Während Barack Obama seit seiner Amtseinführung im eigenen Land stark an Zuspruch eingebüßt hat, bleiben seine Werte in Deutschland bisher auf konstant hohem Niveau. Dabei ist es jedoch interessant festzustellen, dass die Sympathie für Obama die eine Seite der derzeitigen Amerika-Rezeption ist; die andere ist eine ungebrochen von alten Stereotypen und von Ablehnung geprägte deutsche Berichterstattung. Diese Arbeit wird aufzeigen, dass sich die oberflächliche Amerikarezeption in Deutschland seit 2008 im Sinne einer ausgewogeneren Meinung gegenüber der Obama-Administration zwar verbessert hat, der Antiamerikanismus jedoch immer noch fest in Teilen der deutschen Berichterstattung über die Vereinigten Staaten verankert ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Antiamerikanismus in Deutschland
3. Obamania in Deutschland
4. „Mr. Change“ und die Beständigkeit des deutschen Antiamerikanismus
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Amerikarezeption in Deutschland seit dem Amtsantritt von Barack Obama im Jahr 2008. Ziel ist es aufzuzeigen, dass trotz einer oberflächlichen Verbesserung der Einstellung gegenüber der Obama-Administration antiamerikanische Stereotype weiterhin tief in der deutschen Medienlandschaft verankert sind und als Mittel der nationalen Selbstreflexion dienen.
- Analyse der Dynamik zwischen Amerikaphilie und Antiamerikanismus.
- Untersuchung der Medienberichterstattung in Spiegel Online, Bild.de und Der Spiegel.
- Abgrenzung der Begriffe Amerika-Kritik und Antiamerikanismus.
- Die Rolle der USA als Projektionsfläche für deutsche Identitätsfragen.
- Der Einfluss der "Obamania" auf das deutsche Amerikabild.
Auszug aus dem Buch
4. „Mr. Change“ und die Beständigkeit des deutschen Antiamerikanismus
Amerika wird in Europa schon seit dem Ende des 19. Jahrhundert als Ursprung moderner Ängste dargestellt. Der Antiamerikanismus stellt in dieser Hinsicht eine Reaktion auf Amerikas politische, militärische und wirtschaftliche Macht dar. Dahinter steckt die Überzeugung, dass allein Amerika als globale Supermacht für die Negativauswirkungen der Moderne verantwortlich ist. Rob Kroes folgert: “America is a metaphor for the Promethean exploration of the frontier of modernity”. Globale Missstände und schlechte Entwicklungen werden mit dem Sündenbock Amerika verknüpft und Europa damit die Verantwortung für Fehler und Schuldigkeit abgesprochen. Einer besseren Problemanalyse wird dadurch von Anfang an der Boden entzogen.
Der mexikanische Ökonom und Soziologe Julian Namé argumentiert, dass die Amerikarezeption ganz Europas heute von Angst und der Beschwörung drohender Gefahren geprägt ist. Er führt als Beispiele arglistige US-Unternehmen an, die für den Transfer inhumaner Technologien nach Europa und damit Krankheiten wie BSE oder die Vogelgrippen-Pandemie verantwortlich gemacht werden. Eine weitere Fahrlässigkeit sei die Ignoranz der amerikanischen Politik gegenüber Umweltfragen. Die Welt und mit ihr jeder einzelne Mensch sei verletzlich geworden, weil schlechte amerikanische Einflüsse die Welt unbestimmten Gefahren aussetzen würden. Dies reflektiere die heutige Amerikafeindlichkeit.
Besonders in Bezug auf den Klimawandel und die damit verbundenen Gefahren wird Amerikas Gesellschaft pauschal verurteilt. Obama wird zwar als Befürworter strengerer Klimaschutzvorhaben dargestellt, doch ist das amerikanische Konsumverhalten dafür verantwortlich, dass weitreichende multilaterale Klimaabkommen bisher nicht zu Stande gekommen sind. Obama wird als Verräter seiner eigenen Ideale beschrieben, der die Welt mit seiner inkonsequenten Politik gefährdet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Amerikarezeption in Deutschland, Definition der Zielsetzung und methodischer Ansatz der Arbeit.
2. Antiamerikanismus in Deutschland: Erörterung der kulturellen und politischen Hintergründe sowie der Charakteristika des deutschen Antiamerikanismus.
3. Obamania in Deutschland: Analyse der euphorischen Aufnahme Obamas in Deutschland und dessen Auswirkungen auf das Amerikabild.
4. „Mr. Change“ und die Beständigkeit des deutschen Antiamerikanismus: Untersuchung, wie trotz der Popularität Obamas alte antiamerikanische Stereotype in der Medienberichterstattung fortbestehen.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der transatlantischen Beziehungen und Prognose zur Fortdauer antiamerikanischer Tendenzen.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Antiamerikanismus, Amerikarezeption, Deutschland, Barack Obama, Medienberichterstattung, Obamania, Stereotype, transatlantische Beziehungen, Amerika-Kritik, Mentalitätengeschichte, Klimapolitik, Weltwirtschaftskrise, Identität, Vorurteile, Kultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die deutsche Amerikarezeption im Kontext des Amtsantritts von Barack Obama und untersucht, inwiefern antiamerikanische Denkmuster trotz einer positiveren Wahrnehmung der Person Obama bestehen bleiben.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Wandel des Amerikabildes, die psychologische Funktion von Antiamerikanismus als Mittel der deutschen Identitätsfindung sowie die Rolle der deutschen Medien bei der Verbreitung von Stereotypen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass der Antiamerikanismus in Deutschland trotz einer oberflächlichen „Obamania“ weiterhin tief verwurzelt ist und als emotionaler Reflex auf globale Krisen fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Analyse bedient sich des Ansatzes der „Mentalitätengeschichte“ und wertet exemplarisch Artikel aus führenden deutschen Online-Medien und Zeitschriften aus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Charakterisierung des deutschen Antiamerikanismus, der Euphorie um Obama sowie einer detaillierten Medienanalyse, die zeigt, wie aktuelle Probleme wie Klimawandel und Wirtschaftskrise erneut mit alten Vorurteilen verknüpft werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Antiamerikanismus, Obamania, Stereotype und transatlantische Beziehungen charakterisiert.
Inwiefern dient der Antiamerikanismus der deutschen Selbstreflexion?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Amerika oft als Projektionsfläche für eigene deutsche Probleme und Fragen nach der nationalen Identität dient, um sich durch die Abgrenzung zum vermeintlich „schlechten“ Amerika moralisch überlegen zu fühlen.
Warum wird Obama trotz der Fortdauer antiamerikanischer Tendenzen so verehrt?
Obama wird in Deutschland oft als „Europäer“ mit europäischen Werten wahrgenommen, was es den Deutschen ermöglicht, ihn positiv zu besetzen, während das reale Amerika weiterhin kritisch betrachtet wird.
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- Bachelor of Arts Christopher Reichow (Author), 2011, A never-ending story? Antiamerikanismus in Deutschland seit dem Amtsantritt Barack Obamas, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/179616