Kinder besitzen bereits im Vorschulalter einen gewissen Einblick in die Struktur ihrer Sprache - in der Regel unbewusst. Besonders bei Neubildungen von Wörtern sind sie sehr kreativ. Sie denken sich auch Wörter für schon kodifizierte Gegenstände aus, die zwar dementsprechend semantisch blockiert aber dennoch verständlich sind und dem Sinn des Gegenstands entsprechen. Es wäre schade, das offensichtliche Interesse und natürliche Vorwissen der Kinder am Wort zu vergeuden und nicht daran anzuknüpfen. Auch Wolfgang Menzel schreibt in seinem Basisartikel „Wortbildung – Wortbestand“, dass es vom In¬teresse des Schülers aus gesehen unbegreiflich wäre, dass auf Sätze das Erkenntnisinteresse gerichtet werde und nicht auf Wörter. Zweifellos sei „die kindliche Neugier eher aufs Wort gerichtet als auf die abstrakteren syntaktischen Sachverhalte, da Wörter Fragen nach Inhalten eröffnen“ würden.
Im vorliegenden Text werden die Grundlagen und Fachtermini der Wortbildung erläutert und in den schulischen Kontext eingebettet. Im Anschluss daran werden drei Fibeln und dazugehörige Übungs-, bzw. Arbeitshefte für das erste Schuljahr daraufhin untersucht und verglichen, ob und wie sie die Wortbildung umsetzen. Die Art der Wortbildung (die erzeugt wird) wird analysiert und der mögliche Nutzen der Übungen genannt. Die untersuchten Lehrgänge sind die LolliPop Fibel und das passende Arbeitsheft zum Leselehrgang, die Kunterbunt Fibel mit dazugehörigem Übungsheft und die Luna-Fibel mit dem entsprechenden Arbeitsheft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wortbildung- was ist das eigentlich?
3. Wortbildung in der Schule
4. Untersuchung der Fibeln und der dazugehörigen Arbeitsmaterialien
4.1 Die LolliPop Fibel und das Arbeitsheft
4.2 Die Kunterbunt Fibel und das Übungsheft
4.3 Die Luna-Fibel und das Arbeitsheft
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Hausarbeit untersucht, in welcher Form und Qualität die linguistischen Grundlagen der Wortbildung in Lehrwerken für das erste Schuljahr umgesetzt werden. Das Ziel ist es, durch eine exemplarische Analyse ausgewählter Fibeln und Arbeitsmaterialien aufzuzeigen, wie das Potenzial für die Förderung der kindlichen Sprachreflexion und Kreativität genutzt wird.
- Grundlagen der Wortbildung (Komposition und Derivation)
- Stellenwert der Wortbildung im schulischen Grammatikunterricht
- Vergleichende Analyse gängiger Fibel-Lehrwerke
- Bedeutung der Wortbildungs-Einsicht für den Rechtschreiberwerb
- Kritische Würdigung der didaktischen Umsetzung (z.B. Segmentierung)
Auszug aus dem Buch
2. Wortbildung- was ist das eigentlich?
Wortbildung bezeichnet das Bilden neuer Lexeme in einer Sprache. Lexeme sind die zu einer Menge zusammengefassten Flexionsformen eines Wortes, d.h. ‚Baum’, ‚Bäume’ und ‚Baumes’ bilden beispielsweise ein Lexem. Die Flexion selbst, die Wörter konjugiert und dekliniert (also auf grammatischer Ebene verändert), zählt also nicht zu den Wortbildungsmitteln.
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten um neue Lexeme zu bilden. Eins der wichtigsten Wortbildungsmitteln ist die Zusammensetzung (oder „Komposition“), also die Kombination von Stammmorphemen, wobei die Kombination der verschiedenen Stammmorpheme (Substantiv-, Verb- und Adjektivstämme) untereinander möglich ist. Beispiele dafür sind u.a. ‚Haustür’ (Nomen + Nomen), ‚Schwimmreifen’ (Verb + Nomen), ‚Gebrauchtwagen’ (Adjektiv + Nomen) oder ‚haftunfähig’ (Nomen + Adjektiv), ‚vollschlank’ (Adjektiv + Adjektiv), ‚fahrtauglich’ (Verb + Adjektiv) etc. Am häufigsten kommt im Deutschen die Komposition Nomen + Nomen vor.
Auch mit der Ableitung (oder „Derivation“), also der Kombination von Stamm- mit Ableitungsmorphemen, werden neue Lexeme gebildet. Unter Ableitungsmorphemen versteht man Affixe, also Präfixe und Suffixe. Es sind bedeutungstragende gebundene Morpheme (d.h. Morpheme die nicht selbstständig verwendet werden können), die jedoch unterschiedliche Funktionen und Stellungen im Wort haben. Präfixe (oder „Vormorpheme“), z.B. ‚ver-’ ‚ent-’, ‚un-’, ‚zu-’ und ‚ab-’, sind links an den Wortstamm gehängt, verändern aber nicht die Wortart (das Verb ‚schneiden’ kombiniert mit dem Präfix ‚zu-’ wird zu dem Verb ‚zuschneiden’). Suffixe (oder „Nachmorpheme“), z.B. ‚-ung’, ‚-er’, ‚-bar’, ‚-ieren’ und ‚-heit’, werden rechts an den Wortstamm geheftet und bestimmen die Wortart: Aus dem Adjektiv ‚schön’ wird beispielsweise mithilfe des Suffixes ‚-heit’ das Nomen ‚Schönheit’.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die kindliche Kreativität bei Wortneubildungen und begründet die Notwendigkeit, das Interesse von Kindern am Wort für den Unterricht zu nutzen.
2. Wortbildung- was ist das eigentlich?: Dieses Kapitel definiert die zentralen Wortbildungsmittel der Linguistik, insbesondere die Komposition, die Derivation und die Konversion.
3. Wortbildung in der Schule: Es wird die didaktische Relevanz der Wortbildung diskutiert, die als attraktives und regeloffenes Feld für den Grammatikunterricht gilt.
4. Untersuchung der Fibeln und der dazugehörigen Arbeitsmaterialien: Hier erfolgt der Kern der Arbeit: eine detaillierte Analyse der Fibeln LolliPop, Kunterbunt und Luna hinsichtlich ihrer didaktischen Wortbildungsangebote.
4.1 Die LolliPop Fibel und das Arbeitsheft: Analyse der dürftigen und teils fehlerhaften Aufgabenstruktur im untersuchten Lehrwerk.
4.2 Die Kunterbunt Fibel und das Übungsheft: Untersuchung der Übungstypen, wobei zwischen korrekter Ableitung und problematischen Segmentierungen differenziert wird.
4.3 Die Luna-Fibel und das Arbeitsheft: Die Luna-Fibel wird als positiv hervorgehoben, da sie sowohl Komposition als auch Derivation gezielt und kreativ thematisiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Potenzial der Wortbildung in vielen Fibeln noch nicht ausreichend genutzt wird, die Luna-Fibel jedoch einen wegweisenden Ansatz bietet.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten fachwissenschaftlichen und didaktischen Quellen.
Schlüsselwörter
Wortbildung, Grundschule, Fibel, Komposition, Derivation, Sprachreflexion, Wortbaustein, Morphem, Grammatikunterricht, Deutschunterricht, Didaktik, Lexem, Sprachgefühl, Wortbestand, Rechtschreibförderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Wortbildung in Deutsch-Lehrwerken für das erste Schuljahr vermittelt wird und wie Lehrwerke das kindliche Interesse an Sprache nutzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die linguistischen Grundlagen der Wortbildung sowie deren didaktische Anwendung im Anfangsunterricht des Lesens und Schreibens.
Was ist das primäre Ziel der Analyse?
Das Ziel ist es, die Qualität und Quantität der Wortbildungsübungen in verschiedenen Fibeln zu vergleichen und aufzudecken, ob diese die Sprachkompetenz der Kinder fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine exemplarische Analyse und einen Vergleich von Unterrichtsmaterialien (Fibeln und Arbeitshefte) anhand linguistischer Kriterien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Wortbildung, deren Bedeutung für die Schule und die detaillierte Prüfung von drei konkreten Lehrwerken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wortbildung, Grundschule, Komposition, Derivation, Sprachreflexion, Fibel-Analyse und didaktische Umsetzung.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Silben und Morphemen für die Autorin wichtig?
Die Autorin kritisiert, dass Lehrwerke Begriffe wie "Wortbaustein" oft unpräzise verwenden, was zu fehlerhaften Segmentierungen und Verwirrung bei den Kindern führen kann.
Welches Fazit zieht die Arbeit zur Luna-Fibel?
Die Luna-Fibel wird als besonders positiv bewertet, da sie kreativ zur Wortbildung anregt und eine saubere didaktische Trennung der Wortbildungsmittel vornimmt.
- Quote paper
- Michaela Harbich (Author), 2008, Welche Formen der Umsetzung von Wortbildung gibt es im ersten Schuljahr? , Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/179130