„Am Anfang war das Wort.“ Schon die Bibel macht deutlich, welche Wichtigkeit Sprache für die Menschen hat. Daher ist der Bereich der Wortschatzarbeit an deutschen Schulen von großer Bedeutung. In der vorliegenden Arbeit geht es darum, Wortschatzarbeit im Kontext von Schule und Didaktik zu behandeln. Geschichtlich gesehen stellten sich Wissenschaftler immer wieder die Frage: „Was ist wichtiger, Grammatik oder Wortschatz?“ Zumeist wurde diese Frage mit „Grammatik“ beantwortet, doch in den 1980er Jahren kam es zu einer „Wortschatzwende“, die eine größere Wertschätzung der Wortschatzarbeit im Fremdsprachenunterricht beschrieb. In der heutigen Didaktik ist man sich jedoch sicher, dass Semantik und Syntaktik, also Wortbedeutung und grammatikalische Strukturen, miteinander verbunden sind und Wortschatzarbeit daher einen zentralen Platz in der menschlichen Sprach- und Kommunikationsfähigkeit einnehmen. Ihr Stellenwert heute zeigt sich in einer eigenständigen Forschungsrichtung, der „Lexikologie“. Es gibt eine Vielzahl von Werken, die sich mit diesem Bereich beschäftigen. Diese Arbeit bezieht sich im Wesentlichen auf folgende Werke:
Bohn, Probleme der Wortschatzarbeit, 1999
Detering, Wortschatz und Wortschatzvermittlung, 2000
Löschmann, Effiziente Wortschatzarbeit - Alte und neue Wege, 1993
Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, 2002
Ulrich, Wörter, Wörter, Wörter – Wortschatzarbeit im muttersprachlichen Deutschunterricht, 2007
Kernlehrplan für die Realschule in Nordrhein-Westfalen, Englisch und Deutsch, 2004
Folgende Sprachregelungen bzw. Abkürzungen werden in der Arbeit verwendet: EU für Englischunterricht, DU für Deutschunterricht, WS für Wortschatz, WSA für Wortschatzarbeit, KLP für Kernlehrplan und Schüler für Schüler und Schülerinnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärungen „Wort“ und „Wortschatz“
3. Wortschatzarbeit
3.1. allgemeine Ziele
3.2. Probleme der Wortschatzarbeit / Wortschatzdefizite
4. Wortschatzarbeit in der Schule
4.1. Wortschatzarbeit – Allgemeines
4.2. Stellenwert im Englischunterricht
4.3. Stellenwert im Deutschunterricht
4.4. Prinzipien der WSA des Englischunterrichts
4.5. Übertragung der Prinzipien aus dem Englisch- auf den Deutschunterricht
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung, Didaktik und Methodik der Wortschatzarbeit im schulischen Kontext, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Vergleich und der Übertragbarkeit von Prinzipien zwischen dem Englisch- und dem Deutschunterricht liegt.
- Grundlegende Begriffsdefinitionen von Wort und Wortschatz
- Ziele und Herausforderungen der Wortschatzarbeit
- Stellenwert und methodische Umsetzung im Englischunterricht
- Vergleich der Wortschatzarbeit im Deutsch- und Englischunterricht
- Transfermöglichkeiten fremdsprachendidaktischer Prinzipien auf den Deutschunterricht
Auszug aus dem Buch
4. Wortschatzarbeit in der Schule
Wie erreichen wir, dass das „mentale Lexikon“ besonders umfangreich wird? Man unterscheidet explizites und inzidentelles, also beiläufiges Wortschatzlernen. Auch wenn die unsystematische WSA als eine Fortsetzung des natürlichen Spracherwerbs notwendig ist, muss die WSA in der Schule systematisch erfolgen, damit der WS der Schüler gezielt gefördert werden kann. Nach Detering geschieht systematische Wortschatzarbeit nach semantischen und morphologischen Gesichtspunkten, sie stellt benachbarte Lexeme in Gruppen zusammen und untersucht die Bedeutung dieser neuen Wörter. Beispiele hierfür sind Vokabellisten nach Themen (Bsp.: Tiere) oder nach strukturellen Merkmalen (Bsp.: alle Wörter mit dem Präfix ent-).
Da die Semantik die wesentliche Seite der WSA ist, wird „Wortschatzerwerb“ oft mit „Bedeutungserwerb“ gleichgesetzt. (Bsp.: auf der Straße spielen – to play in the street → der Inhalt muss hier verstärkt beachtet werden, denn die Präpositionen sind in der Übersetzung nicht gleich.) Jedoch sollte nicht nur auf die Inhaltsseite von Wörtern, sondern auf ihre „Mehrdimensionalität“ geachtet werden. (Löschmann, Effiziente Wortschatzarbeit - Alte und neue Wege, 1993) Bohn sagt hier, dass Wörter „falsch gelernt werden, wenn sie als Einzelwort, also ohne Zusammenhang, gelernt werden wie etwa beim Auswendiglernen von Vokabeln. Alles, was Beziehungen zwischen Wörtern herstellen kann, fördert das Speichern. Die Tatsache, dass Wörter immer in Beziehungen stehen, ist eine entscheidende Begründung für die Forderung, den Unterricht möglichst textbezogen zu organisieren.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die historische Relevanz der Wortschatzarbeit im schulischen Kontext und skizziert die methodische Grundlage sowie die verwendeten fachwissenschaftlichen Quellen der Arbeit.
2. Begriffserklärungen „Wort“ und „Wortschatz“: In diesem Kapitel werden zentrale Definitionen erarbeitet, wobei zwischen dem Wort als kleinster Bedeutungseinheit und dem mentalen Lexikon als Speicherstruktur des Wortschatzes unterschieden wird.
3. Wortschatzarbeit: Es werden die allgemeinen Ziele der Wortschatzarbeit definiert sowie typische Probleme und Defizite analysiert, die beim Erwerb lexikalischer Einheiten auftreten können.
4. Wortschatzarbeit in der Schule: Das Kapitel bietet eine detaillierte Analyse der schulischen Wortschatzarbeit, vergleicht den Stellenwert im Englisch- und Deutschunterricht und leitet Prinzipien für einen effektiven Transfer zwischen den Disziplinen ab.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer variierten, systematischen und mehrdimensionalen Wortschatzarbeit, insbesondere für Kinder mit Migrationshintergrund im Deutschunterricht.
Schlüsselwörter
Wortschatzarbeit, Mentales Lexikon, Fremdsprachenunterricht, Wortbildungskompetenz, Lexeme, Semantik, Mehrdimensionalität, Sprachdidaktik, Englischunterricht, Deutschunterricht, Unterrichtsprinzipien, Lernstrategien, Wortschatzerwerb, Kontext, Migration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung der Wortschatzarbeit im schulischen Unterricht und untersucht, wie Schüler ihren Wortschatz systematisch erweitern und vertiefen können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Kernbereichen gehören das mentale Lexikon, der Unterschied zwischen rezeptivem und produktivem Wortschatz, sowie die methodische Gestaltung des Unterrichts im Englischen und Deutschen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, effektive Methoden zur Wortschatzarbeit aufzuzeigen und zu prüfen, wie bewährte Prinzipien aus dem Fremdsprachenunterricht gewinnbringend auf den Deutschunterricht übertragen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine fachdidaktische Literaturanalyse, die sich auf renommierte Werke der Lexikologie und Fremdsprachendidaktik stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil analysiert die konkrete Umsetzung der Wortschatzarbeit in der Schule, beleuchtet spezifische Probleme beim Vokabelerwerb und vergleicht die Anforderungen der Lehrpläne für Englisch und Deutsch.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Wortschatzarbeit, mentales Lexikon, Semantisierung, Wortbildungskompetenz und die Unterscheidung in rezeptiven sowie produktiven Wortschatz.
Warum ist die Wortschatzarbeit im Deutschunterricht für Kinder mit Migrationshintergrund besonders relevant?
Für diese Lernenden stellt Deutsch eine Fremdsprache dar, weshalb sie von den systematischen, kontrastiven und methodisch vielfältigen Ansätzen des Englischunterrichts profitieren können, um ihren Sprachschatz gezielter aufzubauen.
Welche Rolle spielt die „Mehrdimensionalität“ beim Wortschatzlernen?
Die Mehrdimensionalität betont, dass Wörter nicht isoliert gelernt werden sollten, sondern in semantische, phonologische und morphologische Netze eingebunden werden müssen, um eine dauerhafte Speicherung und schnelle Abrufbarkeit zu garantieren.
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- Katrin Rippl (Author), 2010, Prinzipien der Wortschatzarbeit des Fremdsprachen- und Fachunterrichts, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/181745