Hadrian, Antoninus Pius und Marc Aurel lassen sich in das Zeitalter der Adop-tivkaiser einordnen. In dieser Zeit wurde die Nachfolge in der Herrschaft durch Adoption bestimmt, um den jeweils besten auszuwählen. Den Anfang gestal-tete Nerva, der Trajan 97 n. Chr. als Nachfolger bestimmte und endete damit, dass Marc Aurel seinen leiblichen Sohn Commodus zum Nachfolger erklärte. Die Herrschaft der Kaiser von Nerva bis Mark Aurel gilt auch heute noch oft als Glanzzeit des Römischen Reiches.
„Mit den Nachfolgern Nervas begann eine lange Serie jener Herrscher, die ihre göttliche Herkunft von Herrschergeneration zu Herrschergene-ration länger werdend an den Staatsgott Nerva knüpften.“
In der vorliegenden Hausarbeit ist das besondere Augenmerk auf der Betrach-tung des Herrscherkultes auf die Kaiser Hadrian, Antoninus Pius und Marc Aurel gelegt. Es wird wichtig zu sehen sein, inwiefern diese Herrscher ihren Kultstatus und die Vergöttlichung ihrer Vorgänger als Legitimation ihrer eige-nen Herrschaft zu nutzen wussten.
War es möglich, durch die Religion die Herrschaft weiter auszubauen? Inwie-fern konnten sie sich als rechtmäßiger Kaiser legitimieren? Welche Rolle nahm in dieser Position der Kaiserkult ein?
Auch in der modernen Forschung wird dieses Thema diskutiert. Zahlreiche Erscheinungen über die jeweiligen Kaiser behandeln in unterschiedlichen Ka-piteln dieses ebenfalls. An dieser Stelle sind vor allem die Werke von Clauss und Taeger zu nennen, welche eine ausführliche Darstellung der einzelnen Kaiser der gesamtrömischen Zeit wiedergeben, worunter Hadrian, Antoninus Pius und Marc Aurel auch unter diesen Gesichtspunkten betrachtet werden.
Der erste Teil der vorliegenden Hausarbeit gibt einen kurzen Einblick in die geschichtlichen Grundzüge der letzten drei Adoptivkaiser. Er soll vor allem auf
die Beziehungen zwischen ihnen hinweisen und sie ausführen, um die einzelnen Umstände besser verstehen zu können. Anschließend soll ein Einblick in die Praxis der Herrscherverehrung gegeben werden, die vor allem in Rom üblich war.
Im anschließenden Themengebiet, werden die jeweiligen Kaiser im Blick auf den Herrscherkult betrachtet. Es soll dabei Aufschluss darüber gegeben wer-den, wie sie im Einzelnen mit der Divinisierung ihrer Vorgänger umgingen und welche Probleme dabei entstanden. Außerdem sollen auch Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Geschichtliche Grundzüge der Zeit
2.1.) Einordnung des Hadrians
2.2.) Einordnung des Antoninus Pius
2.3.) Einordnung des Marc Aurels
3.) Die Praxis der Herrscherverehrung
3.1.) Verehrung zu Lebzeiten eines Kaisers
3.2.) Die Verehrung nach dem Tod eines Kaisers
4.) Der Kaiserkult im Blick auf Hadrian
4.1.) Hadrians Maßnahmen zur Vergöttlichung Trajans
4.2.) Schwierigkeiten mit dem Senat
4.3.) Die Divinisierung Hadrians nach seinem Tod
5.) Der Kaiserkult im Blick auf Antoninus Pius
5.1.) Tod und Vergöttlichung der älteren Faustina
5.2.) Ablehnung von Ehrungen
5.3.) Die Divinisierung Antoninus Pius` nach seinem Tod
6.) Der Kaiserkult im Blick auf Marc Aurel
6.1.) Marc Aurel und sein Bruder als Staatsgott
6.2.) Tod und Vergöttlichung der jüngeren Faustina
6.3.) Marc Aurels Divinisierung nach seinem Tod
7.) Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung des Herrscherkults als Instrument der politischen Legitimation für die Adoptivkaiser Hadrian, Antoninus Pius und Marc Aurel. Der Fokus liegt dabei auf der Frage, wie diese Kaiser die Divinisierung ihrer Vorgänger und Angehörigen nutzten, um ihre eigene Herrschaft zu stabilisieren und gegenüber dem Senat abzusichern.
- Analyse der historischen Einordnung der Adoptivkaiser.
- Untersuchung der Praxis und politischen Funktion der Herrscherverehrung in Rom.
- Vergleichende Betrachtung der Divinisierungsprozesse bei Hadrian, Antoninus Pius und Marc Aurel.
- Rolle des Kaiserkults als Mittel zur Legitimation und Herrschaftskontrolle.
Auszug aus dem Buch
3.) Die Praxis der Herrscherverehrung
„Eine Gottheit Roma war als Band zu wenig um das Reich zusammenzuhalten. Es war vielmehr der Herrscherkult, der die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen verband.“
Beschäftigt man sich mit der Herrscherverehrung im antiken Rom, so wird man schnell mit dem Begriff Herrscherkult konfrontiert. So ergibt sich die Frage, ob der Herrscherkult mit dem Begriff Götterkult zu vereinbaren ist. Ein Kult beschreibt das Verhalten von Menschen gegenüber Gottheiten. Der Herrscherkult ist also als eine Art Untergruppierung des Götterkultes zu betrachten, da es um die Verehrung einer einst lebenden Gottheit geht.
Gottheiten garantieren den Menschen Wohlergehen und Zusammenhalt. Der pater patriae war aus damaligem Blickwinkel zum Schutz der Menschen bestimmt. Diese Sicherheiten konnte durch die Verehrung als Gott weiter ausgebaut werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Diese Einführung erläutert die Bedeutung der Adoptivkaiser für das Römische Reich und stellt die Forschungsfrage nach dem Zusammenhang zwischen Kaiserkult und Herrschaftslegitimation.
2.) Geschichtliche Grundzüge der Zeit: Hier werden die biografischen Hintergründe von Hadrian, Antoninus Pius und Marc Aurel dargelegt, insbesondere im Hinblick auf ihre Nachfolgeregelungen.
3.) Die Praxis der Herrscherverehrung: Das Kapitel definiert den Kaiserkult als politisches Instrument zur Kontrolle und zur Etablierung von Legitimität gegenüber dem Senat und dem Volk.
4.) Der Kaiserkult im Blick auf Hadrian: Hadrian versuchte durch die Vergöttlichung Trajans und anderer ihm nahestehender Personen seine Herrschaft zu festigen, stieß dabei jedoch auf Widerstände im Senat.
5.) Der Kaiserkult im Blick auf Antoninus Pius: Dieser Abschnitt beschreibt die postume Divinisierung von Antoninus Pius und betont seine geschickte Nutzung ritueller Ehrungen, um seine eigene Position zu legitimieren.
6.) Der Kaiserkult im Blick auf Marc Aurel: Marc Aurel steigerte die Praxis des Kaiserkults durch die Einbeziehung seines Bruders Lucius Verus und seiner Frau Faustina als Staatsgötter signifikant.
7.) Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass der Kaiserkult im Laufe der untersuchten Epoche zunehmend an Bedeutung gewann und als unverzichtbares Mittel der Herrschaftssicherung fungierte.
Schlüsselwörter
Adoptivkaiser, Kaiserkult, Divinisierung, Herrscherverehrung, Legitimation, Römische Geschichte, Hadrian, Antoninus Pius, Marc Aurel, Senat, Historia Augusta, Cassius Dio, Staatsgott, Apotheose, Herrschaftskontrolle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Funktion des Kaiserkults bei den drei Adoptivkaisern Hadrian, Antoninus Pius und Marc Aurel und wie diese den Kult nutzten, um ihre Macht im Römischen Reich zu sichern.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Im Zentrum stehen die historische Einordnung der Kaiser, die Praxis der Herrscherverehrung, der Umgang mit der Divinisierung von Vorgängern sowie die politischen Spannungen zwischen Kaiser und Senat.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Es wird untersucht, inwieweit der Kaiserkult als religiöses Instrument zur politischen Legitimation und Herrschaftsstabilisierung diente.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer Quellenanalyse antiker Texte wie der Historia Augusta und Cassius Dio, die mit aktueller Forschungsliteratur in den historischen Kontext eingeordnet werden.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert spezifisch die Handhabung des Kaiserkults durch die drei Kaiser, inklusive ihrer Bemühungen um die Vergöttlichung von Vorgängern und Familienmitgliedern sowie der daraus resultierenden Folgen.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kaiserkult, Adoptivkaiser, Divinisierung, Herrscherlegitimation, Senat und Staatsgott.
Warum war die Divinisierung für Hadrian so schwierig durchzusetzen?
Hadrian hatte mit einer anfänglich ungünstigen Ausgangslage zu kämpfen, und der Senat zeigte sich generell zögerlich, Menschen als Götter anzuerkennen, was zu langen Disputen führte.
Welche Rolle spielte Antoninus Pius bei Hadrians Divinisierung?
Antoninus Pius setzte sich energisch für die Divinisierung seines Adoptivvaters ein, um dadurch seine eigene Adoption und seine Herrschaft rechtlich abzusichern.
Wie unterschied sich Marc Aurel in seiner Haltung zum Kaiserkult?
Obwohl Marc Aurel die Vergöttlichung lebender Personen durch seine stoische Weltanschauung ablehnte, führte er bei seinen verstorbenen Angehörigen (wie Lucius Verus) eine besonders weitreichende Divinisierung durch.
Was war das "Schwebende Verfahren" der postumen Divinisierung?
Das Leben des Princeps wurde so zu einem Prozess, in dem er durch Wohltaten und Bescheidenheit nachweisen musste, dass er würdig war, nach seinem Tod als Gott verehrt zu werden.
- Quote paper
- Julia Rudloff (Author), 2010, Der Kaiserkult der letzten drei Adoptivkaiser, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/179664