Die Weltbevölkerung und ihre Um- und Mitwelt befinden sich im Zustand stetiger Entwicklungen und Neuerungen. Abgesehen von technischen Innovationen, die ihren Ausgangspunkt größtenteils in der Industrialisierung haben, bestimmen soziale oder ökologische Entwicklungen die gesellschaftliche Organisation und deren Handeln auf diesem Planeten. Auch wenn es teilweise schwer fallen mag in diesen Tendenzen eine wahre Progression auszumachen, stellen sie neue Anforderungen an die Menschheit. Auch die Geisteswissenschaften sind von diesem Prozess betroffen. Bezüglich des Forschungsfeldes der Linguistik stellen die Neuerungen des 20. und 21. Jahrhunderts besondere Herausforderungen an Forscher und Forschung. Die globale Verfügbarkeit einer immensen Anzahl an Print-Medien, die Mediatisierung der Gesellschaft sowie die Schaffung eines virtuellen Raumes, in Form des Internets, sind Phänomene, die das Forschungsgebiet abermals erweitert haben und auch in Zukunft noch erweitern werden. Hinzu tritt die Tatsache, dass Sprache sich ebenfalls durch ständige Entwicklung kennzeichnet. Hadumod Bußmann definiert Sprache als:
„Auf kognitiven Prozessen basierendes, gesellschaftlich bedingtes, historischer Entwicklung unterworfenes Mittel zum Ausdruck bzw. Austausch von Gedanken, Vorstellungen, Erkenntnissen und Informationen sowie zur Fixierung und Tradierung von Erfahrung und Wissen.“1.
Diese kurze Definition deutet die Komplexität und Vielschichtigkeit von Sprache und Sprachwissenschaft bereits an und impliziert auch ihren stetigen Wandel. In meinen Ausführungen werde ich mich zwar primär mit geschriebener Sprache befassen, dies soll allerdings kein Indiz dafür sein, dass die beschriebenen Konstruktionen sich nicht auch im Sprachgebrauch etablieren oder es vielleicht schon sind2. Als Ausgangsbasis für meine Untersuchungen dient mir Peter Schlobinskis Aufsatz „*knuddel-zurueckknuddel- dichganzdollknuddel* - Inflektive und Inflektivkonstruktionen im Deutschen“3. Wie der Titel bereits vermuten lässt, orientiert sich Schlobinski eher an den modernen Forschungsfeldern der Linguistik. Inhaltlich befasst er sich in diesem Fall spezifisch mit SMS- und Chat-Kommunikation sowie verschiedenen Comics. Das von ihm untersuchte linguistische Phänomen der Inflektive ist somit vornehmlich in diesen genannten Gattungen anzutreffen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1 Einordnung in die Sprachlandschaft
1.2 Definition
2. Hauptteil
2.1 Inflektive als Erfindung der Comicschreiber?
2.2 Der Inflektiv und seine semantischen Variationen
2.3 Der Inflektiv als Element der Internet-Kommunikation
2.4 Inflektivkonstruktionen
3. Resümee
3.1 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das linguistische Phänomen des Inflektivs im Deutschen, um dessen Ursprung, semantische Funktionen und Verbreitung von der Comic-Sprache bis hin zur modernen Internet-Kommunikation zu analysieren und einzuordnen.
- Ursprungsgeschichte des Inflektivs in deutschen Comics
- Semantische und funktionale Differenzierung von Inflektiven
- Verwendung und Entwicklung in der Internet-Kommunikation
- Strukturelle Analyse von Inflektivkonstruktionen
- Diskussion der linguistischen Einordnung und Anerkennung
Auszug aus dem Buch
2.1 Inflektive als Erfindung der Comicschreiber?
Die Geschichte der Comics in Deutschland steht in engem Zusammenhang mit den Geschehnissen des Zweiten Weltkriegs und der, sich anschließenden, amerikanischen Besatzung. Ein Ausgangspunkt für die Verbreitung der Comichefte waren eben jene amerikanischen Soldaten, die in Deutschland stationiert waren und ihre Comics auch an die deutsche Bevölkerung weitergaben. Die ersten Exemplare lassen sich also schon vor 1950 ausmachen, so zum Beispiel „Ferdinand, der Stier“ (1946) oder „Der Bär, der keiner war“. Die Ausführungen von Bernd Dolle-Weinkauff, der sich intensiv mit der Geschichte der Comics auseinandergesetzt hat, lassen jedoch leider keinerlei Rückschlüsse darauf zu, ob in dieser Frühphase der Comics bereits Inflektivkonstruktionen verwendet wurden.
Lehnt man die Vorgehensweise von Oliver Teuber ab, die zur Klärung der sprachhistorischen Ursprünge der Inflektive beitragen sollte, stellt sich zwangsläufig die Frage wie es ihnen gelungen ist sich in der deutschen Sprache zu entwickeln und zu etablieren. In diesem Kontext ist ein Streit um das Urheberrecht an den Inflektiven entstanden. So reklamierte Herbert Feuerstein die Erfindung des Inflektivs für sich und das „MAD-Magazin“, das jedoch erst 1967 erschien; weit nach den ersten Micky-Mouse-Comics. Peter Schlobinski sieht den Ursprung der Inflektive in einem „Übersetzungsproblem“. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die ersten „Micky Mouse“-Comics ins Deutsche übersetzt. In den amerikanischen Originalen fanden sich jedoch sogenannte „sound words“ wie „click“, die bei der Bearbeitung nicht verloren gehen sollten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel verortet das Forschungsfeld der Linguistik im Kontext des Sprachwandels und führt den Inflektiv als Gegenstand der Untersuchung ein.
2. Hauptteil: Dieser Teil analysiert die Herkunft des Inflektivs in Comics, seine semantische Vielfalt, die Verwendung im Internet sowie strukturelle Wortbildungsmuster.
3. Resümee: Hier werden die Ergebnisse zusammengefasst und die Notwendigkeit einer weiterführenden, sprachübergreifenden Erforschung des Phänomens unterstrichen.
Schlüsselwörter
Inflektiv, Comicsprache, Internet-Kommunikation, Chat-Kommunikation, Sprachwandel, Asterisken, Linguistik, Semantik, Wortbildung, Verbform, Sprachgebrauch, Mediatisierung, Onomatopoetika, Handlungsbeschreibung, Zustandsbeschreibung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Verbreitung und Verwendung des sogenannten Inflektivs (z. B. *freu*) in der deutschen Sprache.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themen umfassen die sprachhistorische Herkunft in Comics, die funktionale Differenzierung in der Semantik sowie die heutige Bedeutung im Internet.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Inflektiv als sprachliches Phänomen zu definieren, seine Entwicklung von den Comics bis zur digitalen Kommunikation nachzuzeichnen und seine Rolle in der deutschen Sprache einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literatur- und Quellenanalyse, insbesondere auf Basis der Forschungsarbeiten von Peter Schlobinski und Michael Beißwenger.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Ursprungs in Comics, die semantischen Variationen, die Anwendung in der Internet-Kommunikation sowie die morphologische Analyse von Inflektivkonstruktionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Inflektiv, Comicsprache, Sprachwandel, Asterisken-Äußerungen und Internet-Kommunikation.
Warum spielt die Comicsprache eine zentrale Rolle für den Inflektiv?
Die Arbeit legt dar, dass Inflektive historisch eng mit der Übersetzung von „sound words“ aus amerikanischen Comics und deren Adaption an deutsche Standards verbunden sind.
Wie unterscheidet sich die Nutzung von Inflektiven im Internet von der in Comics?
Während sie in Comics oft ikonisch wirken, dienen sie in der Internet-Kommunikation zusätzlich als Ausdrucksmittel für Gefühle, Mimik und Gestik in einem medienbegrenzten Raum.
- Quote paper
- Lukas Kroll (Author), 2009, Die Verbreitung und Verwendung des Inflektivs im Deutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/180531