Regelmäßig wird in den Medien von Datenschutzskandalen und Spitzelaffären berichtet. In letzter Zeit stehen vor allem Privatunternehmen am Pranger, welchen vorgeworfen wird sie würden bei der Erhebung und Verwendung personenbezogener Daten von Arbeitnehmern die Grenze der Zulässigkeit überschreiten. In den letzten Jahren ist dadurch vermehrt die Forderung nach einem stärkeren Schutz hinsichtlich des Umgangs mit personenbezogenen Daten im Rahmen von Arbeitsverhältnissen aufgekommen. Es stellt sich die Frage, ob die aktuelle Forderung nach einem stärkeren Arbeitnehmerdatenschutz gerechtfertigt ist oder ob es sich nur um eine übertriebene Datenschutzhysterie der Bürger handelt. Um diese Frage zu beantworten, werden in dieser Arbeit die unterschiedlichen Fallgruppen der Arbeitnehmerkontrolle dargestellt und rechtliche Kriterien und Grenzen beim Umgang mit personenbezogenen Daten im Rahmen von Arbeitsverhältnissen dargestellt. Da personenbezogene Daten bereits bei Bewerbungsverfahren erhoben und verwendet werden, werden auch diese Fallgruppen rechtlich beurteilt. Bei der Erhebung und Verwendung personenbezogener Daten im Rahmen des Arbeitsverhältnisses liegt der Fokus auf der Arbeitnehmerüberwachung hinsichtlich der Nutzung von Telekommunikationsdienstleistungen und des Web 2.0. Die Fallgruppen werden anhand der bisherigen Rechtsprechung und Ausführungen im juristischen Schrifttum ausführlich dargestellt. Dadurch sollen Regelungslücken und Widersprüche der Gesetzgebung aufgezeigt werden, damit die Frage beantwortet werden kann, ob bzw. inwieweit der Arbeitnehmerdatenschutz reformbedürftig ist. Ob der Gesetzgeber die notwendige Rechtsklarheit und eine Verschärfung des Arbeitnehmerdatenschutzes bereits durch die Einführung einer eigenständigen Gesetzesgrundlage gewährleisten wird, wird anhand des aktuellen Entwurfs der Bundesregierung kritisch beurteilt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung .............................................................................................................................1
1 Entstehung und Entwicklung des Datenschutzes ..........................................................2
1.1 Allgemeines Persönlichkeitsrecht nach Art. 1 und 2 GG.........................................2
1.1.1 Die Entwicklung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts ..................................2
1.1.2 Fallgruppen des allgemeinen Persönlichkeitsrechts.........................................2
1.1.3 Die Sphärentheorie des Bundesverfassungsgerichts.......................................3
1.2 Das Volkszählungsurteil des Bundesverfassungsgerichts im Jahr 1983 ................5
1.3 Die Entstehung und Entwicklung verschiedener Datenschutzgesetze ...................6
1.3.1 Die Entstehung und Entwicklung des BDSG....................................................6
1.3.2 Die Entstehung und Entwicklung anderer Rechtsvorschriften..........................7
2 Gesetzliche Grundlagen des Arbeitnehmerdatenschutzes............................................8
2.1 Mittelbare Drittwirkung von Grundrechten...............................................................8
2.2 Arbeitnehmerdatenschutz im BDSG .......................................................................9
2.2.1 Arbeitnehmerdatenschutz in der Entwicklung des BDSG.................................9
2.2.2 Anwendungsbereiche des BDSG ...................................................................10
2.2.3 Zulässigkeit der Erhebung und Verwendung personenbezogener Daten ......11
2.2.3.1 Grundsätzliche Zulässigkeitsvoraussetzungen ........................................11
2.2.3.2 Zulässigkeit bei der Aufdeckung von Straftaten.......................................11
2.2.3.3 Zulässigkeit von Compliance-Maßnahmen..............................................12
2.2.4 Rechte des Arbeitnehmers im BDSG .............................................................13
2.2.4.1 Recht auf Benachrichtigung und Auskunft...............................................13
2.2.4.2 Recht auf Berichtigung, Sperrung und Löschung ....................................14
2.2.4.3 Anspruch auf Schadensersatz .................................................................14
2.3 Arbeitnehmerdatenschutz in bereichsspezifischen Rechtsvorschriften ................15
2.3.1 Das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG)......................................................15
2.3.1.1 Zielsetzung des Betriebsverfassungsgesetz............................................15
2.3.1.2 Betriebsvereinbarungen ...........................................................................15
2.3.1.3 Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats ....................................................16
2.3.2 Gesetze des Multimediarechts .......................................................................17
2.3.2.1 Geltungsbereich des Mutlimediarechts ....................................................17
2.3.2.2 Das Telekommunikationsgesetz (TKG) ...................................................17
2.3.2.3 Das Telemediengesetz (TMG).................................................................18
3 Fallgruppen des Arbeitnehmerdatenschutzes .............................................................19
3.1 Arbeitnehmerdatenschutz bei Bewerbungen ........................................................19
3.1.1 Fragerecht des Arbeitgebers ..........................................................................19
3.1.2 Bewerberauswahl mit Hilfe psychologischer Testverfahren ...........................22
3.1.2.1 Zulässigkeitsvoraussetzungen psychologischer Testverfahren ...............22
3.1.2.2 Graphologische Gutachten ......................................................................25
3.1.2.3 Assessment-Center..................................................................................26
3.1.2.4 Persönlichkeitstests .................................................................................27
3.1.2.5 Anwendung von DIN-Normen bei psychologischen Testverfahren..........29
3.1.3 Internetrecherche über Daten des Bewerbers................................................30
3.1.3.1 Möglichkeiten der Internetrecherche........................................................30
3.1.3.2 Zulässigkeitsvoraussetzungen einer Internetrecherche...........................33
3.1.3.3 Rechtliche Folgen einer unzulässigen Internetrecherche ........................35
3.1.4 Ärztliche Untersuchungen...............................................................................36
3.1.4.1 Eignungsuntersuchungen ........................................................................36
3.1.4.2 Urinproben und Bluttests..........................................................................36
3.1.4.3 Rechtliche Folgen einer unzulässigen ärztlichen Untersuchung..............38
3.1.5 Genetische Analysen......................................................................................39
3.2 Arbeitnehmerdatenschutz bei bestehenden Arbeitsverhältnissen ........................41
3.2.1 Nutzung von Telekommunikationsdienstleistungen........................................41
3.2.1.1 Direktionsrecht des Arbeitgebers .............................................................41
3.2.1.2 Überwachung bei verbotener privater Nutzung........................................43
3.2.1.3 Überwachung bei erlaubter privater Nutzung...........................................43
3.2.1.3.1 Berücksichtigung des Fernmeldegeheimnisses ................................43
3.2.1.3.2 Überwachung von Telefongesprächen..............................................45
3.2.1.3.3 Überwachung von Internet ................................................................45
3.2.1.3.4 Überwachung von E-Mails.................................................................46
3.2.1.4 Folgen einer unzulässigen Überwachung ................................................48
3.2.2 Nutzung des Web 2.0 .....................................................................................48
3.2.2.1 Nutzung des Web 2.0 während der Arbeitszeit........................................48
3.2.2.1.1 Gestattung der dienstlichen Nutzung des Web 2.0 ...........................48
3.2.2.1.2 Pflicht zur dienstlichen Nutzung des Web 2.0 ...................................49
3.2.2.1.3 Verbot der dienstlichen Nutzung des Web 2.0 ..................................51
3.2.2.1.4 Private Nutzung des Web 2.0 während der Arbeitszeit.....................53
3.2.2.1.5 Behandlung eines dienstlichen Accounts beim Arbeitsplatzwechsel 53
3.2.2.2 Nutzung des Web 2.0 außerhalb der Arbeitszeit .....................................54
3.2.2.2.1 Unternehmensschädliche Äußerungen im Web 2.0 ..........................54
3.2.2.2.2 Verletzung von Betriebsgeheimnissen im Web 2.0 ...........................57
3.2.2.2.3 Whistleblowing im Web 2.0 ...............................................................58
3.2.3 Überwachung mittels Detektiv ........................................................................59
3.2.4 Überwachung mittels Videokamera ................................................................60
3.2.4.1 Überwachung in öffentlich zugänglichen Räumen...................................60
3.2.4.2 Überwachung in nicht öffentlich zugänglichen Räumen ..........................63
3.2.4.3 Rechtliche Folgen einer unzulässigen Videoüberwachung......................64
3.2.5 Datenscreening...............................................................................................64
4 Reformbedürftigkeit des Arbeitnehmerdatenschutzes? ...............................................67
4.1 Bestehende Rechtsunsicherheit............................................................................67
4.1.1 Das Dilemma des Arbeitgebers bei Compliance-Maßnahmen.......................67
4.1.2 Rechtliche Probleme aufgrund zunehmender Technisierung.........................68
4.2 Einführung eines Arbeitnehmerdatenschutzgesetzes ...........................................70
4.2.1 Kritik am derzeitigen § 32 BDSG....................................................................70
4.2.2 Der Gesetzesentwurf zur Regelung eines Beschäftigtendatenschutzes ........71
4.2.2.1 Nicht absehbare Verabschiedung............................................................71
4.2.2.2 Erlaubnistatbestand der Einwilligung nur ausnahmsweise ......................72
4.2.2.3 Rechtliche Änderungen bei Bewerbungen...............................................72
4.2.2.3.1 Fragerecht des Arbeitgebers .............................................................72
4.2.2.3.2 Psychologische Testverfahren und ärztliche Untersuchungen..........73
4.2.2.3.3 Internetrecherche über Daten des Bewerbers...................................73
4.2.2.4 Rechtliche Änderungen bei bestehenden Arbeitsverhältnissen...............74
4.2.2.4.1 Nutzung von Telekommunikationsdienstleistungen ..........................74
4.2.2.4.2 Überwachung mittels Videokamera...................................................75
4.2.2.4.3 Datenscreening .................................................................................76
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die rechtlichen Kriterien und Grenzen bei der Erhebung und Verwendung personenbezogener Daten von Arbeitnehmern. Ziel ist es, angesichts zunehmender technischer Überwachungsmöglichkeiten und der Diskussion um den gläsernen Arbeitnehmer zu klären, ob der aktuelle gesetzliche Schutz ausreichend ist oder ob eine Reform des Arbeitnehmerdatenschutzes, insbesondere durch ein eigenständiges Gesetz, zwingend erforderlich erscheint.
- Grundlagen des Datenschutzes und das informationelle Selbstbestimmungsrecht.
- Rechtliche Anforderungen an die Datenerhebung bei Bewerbungen (z.B. Fragerecht, Eignungstests).
- Überwachung von Arbeitnehmern während bestehender Arbeitsverhältnisse (Telekommunikation, Web 2.0).
- Einsatz technischer Kontrollmaßnahmen wie Videoüberwachung, Detektive und Datenscreening.
- Kritische Würdigung bestehender Gesetze (BDSG) und geplanter Reformen (Entwurf zum Beschäftigtendatenschutz).
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Fragerecht des Arbeitgebers
Bereits bei einem Bewerbungsgespräch wird das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Bewerbers berührt, indem der Arbeitgeber personenbezogene Daten des Bewerbers erhebt. Das Interesse des Arbeitnehmers, nicht in seinem allgemeinen Persönlichkeitsrecht verletzt zu werden, steht dem Interesse des Arbeitgebers gegenüber, Informationen über die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft des Bewerbers zu erhalten. Der Arbeitgeber hat ein Informationsbedürfnis, ob er für seine Leistung eine ausreichende Gegenleistung erhält. Fraglich ist, wie weit das Fragerecht des Arbeitgebers reicht.
Das BAG hat als Richtschnur formuliert, dass ein Fragerecht des Arbeitgebers nur insoweit besteht, als er ein „berechtigtes, billigenswertes und schutzwürdiges Interesse an der Beantwortung seiner Frage für das Arbeitsverhältnis hat“. Dieses Interesse muss in Zusammenhang mit den geschuldeten arbeitsvertraglichen Pflichten stehen. Je weniger eine Frage in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Tätigkeit steht und je stärker der Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Bewerbers ist, desto eher ist die Frage unzulässig.
Mit Inkrafttreten des § 32 Abs. 1 S. 1 BDSG hat der Gesetzgeber ausdrücklich festgelegt, dass personenbezogene Daten erhoben, verarbeitet oder genutzt werden dürfen, wenn dies für die Entscheidung über die Begründung eines Beschäftigungsverhältnisses erforderlich ist. Das BDSG schreibt des Weiteren vor, dass personenbezogene Daten grundsätzlich beim Bewerber selbst einzuholen sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Entstehung und Entwicklung des Datenschutzes: Dieses Kapitel erläutert die verfassungsrechtlichen Grundlagen des Datenschutzes, insbesondere das allgemeine Persönlichkeitsrecht und die Bedeutung des Volkszählungsurteils von 1983 für die informationelle Selbstbestimmung.
2 Gesetzliche Grundlagen des Arbeitnehmerdatenschutzes: Hier werden die gesetzlichen Rahmenbedingungen, primär das BDSG und das BetrVG, sowie die Bedeutung der Grundrechte im Arbeitsverhältnis für den Arbeitnehmerdatenschutz erörtert.
3 Fallgruppen des Arbeitnehmerdatenschutzes: Dieses zentrale Kapitel analysiert detailliert die datenschutzrechtlichen Fragestellungen bei Bewerbungen und im laufenden Arbeitsverhältnis, inklusive spezifischer Überwachungsmaßnahmen wie Internetrecherche, Videokameras und Datenscreening.
4 Reformbedürftigkeit des Arbeitnehmerdatenschutzes?: Das Kapitel diskutiert die aktuelle Rechtsunsicherheit, die Kritik am derzeitigen § 32 BDSG und beurteilt kritisch den Gesetzesentwurf der Bundesregierung zum Beschäftigtendatenschutz.
Schlüsselwörter
Arbeitnehmerdatenschutz, BDSG, informationelle Selbstbestimmung, Personalauswahl, Fragerecht des Arbeitgebers, Videoüberwachung, Compliance-Maßnahmen, Web 2.0, Datenscreening, Whistleblowing, Betriebsverfassungsgesetz, Persönlichkeitsrecht, Beschäftigtendatenschutz, Internetrecherche, Rechtsunsicherheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der rechtlichen Zulässigkeit der Erhebung und Verwendung von personenbezogenen Daten von Arbeitnehmern durch Arbeitgeber im Rahmen von Arbeitsverhältnissen.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die Schwerpunkte liegen auf Bewerbungsverfahren, der Überwachung am Arbeitsplatz (Telefon, Internet, E-Mail), dem Einsatz von Web 2.0-Technologien sowie spezifischen Ermittlungsmaßnahmen wie Videoüberwachung und Datenscreening.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob die aktuelle Gesetzgebung ausreicht, um den Arbeitnehmer ausreichend zu schützen, oder ob eine Reform des Arbeitnehmerdatenschutzes notwendig ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer juristischen Analyse, die sich auf die einschlägige Rechtsprechung (insbesondere des BAG und BVerfG) sowie auf die Auswertungen im juristischen Schrifttum stützt.
Was behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil analysiert verschiedene Fallgruppen der Arbeitnehmerkontrolle, unterteilt in Bewerbungsprozesse sowie bestehende Arbeitsverhältnisse, und bewertet die Reformbedürftigkeit der aktuellen Rechtslage.
Welche Keywords prägen die Untersuchung?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Arbeitnehmerdatenschutz, BDSG, informationelle Selbstbestimmung, Compliance-Maßnahmen, Videoüberwachung und Web 2.0 gekennzeichnet.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Betriebsrats bei der Überwachung?
Sie stellt fest, dass dem Betriebsrat eine wichtige Kontrollfunktion zukommt, etwa bei der Einführung technischer Einrichtungen, er jedoch keine originäre datenschutzrechtliche Zuständigkeit besitzt.
Was ist das Hauptproblem bei der Internetrecherche über Bewerber?
Das Hauptproblem liegt in der Rechtsunsicherheit darüber, ob Internetdaten, die ein Bewerber selbst öffentlich zugänglich gemacht hat, ohne Einschränkung vom Arbeitgeber im Rahmen des Bewerbungsprozesses ausgewertet werden dürfen.
- Quote paper
- Nadine Hammele (Author), 2011, Kriterien und Grenzen bei der Erhebung und Verwendung personenbezogener Daten, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/180464