In der folgenden Hausarbeit liegt der Schwerpunkt auf dem Zeitalter der italienischen Renaissance, dem Umgang und der Darstellung des weiblichen Geschlechts in dieser Epoche.
Anhand der Anstandsliteratur dieser Epoche soll herausgearbeitet werden, wie eine Frau sich zu kleiden, zu benehmen und Konversation zu führen hatte. Zwei Autoren werden im Folgenden miteinander verglichen. Zum einen Baldesar Castiglione, Hofmann und humanistischer Diplomat, der mit seinem Werk "Das Buch vom Hofmann" 1528 ein epochenübergreifendes Werk verfasste und Giovanni Della Casa, welcher mit "Der Galateo" 1558 ein Traktat über die guten Sitten seiner Zeit schrieb – Männer, die mit ihren Anstandsbüchern ihre Zeit prägten und noch über Jahrhunderte hinweg großen Einfluss auf das Benehmen am Hofe, aber auch auf andere Schichten ausübten.
Zunächst soll das allgemeine Frauenbild der Renaissance herausgearbeitet werden. Im Zuge dessen werden auch Verweise auf andere europäische Zentren erfolgen, um ein umfassendes Bild der Vielfalt der „weiblichen Lebensformen“ zu gewährleisten. Daraufhin folgt ein Exkurs über die Geschichte und die Wirkung der Anstandsliteratur in der Renaissance, welcher die Grundlage dafür bietet, Castiglione und Della Casa besser in das Gesellschaftsbild der Zeit einzuordnen.
Anhand der berühmtesten und einflussreichsten Werke dieser Männer wird versucht, das Idealbild der Frau zu rekonstruieren. Hierbei soll deutlich werden, welche unterschiedlichen Herangehensweisen beide Autoren haben und was die entscheidenden Unterschiede und Gemeinsamkeiten in ihrem Frauenbild sind. Ziel ist es, das allgemeine Frauenbild der Renaissance und das der Autoren miteinander zu verknüpfen, zusammenzufassen und aufzuzeigen, wie die Frau in der Realität lebte und wie sie von den gebildeten, wie ungebildeten Männern der Zeit gesehen wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Frauenbild in der Renaissance
2.1. Die Anstandsliteratur der Renaissance
3. Frauenbild Baldesar Castiglione im Vergleich mit Giovanni Della Casa
3.1. Äußerliches Erscheinungsbild der Hofdame
3.2. Konversationsführung der Hofdame
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Frauenbild in der italienischen Renaissance anhand der Anstandsliteratur. Ziel ist es, das Idealbild der Frau in den Werken von Baldesar Castiglione und Giovanni Della Casa zu rekonstruieren, die unterschiedlichen Herangehensweisen der Autoren herauszuarbeiten und die gesellschaftliche Realität der Frau in dieser Epoche zu beleuchten.
- Rolle der Frau in der Renaissance-Gesellschaft
- Analyse und Vergleich der Anstandsliteratur
- Vergleichende Untersuchung der Werke "Das Buch vom Hofmann" und "Der Galateo"
- Rekonstruktion des Idealbildes der Hofdame
- Untersuchung von Erscheinungsbild und Konversationsführung
Auszug aus dem Buch
3.1. Äußerliches Erscheinungsbild der Hofdame
Im Buch vom Hofmann, wird sehr detailliert darüber diskutiert wie eine Hofdame auszusehen hat. Zunächst stellt einer der Protagonisten Signor Gasparo fest, dass „dieselben Regeln, die für den Hofmann gegeben worden sind, auch für die Hofdame gelten“.35 Somit gilt die Forderung nach „grazia“, wie sie für den Hofmann immer wieder wiederholt wird auch für die Hofdame.36 Die natürliche Anmut einer Frau, kann durch ihr Äußerliches unterstrichen werden. Der Magnifico betont, dass die Dame wissen sollte, „welche Kleider ihre Anmut erhöhen“. Allen Beteiligten ist klar, dass die Frau weit mehr Sorge über ihre äußerliche Schönheit tragen muss, als der Mann.37 Ebenso spielt hierbei die „sprezzatura“, die „lässige Haltung“ eine wichtige Rolle, die das Bemühen einer Dame schön auszusehen nicht offenlegt. Die „disinvoltura“, die unbekümmerte Leichtigkeit, kann in Synthese mit der „sprezzatura“ der Hofdame von Nutzen sein, um die „grazia“ zu erlangen.38 Es wird behauptet, dass man einer Hofdame nicht ansehen dürfe, welche Mühe sie in ihr Äußeres investiert hat. So „unauffällig“ wie möglich, soll Sie in der Lage sein, ihre Vorzüge zu unterstreichen und ihre Fehler „geschmackvoll“ zu verstecken.39 Es wird immer wieder deutlich, welch Hochschätzung Castiglione der Frau entgegen bringt. Für ihn ist ihr der Mann sogar „wertmäßig“ überlegen, da sie die wahre Liebende ist und erst die Liebe ermöglicht einem Menschen die Vollkommenheit.40
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der geschlechtsspezifischen Rollenbilder in der Renaissance ein und definiert das Forschungsziel sowie die methodische Vorgehensweise.
2. Das Frauenbild in der Renaissance: Hier werden die realen Lebensbedingungen sowie die gesellschaftliche Stellung der Frau in der Renaissance dargelegt.
2.1. Die Anstandsliteratur der Renaissance: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Anstandsliteratur und ordnet diesen in den historischen Kontext der höfischen Kultur ein.
3. Frauenbild Baldesar Castiglione im Vergleich mit Giovanni Della Casa: Der Hauptteil vergleicht die unterschiedlichen Ansätze der beiden Autoren hinsichtlich der Darstellung der Hofdame.
3.1. Äußerliches Erscheinungsbild der Hofdame: Die Anforderungen an Schönheit, Kleidung und die Rolle von Anmut (grazia) werden anhand der beiden Primärwerke analysiert.
3.2. Konversationsführung der Hofdame: Es wird untersucht, wie Frauen in der höfischen Konversation agieren sollten und welche kommunikativen Normen Castiglione und Della Casa vorgaben.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt die unterschiedliche Einschätzung der Frau durch die beiden Autoren sowie deren historische Bedeutung hervor.
Schlüsselwörter
Renaissance, Frauenbild, Anstandsliteratur, Baldesar Castiglione, Giovanni Della Casa, Hofdame, Höflichkeit, Grazie, Sprezzatura, Konversationsführung, Geschlechterrollen, Menschenideal, Gesellschaft, Geschichte, Frühe Neuzeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Frauenbild in der italienischen Renaissance und untersucht, wie dieses in der zeitgenössischen Anstandsliteratur dargestellt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Stellung der Frau in der Renaissance, die Bedeutung höfischer Benimmregeln und die Analyse der Werke von Castiglione und Della Casa.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das Idealbild der Hofdame zu rekonstruieren und die Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in den Frauenbildern der Autoren Baldesar Castiglione und Giovanni Della Casa aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche und sozialgeschichtliche Vergleichsanalyse von Primärtexten und historischer Fachliteratur durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das äußere Erscheinungsbild und die Regeln der Konversationsführung für Hofdamen, wie sie in den Werken "Das Buch vom Hofmann" und "Der Galateo" kodifiziert sind.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Renaissance, Anstandsliteratur, Hofdame, Grazie, Sprezzatura und Geschlechterrollen.
Inwiefern unterscheidet sich die Sichtweise von Della Casa von der Castigliones?
Während Castiglione die Frau als notwendige Bereicherung und Ideal verehrt, zeigt Della Casa einen eher pessimistischen und ökonomisch geprägten Blick, in dem Frauen oft als potenzielle Störfaktoren für die männliche Sittenhaftigkeit gesehen werden.
Welche Bedeutung hatte die "Sprezzatura" für die Renaissance-Frau?
Die Sprezzatura beschreibt eine lässige Leichtigkeit, die es der Frau erlauben sollte, ihre Vorzüge zu unterstreichen, ohne dass die Anstrengung für ihre Schönheit oder ihr Benehmen als solche erkennbar war.
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- Minos U. (Author), 2010, Ein Vergleich des Frauenbildes in der Anstandsliteratur der Renaissance, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/179113