Einleitung
Die erste deutsche Kolonialausstellung fand 1896 im Rahmen der Berliner Gewerbeausstellung, welche später auch als verhinderte Weltausstellung bezeichnet wurde, auf dem Gelände des heutigen Treptower Parks statt.
Wie es im Amtlichen Bericht heißt, „...mußte der Versuch, dem deutschen Volke das Kolonialwesen in seinen mannigfachen Verzweigungen vorzuführen, verdienstlich sein“.
Dies sollte u.a. durch eine sog. Völkerschau geschehen, zu der Einwohner aus den deutschen Kolonien angeworben worden waren.
Diese Arbeit strebt an, die Funktion der Völkerschau auf der ersten deutschen Kolonialausstellung im Hinblick auf die von den Organisatoren gesteckten Ziele zu untersuchen.
Dabei möchte ich zunächst den Charakter der Gewerbeausstellung klären mit der Intention, eine Antwort auf die Frage zu finden, warum im Rahmen der Gewerbeausstellung eine Kolonialausstellung ihren Platz fand.
Im einem nächsten Schritt soll die Verankerung der Völkerschauen im öffentlichen Leben Deutschlands darstellt werden, um klären zu können, was die Veranstalter dazu bewegt haben könnte, eine Völkerschau in die Kolonialausstellung aufzunehmen. Im letzten Abschnitt soll die Funktion der Völkerschau im Rahmen der Kolonialausstellung hinsichtlich der durch die Organisatoren gesteckten Ziele anhand der bisher ermittelten Ergebnisse geprüft werden.
Neben dem 1897 herausgegebenen Amtlichen Bericht zur Kolonialausstellung als Quelle lag mir verschiedene neuere Literatur vor, die im einzelnen dem Literaturverzeichnis entnommen werden kann. Besonders hinweisen möchte ich jedoch bezüglich des ersten Abschnitts auf die Veröffentlichung des Bezirksamts Treptow von Berlin, bezüglich der zweiten Frage auf Hilke Thode-Arora und Andrew Zimmerman. Gemein ist vielen Texten, daß sie auf eine bisher unzureichende Erschließung der Quellen, bzw. schlichtweg auf ihr Nichtvorhandensein hinweisen. Dies gilt in besonderem Maße für den Bereich der Rezeption im weitesten Sinne kolonialer Veranstaltungen seitens des Publikums.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Keine Weltausstellung in Berlin - oder doch?
2. Warum eine Kolonialausstellung im Rahmen einer Gewerbeausstellung?
3. Zwischen Wissenschaft und Unterhaltung - die Völkerschauen
4. Warum eine Völkerschau im Rahmen der Kolonialausstellung?
5. Schluß
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Funktion der Völkerschau auf der ersten deutschen Kolonialausstellung 1896 in Berlin. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Motive die Organisatoren dazu bewegten, eine solche Schau in die Ausstellung zu integrieren, und inwiefern diese als Instrument zur Steigerung der Attraktivität und Finanzierung der Veranstaltung diente.
- Charakterisierung der Berliner Gewerbeausstellung 1896
- Integration der Kolonialausstellung in den gewerblichen Kontext
- Gesellschaftliche Rolle und Einordnung der Völkerschauen
- Analyse der Beweggründe der Veranstalter für die Durchführung der Völkerschau
Auszug aus dem Buch
Warum eine Völkerschau im Rahmen der Kolonialausstellung?
Trotz des Interesses der Anthropologen standen Völkerschauen, wie Meinecke anmerkte, offenbar in dem Ruf, der Verbreitung kolonialen Interesses eher abträglich zu sein. Kritik an Völkerschauen war recht selten und bezog sich in der Massenpresse zumeist auf einen geringen Unterhaltungswert, die als mangelhaft empfundene Erfüllung der Authentizitätserwartungen oder auch auf die z.T. äußerst schlechte Behandlung der Darsteller, von denen einige während ihres Aufenthaltes in Deutschland starben. Inhaltliche Kritik kam besonders aus Missionskreisen. Da es sich bei den Darstellern häufig um bereits christianisierte Menschen handelte, oder zumindest um solche, die seit längerem in Kontakt mit Händlern oder Kolonialbeamten standen, wurde es als kontraproduktiv zur eigenen Arbeit empfunden, diese zu heidnischen Ritualen oder archaischen Vorführungen zu zwingen.
Aber auch hinsichtlich der Legitimation der Kolonialherrschaft wurde die Zweckmäßigkeit von Völkerschauen bezweifelt. Das Publikum trug zudem anscheinend oft dazu bei, den angenommenen Überlegenheitsanspruch der Kolonialisten zu unterlaufen. Aus welchem Grund also entschieden sich die Veranstalter angesichts ihrer gesteckten Ziele im Rahmen der Kolonialausstellung auch eine Völkerschau durchzuführen?
Mit 103 angeworbenen Menschen ist die Schau hinsichtlich der Anzahl der Darsteller zu den größten jener Zeit zu zählen. Eine Besonderheit ist auch in dem Umstand zu sehen, daß dem Publikum erstmals in dieser Größenordnung Menschen aus den deutschen Kolonien präsentiert wurden. Der Anspruch an hohe Authentizität wurde paradoxerweise gerade dadurch als gesichert angesehen, daß die Darsteller von den Direktoren des Völkerkundemuseums angewiesen wurden, wie sie beispielsweise ihre Häuser zu errichten hätten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einführung erläutert den historischen Kontext der Kolonialausstellung von 1896 und formuliert die Zielsetzung, die Funktion der Völkerschau im Rahmen der von den Organisatoren verfolgten Ziele zu untersuchen.
1. Keine Weltausstellung in Berlin - oder doch?: Dieses Kapitel analysiert den Charakter der Berliner Gewerbeausstellung als eine nationale Präsentation mit Weltausstellungs-Elementen, die trotz des offiziellen Verzichts auf den Titel "Weltausstellung" nationale Ambitionen verfolgte.
2. Warum eine Kolonialausstellung im Rahmen einer Gewerbeausstellung?: Hier wird untersucht, wie die Kolonialausstellung in den Kontext der größeren Gewerbeausstellung eingebettet wurde, wobei wirtschaftliche Exportinteressen und die Legitimierung kolonialer Bestrebungen eine zentrale Rolle spielten.
3. Zwischen Wissenschaft und Unterhaltung - die Völkerschauen: Dieses Kapitel beleuchtet die gesellschaftliche Einordnung der Völkerschauen, die sich im Spannungsfeld zwischen kommerziellem Unterhaltungswert und wissenschaftlichem Anspruch der Anthropologie bewegten.
4. Warum eine Völkerschau im Rahmen der Kolonialausstellung?: Das Kapitel erörtert die spezifischen Beweggründe der Veranstalter, die Völkerschau als "Besuchermagnet" einzusetzen, um ein breites Publikum anzuziehen und die Finanzierung der gesamten Kolonialausstellung zu sichern.
5. Schluß: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Völkerschau primär als Instrument diente, um die Attraktivität der Ausstellung zu erhöhen und den wirtschaftlichen Erfolg zu fördern.
Schlüsselwörter
Berliner Gewerbeausstellung, Kolonialausstellung, Völkerschau, 1896, Treptower Park, Kolonialismus, Unterhaltungsbranche, Anthropologie, Kommerzielle Interessen, Authentizität, Darsteller, Deutsches Kaiserreich, Kulturkontakt, Propagierung, Besuchermagnet
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die erste deutsche Kolonialausstellung von 1896 in Berlin und konzentriert sich dabei spezifisch auf die Funktion und die Rolle der integrierten Völkerschau.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Themen gehören die Geschichte der Berliner Gewerbeausstellung, die historische Einordnung der Völkerschauen sowie die ökonomischen und ideologischen Beweggründe der Ausstellungsleitung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, herauszufinden, warum die Veranstalter eine Völkerschau in die Kolonialausstellung aufnahmen und welchen Beitrag diese zur Erreichung der gesetzten Ausstellungsziele leistete.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf zeitgenössischen Quellen wie dem "Amtlichen Bericht" sowie auf moderner Fachliteratur zur Kolonialgeschichte und zur Rolle der Völkerschauen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Charakters der Gewerbeausstellung, die Rolle von Völkerschauen in der damaligen Gesellschaft und die spezifische Entscheidung für die Durchführung der Schau im Rahmen der Kolonialausstellung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Berliner Gewerbeausstellung, Völkerschau, Kolonialismus, Kommerzialisierung von Exotik und nationales Selbstverständnis.
Warum war die Integration der Völkerschau für die Veranstalter so wichtig?
Die Veranstalter erkannten, dass rein "tote" Sammlungen nicht ausreichten, um die breite Masse der Bevölkerung anzuziehen; die Völkerschau sollte als Publikumsmagnet dienen, um die Finanzierung der Veranstaltung zu sichern.
Welche Rolle spielten Anthropologen bei diesen Veranstaltungen?
Anthropologen nutzten die Völkerschauen für physische Messungen, was den Ausstellern ein wissenschaftliches Gütesiegel verlieh, das für Reklamezwecke und zur Beruhigung der Behörden genutzt wurde.
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- Norbert Schmidt (Author), 2005, Kolonialmetropole Berlin, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/179698