Fehlende Corporate Governance war ein Auslöser der Finanzkrise. Diese Erkenntnis greift die Europäische Kommission in ihrer Analyse der Finanzmarktkrise auf und entwickelt ein Grünbuch „Corporate Governance in Finanzinstituten und Vergütungspolitik“, dessen Empfehlungen Grundlage dieser Arbeit ist.
Zunächst wird in das Themengebiet Corporate Governance mit einer Definition, Erkenntnissen sowie relevanten gesetzlichen und politischen Maßnahmen, aber auch Kritik daran eingeführt. Anschließend geht die Arbeit genauer auf das Grünbuch der Europäischen Kommission ein, beleuchtet Absicht, identifizierte Probleme und Lösungsansätze, um schließlich die wichtigsten Empfehlungen vorzustellen. Diese Empfehlungen werden in einer akteursbezogenen Analyse danach kritisch bearbeitet. Dabei stellt sich die Frage, welche regulatorischen Maßnahmen notwendig sind und welche vielleicht nur vorgeschlagen wurden, um den eigenen Einfluss der Kommission zu erweitern. Hierbei geht die Arbeit besonders praktischen Fragen der Ökonomie nach und untersucht, welchen Einfluss die Empfehlungen – würden sie umgesetzt werden – auf die Akteure im europäischen Finanzmarkt haben könnten.
Dabei begleitet die Arbeit stets die Frage, inwieweit neue Maßnahmen gefragt sind, wenn der Bankensektor doch schon heute so stark reguliert ist, wie kaum ein anderer, bestehende Gesetze nicht gänzlich ausgeschöpft werden und bloße Richtlinien bessere Wirkung auf einem hochkomplexen, aber diversifizierten Markt zeigen könnten, als strikte Regularien.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Corporate Governance
3. Grünbuch der Europäischen Kommission
3.1 Absicht
3.2 Identifizierte Probleme
3.3 Lösungsansätze
3.4 Empfehlungen
4. Kritik
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das „Grünbuch Corporate Governance in Finanzinstituten und Vergütungspolitik“ der Europäischen Kommission vor dem Hintergrund der Finanzkrise. Ziel ist es, die vorgeschlagenen Maßnahmen kritisch zu analysieren und zu bewerten, ob diese tatsächlich geeignet sind, Fehlverhalten in Finanzinstituten zu verhindern oder ob sie eher eine unnötige bürokratische Belastung darstellen.
- Definition und Bedeutung von Corporate Governance
- Analyse des Grünbuchs der Europäischen Kommission
- Kritische Würdigung der vorgeschlagenen Regulierungsmaßnahmen
- Diskussion von Vergütungspolitik und Anreizstrukturen
- Untersuchung der Rolle von Aktionären und Revisoren
- Reflektion über das Spannungsfeld zwischen Regulierung und Wettbewerb
Auszug aus dem Buch
3.1 Absicht
In einer ersten Analyse der Finanzkrise, auf Grundlage des de-Larosière-Berichts (KOM 2010 284: 2), kommt die Europäische Kommission zu dem Ergebnis, dass die Verwaltungsräte, aber auch die Aufsichtsbehörden „oftmals weder die Art noch den Umfang der Risiken verstanden haben, mit denen sie konfrontiert waren“ (ebd.). Das Corporate Governance-System in den Finanzinstituten sei entweder unzulänglich oder nicht korrekt angewendet worden. Zwar sei die Krise selbst nicht unmittelbar der Corporate Governance anzulasten, deren Fehlen habe aber maßgeblich dazu beigetragen, dass die Finanzinstitute überhöhte Risiken eingegangen sind. Vor diesem Hintergrund will die Kommission nun Regeln und Praktiken der Finanzinstitute, insbesondere der Banken, im Bereich der Corporate Governance prüfen und ggf. Empfehlungen oder sogar regulatorische Maßnahmen vorschlagen, da sie die Stärkung der Corporate Governance als das „Herzstück“ (ebd.) der Finanzmarktreform betrachtet. Dazu erarbeitet sie ein Grünbuch, dessen Empfehlungen vor allem an große Finanzinstitute gerichtet sind, während die Vorschläge nur bedingt auf kleine und mittlere Institute übertragbar sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung bettet die Problematik der Finanzkrise in den Kontext der Corporate Governance ein und stellt die Forschungsfrage sowie den methodischen Aufbau der Arbeit vor.
2. Corporate Governance: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Corporate Governance, beleuchtet internationale Ansätze und diskutiert die Herausforderungen der Vergütungspolitik sowie die Rolle von Kodizes.
3. Grünbuch der Europäischen Kommission: Hier werden die Absicht, die identifizierten Probleme, die Lösungsansätze sowie die konkreten Empfehlungen des Grünbuchs der EU-Kommission detailliert dargelegt.
4. Kritik: Das Kapitel übt eine fundierte Kritik an den Vorschlägen der Kommission, insbesondere hinsichtlich der Wirksamkeit von Regulierung, der Rolle institutioneller Anleger und der drohenden Bürokratisierung.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und hinterfragt kritisch, ob zusätzliche Regularien den gewünschten Erfolg bringen oder ob Wettbewerb und Eigenverantwortung der Finanzinstitute effektivere Instrumente darstellen.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, Finanzkrise, Europäische Kommission, Finanzinstitute, Vergütungspolitik, Regulierung, Risikomanagement, Interessenskonflikte, Verwaltungsrat, Aktionäre, Banken, Finanzmarktreform, Compliance, institutionelle Anleger, Kodizes.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundlegend?
Die Arbeit setzt sich mit dem von der Europäischen Kommission veröffentlichten Grünbuch zur Corporate Governance in Finanzinstituten auseinander und untersucht die regulatorischen Vorschläge der EU nach der Finanzmarktkrise.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Corporate Governance, die Analyse von Vergütungsmodellen, die Rolle der Verwaltungsräte und Revisoren sowie die Wirksamkeit staatlicher Regulierungsversuche.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel besteht darin, die Angemessenheit und Effektivität der im Grünbuch vorgeschlagenen Maßnahmen zu bewerten und zu hinterfragen, ob diese Regulierungen tatsächlich geeignet sind, zukünftige Finanzkrisen zu verhindern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturgestützte, akteursbezogene Analyse, um die theoretischen Konzepte der Corporate Governance mit den praktischen Herausforderungen des Finanzsektors und den politischen Forderungen der EU-Kommission abzugleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Darstellung des Grünbuchs – inklusive der Zielsetzungen und Empfehlungen der Kommission – sowie eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Vorschlägen aus ordnungsökonomischer und liberaler Sicht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Corporate Governance, Finanzkrise, Regulierung, Vergütungspolitik, Risikomanagement und Interessenskonflikte charakterisiert.
Warum steht die Rolle der „Proxy Advisors“ in der Kritik?
Da viele institutionelle Anleger den Empfehlungen der Proxy Advisors blind folgen, anstatt eigene Analysen anzustellen, entsteht ein potenzieller Interessenkonflikt und ein indirekter, aber weitreichender Einfluss auf die Unternehmensführung, den die Kommission laut Autor zu wenig beachtet.
Welche Bedenken äußert der Autor gegenüber der Vergütungsregulierung?
Der Autor argumentiert, dass massive Eingriffe in die Vertragsfreiheit willkürlich wirken können und bei einer künstlichen Deckelung der Gehälter die Gefahr besteht, dass hochqualifiziertes Personal in weniger regulierte Regionen abwandert.
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- Thomas Wagenknecht (Author), 2011, Zum Wunsch nach mehr Einfluss: Das Grünbuch Corporate Governance, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/180728