Die Europäisierung ist eine Thematik der Forschung, die durch die ständige EU-Erweiterung immer mehr an Bedeutung gewinnt. Sie konzentriert sich aber meistens auf nationalstaatliche und zu selten auf subnationale Ebene. Dennoch spielt dieser letzte Aspekt eine große Rolle, weil sich die Europäisierung am deutlichsten auf die Regionalebene auswirkt. Die Frage, der wir uns hier widmen, ist also, inwiefern man von einer Europäisierung auf der subnationalen Ebene sprechen kann und wie sie gekennzeichnet wird. Dabei wollen wir auf die zahlreichen, inhärenten Theorien der Europäisierung eingehen, ohne zu vergessen, uns auf die Regionen zu beziehen. Da dieses Thema eine große Komplexität aufgrund seines enormen Umfangs aufweist, wollen wir uns auf eine Struktur nach den Policy-, Politics- und Polity-Dimensionen beschränken. Letztendlich werden wir den Fall des Freistaats Bayern analysieren, um konkret in einem Beispiel zu veranschaulichen, wie die Europäisierung die subnationale Ebene beeinflusst.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE DREI EUROPÄISIERUNG- ERKLÄRUNGSPROGRAMME
2.1. Das rationale Erklärungsprogram
2.2. Das konstruktivistisch geprägte Erklärungsprogramm
2.3. Das Policy-analytische Programm
3. DIE EUROPÄISIERUNG DER REGIONEN: DIE POLITIKFELDER, DIE INSTITUTIONEN UND DER PROZESS ALS ANHALTSPUNKTE
3.1.Die Policy-Dimension der Europäisierung in den Regionen: Die Regionalpolitik der EU
3.1.1.Konvergenzziel
3.1.2.Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung
3.1.3.Die europäische territoriale Zusammenarbeit
3.2.Die Polity-Dimension der Europäisierung: Aufgabenverschiebungen im Prozess der Regionalisierung und die neuen Regionalinstitutionen auf europäischer Ebene
3.2.1.Der Prozess der Regionalisierung
3.2.2.Die Voraussetzungen für eine effiziente Regionalisierung
3.2.3.Der Grad der Europäisierung
3.2.4.Die auf europäischer Ebene entstandenen Institutionen und Organisationen
3.2.4.1 Der Ausschuss der Regionen
3.2.4.2 Versammlung der Regionen Europas
3.3 Die Politics- Dimensionen der Europäisierung: neue Akteurs-, Interessen-, und Ressourcenprozesse
3.3.1 Das Sandwich-Modell
3.3.2 Neue Interessen
4. DER FALL BAYERNS: EIN FREISTAAT IM FÖDERALSYSTEM DEUTSCHLANDS
4.1 Bayern innerhalb der Europaïschen Union: Vorstellung
4.2 Die regionale Strukturpolitik
4.3 Die politischen und verfassungsrechtlichen Elementen, die die EU-Politik Bayerns beeinflussen
4.4 Die Europäisierung des Freistaats
5. SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Europäisierung auf subnationaler Ebene und analysiert, wie dieser Prozess Regionen in ihrer politischen Handlungsfähigkeit und Struktur beeinflusst. Als Fallbeispiel dient der Freistaat Bayern, wobei theoretische Ansätze der Europäisierung (Policy, Politics, Polity) mit praktischen Aspekten der regionalen Integration verknüpft werden.
- Theoretische Grundlagen der Europäisierungs-Erklärungsprogramme
- Die Regionalpolitik der Europäischen Union als Treiber der Europäisierung
- Institutionalisierungsprozesse durch den Ausschuss der Regionen und die Versammlung der Regionen Europas
- Die Rolle Bayerns im Mehrebenensystem zwischen Eigenständigkeit und europäischer Integration
Auszug aus dem Buch
3.2.4.1.Der Ausschuss der Regionen
Der Ausschuss der Regionen hat sich seit 1992 mit dem Vertrag von Maastricht zum Ziel gesetzt, die subnationale Ebene auf europäischer Ebene zu repräsentieren, um ihr die Möglichkeit zu geben, bei entscheidenden Entschlüssen, die sie betreffen, mitzureden. Dieser Ausschuss besteht aus maximal 350 Mitgliedern, die die regionale und lokale Ebene der 27 Mitgliedstaaten vertreten. Jeder Mitgliedstaat wählt seine subnationalen Vertreter auf verschiedene Art und Weise aus, was die Vielfältigkeit der politisch-administrativen Systeme in Europa ausdrückt. Zwei verschiedene Auswahlmodelle sind zu beobachten. In föderalen oder stark regionalisierten Systemen, in denen die Rolle der Regionen explizit in der Verfassung steht, wie Deutschland oder Österreich zum Beispiel, sind die Vertreter im Ausschuss der Regionen vor allem aus der Regionalen und weniger aus der lokalen Ebene des jeweiligen Staates. Im Gegensatz dazu vertritt die Delegation der unitarischen bzw. weniger regionalisierten Staaten wie in Schweden oder Zypern eher oder sogar ausschließlich die lokale Ebene. Damals hatte er fast ausschließlich eine beratende Funktion (Hrbek, 2001:490). Seit dem Lissaboner Vertrag wurde die Rolle des AdR im Rechtsetzungsprozess gestärkt, indem sie bei den verschiedenen Phasen mehrmals angehört und konsultiert werden muss.
Dies geschieht in verschiedenen Politikfeldern wie dem Gesundheitswesen, der Bildung oder dem Klimawandel. Die drei Grundsätze des AdR sind Subsidiarität, Bürgernähe und Partnerschaft. Das Effizienzproblem der Ausschuss der Regionen wird deutlich, wenn man sich die verschiedenen Gesetzgebungskompetenzen der Regionen in der Europäischen Union anschaut. Ihre zu großen Unterschiede führen dazu, dass Konvergenz in den ganzen Regionen nur schwer geschafft werden kann (Grasnik, 2007: 135). Außerdem ist die Informationsflut so riesig, dass sie schlecht von der subnationalen Ebene effektiv verarbeitet werden kann (ebd: 134 ff.). Trotzdem ist der Ausschuss der Regionen ein wichtiges Organ für die Regionen, auch wenn er sich noch entwickeln muss.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, inwiefern eine Europäisierung auf subnationaler Ebene stattfindet und wie diese gekennzeichnet ist.
2. DIE DREI EUROPÄISIERUNG- ERKLÄRUNGSPROGRAMME: Das Kapitel stellt die rationalen, konstruktivistischen und policy-analytischen Erklärungsansätze für den Prozess der Europäisierung vor.
3. DIE EUROPÄISIERUNG DER REGIONEN: DIE POLITIKFELDER, DIE INSTITUTIONEN UND DER PROZESS ALS ANHALTSPUNKTE: Hier werden die Policy-, Polity- und Politics-Dimensionen analysiert, einschließlich der Regionalpolitik der EU sowie der Rolle institutioneller Akteure wie dem Ausschuss der Regionen.
4. DER FALL BAYERNS: EIN FREISTAAT IM FÖDERALSYSTEM DEUTSCHLANDS: Dieses Kapitel veranschaulicht die theoretischen Erkenntnisse anhand des Beispiels Bayerns, insbesondere dessen aktive Europapolitik und institutionelle Strukturen.
5. SCHLUSS: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Bedeutung der Europäisierung für die Veränderung politischer Strukturen und Handlungsspielräume der Regionen.
Schlüsselwörter
Europäisierung, Regionen, Europäische Union, Subsidiarität, Regionalpolitik, Mehrebenensystem, Freistaat Bayern, Dezentralisierung, Policy, Politics, Polity, Institutionen, Ausschuss der Regionen, Interessenvertretung, Strukturwandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Prozess der Europäisierung unter besonderer Berücksichtigung der subnationalen Ebene und der Regionen innerhalb der EU.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die theoretischen Erklärungsmodelle der Europäisierung, die Ausgestaltung der europäischen Regionalpolitik sowie die Rolle politischer Institutionen bei der Einbindung von Regionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Auswirkungen der Europäisierung auf subnationale Akteure zu analysieren und zu veranschaulichen, wie Regionen im Mehrebenensystem an Bedeutung gewinnen und handeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse politikwissenschaftlicher Konzepte und deren Anwendung auf den praktischen Fall des bayerischen Föderalsystems.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Darstellung der drei Europäisierungs-Erklärungsprogramme, eine detaillierte Analyse der Policy-, Polity- und Politics-Dimensionen sowie die Fallstudie zum Freistaat Bayern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Europäisierung, Subsidiarität, Mehrebenensystem, Regionalpolitik, Dezentralisierung und politische Institutionalisierung.
Warum dient Bayern als Fallbeispiel?
Bayern wird gewählt, weil es als starkes Bundesland in einem föderalen System eine besonders aktive und institutionalisierte Europapolitik verfolgt, was es zu einem aufschlussreichen Sonderfall macht.
Welche Rolle spielt der Ausschuss der Regionen?
Der Ausschuss der Regionen ist ein zentrales Organ zur Repräsentation subnationaler Interessen auf europäischer Ebene, das durch den Vertrag von Lissabon gestärkt wurde, jedoch mit Effizienz- und Informationsproblemen kämpft.
- Quote paper
- Aurélie Nerzic (Author), 2010, Die Europäisierung der Regionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/180918