In dieser Arbeit will ich ausgewählte Kapitel des Werkes "Der leere Raum" von Peter Brook genauer betrachten, analysieren und Schlüsse daraus ziehen, in welcher Form man diese theoretischen Ansätze praktisch anwenden kann und wo sie beobachtbar werden.
Sind Brooks Anschauungen 40 Jahre später im selben Maße wie damals präsent? Kann man aus den aufgestellten Kategorien Bezüge zu Körperkonzepte und Schauspielpraktika heraus lesen und welche sind seine Favoriten? Des Weiteren werde ich auch einen Kapitel Brooks in Verbindung mit der Commedia dell’Arte betrachten. Hier wird sich dann die Frage nach dem Gender stellen.
Diese und noch weitere Fragen werden hier behandelt und diskutiert mit Bezugnahme auf sekundär Literatur wie Graham Ley, Hecker, Hulfeld oder Knowles um der Thematik eine gewisse Bandbreite zu verschaffen und objektive Einblicke in Brooks Werk zu erlangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Heilige im Theater
3. Sicht des Unsichtbaren
3.1. Der Weg zum Happening
4. Die heiligen drei Theaterleute
5. Das derbe Theater
5.1. Was ist das derbe Theater?
5.2. Gender - Rolle der Frau als Schauspielerin im derben Theater
5.3. Schauspieltechnik/Schauspieltheorie?
6. Vom unmittelbaren Theater als Notwendigkeit der Gesellschaft
7. Vom vollendetet Entwurf zum beweglichen Bühnenbild
8. Von der Rolle des Regisseur
8.1. Von den Methoden der Regie
9. Vom Schauspieler als Kapital
9.1. Vom Schauspieler als Material
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht ausgewählte Kapitel aus Peter Brooks Werk "Der leere Raum", um dessen theoretische Ansätze kritisch zu analysieren und deren praktische Anwendbarkeit sowie Relevanz im zeitgenössischen Theater zu hinterfragen.
- Die Definition und Kategorisierung des "heiligen Theaters".
- Die Untersuchung des "derben Theaters" im historischen Kontext der Commedia dell'Arte.
- Die Rolle der Frau als Schauspielerin und ihr Einfluss auf die Truppenstruktur.
- Die Analyse der Regiemethoden und des Schauspielerbegriffs nach Peter Brook.
- Die kritische Auseinandersetzung mit dem Konzept des "Theaters als Notwendigkeit".
Auszug aus dem Buch
3. Sicht des Unsichtbaren
Sehr interessant ist sein Beispiel welches den Versuch von ernsten Künstlern beschreibt, eine neue Kathedrale in Coventry zu bauen. Sie wurde mit modernsten Materialien konzipiert und wunderschön ausgeführt, doch blieb eines auf der Strecke: die Authentizität. Dieses neue Gebäude verlangte neue Zeremonien, die der alten Kirche erschienen einfach unangebracht, herabgesetzt. Brook meint hier treffend: “die äußere Form kann nur dann echte Autorität beanspruchen, wenn das Zeremoniell gleiche Autorität besitzt“. Eben dieser unsichtbare Konflikt stellt das Problem des heutigen Theaters dar; Eine neue Bühnenästhetik verlangt neues Spielen. Alte Stücke müssen neu gedeutet werden, neue Rituale entdeckt werden um das sichtbar gemachte unsichtbare Theater vollends zu entfalten. Dem Theaterregisseur muss es ein Anliegen sein, weit weg von Routine seine Arbeit anzusetzen, den Hang zur Nachahmung abzustreifen und vor dem Heiligen nicht zurückzuschrecken nur weil es unbekannt ist. Hier gewinnt seine Analyse durchaus etwas von einer Diagnose eines Krankheitsbildes, Ley schreibt sogar Brook sei der metaphorische Doktor, der Leben und Sterben des Theaters determiniert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen ab, in dem zentrale Thesen Brooks analysiert und auf ihre heutige Gültigkeit sowie praktische Anwendbarkeit hin geprüft werden sollen.
2. Das Heilige im Theater: Dieses Kapitel definiert das "heilige Theater" als "sichtbar gemachtes unsichtbares Theater" und grenzt es vom kommerzialisierten "tödlichen Theater" ab.
3. Sicht des Unsichtbaren: Hier wird die Notwendigkeit diskutiert, neue Zeremonien und Spielweisen für veränderte Bühnenästhetiken zu finden, um Authentizität zu bewahren.
4. Die heiligen drei Theaterleute: Es wird die Verbindung zwischen Spontanität, Ordnung und sakraler Wirkung bei Künstlern wie Cunningham, Beckett und Grotowski untersucht.
5. Das derbe Theater: Dieses Kapitel widmet sich dem volkstümlichen Theater, seiner Historie, der gesellschaftlichen Rolle und den spezifischen Herausforderungen durch die Kirche.
6. Vom unmittelbaren Theater als Notwendigkeit der Gesellschaft: Brook manifestiert hier das Theater als einen Ort der direkten Kommunikation und Begegnung zwischen Schauspieler und Publikum.
7. Vom vollendetet Entwurf zum beweglichen Bühnenbild: Das Kapitel betont die Bedeutung von Flexibilität und Wachstumsprozessen bei der Gestaltung von Bühnenbildern.
8. Von der Rolle des Regisseur: Es wird die Verantwortung des Regisseurs thematisiert, das Vertrauen der Gruppe zu gewinnen und Entwicklungsprozesse durch gezielte Führung zu ermöglichen.
9. Vom Schauspieler als Kapital: Der Fokus liegt auf der ständigen Weiterentwicklung des Schauspielers, der sich nicht hinter Konventionen verstecken darf und als kreatives Individuum gefordert ist.
Schlüsselwörter
Peter Brook, Der leere Raum, Heiliges Theater, Derbes Theater, Regie, Schauspieltechnik, Improvisation, Commedia dell'Arte, Theaterästhetik, Publikum, Authentizität, Bühnenbild, Schauspieler, Theatrum mundi, Inszenierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit im Kern?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit theoretischen Ansätzen aus Peter Brooks Werk "Der leere Raum" auseinander und reflektiert deren Relevanz für das zeitgenössische Theater.
Welche zentralen Theaterformen nach Brook werden behandelt?
Die Arbeit konzentriert sich schwerpunktmäßig auf die Konzepte des "heiligen Theaters" und des "derben Theaters".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Brooks Kategorien auf ihre heutige Präsenz zu prüfen und Bezüge zu aktuellen Körperkonzepten und Schauspielpraktiken herzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse unter Einbeziehung von Sekundärliteratur (u.a. von Graham Ley, Stefan Hulfeld und Richard Paul Knowles), um das Werk Brooks einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil analysiert Brooks Thesen zu Regiestilen, der Rolle des Bühnenbilds, der Arbeit mit Schauspielern und dem Konzept des Theaters als soziale Notwendigkeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem "Heiliges Theater", "Derbes Theater", "Improvisation", "Regie", "Schauspieler als Kapital" und "Theatrum mundi".
Welche historische Rolle spielt die Kirche für das "derbe Theater"?
Die katholische Kirche fungierte als Erzfeind des derben Theaters, da sie das Spiel der Schauspieler als unsittlich und das Auftreten von Frauen als Gefahr für das Seelenheil verurteilte.
Warum spielt die Schauspielerin im derben Theater eine besondere Rolle?
Schauspielerinnen brachten Raffinesse und Poesie in die Truppen ein und genossen innerhalb dieser ein hohes Prestige, obwohl sie gesellschaftlich und kirchlich stark angefeindet wurden.
- Quote paper
- Ily Butz (Author), 2011, Das Heilige im Theater und das derbe Theater in Peter Brooks "Der leere Raum", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/181302