Die vorliegende Arbeit bearbeitet rezipientenorientierte Ansätze der Kommunikationswissenschaft, wie das Elaboration Likelihood Model, den Uses-and-Gratification-Approach oder das Limited Capacity Model, um ihre Stärken und Schwäche auszumachen. Anschließend werden diese recht heterogenen Modelle in einer Symbiose zu einem Modell kombiniert. Dazu wird die Hypothese aufgestellt, dass das Elaboration Likelihood Model alleine nicht mehr in der Lage ist, politische Einstellungs- und Verhaltensänderungen zu prognostizieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorien und Modelle
2.1 Elaboration Likelihood Model
2.2 Uses-and-Gratifications-Approach
2.3 Limited Capacity Model
2.4 Agenda-Setting
3. Genese einer Meta-Theorie
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Grenzen des Elaboration Likelihood Models bei der Prognose politischer Einstellungs- und Verhaltensänderungen aufzuzeigen und durch eine Symbiose verschiedener medienwissenschaftlicher Theorien ein umfassenderes Erklärungsmodell zu entwickeln.
- Analyse zentraler Theorien zur Mediennutzung und -wirkung
- Untersuchung von Involvement und kognitiver Informationsverarbeitung
- Rolle der Medienagenda und situativer Faktoren bei Einstellungsänderungen
- Entwicklung eines integrierten Modells zur Prognose politischer Verhaltensänderungen
Auszug aus dem Buch
2.1 Elaboration Likelihood Model
Als einen der Wegbereiter für das Elaboration Likelihood Modell gilt Herbert Krugman. Er stellte 1965 fest, dass Rezipienten Werbung nur mit geringer Aufmerksamkeit und wenig Interesse verfolgen. Für diesen Zustand prägte er den Begriff des „Low-Involvements“. Involvement selbst definiert Krugman als „number of concious ‘bridging experiences’, connections or personal references per minute, that the viewer makes between his own life and the stimulus“ (1965: 355).
Diese Verbindungen oder persönlichen Referenzen sind die sogenannten Inferenzen, die eine Person zwischen den bereits erlebten und nun rezipierten Informationen herstellt. Je mehr kognitive und emotionale Inferenzen ein Rezipient herstellt, desto stärker ist sein Involvement. Jedoch wäre es prinzipiell falsch, Involvement mit dem generellen Interesse einer Person gleichzusetzen, denn Involvement bezieht sich stets auf den „gegenwärtig rezipierten Medieninhalt“ (Bybee 1978: 415, zit. nach Schweiger 2007: 199).
In Abgrenzung zu den klassischen Konsistenztheorien, die postulierten, dass Menschen nach Konsonanz im Denken und Handeln suchen, gilt das Elaboration Likelihood Model Ende der 70er Jahre als ein Novum. Es wendet sich als kognitive Reaktanztheorie ab von dem bloß reaktiv anpassenden Rezipienten, hin zu einer stärker aktiven Interpretation der medialen Umwelt (vgl. Bonfadelli in Jarren et al. 1998: 215f.). Petty und Cacioppo nutzen das Involvement-Konzept als Grundlage für ihr berühmtes Modell, welches mittlerweile selbst zu einem viel zitierten Klassiker der Kommunikationswissenschaft geworden ist. Sie fragen nach der Effektivität von Botschaften, den dafür ausschlaggebenden Determinanten und besonders danach, ob eine Botschaft Einstellungsveränderungen hervorruft und – wenn ja – ob diese anhalten und zu Verhaltensänderungen führen können (Petty/Cacioppo 1986: 1). Allerdings tun sie dies nicht aus einer kommunikationswissenschaftlichen oder auf mediale Botschaften bezogenen Perspektive heraus, sondern in ihrer Rolle als Sozialpsychologen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, dass klassische Ansätze wie das Elaboration Likelihood Model bei der Prognose politischer Einstellungsänderungen an ihre Grenzen stoßen und eine theoretische Erweiterung notwendig ist.
2. Theorien und Modelle: In diesem Kapitel werden das Elaboration Likelihood Model, der Uses-and-Gratifications-Approach, das Limited Capacity Model sowie der Agenda-Setting-Ansatz detailliert vorgestellt und kritisch beleuchtet.
3. Genese einer Meta-Theorie: Es wird der Entwurf eines integrierten Modells präsentiert, das die verschiedenen Ansätze zu einer Symbiose verbindet, um politische Einstellungs- und Verhaltensänderungen besser zu erklären.
4. Fazit: Das Fazit bestätigt die Ausgangshypothese, dass ein einzelnes Modell allein unzureichend ist, und weist auf die Notwendigkeit weiterer empirischer Operationalisierung des neuen Ansatzes hin.
Schlüsselwörter
Mediennutzung, Elaboration Likelihood Model, Politische Kommunikation, Einstellungsänderung, Verhaltensänderung, Involvement, Limited Capacity Model, Agenda-Setting, Medienwirkung, Informationsverarbeitung, Rezipient, Persuasion, Priming, Framing, Meta-Theorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie politische Einstellungen und Verhaltensweisen durch Mediennutzung beeinflusst werden und welche theoretischen Ansätze dies erklären können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die Bereiche Medienwirkung, kognitive Psychologie, sozialpsychologische Aspekte der Medienrezeption und politische Kommunikation ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Entwicklung eines Meta-Modells, das durch die Kombination bewährter Theorien eine präzisere Vorhersage über die Wirkung politischer Medienbotschaften erlaubt.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und dem Vergleich bestehender Modelle, die in einer Modell-Synthese zusammengeführt werden.
Was ist der Kerninhalt des theoretischen Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert, wie unterschiedliche Konzepte wie Involvement, kognitive Kapazitäten und Agenda-Setting zur Erklärung von Persuasionseffekten beitragen.
Welche Begriffe charakterisieren diese Forschungsarbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Involvement, kognitive Verarbeitung, mediale Agenda, Einstellungsstabilität und Persuasion definiert.
Warum reicht das Elaboration Likelihood Model allein für politische Analysen nicht aus?
Laut Autor vernachlässigt das Modell spezifische politische Faktoren wie die Agenda-Setting-Funktion der Medien und die langfristigen Gratifikationsbedürfnisse der Nutzer in einem komplexen Umfeld.
Welche Rolle spielt die "kognitive Sparsamkeit" in dem entwickelten Modell?
Das Modell geht davon aus, dass Rezipienten ihre begrenzte mentale Energie je nach Involvement-Grad steuern, was bestimmt, ob eine Botschaft nur peripher wahrgenommen oder zentral elaboriert wird.
- Quote paper
- Thomas Wagenknecht (Author), 2011, Politische Einstellungs- und Verhaltensänderungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/180730