Aufgrund der großen Reichweite und Bandbreite der über das Internet erreichbaren Personenkreise wird das World Wide Web auch immer interessanter in Bereichen der Forschung, sei es zu Zwecken der Marktforschung oder zur Durchführung von Studien.
Zwar sind die Instrumente zur Durchführung von Befragungen technisch bereits ausgereift, jedoch weisen diese immer noch methodenimmanente Probleme auf.
Zwar kann über das Internet ohne großen Personal- und Kostenaufwand eine große Menge von Information über eine hohe Anzahl von Personen mittels web-basierten Fragebogen gesammelt werden, nur gibt es wenig Untersuchungen was die Qualität und die Aussagekraft dieser Untersuchungen betrifft, sowie inwieweit sich das Antwortverhalten der Befragten im Vergleich zu persönlicheren Interviewformen ändert.
Genau mit dieser Fragestellung beschäftigt sich auch diese Arbeit. Im Folgenden werde ich somit die Unterschiede zwischen den verschiedenen Formen der Kommunikation im Allgemeinen und der Internetkommunikation im Besonderen herausarbeiten. Zudem werde ich Ihren Einfluss auf das Befragtenverhalten beschreiben, um dann mit Hilfe von verschiedenen Untersuchungsergebnissen herauszustellen, inwieweit sich das Internet und insbesondere die audiovisuelle Fernkommunikation zur Erhebung von Daten zu Forschungszwecken eignen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Arten der interpersonellen Individualkommunikation
2.1. Face-to-Face Kommunikation
2.2. Interpersonelle Fernkommunikation
2.3. Audiovisuelle interpersonelle Fernkommunikation
3. Befragung als soziale Interaktion
3.1. Das Problem der sozialen Erwünschtheit
3.2. Soziale Präsenz und ihre Messung
4. Mühlenfelds zwei Haupthypothesen
5. Untersuchungsergebnisse und kurzes Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss verschiedener Formen der Internetkommunikation auf das Befragtenverhalten in der Sozialforschung, insbesondere im Hinblick auf die audiovisuelle Fernkommunikation und deren Eignung als Datenerhebungsinstrument.
- Vergleich zwischen Face-to-Face Kommunikation und mediatisierter Fernkommunikation
- Die Befragung als artifizielle soziale Interaktion
- Analyse des Phänomens der sozialen Erwünschtheit
- Bedeutung der "Social Presence" (Soziale Präsenz) und "Media Richness" bei Befragungen
- Evaluierung von IAPI (Internet Aided Personal Interview) als Erhebungsmethode
Auszug aus dem Buch
2.1. Face-to-Face Kommunikation:
Im allgemeinen Alltagsverständnis handelt sich bei einer Face-to-Face Kommunikation um eine Situation, bei der sich zwei Personen zur selben Zeit am selben Ort befinden, doch ist mittels audiovisueller Fernkommunikation heutzutage die Herstellung einer Face-to-Face Kommunikation auch über das Internet möglich, selbst wenn sich beide Personen an vollkommen verschiedenen Orten auf dem Erdball befinden.
Obwohl verbale Zeichen die zentrale Rolle bei der Vermittlung von Bedeutung spielen, sind die nonverbalen Elemente ein wichtiger Bestandteile bei der Face-to-Face Interaktion und lassen sich laut Mühlenfeld in folgende vier Hauptgruppen aufteilen:5
Mimik: Die Mimik ist die Gesamtzahl der Ausdrücke die mit Hilfe des Gesichts hergestellt werden können. Sie spielen in der interpersonellen Kommunikation die bedeutendste Rolle. Nur durch die Kombination von verbaler Kommunikation und Mimik sind solch komplexe Verhaltensformen wie Satire oder Ironie möglich.
Der Blick: Das Auge als ausführendes Organ des Blickens wird zwar meist von den Interaktionspartnern bei einer Face-to-Face Interaktion als Teil des Gesichtes wahrgenommen, doch kommt ihm im Bereich der Mimik eine besondere Rolle zu. Während in einigen Kulturen das Anblicken bereits als Herausforderung zur Konfrontation gesehen wird, so wird es in einigen Kreisen sogar stark gewünscht und es gilt als unhöflich es nicht zu tun, wie z.B. beim zu prosten.6 Zudem besitzt der Blick eine regulierende Funktion. So vermittelt er z.B. durch das Anblicken einer bestimmten Person, dass die geäußerten Worte oder Gesten dieser Person gelten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die rasante Verbreitung des Internets und dessen zunehmende Bedeutung als Instrument für die sozialwissenschaftliche Forschung trotz methodenimmanenter Probleme.
2. Arten der interpersonellen Individualkommunikation: Dieses Kapitel differenziert zwischen verschiedenen Kommunikationsformen, wobei der Schwerpunkt auf der Abgrenzung von Face-to-Face Interaktion und Fernkommunikation sowie deren technologischen Möglichkeiten liegt.
3. Befragung als soziale Interaktion: Es wird analysiert, inwiefern Befragungen als artifizielle Interaktionen fungieren und welche verzerrenden Effekte wie soziale Erwünschtheit und mangelnde Soziale Präsenz dabei eine Rolle spielen.
4. Mühlenfelds zwei Haupthypothesen: Hier werden die zentralen Hypothesen vorgestellt, die den Zusammenhang zwischen Sozialer Präsenz, Antwortbereitschaft und der Neigung zu sozial erwünschtem Verhalten prüfen.
5. Untersuchungsergebnisse und kurzes Fazit: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, die zeigen, dass IAPI eine effektive Methode zur Datenerhebung darstellt, auch wenn Mühlenfelds ursprüngliche Hypothesen durch die spezifische Stichprobe nur bedingt gestützt werden.
Schlüsselwörter
Internetkommunikation, Sozialforschung, Online-Befragung, Soziale Erwünschtheit, IAPI, CAPI, Media Richness, Soziale Präsenz, Interpersonelle Kommunikation, Befragtenverhalten, Datenerhebung, Nonverbale Kommunikation, Reaktivität, Feedback, Kommunikationsmedium
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Eignung des Internets als Medium für die sozialwissenschaftliche Datenerhebung und untersucht, wie verschiedene mediale Kommunikationsformen das Antwortverhalten beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit verknüpft Theorien zur interpersonellen Kommunikation (wie die von Watzlawick) mit empirischen Methoden der Sozialforschung, insbesondere dem Problem der sozialen Erwünschtheit bei Befragungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, herauszufinden, ob moderne audiovisuelle Fernkommunikation wie IAPI (Internet Aided Personal Interview) bei der Erhebung von Forschungsdaten gegenüber klassischen Methoden oder einfachen Online-Fragebögen Vorteile bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Hausarbeit, die sich auf die Sekundäranalyse der Forschungsergebnisse von Hans-Ullrich Mühlenfeld stützt.
Was ist der Kerninhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Kommunikationsformen und eine kritische Auseinandersetzung mit den Einflussfaktoren einer Befragungssituation, wie zum Beispiel die Bedeutung nonverbaler Signale.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Soziale Erwünschtheit, Soziale Präsenz, Media Richness, IAPI, CAPI und der Einfluss von technologischen Sinneskanalreduktionen.
Warum spielt die "Soziale Präsenz" für die Autorin eine so große Rolle?
Weil die Soziale Präsenz bestimmt, wie stark sich ein Befragter beobachtet fühlt und inwieweit er bereit ist, "wahre" Informationen bei heiklen Fragen preiszugeben.
Was sind die wesentlichen Erkenntnisse zu Mühlenfelds Hypothesen?
Die Untersuchung kam zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Hypothesen nicht bestätigt wurden, da das Antwortverhalten in der gewählten, sehr homogenen Stichprobe kaum signifikante Unterschiede zwischen den verschiedenen Medien zeigte.
- Quote paper
- Daniel Schuldt (Author), 2006, Internetbefragungen und ihre Auswirkung auf das Befragtenverhalten, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/178515