1 Einleitung
Die „Entwicklung von Schaukelpferden zu Schaukelstühlen“1 des als demografischen Wandel bezeichneten Prozesses der gesellschaftlichen Alterung und die Auswirkungen auf die sozialen Sicherungssysteme in Deutschland, allen voran der umlagenfinanzierten gesetzlichen Rentenversicherung (gRV), dürfte mittlerweile in das Bewusstsein der Bevölkerung eingedrungen sein. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) stellte fest, dass der Sparfleiß der Deutschen in dem Zeitraum 1999 bis 2009 der höchste aller Zeiten war.2 Betrachtet man die verschiedenen Reformen der letzten Jahre, das Altersvermögensergänzungsgesetz (2001), des Gesetzes zur Sicherung der nachhaltigen Finanzierungsgrundlagen der gesetzlichen Rentenversicherung, kurz RV-Nachhaltigkeitsgesetz (2004) und die Anhebung der Regelaltersgrenze von 65 auf 67 Jahre ab 2029 in 2006, die zur Stabilisierung der gesetzlichen Rentenversicherung dienen sollen, sind die Leistungseinschnitte massiv. Nichts desto trotz wird das Leistungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung zukünftiger Generationen deutlich sinken. Denn der Übergang der sogenannten „Baby-Boomer“-Generation der 60er Jahre in den Ruhestand und das Verhindern des Absinkens des durchschnittlichen Bruttoentgelts unter 43% bis zum Jahr 2030 wird zur „demographischen Belastungsprobe“.3 Um den Lebensstandard im Alter halten zu können wird die private Altersvorsorge also unumgänglich werden. Mit der Riesterrente soll unter anderem die durch die eben genannten Rentenreformen entstehende Rentenlücke in der gesetzlichen Rentenversicherung gefüllt und das Versorgungsniveau stabilisiert werden. In einem Gutachten von Univ.-Prof. Dr. Andreas Oehler wird festgestellt, dass die Riesterförderung grundsätzlich auch empfehlenswert hierfür ist.4 Doch trotz der offensichtlichen Notwendigkeit der eigenständigen Vorsorge ist die Kritik an der Riesterförderung ungebrochen.5
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Riesterförderung
2.1 Entstehung
2.2 Ausgestaltung und Aufbau der Riesterförderung
2.2.1 Förderberechtigte
2.2.2 Förderung
2.3 Varianten der Riesterförderung
2.3.1 Banksparplan
2.3.2 Fondssparplan
2.3.3 Versicherungsförmige Lösungen
2.3.3.1 Klassische Rentenversicherung
2.3.3.2 Fondsgebundene Rentenversicherung
2.3.3.3 Innerhalb der betrieblichen Altersvorsorge
2.3.3.4 Wohn-Riester
3 Vor- und Nachteile der Riesterförderung
3.1 Prüfkriterien
3.2 Renditebetrachtung
3.2.1 Berechnung der Riesterförderung
3.2.2 Berechnung der Rente aus Riestervertrag
3.2.3 Berechnung Rente aus Privatvertrag
3.2.4 Steuerliche Berücksichtigung
3.2.5 Beurteilung der Rentenhöhen
3.2.6 Zwischenfazit Renditebetrachtungen
3.3 Kriterium der Sicherheit
3.4 Kriterium der Liquidität / Flexibilität
3.5 Kriterium des Aufwandes
4 Fazit
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die komplexe Konstruktion der staatlich geförderten Riesterrente zu analysieren und deren Vor- und Nachteile im Vergleich zu einer ungeförderten privaten fondsgebundenen Rentenversicherung anhand von Rendite, Sicherheit, Liquidität und Aufwand kritisch zu bewerten.
- Analyse der gesetzlichen Rahmenbedingungen und Varianten der Riesterförderung.
- Vergleich der Nettorenten von Riesterverträgen und privaten Vorsorgeformen.
- Einfluss der nachgelagerten Besteuerung und steuerlicher Förderquoten auf die Rendite.
- Qualitative Bewertung der Altersvorsorgeprodukte anhand des "Magischen Dreiecks" der Vermögensanlage.
- Untersuchung der Bedeutung von Zulagen versus Steuervorteilen in Abhängigkeit vom Einkommen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Prüfkriterien
Das Magisches Dreieck der Vermögensanlage veranschaulicht das Spannungsfeld der gegenseitig konkurrienden Wünsche jedes Anlegers zwischen Rendite, Sicherheit und Liquidität (Flexibilität).
Alle drei Kriterien lassen sich in einer Anlage nicht erfüllen. Die Rendite stellt die Höhe des Ertrages (nach Abzug der Kosten und steuerlicher Berücksichtigung) dar. Das Kriterium Sicherheit steht hierbei für das Risiko des Kapitalverlustes. Die Liquidität kennzeichnet die Verfügbarkeit des Vermögens in Bargeld. Ergänzt wird die Betrachtung um das Kriterium „Aufwand“, mit dem der durch den Kunden zu erbringende Einsatz während der Vertragslaufzeit beurteilt werden soll. Mit Hilfe dieser vier Kriterien wird die Vorteilhaftigkeit der Riesterrente sowie der Privatrente anhand des folgenden Beispielfalls beurteilt:
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit privater Vorsorge infolge des demografischen Wandels und der Reformen der gesetzlichen Rentenversicherung, die zu einer Rentenlücke führen.
2 Die Riesterförderung: Dieses Kapitel erläutert Entstehung, Förderstruktur, anspruchsberechtigte Personen sowie die verschiedenen Varianten wie Bank-, Fonds- und versicherungsförmige Produkte.
3 Vor- und Nachteile der Riesterförderung: Hier erfolgt die detaillierte Analyse der Produkte anhand eines Musterfalls unter Berücksichtigung von Rendite, Sicherheit, Liquidität und Aufwand.
4 Fazit: Das Fazit stellt die Ergebnisse gegenüber und betont, dass keine generelle Empfehlung möglich ist, da der individuelle Nutzen von Einkommen und persönlichen Lebenszielen abhängt.
5 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die wesentlichen Erkenntnisse der Analyse hinsichtlich der quantitativen und qualitativen Aspekte der Riesterförderung.
Schlüsselwörter
Riesterförderung, Altersvorsorge, gesetzliche Rentenversicherung, Renditebetrachtung, fondsgebundene Rentenversicherung, Nettorente, Zulagenförderung, Steuervorteil, Magisches Dreieck, Sicherheit, Liquidität, Flexibilität, Rentenlücke, demografischer Wandel, Altersvermögensgesetz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Vor- und Nachteile der staatlich geförderten Riester-Rente im direkten Vergleich zur privaten, ungeförderten Altersvorsorge am Beispiel von fondsgebundenen Versicherungen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die staatliche Förderstruktur der Riester-Rente, die steuerliche Behandlung, die Rentabilität bei unterschiedlichen Einkommensgruppen sowie qualitative Faktoren wie Sicherheit und Flexibilität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erarbeitung einer fundierten Entscheidungshilfe, indem die komplexen Berechnungen von Riester- und Privatrenten durch eine Nettobetrachtung vergleichbar gemacht werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine analytische Methode angewandt, die auf einer modellhaften Beispielrechnung (Musterfall) basiert, ergänzt durch die Analyse rechtlicher Rahmenbedingungen und die Anwendung qualitativer Prüfkriterien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Riester-Systematik und eine detaillierte Gegenüberstellung der Produkte mittels einer Renditebetrachtung nach Steuern sowie der Bewertung qualitativer Kriterien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Riester-Förderung, Rentenlücke, Nettorendite, Steuerersparnis, Zulagen, Altersvermögensgesetz und das Magische Dreieck der Geldanlage.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Brutto- und Nettorente so wichtig?
Da Riester-Renten einer nachgelagerten Besteuerung unterliegen, führen Brutto-Vergleiche oft in die Irre. Erst die Nettobetrachtung zeigt, welcher Betrag dem Sparer im Alter tatsächlich zur Verfügung steht.
Welche Rolle spielen Einkommensgruppen bei der Vorteilhaftigkeit von Riester?
Die Arbeit zeigt, dass die Riester-Förderung insbesondere für Geringverdiener durch Zulagen und für Gutverdiener durch Steuervorteile lukrativ sein kann, wobei die steuerliche Komponente bei steigendem Einkommen überwiegt.
Was ist der Kern des "Magischen Dreiecks" in diesem Kontext?
Das Magische Dreieck verdeutlicht, dass Anlagen nicht gleichzeitig maximale Rendite, höchste Sicherheit und jederzeitige Liquidität bieten können, was bei der Riester-Rente durch gesetzliche Restriktionen besonders deutlich wird.
Wie bewertet der Autor die Vererbbarkeit von Riester-Verträgen?
Die eingeschränkte Vererbbarkeit (meist nur auf den Ehepartner) wird als klarer Nachteil gegenüber der privaten Vorsorge identifiziert, insbesondere für unverheiratete Paare.
- Quote paper
- Sven Keese (Author), 2011, Vor- und Nachteile der Riesterförderung im Vergleich zur privaten Altersvorsorge am Beispiel der fondsgebundenen Versicherung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/178285