„Schmeckt nicht jedem! Gut so!“ lässt ein Zigarettenhersteller in seiner Anzeige verlauten, in der ein rauchender Mann abgebildet ist, der Stiefel mit Schlangenledermuster trägt.
Hat der Werbekritiker Recht, der in diesem Zusammenhang auf das Washingtoner Arten-schutzabkommen hinweist und behauptet, „diese Werbung fordere dazu auf, sich Stiefel aus echtem Schlangenleder illegal zu beschaffen“ ? Diese Beschwerde erhob er auf jeden Fall vor dem Deutschen Werberat.
Der wies die Beschwerde als unbegründet zurück. Dies geschieht in der überwiegenden Zahl der Fälle, da das Gremium viele Kritiken nicht weiter verfolgt [...].
Die Mitglieder des Deutschen Werberates sind Vertreter der Werbewirtschaft – arbeiten sie für ihre Branche oder können sie auch den Verbraucher angemessen vertreten? Kann die Arbeit des Gremiums unter diesen Umständen hilfreich für den Verbraucher sein oder ist sie ein Alibi, das die Werbewirtschaft sich selbst verschafft?
Unter diesem Aspekt soll die vorliegende Arbeit die Tätigkeiten des Werberates betrachten und versuchen, sie zu bewerten. Dazu stellt sie zunächst einmal die Geschichte des Deutschen Werberates vor, da in dieser das Selbstverständnis und die Struktur der Organisation begründet liegen. Im Folgenden wird die Arbeit des Werberates betrachtet; dazu gehören sowohl die Ordnung mit Arbeitsgrundsätzen, Verfahrensordnung und Tätigkeitsgrundlagen als auch die Entscheidungen über Beschwerden, die vor dem Werberat erhoben wurden. Anhand dieser Betrachtungen und Untersuchungen soll in einer abschließenden Schlussbetrachtung versucht werden zu klären, ob die Arbeit des Werberates für den Verbraucher nun hilfreich ist und sein kann oder ob es sich doch lediglich um ein Alibi handelt, das die Werbewirtschaft sich selbst gibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Geschichte des Deutschen Werberates
3. Die Arbeit des Deutschen Werberates
3.1 Ordnung
3.1.1 Arbeitsgrundsätze
3.1.2 Verfahrensordnung
3.1.3 Tätigkeitsgrundlagen
3.2 Entscheidungen über Beschwerden
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Tätigkeiten und das Selbstverständnis des Deutschen Werberates, um zu bewerten, ob das Gremium eine hilfreiche Instanz für Verbraucher darstellt oder lediglich eine Alibi-Funktion für die Werbewirtschaft erfüllt.
- Struktureller Aufbau und Geschichte des Deutschen Werberates
- Analyse der Arbeitsgrundsätze und der Verfahrensordnung
- Untersuchung der Entscheidungsfindung bei eingegangenen Beschwerden
- Bewertung der Wirksamkeit der freiwilligen Selbstkontrolle
- Diskussion der Interessenkonflikte innerhalb der Organisation
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Verfahrensordnung
Die Verfahrensordnung des Deutschen Werberates ist in 13 Artikeln im September 1979 festgelegt worden. Artikel 1 sagt aus: „Jedermann ist berechtigt, dem Deutschen Werberat Beschwerden über Werbemaßnahmen vorzulegen.“7. Der Werberat wird tätig, sobald eine einzelne Beschwerde eingegangen ist. Somit ist es gar nicht nötig, Sammelklagen (z.B. Unterschriftenlisten) einzureichen, wie es manche Beschwerdeführer tun, in der Annahme, so größeren Druck auszuüben. Der Werberat selbst kann auch von sich aus ein Verfahren einleiten, ohne dass eine Beschwerde eingegangen ist. Es findet jedoch keine Vorprüfung von Werbemaßnahmen in Form einer Vorkontrolle oder Vorzensur durch die Institution statt.
Die Beschwerde ist schriftlich an den Deutschen Werberat in Berlin zu richten, anonyme Beschwerden werden nicht behandelt. Das Verfahren ist für den Beschwerdeführer kostenlos, sein Name wird vertraulich behandelt, sofern es sich nicht um eine Behörde, Institution oder Organisation handelt, deren Namen den anderen Verfahrensbeteiligten genannt werden, wenn nicht ausdrücklich eine vertrauliche Behandlung gewünscht wurde.
Sobald die Beschwerde beim Werberat eingegangen ist, wird sie vom Gremium geprüft. Hält dieses die Beschwerde für unbegründet, weist es sie zurück. Andernfalls erhält das werbende Unternehmen eine Aufforderung zur Stellungnahme. In den meisten Fällen zieht der Werbende die Werbemaßnahme zurück oder ändert sie. Selten erklärt das von der Kritik betroffene Unternehmen, die Beschwerde für unbegründet zu halten, d.h. die Werbung nicht zu ändern oder einzustellen. Unter diesen Umständen spricht der Werberat eine öffentliche Rüge aus, worauf „der Werbungtreibende und/oder die Werbeagentur vorher ausdrücklich hinzuweisen“8 ist, denn in diesem Fall informiert der Werberat Fernsehen, Radio und Medien und fordert auf, die kritisierte Werbung nicht mehr zu senden bzw. zu veröffentlichen. So „verliert“ der Werbende nicht nur seine Werbemaßnahme, was mit Kosten verbunden ist, sondern trägt auch einen Image-Schaden davon. Der Beschwerdeführer wird schriftlich über den Ausgang des Verfahrens in Kenntnis gesetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, ob der Deutsche Werberat den Verbraucher effektiv schützt oder als bloßes Alibi der Werbewirtschaft dient.
2. Die Geschichte des Deutschen Werberates: Historische Entwicklung und Zielsetzung der Institution als selbstdisziplinäres Organ zur Vermeidung staatlicher Zensur.
3. Die Arbeit des Deutschen Werberates: Detaillierte Untersuchung der organisatorischen Grundlagen, der Verfahrensweise bei Beschwerden und der angewandten Handlungsnormen.
4. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Effektivität des Werberates, wobei die Schwierigkeit der eindeutigen Einordnung zwischen Hilfestellung und Alibi-Funktion hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Deutscher Werberat, Selbstregulierung, Werbewirtschaft, Verbraucherschutz, Beschwerdeverfahren, Ethik, Diskriminierung, Konfliktmanagement, Werbemaßnahmen, Freiwillige Selbstkontrolle, Medien, Werbekritik, Verhaltensregeln
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Funktion und die Glaubwürdigkeit des Deutschen Werberates als Institution der freiwilligen Selbstkontrolle innerhalb der deutschen Werbebranche.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Struktur des Gremiums, die Verfahrensordnung zur Beschwerdebearbeitung sowie die Frage, wie der Werberat mit Themen wie Herabwürdigung oder diskriminierender Werbung umgeht.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, ob der Deutsche Werberat tatsächlich ein hilfreiches Instrument für Verbraucher ist oder ob die Organisation primär dazu dient, die Interessen der Werbewirtschaft zu schützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Untersuchung der offiziellen Verfahrensordnung und Fallbeispielen des Deutschen Werberates.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung, die Beschreibung der organisatorischen Ordnung inklusive der Arbeitsgrundsätze sowie eine detaillierte Auswertung von Beschwerdefällen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Selbstregulierung, Werberat, Verbraucherschutz, Beschwerde, ethische Standards und Konfliktlösung.
Warum wird der Deutsche Werberat oft als "Alibi" bezeichnet?
Kritiker führen an, dass das Gremium ausschließlich aus Vertretern der Werbewirtschaft besteht, was die Neutralität bei der Beurteilung von Beschwerden in Frage stellt.
Wie geht der Werberat mit einer berechtigten Beschwerde um?
Wenn eine Beschwerde als begründet eingestuft wird, fordert der Werberat das Unternehmen zur Stellungnahme auf; bei Uneinsichtigkeit kann eine öffentliche Rüge ausgesprochen werden.
Welche Rolle spielt die "Auffassung über Sitte, Anstand und Moral"?
Dieser Begriff dient als Entscheidungsgrundlage für den Werberat, ist jedoch aufgrund seiner subjektiven Auslegung durch das Gremium schwer für alle Beteiligten objektiv nachvollziehbar.
Was bemängelt der Autor in der Schlussbetrachtung?
Insbesondere der geringe Bekanntheitsgrad des Werberates in der breiten Öffentlichkeit wird kritisiert, da dies die effektive Nutzung des Beschwerdeinstruments durch Verbraucher einschränkt.
- Quote paper
- Birte Jessen (Author), 2006, Die Arbeit des Deutschen Werberates: Hilfreich oder Alibi?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/180663