Diese Arbeit soll aufzeigen, ob und inwiefern ein aktueller Euroskeptizismus in Deutschland auszumachen ist, welche Gründe hierfür verantwortlich sein könnten und ob aufgrund dessen eine Gefahr für die Zukunft der europäischen Integration besteht. Dazu ist es zunächst notwendig, den theoretischen Begriff des Euroskeptizismus und die dazugehörigen Schemata zu definieren, um eine Einteilung möglich zu machen. Daraufhin werden analytisch die Einstellungen der Bevölkerung und der Euroskeptizismus der Eliten untersucht.
Inhaltsverzeichnis
A Kein „Musterknabe“ mehr? - Die BRD nach der Wiedervereinigung
B Ein neuer deutscher Euroskeptizismus als Gefahr für die europäische Integration?
I. Grundlagen zur empirischen Analyse – Das theoretische Konstrukt des Euroskeptizismus und die angewandte Methodik
II. Analyse: Einstellungen zur europäischen Integration in der öffentlichen Meinung und den politischen Eliten der BRD
II.1 Die öffentliche Meinung zur europäischen Integration in der BRD
II.1.1 Principled Support
II.1.2 Generalised Support
II.1.3 Reasoned Support
II.1.4 Die Staatsschuldenkrise im Euro-Raum
II.2 Das Handeln der Bundesregierung in der Staatsschuldenkrise
C Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern in Deutschland ein aktueller Euroskeptizismus existiert, welche Ursachen dafür verantwortlich sein könnten und ob daraus eine Gefahr für die zukünftige europäische Integration erwächst. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Entwicklung während der Staatsschuldenkrise im Zeitraum von 2007 bis 2011.
- Empirische Untersuchung euroskeptischer Haltungen in der deutschen Bevölkerung
- Analyse der Einstellungen zur EU-Mitgliedschaft und zur gemeinsamen Währung
- Rolle des Krisenmanagements der Bundesregierung in der Eurokrise
- Theoretische Abgrenzung von „Hard“ und „Soft“ Euroscepticism
- Reaktion der deutschen politischen Eliten auf den öffentlichen Widerstand
Auszug aus dem Buch
II.1.4 Die Staatsschuldenkrise im Euro-Raum
Im August 2011 waren 17 Staaten Teil der Euro-Zone. Die sogenannte europäische Wirtschafts- und Währungsunion mit der gemeinsamen Währung („Euro“) kann als ein „Herzstück“ der europäischen Integration bezeichnet werden, weshalb deren Stabilität von besonderer Bedeutung für das gesamte europäische Projekt ist. Im Mai 2010 sagten 61 % der von Infratest Dimap Befragten aus, dass sie eher Nachteile in der gemeinsamen Euro-Währung sehen würden. Die Eurobarometer-Daten von 2009 und 2010 zeigen ein anderes Ergebnis (Abb.11): 75 % der Deutschen waren hier 2009 der Meinung, dass der Euro gut für Europa sei, 2010 waren es 68%. Ersichtlich wird hier auch, inwiefern die Ergebnisse von der Fragestellung abhängig sind.
Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise, die seit 2007 ihre Spuren hinterlässt, weitete sich 2010 so weit aus, dass Griechenland seine finanziellen Probleme nicht mehr in den Griff bekam, sich nicht mehr am Kapitalmarkt refinanzieren konnte und damit die Euro-Stabilität gefährdete. Die politische Reaktion der europäischen Staats-und Regierungschefs erfolgte durch die Einführung eines sogenannten „Rettungsschirms“ in Höhe von 750 Milliarden Euro, bei der Deutschland alleine 123 Milliarden Euro bereit stellte.
Dies könnte einer der Gründe für die zunehmende euroskeptische Haltung sein, da im Prinzip der deutsche Steuerzahler für diese Ausgaben gerade stehen muss und sich deshalb als „Zahlmeister Europas“ fühlen könnte. Bestätigt werden diese Annahmen zunächst durch ein weiteres Ergebnis von Infratest Dimap vom Juni 2010 (Abb.12.), bei dem sich 64 % gegen die Bürgschaft für den Schutz des Euro aussprachen. Im Dezember 2010 äußerte sich gar knapp ein Drittel der Befragten (36 %) dahin gehend, dass sie einer Wiedereinführung der D-Mark zustimmen würden (Abb.13).
Zusammenfassung der Kapitel
A Kein „Musterknabe“ mehr? - Die BRD nach der Wiedervereinigung: Dieses Kapitel skizziert den Wandel der deutschen Haltung gegenüber der europäischen Integration seit der Wiedervereinigung und führt in die Problematik des Euroskeptizismus ein.
B Ein neuer deutscher Euroskeptizismus als Gefahr für die europäische Integration?: Das Kernkapitel analysiert auf theoretischer und empirischer Basis die euroskeptischen Strömungen in der deutschen Bevölkerung und Politik, insbesondere unter dem Eindruck der Eurokrise.
I. Grundlagen zur empirischen Analyse – Das theoretische Konstrukt des Euroskeptizismus und die angewandte Methodik: Hier werden die wissenschaftlichen Begriffe des „Hard“ und „Soft“ Euroscepticism definiert und das methodische Vorgehen für die empirische Auswertung festgelegt.
II. Analyse: Einstellungen zur europäischen Integration in der öffentlichen Meinung und den politischen Eliten der BRD: Dieser Abschnitt bietet eine detaillierte Auswertung von Umfragedaten, um die Einstellungen der Bürger und der politischen Akteure zur EU und zum Euro zu beleuchten.
II.1 Die öffentliche Meinung zur europäischen Integration in der BRD: Dieses Unterkapitel widmet sich den verschiedenen Dimensionen der öffentlichen Meinung, differenziert nach prinzipieller Unterstützung, Vertrauen in Institutionen und ökonomischen Interessen.
II.1.1 Principled Support: Es wird untersucht, inwiefern die der EU zugrunde liegenden Werte und Ideale von der deutschen Bevölkerung geteilt und unterstützt werden.
II.1.2 Generalised Support: Hier wird der allgemeine Zuspruch zur EU-Mitgliedschaft und das Bild der Union als Indikator für eine tiefergehende Akzeptanz analysiert.
II.1.3 Reasoned Support: Dieser Punkt betrachtet die Legitimität der EU aus Sicht der Bürger, insbesondere in Bezug auf Demokratie, Transparenz und wahrgenommenen Nutzen.
II.1.4 Die Staatsschuldenkrise im Euro-Raum: Das Kapitel befasst sich mit den Auswirkungen der Eurokrise auf die deutsche öffentliche Meinung und das Vertrauen in die gemeinsame Währung.
II.2 Das Handeln der Bundesregierung in der Staatsschuldenkrise: Hier wird das Spannungsfeld der Regierungspolitik zwischen der Notwendigkeit europäischer Solidarität und dem euroskeptischen Druck aus der eigenen Wählerschaft beleuchtet.
C Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert mögliche Zukünfte sowie die Notwendigkeit einer stärkeren Einbindung der Bevölkerung in den europäischen Einigungsprozess.
Schlüsselwörter
Euroskeptizismus, Europäische Integration, Eurokrise, Deutschland, öffentliche Meinung, Eurobarometer, Rettungsschirm, Wirtschafts- und Währungsunion, Hard Euroscepticism, Soft Euroscepticism, Politische Eliten, EU-Mitgliedschaft, Legitimität, Sozialer Zusammenhalt, Transparenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht das Phänomen eines „neuen“ deutschen Euroskeptizismus und analysiert, ob dieser eine ernsthafte Gefahr für das Projekt der europäischen Integration darstellt.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Im Zentrum stehen die Einstellungen der deutschen Bevölkerung gegenüber der Europäischen Union sowie das Handeln der Bundesregierung während der Staatsschuldenkrise.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, inwiefern die deutsche Öffentlichkeit euroskeptische Züge entwickelt hat und welche Rolle dabei die Eurokrise und die Rettungspolitik spielen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Der Autor nutzt die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring, ergänzt durch die Auswertung zahlreicher quantitativer Bevölkerungsumfragen und Eurobarometer-Daten.
Was wird im umfangreichen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Euroskeptizismus und eine empirische Analyse, die nach Unterstützungskategorien wie „Principled“ oder „Reasoned Support“ differenziert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Euroskeptizismus, Europäische Integration, Eurokrise und das Spannungsfeld zwischen nationaler Politik und supranationaler Verantwortung geprägt.
Wie bewertet der Autor die Haltung der deutschen Regierung?
Der Autor stellt dar, wie die Bundesregierung versucht, den Spagat zwischen europäischer Verantwortung für die Währungsunion und der kritischen, teils skeptischen Haltung der eigenen Wählerschaft zu meistern.
Warum wird der Eurokrise eine besondere Bedeutung beigemessen?
Die Eurokrise fungiert als Katalysator, der die bestehende Unterstützung der EU in Frage stellt und das Thema „Transferunion“ sowie die Bürden für deutsche Steuerzahler in den Fokus der öffentlichen Debatte rückt.
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- Sebastian Kuschel (Author), 2011, Ein neuer deutscher Euroskeptizismus als Gefahr für die europäische Integration?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/180302