Der Katechismus der Katholischen Kirche macht die Einstellung zu Homosexualität deutlich: Zwar haben homosexuelle Männer und Frauen „diese Veranlagung nicht selbst gewählt“, doch sind diese Menschen „zur Keuschheit“ berufen, um sich „entschieden der christlichen Vollkommenheit an¬(zu)¬nähern.“ Auch die Verlautbarung des Apostolischen Stuhls „Erwä-gun¬gen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen“ erklärt, dass Homosexualität mittlerweile zwar gebilligt wird, aber nur unter der Prämisse, dass homo¬sexuelle Partnerschaften nicht mit Ehe und Familie gleichgestellt werden. Die Kongregation für die Glaubenslehre erklärt, dass die Ehe nicht nur eine „beliebige Gemeinschaft von menschlichen Personen“ ist, sondern eine Vorrangstellung innerhalb der Schöpfungsordnung einnimmt. Diese Exklusivität zeigt sich auch in der Würde des Ehesakraments. Homosexuelle Beziehungen dagegen würden „gegen das natürliche Sittengesetz verstoßen.“ Begründet wird dieser Verstoß durch die fehlende Möglichkeit der Fort¬pflanzung, die der eigentliche Zweck von sexuellen Handlungen sei.
Inhaltsverzeichnis
1 Die Haltung der katholischen Kirche zu Homosexualität
2 Stellungnahmen in aktueller Literatur
2.1 Gemeinsame Tendenzen
2.2 Homosexualität aus Sicht von Klaus Arntz
2.3 Josef Spindelböcks „Moralhistorische Anmerkungen“
2.4 Vergleich beider Abhandlungen
3 Der Artikel „Homosexualität“ im Lexikon für Theologie und Kirche
3.1 Die Entwicklung des Artikels in ersten beiden Auflagen
3.2 Der Artikel „Homosexualität“ (2006)
4 Der besondere Beitrag von Martin Steinhäuser
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht aktuelle theologische und ethische Positionen zur Bewertung von Homosexualität. Ziel ist es, anhand ausgewählter Lehrtexte sowie der Entwicklung des Artikels „Homosexualität“ im Lexikon für Theologie und Kirche (LThK) aufzuzeigen, welche Tendenzen in der zeitgenössischen Diskussion erkennbar sind und inwieweit diese von traditionellen lehramtlichen Aussagen abweichen.
- Analyse aktueller sexualmoralischer Diskurse in der Theologie.
- Vergleich der Positionen von Klaus Arntz und Josef Spindelböck.
- Diachrone Untersuchung der Lexikonartikel zur Homosexualität (LThK).
- Erörterung erfahrungstheoretischer Ansätze nach Martin Steinhäuser.
- Reflexion des pastoralen Umgangs mit Homosexualität in der Kirche.
Auszug aus dem Buch
2.1 Gemeinsame Tendenzen
In nahezu allen untersuchten Texten, von denen die beiden genannten lediglich beispielhaft vorgestellt werden, wird ein ähnliches wissenschaftlich fundiertes Schema deutlich: Es findet sich eine mehr oder wenig explizite Definition des Begriffs „Homosexualität“, gelegentlich wird zusätzlich das Problem aufgezeigt, das die Konstruktion des Homosexualitätsbegriffs nach sich zieht. Meist folgt eine Ausführung über ältere und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse über die Entstehung von Homosexualität. Ein zentrales Element in allen theologisch-ethischen Texten ist die Beschäftigung mit biblischen Aussagen über Homosexualität, wobei sich die Texte allerdings in der Wertung und im Umgang mit den Bibelstellen – größtenteils wird der Apostel Paulus in Röm 1,24-32; 1 Kor 6,9-10 und 1 Tim 1,8-11 zitiert – unterscheiden. In der theologisch-ethischen Reflexion fällt auf, dass eine Menge offener Fragen bleiben, deren Klärung ausbleibt.
Viele der untersuchten Texte bewegen sich von den bekannten lehramtlichen Aussagen zu Homosexualität weg. Gerade die Forderung des Lehramts, ein Leben in Keuschheit zu führen, um homosexuelle Triebe zu unterdrücken, stößt in der theologisch-ethischen Reflexion auf Kritik. Die vorliegenden Texte stellen hier zwar selten Lösungen vor, öffnen sich aber anderen drängenden Fragen moderner homosexueller Lebenswelten, wie zum Beispiel die Frage nach einer angemessenen Pastoral.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Haltung der katholischen Kirche zu Homosexualität: Dieses Kapitel skizziert die lehramtliche Position, die Homosexualität als Verstoß gegen das natürliche Sittengesetz betrachtet, und führt in die Fragestellung der Arbeit ein.
2 Stellungnahmen in aktueller Literatur: Das Kapitel vergleicht die theologischen Ansätze von Klaus Arntz und Josef Spindelböck hinsichtlich ihrer Bewertung von Homosexualität und ihrer methodischen Herangehensweise.
3 Der Artikel „Homosexualität“ im Lexikon für Theologie und Kirche: Hier wird die inhaltliche und stilistische Entwicklung des Begriffs „Homosexualität“ über die drei Auflagen des Lexikons hinweg analysiert.
4 Der besondere Beitrag von Martin Steinhäuser: Das Kapitel widmet sich dem spezifischen Ansatz Steinhäusers, der Homosexualität aus einer schöpfungstheologischen und erfahrungstheoretischen Perspektive neu bewertet.
Schlüsselwörter
Homosexualität, Katholische Kirche, Sexualmoral, Lehramt, Theologische Ethik, Lexikon für Theologie und Kirche, Schöpfungstheologie, Pastoral, Biblische Exegese, Diskriminierung, Identität, Entpathologisierung, Eheverständnis, christliches Leben, Moraltheologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, wie sich die theologische und kirchliche Bewertung von Homosexualität in aktuellen Publikationen und Lexikonbeiträgen darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die Diskrepanz zwischen kirchlicher Lehre und theologischer Ethik, der Einfluss biblischer Texte sowie die historische Entwicklung des Homosexualitätsbegriffs.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, die aktuellen Tendenzen in der theologischen Diskussion zu erfassen und aufzuzeigen, wie differenziert heute mit dem Thema Homosexualität umgegangen wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse von Fachliteratur sowie eine diachrone Untersuchung von Lexikonartikeln, um Positionswandel nachzuvollziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine vergleichende Literaturstudie (Arntz/Spindelböck), eine Analyse der LThK-Artikel und eine spezifische Betrachtung des erfahrungstheoretischen Ansatzes von Martin Steinhäuser.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben dem Kernbegriff Homosexualität sind Sexualmoral, Theologische Ethik und kirchliche Pastoral entscheidende Schlagworte.
Wie unterscheidet sich die Sicht von Josef Spindelböck von der anderer Autoren?
Spindelböck positioniert sich explizit auf der Seite des kirchlichen Lehramtes und verteidigt die Ehe als gottgewollte Institution, während andere Autoren stärker moderne diskursive Standpunkte einnehmen.
Warum ist die Entwicklung der LThK-Artikel für die Arbeit von Bedeutung?
Die Artikel des LThK spiegeln als hoch angesehenes Standardwerk den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel wider, den das Thema Homosexualität innerhalb der Kirche durchlaufen hat.
Was bedeutet der von Steinhäuser gewählte „erfahrungstheoretische“ Zugang?
Dieser Zugang versucht, die subjektive Erfahrung von homosexuellen Menschen ernst zu nehmen und den Glauben nicht abstrakt über die Lebenswirklichkeit zu stülpen, sondern in diese zu integrieren.
- Quote paper
- Lisa Brand (Author), 2009, Homosexualität in der Literatur katholischer Moraltheologen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/181171