In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit sat. 1, 5, dem so genannten Iter Brundisinum (‘Reise nach Brundisium’), einer Satire aus dem ersten Buch der Sermones des römischen Dichters Quintus Horatius Flaccus. Dabei möchte ich zu Beginn darauf eingehen, inwiefern der Dichter sich selbst und sein Werk in die Tradition der römischen Satire stellt. Im Hauptteil meiner Arbeit versuche ich, die literarische Leistung des Horaz in angemessener Form zu
würdigen, indem ich das Iter Brundisinum in den Gesamtkontext des Werkes einordne und in einer möglichst umfassenden interpretatorischen Darstellung den Gedankengang des Horaz
offenlege und deute. Dabei scheint es mir wichtig, auch auf seine dichterischen Intentionen sowie letztlich die Wirkung der Satire auf den Rezipienten1 zu sprechen zu kommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Horaz und die satirische Dichtung
3. Die Satire 1, 5
4. Zusammenfassung
5. Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Satire 1, 5 des römischen Dichters Horaz, das sogenannte „Iter Brundisinum“. Ziel der Analyse ist es, das Werk in den Gesamtzusammenhang des horazischen Schaffens einzuordnen, die satirischen Intentionen des Autors offenzulegen und die literarische Qualität sowie die Wirkung auf den Rezipienten kritisch zu würdigen.
- Tradition der römischen Satire und Horaz' Einordnung
- Vergleich zum „Iter Siculum“ des Vorgängers Lucilius
- Die Dichotomie von Urbanitas und Rusticitas
- Darstellung von Freundschaft und Epikureismus
- Strukturelle Analyse der Reisebeschreibung und ihrer Wortgefechte
Auszug aus dem Buch
Die Satire 1, 5
Gaius Maecenas (um 74 - 8 v. Chr.), Freund und Ratgeber des Augustus, war für diesen häufig in diplomatischer Mission unterwegs. Der Kaiser schickte ihn zusammen mit Lucius Cocceius Nerva und Fonteius Capito im Jahre 37 v. Chr. nach Athen zu Antonius, seinem Verbündeten gegen Sextus Pompeius. Um nach Griechenland hinüberfahren zu können, musste man sich zunächst in der süditalienischen Hafenstadt Brundisium, an der Adria, einschiffen. Brundisium war ein wichtiges Handelszentrum für den östlichen Mittelmeerraum; direkt von Rom führte hierher die verlängerte Via Appia, sie endete in der Stadt zwischen zwei Säulen.
In sat. 1, 5 beschreibt Horaz nun auf amüsante Weise seine Erlebnisse dieses Iter Brundisinum als zufälliger Begleiter seines Gönners und Freundes Maecenas. „The most obvious danger in writing a diary of this kind is that it may become a mere list of places visited. ‘We started from A, then we went to B, and finally reached C’“ (Rudd 1994: 57). Horaz jedoch vermeidet eine solche „Logbuch“-Darstellung gekonnt, denn er will den Rezipienten der Satire keinesfalls durch Gleichförmigkeit ermüden. In seiner Satire legt er sehr großen Wert auf die Beschreibung der Eindrücke, die er an den einzelnen Stationen der Reise sammelt, Ankunft und Abreise werden von ihm bisweilen sogar ganz übergangen oder gekonnt in wenigen Worten zusammengefasst, vgl. z.B. sat. 1, 5 V. 47: hinc muli Capuae clitellas tempore ponunt.
Sehr oft lässt der Dichter die einzelnen thematischen Abschnitte der Satire fließend ineinander übergehen, häufig beginnen sie noch im selben Vers. Dadurch reißt der Erzählfluss nie ab und die Eindrücke strömen kontinuierlich auf den Rezipienten ein, der dem Ganzen somit auch besser folgen kann. Horaz sieht seine eigenen Erlebnisse aus dem Blickwinkel des Beobachters, der über sich selbst lachen kann. Wichtig sind vor allem die „Nebensächlichkeiten“ außerhalb der eigentlichen Reisebeschreibung, weshalb das Geschilderte oft auf den ersten Blick zunächst einmal ziemlich trivial erscheint.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das Thema „Iter Brundisinum“ vor und umreißt die Absicht, die literarische Leistung des Horaz in den Gesamtkontext seiner Dichtung zu stellen.
2. Horaz und die satirische Dichtung: Hier wird der biographische und literarische Hintergrund des Horaz beleuchtet, insbesondere sein Verhältnis zum Vorgänger Lucilius und die Abgrenzung seiner Kunstform.
3. Die Satire 1, 5: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil, in dem das Reisebericht-Gedicht detailliert analysiert, mit anderen Satiren verglichen und hinsichtlich seiner rhetorischen Mittel interpretiert wird.
4. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert die Bedeutung des Werks als stilistisch ausgefeilte Reisesatire, die den Wert privater Freundschaft über politischen Ehrgeiz stellt.
5. Bibliographie: Dieses Verzeichnis listet die verwendeten Primärquellen, Kommentare sowie die einschlägige Sekundärliteratur zur Arbeit auf.
Schlüsselwörter
Horaz, Satiren, Iter Brundisinum, Römische Literatur, Maecenas, Lucilius, Urbanitas, Rusticitas, Epikureismus, Rhetorik, Sermones, Satire, Klassische Philologie, Freundschaft, Verskunst
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Satire 1, 5 von Horaz, eine Reisebeschreibung von Rom nach Brundisium, und untersucht deren literarische Struktur und Intention.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die poetische Eigenleistung des Horaz, die Abgrenzung zur satirischen Tradition eines Lucilius sowie die Darstellung von Freundschaft und philosophischen Ansichten innerhalb der Reise.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Arbeit?
Ziel ist es, den Gedankengang des Horaz im „Iter Brundisinum“ offenzulegen und das Gedicht als eigenständige, kunstvolle Satire im Gesamtwerk zu würdigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, indem er Textstellen interpretiert, Bezüge zu anderen Satiren des Horaz herstellt und fachspezifische Forschungsliteratur einbezieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Exegese der Satire 1, 5, insbesondere der Analyse der Reiseerlebnisse, der komischen Wortgefechte und der Darstellung sozialer Hierarchien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Publikation?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie „Horaz“, „Iter Brundisinum“, „Sermones“, „Urbanitas“, „Epikureismus“ und „Reisesatire“ geprägt.
Wie positioniert sich Horaz in dieser Satire zum politischen Ehrgeiz?
Horaz distanziert sich bewusst von politischem Ehrgeiz, indem er die diplomatische Mission seines Freundes Maecenas nur am Rande erwähnt und Personen, die durch „Karrieregeilheit“ auffallen, satirisch verspottet.
Warum spielt der Begriff der „lippitudo“ in der Analyse eine Rolle?
Die Triefäugigkeit des Dichters dient als ironisches Mittel, um Horaz’ eigene Unzulänglichkeiten zu betonen und den Kontrast zu einem idealisierten „Seher“ oder Dichter vates zu unterstreichen.
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- Patrick Roesler (Author), 2005, Die Reise nach Brundisium, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/178146