„Die Schülerinnen und Schüler kennen eine Kirche in ihrer Umgebung und nehmen sie als besonderen Raum wahr. (…) Die Schülerinnen und Schüler nehmen in einem Kirchenraum die unterschiedlichen Formen von gestaltetem Glauben wahr und können ein Beispiel deuten.“ so heißt es zu den erwarteten Kompetenzen in dem Kompetenzbereich “Nach Glaube und Kirche fragen” des Fachs Evangelische Religion im Kerncurriculum für das Land Niedersachsen.
Im Rahmen der Lehrveranstaltung „Lernwege im Religionsunterricht planen, gestalten und bewerten” an der TU Braunschweig haben wir uns in mehreren Sitzungen mit dem eben zitierten Kerncurriculum und seinen Vorgaben beschäftigt. Dabei habe ich besonderes Interesse für den außerschulischen Lernort Kirche entwickelt und beschäftige mich daher in dieser Hausarbeit mit der dazugehörigen Kirchenraumpäda-gogik. Dabei wird den Fragen nachgegangen, was unter Kirchenraumpädagogik zu verstehen ist, welche Erträge sie für den Religionsunterricht bringt und welche methodischen Vorgehensweisen sich für die Kirchenraumpädagogik anbieten. [...] Anzumerken ist noch, dass sich diese Hausarbeit auf die kirchenpädagogische Arbeit im Rahmen des evangelischen Religionsunterrichts, insbesondere der Primarstufe, bezieht. Der Lernort Kirche ist aber auch für den Kindergarten, den Konfirmationsunterricht, die Gemeinde und die Erwachsenenbildung geeignet. Nicht zuletzt lässt sich das kirchenpäda-gogische Konzept auch auf Besuche und Erkundungen von Moscheen, Synagogen, etc. umlegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Erkenntnisinteresse
1.2 Aufbau und Vorgehensweise
1.3 Hinweisende Anmerkungen
2. Kirchen(raum)pädagogik
2.1 Grundlegendes zur Kirchen(raum)pädagogik oder Was ist Kirchen(raum)pädagogik?
2.2 Aufgaben und Ziele
2.3 Geschichte: Zeitraum und Gründe der Entstehung
3. Kirche als außerschulischer Lernort
3.1 Die Bedeutung des Kirchen(raum)begriffs im Kontext der Kirchenpädagogik
3.2 Was bietet die Kirche als Lernort?
3.2.1 Allgemein
3.2.2 Am Kirchengebäude und Kirchenraum orientiert
4. Anhaltspunkte für die praktische Umsetzung: inhaltliche Vielfalt, methodische Möglichkeiten, leitende Didaktik und was noch bedacht werden muss
4.1 Inhaltliche Auslegungsansätze
4.2 Methodische Ansätze der Kirchenpädagogik
4.3 Didaktik
4.3.1 Leitlinien
4.3.2 Die vier Lerndimensionen, Kompetenzen oder Phasen
4.4 Was noch zu bedenken ist: Einbettung in den Unterricht, benötigte Lehrerkompetenzen und mögliche Problematiken
4.4.1 Einbettung in den Unterricht
4.4.2 Lehrerkompetenzen
4.4.3 mögliche Problematiken
5. Fazit und Ausblick
5.1 Resümee der essentiellen Erkenntnisse
5.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kirchen(raum)pädagogik als pädagogische Disziplin und analysiert, welche Potenziale der Kirchenraum als außerschulischer Lernort für den Religionsunterricht bietet. Das Ziel ist es, die didaktischen Grundlagen und methodischen Vorgehensweisen zu beleuchten, um den Kirchenraum als ganzheitlichen Erfahrungsort für Schüler erschließbar zu machen.
- Grundlagen und Begriffsbestimmung der Kirchen(raum)pädagogik
- Die Kirche als außerschulischer Lernort und religiöses Biotop
- Methodische Ansätze und didaktische Leitlinien der Kirchenerschließung
- Einbettung kirchenpädagogischer Einheiten in den Unterricht
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Allgemein
Die Kirche als außerschulischer Lernort zeigt religiöse Traditionen der Christen, die es schon in der Vergangenheit gab und zugleich das gegenwärtige Dasein des religiösen Lebens in Form liturgischer Symbole und Zeichen. Damit kann die Kirche im Rahmen der Kirchenpädagogik als Begegnungsort des christlichen Glaubens gesehen werden (Vgl. Thesen des Verbands der Kirchenpädagogik in 2.1). Darüberhinaus dient sie der Vermittlung des Kirchenjahres und des Leben, Sterben und Auferstehen Jesu. Oder wie es Degen sagt: „Kirchen sind Stein gewordene Zeugnisse religiöser Tradition und gelebten Gottesglaubens, sie sind „lesbare” Texte vergangenen Lebens und geronnene Form von Glauben und Gottesdienst unterschiedlicher Zeit.” Trotz der treffenden Formulierung Degens vermisse ich in seinen Aussagen den Gemeindeaspekt, der in dieser Arbeit als Teil der Kirchenpädagogik herausgearbeitet worden ist. Von diesem Standpunkt aus spiegelt sich erneut die Bedeutung des Kirchenbegriffs (Vgl. 3.1) wieder, aber auch die Vorteile der Kirche als Lernort. Letzteres soll im Folgenden noch weiter ausgeführt werden. Für den Zuspruch, Kirche als sinnvollen Lernort zu sehen, muss auf eine von Ricker geprägte Bezeichnung für die Kirche, das „religiöse Biotop”, eingegangen werden. Inhaltlich spielt diese Formulierung auf das biologische Biotop, den Lebensraum von Tieren und Pflanzen, an, welches Schüler im Rahmen des Biologieunterrichts besuchen. Dabei geht es darum, sich Tiere und Pflanzen anzuschauen, die so in der Lebenswelt der Lerner nicht mehr vorkommen. Zurückzuführen ist das womöglich auf die geringer werdende Zeit, die die Kinder in der Natur verbringen. Die Besuche im Biotop ermöglichen eine Nähe zu den Unterrichtsinhalten und dadurch Konkretisionen und neue Zugänge. Übertragen auf den Religionsunterricht und vor allem auf die Kirchenraumpädagogik meint Rickers Ausdruck „religiöses Biotop”, dass die Kirche der Lernort für Schüler ist, an dem die mögliche und alltägliche religiöse Lebenspraxis erfahrbar wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beschreibt das Erkenntnisinteresse am Lernort Kirche sowie den Aufbau und die methodische Vorgehensweise der Hausarbeit.
2. Kirchen(raum)pädagogik: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Kirchen(raum)pädagogik, erläutert deren Aufgaben und Ziele und beleuchtet den historischen Hintergrund.
3. Kirche als außerschulischer Lernort: Es wird die Bedeutung des Kirchenbegriffs erörtert und die Kirche als Lernort, insbesondere als „religiöses Biotop”, analysiert.
4. Anhaltspunkte für die praktische Umsetzung: inhaltliche Vielfalt, methodische Möglichkeiten, leitende Didaktik und was noch bedacht werden muss: Hier werden Auslegungsansätze, methodische Vorgehensweisen, didaktische Leitlinien sowie praktische Aspekte wie die Einbettung in den Unterricht behandelt.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse über die Bedeutung der Kirchenpädagogik für den Religionsunterricht zusammen und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Kirchenpädagogik, Kirchenraumpädagogik, Religionsunterricht, außerschulischer Lernort, Kirchenbegehung, didaktische Leitlinien, religiöses Biotop, Ganzheitlichkeit, Kirchenerschließung, Zeichen und Symbole, Liturgie, christlicher Glaube, Lehrerkompetenz, Schulpraxis, Religionsdidaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Kirchen(raum)pädagogik und deren Potenzial, den Kirchenraum als einen lehrreichen, außerschulischen Lernort für den evangelischen Religionsunterricht zu nutzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretische Fundierung des Kirchenraumbegriffs, die didaktische Aufbereitung von Kirchenbesuchen sowie die praktische Umsetzung methodischer Ansätze im Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kirchenpädagogik den christlichen Glauben für Schüler durch eine ganzheitliche und erfahrungsorientierte Erschließung des Kirchenraums begreifbar machen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung fachdidaktischer Literatur und der Analyse bestehender Konzepte zur Kirchenraumpädagogik, um daraus praktische Schlussfolgerungen für den Unterricht abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entstehung, die Definition der Begriffe, die didaktischen Prinzipien wie Ganzheitlichkeit, sowie konkrete methodische Vorgehensweisen bei Kirchenerkundungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kirchenpädagogik, Religionsunterricht, Lernort Kirche, ganzheitliche Erschließung, didaktische Leitlinien und Zeicheninterpretation.
Was bedeutet der Begriff „religiöses Biotop“ in diesem Zusammenhang?
Der Begriff, geprägt durch Ricker, beschreibt die Kirche als einen speziellen Lebensraum, in dem Schüler durch Anschauung und Begegnung religiöse Traditionen und Lebenspraxis erfahren können, ähnlich wie sie im Biologieunterricht in einem biologischen Biotop lernen.
Warum ist die Unterscheidung zwischen „innen“ und „außen“ für die Kirchenpädagogik wichtig?
Die Verschränkung von Außen und Innen ist ein didaktisches Prinzip, das den Schüler schrittweise vom Kirchengebäude (außen) zur tiefergehenden, symbolischen Erfahrung des Glaubens (innen) führt.
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- Laura Kirchner (Author), 2011, Kirchenpädagogik - Lernort Kirche, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/179282