In dieser Arbeit soll die Motivation der amerikanischen Administration für den Golfkrieg aus Sicht der politischen Theorie des Neorealismus erklärt werden. Entscheidend für die Legitimation eines Einmarsches im Irak galt der Bush-Administration die angebliche Verstrickung des irakischen Regimes in den internationalen Terrorismus, und somit die ernste Bedrohung für die weltweite Sicherheit. Wie wir heute wissen lag diese weltweite Bedrohung durch den Irak nicht vor, der Schutz der Sicherheit als Legitimation für einen Krieg ist hingegen ein wichtiger Teil der neorealistischen politischen Theorie. Im ersten Teil der Arbeit wird daher zunächst die politische Theorie des Neorealismus mit seinen unterschiedlichen Sichtweisen dargestellt, die versuchen politisches Handeln von Staaten hinsichtlich ihrer Motivation zu erklären. Nach einer kurzen Chronologie des Golfkriegs folgt im Hauptteil der Arbeit die Anwendung der politischen Theorie auf dessen Ereignisse. In der Zusammenfas-sung sollen die Auswirkung des Glaubens an die Theorie auf die Handlungsweise der amerikanischen Administration kritisch betrachtet und anhand von alternativen Theorien und Handlungsweisen hinterfragt werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Theorie des Neorealismus
1.2 Die Außenpolitik der Bush-Administration und der „offensive Realismus“
2. Der Fall Irak
2.1 Der Sicherheitsaspekt: Irak im Fokus
2.2 Geostrategisches, ökonomisches und militärisches Interesse am Irak
Zusammenfassung
Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Motivation der amerikanischen Administration für den Golfkrieg unter Anwendung der neorealistischen politischen Theorie. Dabei wird insbesondere analysiert, inwieweit hegemoniale Sicherheitsinteressen und Machtkalküle die offizielle Legitimationsstrategie der US-Regierung beeinflusst haben.
- Neorealistische Theorie und ihre zwei Ausprägungen
- Außenpolitische Doktrin der Bush-Administration
- Sicherheitsbedrohungen durch sogenannte Schurkenstaaten
- Geostrategische und ökonomische Interessen am Irak
- Die Rolle internationaler Institutionen wie UN und EU
Auszug aus dem Buch
1. Die Theorie des Neorealismus
Die Theorie geht zurück auf den Politologen Kenneth Waltz, der 1959 die Ursachen für Krieg und Möglichkeiten für den Frieden näher betrachtete. Die Theorie untersucht die drei Analyseebenen des 1. Zusammenhangs zwischen menschlichem Verhalten und internationalen Konflikten, 2. dem Einfluss der Gesellschaftsordnung auf zwischenstaatliche Konflikte und 3. dem Zusammenhang zwischen „internationaler Anarchie“ und internationalen Konflikten. Als „internationale Anarchie“ bezeichnete Waltz das Fehlen eines zuverlässigen Prozesses zur Regulierung von Konflikten. Die Theorie ist stark beeinflusst von der Systemtheorie. So beeinflusst die Struktur des Systems auch die Handlungen seiner Akteure und politische Strukturen sind nach Waltz gekennzeichnet durch: 1.Ordnungsprinzipien, 2. Eigenschaften der Akteure, 3. Stärkeverhältnisse der Akteure untereinander.
Die Ordnungsprinzipien der Systeme werden unterschieden in:
1. Das einzelstaatliche System welches zentralistisch und hierarchisch geordnet ist
2. Das internationale System, welches dezentral und „anarchisch“, also ohne „übergeordnete Regelinstanz“ existiert.
Die im internationalen System vorhandene anarchische Struktur birgt nach Waltz letztendlich das Risiko für gewaltsame Konflikte. Durch die Dezentralität befinden sich die Einzelstaaten in einem ständigen politischen und ökonomischen Wettbewerb, nach Krell ein sozialdarwinistischer Ansatz innerhalb der Theorie. Innerhalb dieses Wettbewerbs herrscht ein Kampf um die Erhaltung nationaler Sicherheit und Macht, wobei nach Krell insbesondere die Frage der Sicherheit „weiter politologisch aufgelöst“ werden muss, da sie nicht „unabhängig von Wahrnehmungen, Interpretationen und Interessen ist“, die ideologiekritisch hinterfragt werden müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Fragestellung und den neorealistischen Analyserahmen zur Untersuchung der US-Motivation im Golfkrieg.
1. Die Theorie des Neorealismus: Erläuterung der Grundlagen nach Kenneth Waltz und Abgrenzung zwischen defensivem und offensivem Realismus.
1.2 Die Außenpolitik der Bush-Administration und der „offensive Realismus“: Analyse des US-Hegemonialstrebens und der Einteilung des globalen Systems in verschiedene Akteursgruppen.
2. Der Fall Irak: Untersuchung der unmittelbaren Kriegsbegründung durch die Bush-Administration im Kontext der Anschläge vom 11. September.
2.1 Der Sicherheitsaspekt: Irak im Fokus: Darstellung der Behauptungen bezüglich Massenvernichtungswaffen und der Konstruktion einer „Achse des Bösen“.
2.2 Geostrategisches, ökonomisches und militärisches Interesse am Irak: Diskussion realpolitischer Motive, insbesondere Ölinteressen und die Rolle des Dollars als Weltwährung.
Zusammenfassung: Fazit zur Transformation der globalen Machtstruktur und der Rolle der US-Hegemonie.
Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Neorealismus, Offener Realismus, Bush-Administration, Golfkrieg, Hegemonie, Internationale Anarchie, Schurkenstaaten, Massenvernichtungswaffen, Geopolitik, Globalisierung, US-Außenpolitik, Sicherheitsinteressen, Machtmaximierung, Ölreserven, Internationale Institutionen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die US-amerikanische Außenpolitik und die Motive für den Dritten Golfkrieg unter der theoretischen Perspektive des Neorealismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Thematische Schwerpunkte sind die neorealistische Theorie, das US-Hegemonialstreben, die Rolle der internationalen Sicherheit sowie geostrategische Interessen im Nahen Osten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Motivation der Bush-Administration für den Einmarsch in den Irak durch die neorealistische Brille zu erklären und kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Theorieanwendung, bei der politikwissenschaftliche Konzepte des Neorealismus auf die tatsächlichen Ereignisse des Golfkriegs angewendet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Theorie des offensiven Realismus, der Außenpolitik der USA, der Konstruktion des Irak als Sicherheitsbedrohung und den tatsächlichen strategischen und ökonomischen Interessen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Neorealismus, Hegemonie, Sicherheitsinteressen, Schurkenstaaten und internationale Anarchie sind zentral für das Verständnis der Arbeit.
Wie bewertet der Autor die Rolle des „offensiven Realismus“ bei der Entscheidung zum Krieg?
Der Autor argumentiert, dass der offensive Realismus die Notwendigkeit zur Machtmaximierung postuliert, was die US-Administration dazu veranlasste, ihre Hegemonie durch militärische Interventionen zu sichern.
Welche Bedeutung kommt dem Dollarkurs und dem Ölexport im Dokument zu?
Das Dokument beleuchtet die These, dass der Golfkrieg auch dazu diente, die Dominanz des Dollars als Weltwährung zu stützen und die Kontrolle über Ölreserven gegen Konkurrenten zu wahren.
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- MA Guido Maiwald (Author), 2004, Der Dritte Golfkrieg aus der Sicht des (Neo-) Realismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/179532