtschaftliche Transformation charakterisieren.
Welche Rolle spielte der Ölkonzern Pertamina innerhalb des Systems?
Pertamina fungierte als eine der wichtigsten Geldquellen des Militärs, die unter dem Deckmantel der strategischen Bedeutung weitgehend unabhängig von staatlicher Kontrolle operierte und maßgeblich zur Finanzierung von Militärausgaben außerhalb des offiziellen Staatshaushaltes beitrug.
Warum wird die Asienkrise als entscheidender Grund für den Regimewechsel genannt?
Der Autor argumentiert, dass die Krise die ultimative Legitimationsgrundlage des Regimes – den wirtschaftlichen Fortschritt – vernichtete und Suharto, dessen System auf Patronage beruhte, in der Krisensituation jeglichen Handlungsspielraum entzog.
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- M.A. Gregor Sahler (Author), 2008, Die Verwicklung des indonesischen Militärs in die Wirtschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/181810