„,Innere Führung’ bedeutet in ihrer Grundintention nichts Geringeres als die Verwirklichung staatlicher und gesellschaftlicher Normen in den Streitkräften. Sie besitzt also eine weit über die Bundeswehr hinausgehende gesellschaftspolitische Reichweite und ist daher viel mehr als ein bloßes ,Führungskonzept’“. Der Friedens- und Konfliktforscher des Instituts für Frie-densforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg ─ Dr. Jürgen Groß ─ um-schreibt mit den obigen Worten treffend die Rolle und die Funktion der Inneren Führung für die Gesellschaft und das Militär. Dabei besitzt die Problematik der zivil-militärischen Bezie-hungen eine herausragende Bedeutung. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte ein grundlegender Bruch im Verhältnis zwischen Zivilgesellschaft und Militär in Deutschland.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Theorien der zivil-militärischen Beziehungen: Huntington und Janowitz
2.2 Definition und Grundintention der Inneren Führung
2.3 Vergleich der Konzepte und Zukunftsanforderungen
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Militär und Zivilgesellschaft in Deutschland, wobei der Fokus auf dem Führungskonzept der „Inneren Führung“ liegt. Dabei wird analysiert, inwieweit die klassischen Theorien von Samuel P. Huntington und Morris Janowitz auf die Bundeswehr anwendbar sind und welche Herausforderungen sich durch sicherheitspolitische Wandlungsprozesse für das Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform“ ergeben.
- Vergleich exklusiver und inklusiver Modelle zivil-militärischer Beziehungen
- Historische Herleitung und ethische Fundamente der Inneren Führung nach Wolf Graf von Baudissin
- Die Rolle des „Staatsbürgers in Uniform“ in modernen Streitkräften
- Herausforderungen durch internationale Kriseninterventionsszenarien
- Transformation von einer Bürgerarmee zu einer professionalisierten Interventionsarmee
Auszug aus dem Buch
Die Konzeption der zivil-militärischen Beziehungen nach Samuel P. Huntington
Bei der Betrachtung verschiedener Theorien der zivil-militärischen Beziehungen besitzen zwei Schwerpunkt eine große Bedeutung. Zum einen wird das Militär als gesellschaftliche Institution untersucht und zum anderen die Rolle von der Öffentlichkeit und der Zivilgesellschaft hinsichtlich Krieg und transnationaler Sicherheitspolitik. Dabei weisen die Zusammenhänge und die Spannungsfelder zwischen demokratischen Systemen mit ihren pluralistischen Werten und dem Militär mit seiner hierarchischen Binnenstruktur und seinem Gewaltpotenzial eine besondere Relevanz auf. In Bezug auf das spezifische Verhältnis zwischen Militär und Zivilregierung existieren unterschiedliche Perspektiven: die inklusive und die exklusive.
Eindeutig der exklusiven Variante ist der Ansatz des US-amerikanischen Politologen Samuel P. Huntington zuzuweisen. Hierbei stehen sich Zivilführung und Armee perspektivisch gegenüber, was mit einer verengten Sichtweise einher geht. In seinem Buch „The Soldier and the State“ von 1957 sieht Huntington eine strikte Arbeitsteilung zwischen der Institution Militär und der Zivilgesellschaft, damit eine Nutzenmaximierung des Schutzeffektes durch militärische Gewalt bestehen kann. Aus diesem Grunde sollten die Streitkräfte apolitisch bleiben.
Er unterscheidet in der Art der Zivilkontrolle zwischen „subjective“ oder „objective control“. Diese Kontrollmechanismen sorgen für die Unterordnung der bewaffneten Kräfte unter unbewaffnete Zivilisten. Dabei fordert die Gesellschaft das Militär als Institution heraus, da dessen konservativ-militärischen Wertvorstellungen mit den liberaldemokratischen nicht übereinstimmen. Daher plädiert Huntington für eine Trennung zwischen demokratischer und militärischer Lebenswelt, um Spannungen zu lösen, was er mit Hilfe der „objective control“ bezweckt. Dies dient der Unabhängigkeit der Armee gegenüber dem Wertewandel der Zivilgesellschaft und Politik und macht die Streitkräfte gegenüber der politischen Führung dienstbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Verhältnisses zwischen Militär und Zivilgesellschaft in Deutschland nach 1945 ein und erläutert die Rolle der Inneren Führung als Instrument gegen die Entstehung eines Staates im Staate.
2. Theoretischer Rahmen: Das Kapitel vergleicht die exklusive Theorie von Samuel P. Huntington mit der inklusiven Sichtweise von Morris Janowitz und setzt diese in Bezug zum Konzept der Inneren Führung von Wolf Graf von Baudissin sowie zu aktuellen Herausforderungen durch die Transformation der Bundeswehr.
3. Fazit: Das abschließende Kapitel resümiert die politische und soziologische Relevanz der untersuchten Theorien und weist auf die Notwendigkeit einer Neubestimmung des deutschen Führungskonzepts im Angesicht globaler Kriseneinsätze hin.
Schlüsselwörter
Innere Führung, zivil-militärische Beziehungen, Bundeswehr, Samuel P. Huntington, Morris Janowitz, Staatsbürger in Uniform, Wolf Graf von Baudissin, Berufsarmee, Kriseninterventionsarmee, Demokratieverträgliche Streitkräfte, Militärsoziologie, Transformation, Sicherheitspolitik, zivile Kontrolle, Leitbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Verhältnis von Militär und Zivilgesellschaft in Deutschland und bewertet, ob das Konzept der Inneren Führung unter Berücksichtigung klassischer politikwissenschaftlicher Theorien für moderne Anforderungen noch zeitgemäß ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung zivil-militärischer Beziehungen, die Entwicklung der Inneren Führung, die Professionalisierung der Bundeswehr und die Spannungen zwischen nationalen demokratischen Werten und internationaler Sicherheitspolitik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Konzepte von Huntington und Janowitz auf die Bundeswehr anzuwenden, um zu prüfen, wie das Konzept der Inneren Führung an aktuelle sicherheitspolitische Rahmenbedingungen angepasst werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, in der klassische theoretische Modelle der Militärsoziologie und Politikwissenschaft auf die historische und aktuelle Praxis der deutschen Streitkräfte angewendet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Theorien von Huntington und Janowitz, die Erläuterung der Inneren Führung als Normenlehre sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Transformation der Bundeswehr hin zur Berufsarmee.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Innere Führung, Staatsbürger in Uniform, Professionalisierung, zivile Kontrolle und Identitätswandel charakterisiert.
Wie unterscheidet sich Huntingtons Ansatz von dem der Inneren Führung?
Während Huntington eine strikte Trennung und Apolitizität des Militärs fordert (objective control), setzt die Innere Führung auf die Integration des Soldaten als „Staatsbürger in Uniform“, der aktiv an demokratischen Prozessen teilhat.
Warum wird die Innere Führung als obsolet oder anpassungsbedürftig diskutiert?
Die Arbeit argumentiert, dass das ursprüngliche, auf Landesverteidigung ausgelegte Konzept im Kontext internationaler Auslandseinsätze und des Trends zur Berufsarmee an Transparenz und gesellschaftlicher Anbindung verliert.
Welche Rolle spielt die Wehrpflicht in diesem Zusammenhang?
Die Wehrpflicht wurde nach Baudissins Vorstellung als zentrales Element zur Sicherung der gesellschaftlichen Integration der Bundeswehr angesehen, was durch den Wandel zur Berufsarmee in Frage gestellt wird.
Welches Fazit zieht der Autor zur zukünftigen Entwicklung?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass aufgrund des Strukturwandels und neuer Bedrohungsszenarien eine grundlegende Neubestimmung des deutschen Führungskonzepts notwendig ist, um die demokratische Identität der Streitkräfte zu bewahren.
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- Stefan Rudolf (Author), 2011, Das Verhältnis zwischen Militär und Zivilgesellschaft. Innere Führung bei Huntington und Janowitz, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/180831