Zu Recht werden gegenwärtig Wichtigkeit und Nutzen des Mündlichen im Fremdsprachenunterricht sowie des kooperativen Lernens im unterrichtlichen Kontext generell seitens der (fach-)didaktischen Literatur besonders herausgestellt. Kieweg beispielsweise betont: „Das mündliche Miteinander-Kommunizieren-Können ist die Schlüsselqualifikation schlechthin und dominiert auch die meisten Schreibprodukte, die letztendlich in der Mündlichkeit enden.“ Dennoch wird das Mündliche im unterrichtlichen Alltag leider immer noch stiefmütterlich behandelt. So geben zahlreiche deutsche Schulabgänger zu, dass sie sich bei einem Auslandsaufenthalt im englischsprachigen Raum im alltäglichen Gespräch äußert unsicher fühlen, da sie das Englische nie als eigentliches Kommunikationsmittel erlernt haben. Ebenso attestiert Lummel, dass „in der Unterrichtsrealität das zusammenhängende Sprechen in der Fremdsprache über mehrere Minuten eine Ausnahme geblieben ist.“ Noch erschreckender stellen sich die Ergebnisse der DESI-Studie dar, die aufgezeigt haben, dass die Lehrperson im Unterricht in der Regel mehr als doppelt so viel wie alle Schülerinnen und Schüler zusammen spricht. Dementspre-chend besteht ein akuter Handlungsbedarf in Bezug auf die mündliche Kommunikation im Fremdsprachenunterricht. Dass die zitierten Quellen keine haltlosen Theorien darstellen, zeigt das konkrete Beispiel der im Folgenden beschriebenen Lerngruppe, mit der das Vorhaben, Mündlichkeit durch kooperative Arbeitsformen zu fördern und zu verbessern, praktisch erprobt wurde. Der Lehrplan schreibt kooperativen Arbeitsformen einen besonders hohen Stellenwert zu. Dies ist natürlich nicht nur darauf zurückzuführen, dass Kooperation und Kommunikation miteinander Hand in Hand gehen, die Vorteile des kooperativen Lernens sind selbstverständlich erheblich weitreichender. Im Folgenden soll allerdings insbesondere ein zielorientierter Zusammenhang zwischen Mündlichkeit und kooperativem Lernen am Beispiel einer elften Gymnasialklasse hergestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Herkunft und unterrichtlicher Kontext des Themas „Verbesserung der Mündlichkeit im Fremdsprachenunterricht durch drei kooperative und schüleraktivierende Methoden“
1.1 Der Stellenwert der kommunikativen Fähigkeiten in der Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe
1.2 Eigene Erfahrungen und Beobachtungen
1.3 Sachstruktureller Entwicklungsstand der Lerngruppe
1.4 Das Vorhaben im Kontext der Lehrerfunktionen
2 Methodisch-didaktische Überlegungen
2.1 Mündlichkeit im Fremdsprachenunterricht
2.2 Das Prinzip des kooperativen Lernens
2.3 Die ausgewählten Methoden
2.3.1 Think-pair-share
2.3.2 Die Gesprächsmühle
2.3.3 Das Gruppenpuzzle
3 Darstellung der didaktischen Umsetzung
3.1 Schaffung geeigneter Ausgangsbedingungen zur Verbesserung der Mündlichkeit im Fremdsprachenunterricht
3.2 Eignung des Romans zur Verbesserung der Mündlichkeit im Fremdsprachenunterricht
3.3 Umgang mit Fehlern
3.4 Überblick über die Unterrichtsreihe
3.5 Darstellung der durchgeführten Methoden
3.5.1 Die Gesprächsmühle in Stunde 8 Christopher and the police
3.5.2 Das Gruppenpuzzle in den Stunden 11 und 12 Mrs. Boone – a callous mother?
3.5.3 Think-pair-share in Stunde 19 Christopher and the meaning of dogs in his life
4 Evaluation und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie durch den Einsatz spezifischer kooperativer Lernmethoden die Hemmungen von Schülern der gymnasialen Oberstufe abgebaut und ihre mündliche Sprachkompetenz im Englischunterricht gezielt gesteigert werden kann.
- Förderung der Mündlichkeit durch kooperative Lernformen.
- Einsatz und methodische Umsetzung von Think-pair-share, Gesprächsmühle und Gruppenpuzzle.
- Erarbeitung der Lektüre „The Curious Incident of The Dog in The Night-Time“ von Mark Haddon.
- Umgang mit Fehlern im kommunikativen Fremdsprachenunterricht.
- Evaluation der Unterrichtsreihe durch Schülerbefragungen.
Auszug aus dem Buch
3.3 Umgang mit Fehlern
Selbstverständlich sollte Ziel des Englischunterrichts sein, dass die Lernenden möglichst fehlerfrei sprechen. Allerdings hat die Fremdsprachendidaktik erkannt, dass die Verfolgung dieses Ziels nicht immer Priorität haben kann. So hat sich eine Fehlertoleranz etabliert, die von der Zielsetzung der jeweiligen Unterrichtsphase abhängt. Dementsprechend sollten produktive Phasen von minimaler Fehlerkorrektur geprägt sein, wohingegen imitative Phasen intensive Korrekturen verlangen. Da es in der vorliegenden Unterrichtsreihe vorrangig darum geht, die Lernenden zum Sprechen zu motivieren und so die mündliche Sprachproduktion im Vordergrund steht, wurde durchgängig das Prinzip der message before accuracy verfolgt.
Offensichtlich hätte eine ständige korrektive Unterbrechung durch die Lehrperson den Sprachfluss der Lernenden gestört und diese zudem verunsichert und demotiviert. Daher wurde der Korrektur sprachlicher Fehler über die gesamte Unterrichtsreihe hinweg eine eigene Phase eingeräumt, die entweder direkt im Anschluss an produktive Phasen oder vorab im Einstieg zur nächsten Stunde platziert wurde. In der Praxis bedeutete dies, dass ich als Lehrperson die Fehler der Lernenden notiert und diese auf Folie oder Tafel unter der Überschrift language mistakes in our spoken English visualisiert habe, sodass sie im Plenum anschaulich thematisiert und in den meisten Fällen durch die Lernenden selbst verbessert werden konnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Herkunft und unterrichtlicher Kontext des Themas „Verbesserung der Mündlichkeit im Fremdsprachenunterricht durch drei kooperative und schüleraktivierende Methoden“: Dieses Kapitel erläutert die Ausgangslage, in der die Bedeutung mündlicher Kompetenz sowie die Herausforderungen der Lerngruppe im Hinblick auf Sprechhemmungen dargelegt werden.
2 Methodisch-didaktische Überlegungen: Hier werden theoretische Grundlagen zur Mündlichkeit im Fremdsprachenunterricht sowie die Prinzipien kooperativen Lernens und die spezifischen gewählten Methoden vorgestellt.
3 Darstellung der didaktischen Umsetzung: Dieses zentrale Kapitel beschreibt die praktische Planung der Unterrichtsreihe sowie die detaillierte Durchführung der drei ausgewählten kooperativen Methoden anhand konkreter Unterrichtsstunden.
4 Evaluation und Ausblick: Der abschließende Teil reflektiert die Ergebnisse der Unterrichtsreihe auf Basis der durchgeführten Evaluation und bewertet den Erfolg der angewandten Methoden für die Förderung der Mündlichkeit.
Schlüsselwörter
Mündlichkeit, Fremdsprachenunterricht, Kooperatives Lernen, Think-pair-share, Gesprächsmühle, Gruppenpuzzle, Kommunikative Kompetenz, Fehlerkorrektur, Mark Haddon, Sprechhemmungen, Schüleraktivierung, Unterrichtsplanung, Oberstufe, Sprachproduktion, Evaluation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Verbesserung der mündlichen Sprachproduktion im Englischunterricht einer elften Gymnasialklasse durch den Einsatz kooperativer Methoden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Förderung der Mündlichkeit, der Anwendung von kooperativen Arbeitsformen und der Arbeit mit der Ganzschrift von Mark Haddon.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Hauptziel ist es, die Hemmschwellen der Lernenden gegenüber freiem Sprechen in der Fremdsprache durch schüleraktivierende Methoden abzubauen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen praxisorientierten Ansatz, bei dem Unterrichtsmethoden (Think-pair-share, Gesprächsmühle, Gruppenpuzzle) geplant und praktisch erprobt sowie anschließend durch Schülerbefragungen evaluiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der didaktischen Umsetzung der Unterrichtsreihe, inklusive der Materialaufbereitung, dem Umgang mit Fehlern und der detaillierten Beschreibung der gewählten Stunden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mündlichkeit, kooperatives Lernen, kommunikative Kompetenz, Schüleraktivierung und Fehlerkultur.
Warum wurde die "Gesprächsmühle" als Methode gewählt?
Die Gesprächsmühle wurde insbesondere als Einstieg gewählt, um träge Gruppen in den Morgenstunden zu aktivieren und niederschwellig zum Sprechen zu motivieren.
Welchen Vorteil bietet das Gruppenpuzzle für die Lerngruppe?
Das Gruppenpuzzle fördert die Eigenverantwortung der Lernenden und zwingt durch die Arbeit in Experten- und Stammgruppen jeden zur aktiven Beteiligung.
Wie wurde mit Fehlern umgegangen?
Die Arbeit verfolgt das Prinzip „message before accuracy“, bei dem Fehler gesammelt und in einer separaten Phase visualisiert und gemeinsam besprochen wurden, statt den Sprachfluss sofort zu unterbrechen.
Was ist das Ergebnis der Evaluation?
Die Evaluation zeigt, dass sich die Hemmschwellen reduziert haben, die Schüler motivierter sind und eine rege Teilnahme am Unterrichtsgeschehen erreicht wurde.
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- Ilona Gaul (Author), 2009, Think-pair-share, Gesprächsmühle und Gruppenpuzzle zur Verbesserung der Mündlichkeit im Fremdsprachenunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/179534