Der Schuleintritt ist für jedes Kind ein einschneidendes Erlebnis. Durch die neuen Tages- und Zeitabläufe, anderen Räumlichkeiten, neuen Mitschüler und Mitschülerinnen und die für alle gleich geltenden Lern- und Arbeitsbedingungen ist der eigene individuelle Handlungsspielraum gekürzt worden. Die hinzukommende Leistungsvielfalt, beispielsweise durch bereits vorhandenes Vorwissen aus dem Kindergarten, führt zu verschiedenen Entwicklungen der Kinder, und die Schere der Leistungsdifferenzen aufgrund der heterogenen Lerngruppe kann größer werden.
„Von allen Schulstufen hat die Grundschule die längste und fundierteste Erfahrung im Umgang mit Heterogenität, denn sie ist immer schon die Schule für alle Kinder gewesen …“ (Ki-per, Müller, Palentien, Rohlfs 2008, S. 107). Lern- und Kompetenzunterschiede sind in der Elementarschule besonders deutlich und gravierend. Ferner sind die Erwartungen der Eltern hinsichtlich des angestrebten Übertritts auf eine weiterführende Schule dementsprechend hoch und die psychischen Auswirkungen auf die Kinder enorm.
Wie gelingt es der Lehrkraft, diese Heterogenität nicht als ein Problem zu sehen, sondern als eine bestehende Situation zu akzeptieren, aus der man mit spezieller Einzelförderung und In-dividualisierung sogar Gewinne und Nutzen erzielen kann?
In dieser Arbeit wird ein Überblick über die Förderungsmöglichkeiten im heterogenen Elementarunterricht gegeben. Da ich bereits selbst in einem Praktikum an der Kissinger Grundschule Einzelförderung für mathematisch schwache Schüler durchführen durfte, wählte ich das Thema gezielt aus. Die Arbeit umfasst eine Darstellung der Leistungsheterogenität in der Bundesrepublik Deutschland, bezogen auf innere und äußere Differenzierung. Des Weiteren wird besonders auf die mathematische Kompetenz und ihre Bereiche Bezug genommen und diese mit Beispielen dargestellt. Zum Kompetenzbereich Argumentieren wird die Beispielaufgabe „Glücksrad“ gezeigt und erläutert, und das zugehörige Antwortschema mit Beispiellösungen von Schülern präsentiert. Ferner werden basale Lernkompetenzen der Lehrkräfte, die eine wichtige Voraussetzung für den Umgang mit Heterogenität darstellen, und eine mögliche Förderungsmöglichkeit im elementaren Mathematikunterricht vorgestellt. Zum Schluss erfolgt eine Zusammenfassung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Problem der Leistungsheterogenität
2.1 Innere Differenzierung
2.2 Äußere Differenzierung
3. Mathematische Kompetenzen
3.1 Bereiche
3.2 Untersuchung zum Kompetenzbereich Argumentieren
4. Förderung von mathematischen Kompetenzen
4.1 Förderung basaler Lernkompetenz der Lehrkräfte
4.2 Rechentreppen
5. Schluss
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht Möglichkeiten zur optimalen Förderung mathematischer Kompetenzen im heterogenen Elementarunterricht. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Lehrkräfte durch Differenzierungsmaßnahmen und gezielte Förderung den individuellen Lernvoraussetzungen von Kindern gerecht werden können, um so die Leistungskluft innerhalb heterogener Klassen zu verringern.
- Umgang mit Leistungsheterogenität in der Grundschule
- Methoden der inneren und äußeren Differenzierung
- Mathematische Kompetenzbereiche gemäß Bildungsstandards
- Evidenzbasierte Förderung durch Lernbilanzierung und Rechentreppen
- Bedeutung der professionellen Lehrerrolle und Einstellung zur Heterogenität
Auszug aus dem Buch
2.1 Innere Differenzierung
Innere Differenzierung, auch Binnendifferenzierung genannt, bezeichnet die Förderung von Fähigkeiten und Kompetenzen einzelner Schüler innerhalb einer bereits bestehenden Lerngruppe. Dies kann zum Beispiel nach Scholz (2010) in einer Schulklasse durch Differenzierung nach Unterrichtsmaterialien, Unterrichtsformen, Anforderungsniveaus oder nach Interessen erfolgen.
Damit die individuellen Förderungsmaßnahmen sich nicht in völlig getrennte Lernprozesse verlieren, bedarf es des sozialen Austauschs innerhalb des Klassenverbandes, sowie einer Phase, den Unterricht einzuleiten bzw. abzuschließen. Insbesondere in der Elementarschule ist dies von großer Bedeutung, da hier die Schüler einen geregelten Unterrichtsablauf noch sehr benötigen, um Unsicherheiten und Konzentrationsschwächen vorzubeugen.
Es soll nun exemplarisch eine Art von Binnendifferenzierung vorgestellt werden. Die Differenzierung nach Anforderungsniveau ist hinsichtlich der Leistungsheterogenität im Klassenverband eine gute Methode, um den unterschiedlichen Kompetenz- und Entwicklungsstufen gerecht zu werden und die Schüler graduell zu fördern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beschreibt die Herausforderungen des Schuleintritts in einer heterogenen Lerngruppe und stellt die Zielsetzung der Arbeit sowie den persönlichen Bezug der Autorin zum Thema dar.
2. Problem der Leistungsheterogenität: Das Kapitel analysiert die verschiedenen Dimensionen von Heterogenität und stellt die Konzepte der inneren sowie äußeren Differenzierung als pädagogische Antwortmöglichkeiten gegenüber.
3. Mathematische Kompetenzen: Es werden die fünf zentralen mathematischen Kompetenzbereiche erläutert und anhand einer Studie zur Argumentationsfähigkeit von Grundschülern kritisch hinterfragt.
4. Förderung von mathematischen Kompetenzen: Dieses Kapitel präsentiert konkrete Ansätze zur Förderung, wie die Dokumentation des Lernfortschritts durch Lernbilanzbücher sowie das methodische Beispiel der Rechentreppen.
5. Schluss: Der Schluss fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen und betont, dass Heterogenität als Ressource begriffen werden sollte, die durch professionelles pädagogisches Handeln optimal gefördert werden kann.
Schlüsselwörter
Heterogenität, Grundschule, Leistungsdifferenzierung, Innere Differenzierung, Äußere Differenzierung, Mathematische Kompetenzen, Argumentieren, Problemlösen, Lehrkraft, Förderung, Rechentreppen, Lernbilanzbuch, Bildungsstandards, Individualisierung, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den pädagogischen Möglichkeiten, mathematische Kompetenzen bei Grundschulkindern in heterogenen Lerngruppen optimal zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Umgang mit Leistungsunterschieden, der Differenzierung im Unterricht, der mathematischen Kompetenzentwicklung und der Rolle der Lehrkraft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Lehrkräfte durch verschiedene Differenzierungsmodelle und förderdiagnostische Ansätze die unterschiedlichen Leistungsniveaus in einer Klasse gezielt unterstützen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die aktuelle Literatur und Studien (z. B. zu PISA und Grundschulstandards) analysiert und mit pädagogischen Konzepten verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Auseinandersetzung mit Differenzierungsformen, eine Analyse mathematischer Kompetenzbereiche inklusive Beispielaufgaben sowie die Vorstellung konkreter methodischer Förderbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Heterogenität, Leistungsdifferenzierung, Mathematikdidaktik, Förderung, Kompetenzorientierung und Binnendifferenzierung.
Was besagt die Studie zum Bereich "Argumentieren"?
Die Studie verdeutlicht, dass mathematisches Argumentieren für Grundschüler eine hohe Hürde darstellt, da nur ein kleiner Teil der Schüler in der Lage ist, eine mathematisch korrekte und sprachlich präzise Begründung zu formulieren.
Was sind "Rechentreppen" in diesem Kontext?
Rechentreppen sind eine methodische Übungsform zur Zerlegung von Zahlen, die durch ihre variable Schwierigkeitsgestaltung eine individuelle Förderung auf verschiedenen Niveaustufen ermöglicht.
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- Jasmin Nicole Schmid (Author), 2011, Wie können mathematische Kompetenzen im heterogenen Elementarunterricht optimal gefördert werden, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/179465