In der Zeit zwischen 1750–1850, die man in Deutschland auch oft als die „Goethezeit“ bezeichnet, war kein Wissenschaftler erfolgreicher und in seinem Ruf angesehener als Alexander von Humboldt. Er war erster und zugleich wichtigster deutscher Reiseforscher, der zu Beginn der Moderne sowohl nach Südamerika als auch später nach Russland Forschungsreisen unternahm. Im Anschluss an seine Reisen veröffentlichte er zahlreiche Werke, die eine breite Fülle verschiedenster Wissenschaftsbereiche belebten. Humboldt gilt bis heute als absolutes Universalgenie und genießt, in dem er die Reisewissenschaft stets aufs Neue inspiriert, bis heute unsterblichen wissenschaftlichen Ruhm.
Dieses Essay möchte dem Leser zunächst einmal Alexander von Humboldt in einer kurzen biographischen Zusammenfassung vorstellen. Über die Biographie gelangen wir dann zu dem eigentlichen Thema dieser Arbeit, der Russisch-Sibirischen Reise, die in Humboldts fortgeschrittenem Leben einen besonders wichtigen Abschnitt darstellt. Wir werden uns dieser Reise zunächst einmal über die allgemeinen Reisevorbedingungen annähern, die den Sinn und Zweck der Reise sowohl aus Humboldts persönlicher Sicht als auch aus der Sicht der Wissenschaft diskutieren. Im Anschluss beschreibe ich dann den Reiseverlauf, in dem ich ihn chronologisch in drei Abschnitte unterteile. Im letzten Teil des Essays versuche ich dann die Reise in eine Art Bilanzaufstellung zu bewerten, wobei ich mich hierbei sowohl auf den Ausgangspunkt der Russisch-Sibirischen Reise, den Reiseverlauf als auch ihren wissenschaftlichen Ertrag beziehe.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurze Biographie Alexander von Humboldts
3. Die Russisch-Sibirische Reise
3.1. Reisevorbereitungen
3.2. Von Berlin über Petersburg nach Kasan zum nördlichen Uralgebirge
3.3. Reise vom Ural über den Altai bis zur chinesischen Grenze
3.4. Rückreise vom Altai über den südlichen Ural nach Astrachan, Petersburg und Berlin
3.5. Versuch einer Bilanzziehung der Russisch-Sibirischen Reise
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Dieses Essay analysiert die Russisch-Sibirische Reise Alexander von Humboldts im Jahr 1829. Ziel ist es, die Beweggründe, den Reiseverlauf sowie den wissenschaftlichen und persönlichen Ertrag dieser Expedition kritisch zu beleuchten, wobei ein besonderer Fokus auf den durch politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen eingeschränkten Gestaltungsspielraum Humboldts gelegt wird.
- Biographische Einordnung Alexander von Humboldts
- Analyse der Reisevorbedingungen und politischen Rahmenbedingungen in Russland
- Chronologische Darstellung der drei Reiseabschnitte (Ural, Altai, Rückreise)
- Bewertung des wissenschaftlichen Ertrags und des Einflusses auf Humboldts Weltbild
- Untersuchung der Diskrepanz zwischen Humboldts Erwartungen und der Realität der Expedition
Auszug aus dem Buch
3.3. Reise vom Ural über den Altai bis zur chinesischen Grenze
Nachdem die Untersuchungen des nördlichen Urals abgeschlossen waren, brach die russisch-sibirische Expedition zu ihrem nächsten Reiseabschnitt in Richtung Tobolsk, das östlich des Uralgebirges liegt und die Grenze zum Altai und damit einen Zugang zum asiatischen Teil Russlands bildet, auf. Humboldt beschloss damit eine unvorhergesehene Reiseänderung zu unternehmen, um wenigstens einen Zipfel dessen zu erreichen, was er seit Jahrzenten hatte sehen wollen. Allerdings musste er die Routenänderung vorher mit Cancrin absprechen, der dieser, wohl auch wegen des erst kürzlich errungenen Sieges der Russen im Armenischen Krieg, freudig zustimmte. Von Tobolsk aus, wo er sich einige Tage unter zahlreichen deutschen Verbannten aufhielt, ritt Humboldt dann anschließend in Richtung Chinesische Grenze. Dort wollte er, wie er es ursprünglich bei seiner großen Asienreise vorgehabt hatte, nach selten Pflanzen- und Tierarten suchen. So traten die Reisenden am 24. Juli 1829 ihre Altaireise an, die sie zunächst über den Irtysch und später zu Land über Tara, Wosnessensk am Om am 2. August nach Barnaul brachte. Unterwegs begegneten ihnen in der Steppe, die, wenn man es recht nimmt, in diesem Gebiet weit aus weniger einer kargen Landschaft, sondern eher einer Ansammlung von zahlreichen Seen und Flüssen gleicht, einige Unannehmlichkeiten: Schwärme gelber Mücken, starke Winde und das Auftreten der Pest in den umliegenden armen Dörfern bedrückten die bis dahin stets ausgelassene Stimmung der Expedition. Nach der Ankunft in Barnaul begannen die Exkursionen zu den Bergwerken des Altais. Dabei berührten sowohl der mangelhafte Zustand der Abbaustätten, als auch die verschwenderische Produktionsweise, mit der man das Eisenerz-, Silber und Gold einschmolz, Humboldts Aufsichtspflicht so dermaßen, dass er beschloss, Cancrin nicht wie sonst schriftlich, sondern persönlich, in mündlicher Form bei der Rückkehr nach Petersburg davon zu unterrichten. In den folgenden Tagen erreichte die Expedition die chinesische Grenze bei Baty am Irtysch. Das war zugleich der östlichste Punkt der Reise.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt Alexander von Humboldt als bedeutenden Reiseforscher vor und erläutert die Zielsetzung, den Aufbau sowie die methodische Form des Essays.
2. Kurze Biographie Alexander von Humboldts: Es wird der Werdegang Humboldts von seiner Herkunft über sein Studium bis hin zur prägenden Amerikareise zusammengefasst.
3. Die Russisch-Sibirische Reise: Dieses Hauptkapitel detailliert die Reise von der Einladung über die einzelnen geografischen Etappen bis hin zur Bilanzierung der Expedition.
3.1. Reisevorbereitungen: Hier werden die Hintergründe der Russlandreise, die politischen Interessen Russlands und die für Humboldt schwierigen Rahmenbedingungen analysiert.
3.2. Von Berlin über Petersburg nach Kasan zum nördlichen Uralgebirge: Das Kapitel beschreibt den Beginn der Reise, den Aufenthalt in Petersburg und die erste wissenschaftliche Exkursion in den Ural.
3.3. Reise vom Ural über den Altai bis zur chinesischen Grenze: Dieser Abschnitt thematisiert die Weiterreise in Richtung Asien, die Exkursionen im Altai sowie das Erreichen der chinesischen Grenze.
3.4. Rückreise vom Altai über den südlichen Ural nach Astrachan, Petersburg und Berlin: Hier wird der letzte Teil der Reise, einschließlich der Besuche in Astrachan und am Kaspischen Meer, sowie die Rückkehr nach Berlin geschildert.
3.5. Versuch einer Bilanzziehung der Russisch-Sibirischen Reise: Das Kapitel reflektiert den wissenschaftlichen und persönlichen Wert der Reise und bewertet diese kritisch im Kontext von Humboldts Gesamtbiographie.
4. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Bedeutung der Reise zusammen und ordnet sie in das Lebenswerk Humboldts sowie die Wissenschaftsgeschichte ein.
Schlüsselwörter
Alexander von Humboldt, Russisch-Sibirische Reise, Forschungsreise, Geographie, Asien, Ural, Altai, Wissenschaftsgeschichte, Bergbau, Leibeigenschaft, Gustav Rose, Forschungsdrang, Expeditonsmanagement, Reisedokumentation, Kosmos
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Essay primär?
Das Essay befasst sich mit der Russisch-Sibirischen Forschungsreise Alexander von Humboldts aus dem Jahr 1829, wobei insbesondere die Diskrepanz zwischen seinem Wunsch nach freier Forschung und den politisch auferlegten Einschränkungen untersucht wird.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Zentrale Themen sind die Vorbereitungen der Reise, die politische Situation Russlands unter Zar Nikolaus I., Humboldts wissenschaftliche Arbeit in den Bergwerken des Urals und Altais sowie die persönliche Reflexion des Forschers über den Ertrag der Reise.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage des Essays?
Das Ziel ist eine objektive Bilanzziehung der Reise, die über rein biographische Vergleiche mit der Amerikareise hinausgeht und die spezifischen Umstände der russischen Expedition würdigt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor wählt die Form eines Essays, verzichtet weitgehend auf Fußnoten und stützt sich auf eine Analyse des Reiseverlaufs, zeitgenössische Quellen sowie die Forschungsliteratur, um eine subjektive Einordnung vorzunehmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert die Reise chronologisch in drei Abschnitte: den Weg bis zum nördlichen Ural, die Reise vom Ural über den Altai zur chinesischen Grenze sowie die Rückreise über den südlichen Ural, Astrachan und Petersburg nach Berlin.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Alexander von Humboldt, Russisch-Sibirische Reise, Forschungsdrang, geographische Wissenschaft, Bergbau, Leibeigenschaft und das Lebenswerk "Kosmos" charakterisiert.
Warum wird die Reise im Text als "Spezialistenreise" bezeichnet?
Aufgrund der streng vorgegebenen Reiseroute, der festgelegten Untersuchungsziele und der wissenschaftlichen Arbeitsteilung zwischen Humboldt, Rose und Ehrenberg unterschied sie sich grundlegend von Humboldts früherer, improvisationsreicheren Amerikareise.
Welche Rolle spielte die Zensur bei dieser Reise?
Der russische Zar auferlegte Humboldt eine schriftliche Zensur, die ihm untersagte, die sozialen Missstände, insbesondere die Leibeigenschaft in Russland, in seinem Bericht kritisch zu thematisieren, was Humboldt tief enttäuschte.
Warum unternahm Humboldt die Reise trotz der vielen Einschränkungen?
Humboldt sah in der Reise trotz der Auflagen die Chance, die Welt als Reiseforscher zu verlassen und seine Weltsicht zu vervollständigen, da seit seiner Amerikareise bereits 30 Jahre vergangen waren.
- Arbeit zitieren
- Bachelor of Arts Andrej Wolf de Oliveira (Autor:in), 2008, Russisch-Sibirische Reise Alexander von Humboldts, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/180603