In seinen Ausführungen zur Physik behandelt Aristoteles unter anderem den Zufall und die Fügung. Zwei Begriffe, die es zu definieren und zu unterscheiden gilt. Mit seinen Untersuchungen will Aristoteles verdeutlichen welche Ursachen diese Ereignisse aufweisen und wie sie zu verstehen sind. Es gilt zu erläutern was sich fügt und was als Zufall zu bezeichnen ist.
In welchem Verhältnis beides zueinander steht hat der Autor durchdacht dargebracht und in der Philosophie des Aristoteles finden sich Sichtweisen, die man so vielleicht noch gar nicht wahrgenommen hat.
Diese Arbeit wird sich mit den Argumenten und Theorien zum Zufall und zur Fügung bei Aristoteles befassen, wobei natürlich auch eigene Denkansätze mit einfließen werden.
Es soll aufgezeigt werden wie Aristoteles Fügung und Zufall darlegt, wie er sie versteht und welchen Unterschied es zwischen ihnen zu sehen gibt.
Allerdings werden auch einige Punkte in seinen Ausführungen kritisch betrachtet werden, weil schließlich nicht alles immer vollste Zustimmung finden kann, da jeder Mensch die Welt sowie diverse Geschehen anders betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fügung und Zufall
2.1 Über den Unterschied von Zufall und Fügung
2.2 Über Zufalls- und Naturereignis
2.3 Kritische Betrachtung zu Aristoteles' Ausführungen zu jenem, was nicht in der Lage ist etwas aus Fügung zu tun
3. Schluss
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit den aristotelischen Begriffen Zufall und Fügung aus dem Werk "Physik" auseinander, um deren Definitionen, Ursachen und gegenseitige Abgrenzung zu untersuchen und zu hinterfragen.
- Analyse des aristotelischen Verständnisses von Zufall und Fügung.
- Untersuchung der Ursachenzuschreibung bei verschiedenen Ereignisarten.
- Kritische Reflexion der Ausschlusskriterien für Fügung (z. B. bei Tieren und Kindern).
- Gegenüberstellung von Naturereignissen und zufälligen Ereignissen.
- Erörterung der philosophischen und teils theologischen Implikationen dieser Konzepte.
Auszug aus dem Buch
2.3 Kritische Betrachtung zu Aristoteles' Ausführungen zu jenem, was nicht in der Lage ist etwas aus Fügung zu tun
„Alles, was nicht handeln kann, kann auch nicht etwas aus Fügung tun. Deswegen tut nichts Unbelebtes, kein Tier und auch kein kleines Kind etwas aus Fügung, weil sie alle freien Willen zur Entscheidung nämlich nicht haben; auch »Glückhaben« oder »Pechhaben« trifft auf sie nicht zu […].“
Warum hat ein kleines Kind nicht den freien Willen der Entscheidung? Angenommen, ein Kind weigert sich eine Banane zu essen, weil es allein den Geruch schon nicht ausstehen kann. Was niemand weiß, das Kind ist allergisch gegen diese Frucht und würde sich vergiften, wenn es diese isst. Ist es dann keine Fügung, dass das Kind etwas, was für es schädlich ist ablehnt, dies aber nicht tut, weil es weiß, dass es sich vergiften würde, sondern aus dem Motiv heraus, dass es die Banane einfach nicht leiden kann?
Aristoteles spricht davon, dass Fügung als etwas auftritt, was man mit der ursprünglichen Handlung eigentlich nicht im Sinn hatte, was sich dann aber später im positiven Sinne ergibt: „Die Fügung verleiht der Handlung (dem Verhalten) einen zusätzlichen, mit dem Zweck der Handlung nicht gegebenen Erfolg.“ Die Essensverweigerung (Handlung/Verhalten) des Kindes hatte also den Zweck sich etwas Ungewolltem zu entziehen und die Fügung verleiht diesem Verhalten den zusätzlichen Erfolg, nämlich, dass das Kind am Ende nicht einer allergischen Reaktion erliegen muss.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die aristotelische Behandlung von Zufall und Fügung ein und erläutert das Ziel der Arbeit, diese Begriffe zu definieren, zu unterscheiden und kritisch zu hinterfragen.
2. Fügung und Zufall: Dieses Kapitel expliziert die aristotelische Exposition der beiden Begriffe als nebensächliche Ursachen und analysiert den Unterschied zwischen absichtlichem Handeln und dem sich fügenden Ereignis.
2.1 Über den Unterschied von Zufall und Fügung: Hier wird dargelegt, dass sich der Zufall über einen weiteren Bereich erstreckt als die Fügung, da Letztere einen freien Willen zur Entscheidung voraussetzt.
2.2 Über Zufalls- und Naturereignis: Das Kapitel differenziert zwischen dem Naturereignis, das seine Ursache in sich selbst trägt, und dem Zufallsereignis, dessen Ursache außerhalb liegt.
2.3 Kritische Betrachtung zu Aristoteles' Ausführungen zu jenem, was nicht in der Lage ist etwas aus Fügung zu tun: Eine kritische Auseinandersetzung mit der aristotelischen These, dass Tiere, Unbelebtes und kleine Kinder aufgrund fehlenden freien Willens nicht aus Fügung handeln können.
3. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen, würdigt die aristotelischen Argumente und regt zu einer weiteren, über die reine Logik hinausgehenden philosophischen Betrachtung an.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Physik, Zufall, Fügung, Schicksal, Ursache, Handeln, freier Wille, Naturereignis, Instinkt, Entscheidung, Philosophie, Logik, Vorbestimmung, Ethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht und hinterfragt die aristotelische Definition und Abgrenzung der Begriffe Zufall und Fügung innerhalb seiner Physik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Ursachenlehre, die Rolle des freien Willens bei Aristoteles sowie die Differenzierung zwischen natürlichen, zufälligen und gefügten Ereignissen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Aristoteles Zufall und Fügung versteht, welche Unterscheidungen er trifft und wo seine Argumentation aus Sicht des Autors einer kritischen Hinterfragung bedarf.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die hermeneutische Textanalyse, um die originalen Ausführungen Aristoteles' zu interpretieren, zu erläutern und anschließend kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Fügung und Zufall, der Abgrenzung zu Naturereignissen sowie der kritischen Diskussion über die Fähigkeiten von Lebewesen ohne freien Willen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Aristoteles, Zufall, Fügung, freier Wille, Ursache, Entscheidung und Naturphilosophie beschreiben.
Wie definiert Aristoteles Fügung im Gegensatz zum Zufall?
Aristoteles sieht die Fügung als eine Ursache im nebensächlichen Sinn, bei der sich aus einer beabsichtigten Handlung ein unvorhergesehenes, aber glückliches Ergebnis ergibt, während der Zufall einen weiteren Bereich umfasst.
Warum kritisiert der Autor Aristoteles bezüglich der kleinen Kinder?
Der Autor kritisiert, dass Aristoteles kleinen Kindern die Fähigkeit abspricht, aus Fügung zu handeln, da er ihnen den freien Willen zur Entscheidung verweigert, obwohl sie menschliche Wesen sind.
Welche Rolle spielt der Instinkt bei der Diskussion um Tiere?
Der Autor hinterfragt, ob instinktives Verhalten bei Tieren, das vor Unglück schützt, zwangsläufig Zufall sein muss, oder ob es eine Form der Naturgemäßheit darstellt, die den Zufall nachordnet.
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- Annika Süß (Author), 2011, Aristoteles' Physik - Über Zufall und Fügung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/181713