Der Forschungs- und Entwicklungsprozess in der pharmazeutischen Industrie ist ein langwieriger Prozess welcher hohe Investitionen erfordert, jedoch auch hohe Renditen verspricht.
Doch trotz der enormen Profite wird die pharmazeutische Industrie seit geraumer Zeit mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert. Als Beispiele seien hier nur die durch auslaufende Patente von Blockbustern begünstigte Generika-Konkurrenz, die sinkende Zahlungsbereitschaft der öffentlichen Gesundheitssysteme sowie die damit einhergehenden höheren Anforderungen an das Kosten-/Nutzenverhältnis neuer Medikamente genannt. Verbunden mit dem drastischen Verfall der Forschungsproduktivität steigt daher das Risiko das Pharmaunternehmen mit den Investitionen in ihre FuE-Abteilungen eingehen.
Zur Lösung dieses Problems wurden vielfach Fusionen und Übernahmen beschlossen. Diese sollten die Marktmacht steigern, um bestehende Produkte besser am Markt platzieren zu können. Darüber hinaus sollten die Entwicklungsabteilungen der übernommenen Unternehmen die Forschungspipelines mit neuen, viel versprechenden Wirkstoffen füllen.
So wurden hohe Summen für die Konsolidierung der Branche aufgewendet. Insbesondere angelsächsische Unternehmen wie der Weltmarkführer Pfizer taten sich hierbei als „Hunter“ hervor und wuchsen enorm. Doch der Erfolg solcher Mega-Fusionen und Übernahmen ist zweifelhaft.
So müssen, trotz der vielfältigen Anstrengungen durch externes Wachstum im Wettbewerb zu bestehen, langfristig betrachtet die Forschungspipelines der Unternehmen gefüllt werden, um künftige Umsätze zu generieren. Hier stellt sich angesichts der enormen Kosten und der Unvorhersehbarkeit von wirklichen Innovationen die Frage nach neuen Denkansätzen bei der Risikostreuung, um die Finanzierung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten weiterhin zu sichern.
In diesem Spannungsfeld soll die vorliegende Arbeit daher analysieren, welche neuen Möglichkeiten sich großen Pharmaunternehmen zur Finanzierung ihrer Forschung und Entwicklung bieten und inwiefern sich das Risiko dabei senken oder teilen lässt.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. GRUNDLAGEN DER FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG IN DER PHARMAINDUSTRIE
2.1 FORSCHUNGS- UND ENTWICKLUNGSPROZESS
2.2 HERAUSFORDERUNGEN IN DER FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG
2.3 RISIKOSTREUUNG DURCH FINANZIERUNG
3. KONVENTIONELLE FINANZIERUNGSFORMEN ZUR RISIKOSTREUUNG
3.1 KOOPERATIONEN
3.2 IN-LICENSING
3.3 OUT-LICENSING
3.4 PUBLIC PRIVATE PARTNERSHIPS
3.5 OUTSOURCING
3.6 OFFSHORING
3.7 ÜBERSICHT
4. INNOVATIVE FINANZIERUNGSFORMEN ZUR RISIKOSTREUUNG
4.1 VENTURE CAPITAL
4.2 SPIN-OFFS
4.3 VIRTUAL PHARMA
4.4 DERIVATE
4.5 ÜBERSICHT
5. BEWERTUNG DER INNOVATIVEN FINANZIERUNGSFORMEN
5.1 BEWERTUNGSMODELL
5.1.1 Net Present Value
5.1.2 Datengrundlagen der Bewertung
5.1.3 Entscheidungsbaum
5.1.4 SWOT-Analyse
5.2 BEWERTUNG
5.2.1 Venture Capital
5.2.2 Spin-offs
5.2.3 Virtual Pharma
5.2.4 Derivate
5.3 EINSATZEMPFEHLUNGEN
6. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert neue Möglichkeiten zur Risikostreuung bei der Finanzierung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten in der pharmazeutischen Industrie, da bestehende Ansätze aufgrund steigender Kosten und sinkender Produktivität an ihre Grenzen stoßen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht dabei, wie innovative Finanzierungsformen dazu beitragen können, finanzielle Risiken zu verteilen und die Wettbewerbsfähigkeit forschender Pharmaunternehmen langfristig zu sichern.
- Herausforderungen der modernen pharmazeutischen Forschung und Entwicklung (FuE)
- Analyse konventioneller Risikostreuungsmethoden wie In-Licensing und Kooperationen
- Einführung und Bewertung innovativer Finanzierungsformen (Venture Capital, Spin-offs, Virtual Pharma, Derivate)
- Methodische Bewertung mittels Entscheidungsbäumen und SWOT-Analyse
- Strategische Empfehlungen für den Einsatz neuer Finanzierungsmodelle in Pharmaunternehmen
Auszug aus dem Buch
4.1 Venture Capital
Der Begriff Venture Capital (VC) bezeichnet Kapital, meist von institutionellen Investoren oder reichen Privatpersonen, welches für Beteiligungen an privaten, hoch-riskanten, aber dafür stark wachsenden Unternehmen genutzt wird.
Venture Capital war und ist dabei die Geldquelle für die Finanzierung vieler Start-ups. Ob IT- oder Biotechunternehmen, viele von ihnen würden ohne Risikokapital nicht existieren. So wird laut Gruber auch VC als wichtigste Finanzierungsquelle für junge Biotechs angesehen. Im Zuge der weltweiten Finanzkrise sind Risikokapitalgeber jedoch risikoscheuer geworden. Mangels erkennbarer Ausstiegsoptionen für Venture Capitalists (VCs) und der damit verbundenen steigenden Dauer der Investments prüfen Investoren genauer, in welche Unternehmen sie investieren. Das Finanzierungsvolumen von US Biotechs sank daher Ende 2008 im Vorjahresvergleich um 70%. Dies führt in der kapitalintensiven Biotechbranche zu großen Problemen. 55% aller US Biotechs benötigen dieses Jahr frisches Kapital, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Das Geschäft von Big Pharma bleibt dagegen auch in Zeiten der Krise zunächst stabil. Die großen Pharmaunternehmen besitzen daher hohe Liquiditätsreserven, auch wenn die Ausgabenkürzungen der Gesundheitssysteme auf längere Sicht zu geringeren Kapitalpolstern führen dürften. Momentan ergibt sich durch dieses Ungleichgewicht jedoch die Chance, in Verhandlungen mit Biotechs günstig Beteiligungen oder Kooperationen erreichen zu können. Hierzu haben einige Pharmaunternehmen eigene Corporate Venture Capital Gesellschaften gegründet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Innovationsabhängigkeit der Pharmabranche und die Problematik steigender FuE-Kosten bei gleichzeitig sinkender Produktivität, woraus sich die Notwendigkeit neuer Risikostreuungsansätze ableitet.
2. GRUNDLAGEN DER FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG IN DER PHARMAINDUSTRIE: Dieses Kapitel erläutert den komplexen Prozess der Arzneimittelentwicklung von der Zielidentifizierung bis zur Marktzulassung und analysiert die drängenden Herausforderungen wie den „Productivity Gap“ und die Abhängigkeit von Blockbustern.
3. KONVENTIONELLE FINANZIERUNGSFORMEN ZUR RISIKOSTREUUNG: Hier werden etablierte Methoden wie strategische Kooperationen, In- und Out-Licensing, Public Private Partnerships sowie Outsourcing und Offshoring hinsichtlich ihrer Wirkung auf Kosten und Komplexität untersucht.
4. INNOVATIVE FINANZIERUNGSFORMEN ZUR RISIKOSTREUUNG: Das Kapitel führt innovative Konzepte wie Venture Capital, Spin-offs, das Virtual-Pharma-Modell sowie den Einsatz von Derivaten zur Risikoabsicherung ein und analysiert deren Potenzial.
5. BEWERTUNG DER INNOVATIVEN FINANZIERUNGSFORMEN: Mithilfe von Entscheidungsbäumen und der SWOT-Analyse werden die vorgestellten innovativen Ansätze quantitativ und qualitativ bewertet, um Empfehlungen für deren unternehmerische Anwendung abzuleiten.
6. FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass innovative Finanzierungsformen einen wertvollen Beitrag zur Risikostreuung leisten und Unternehmen entscheidende Vorteile gegenüber Wettbewerbern verschaffen können.
Schlüsselwörter
Pharmazeutische Industrie, Forschung und Entwicklung, FuE-Risiken, Risikostreuung, In-Licensing, Out-Licensing, Venture Capital, Spin-offs, Virtual Pharma, Derivate, Finanzierung, Arzneimittelentwicklung, Unternehmensstrategie, Innovationsmanagement, Kapitalwertmethode
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie große Pharmaunternehmen ihre finanziellen Risiken bei der Forschung und Entwicklung neuer Medikamente durch innovative Finanzierungsformen streuen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von FuE-Herausforderungen, der Bewertung konventioneller Strategien und der Evaluierung innovativer Ansätze wie Venture Capital, Spin-offs und Virtual Pharma.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, neue Wege der Risikostreuung zu identifizieren und mittels Finanzmodellen und SWOT-Analysen zu bewerten, um Strategien für die Sicherung der künftigen Forschungs-Pipeline zu finden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse zu Finanzierungsformen sowie eine quantitative Bewertung mittels der Kapitalwertmethode (NPV) und Entscheidungsbäumen, ergänzt durch eine qualitative SWOT-Analyse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst Grundlagen der Branche, anschließend konventionelle Strategien (z.B. Kooperationen) und dann detailliert innovative Ansätze und deren Bewertung in der Entwicklungspraxis analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Pharmazeutische Industrie, FuE-Risiken, Risikostreuung, Venture Capital, Spin-offs, Virtual Pharma, Derivate und Finanzierung.
Wie unterscheidet sich Virtual Pharma von herkömmlichen Strukturen?
Virtual Pharma Modelle basieren auf der Auslagerung nahezu der gesamten Wertschöpfungskette an externe Dienstleister, sodass sich das Unternehmen selbst auf das Projektmanagement konzentriert.
Warum ist die Bewertung von Derivaten in der Pharmaindustrie schwierig?
Im Gegensatz zu Finanzmarktderivaten fehlen für das spezifische Risiko des FuE-Prozesses einheitliche Bewertungsmodelle und handelbare Basisinstrumente, was eine genaue Kalkulation erschwert.
Welche Rolle spielt das Spin-off-Modell für Pharmaunternehmen?
Spin-offs dienen der Ausgliederung von Unternehmensbereichen in rechtlich selbstständige Entitäten, was zur Straffung der Organisation und einfacheren Einbindung von Risikokapital beitragen kann.
Was ist die zentrale Erkenntnis zu den vorgestellten innovativen Ansätzen?
Die Ansätze bieten zwar großes Potenzial zur Risikostreuung, erfordern aber aufgrund hoher Komplexität und mangelnder Erfahrung eine sorgfältige Abwägung sowie eine strategische Einbindung.
- Arbeit zitieren
- Robert Messerle (Autor:in), 2009, Risikoteilung durch innovative Finanzierungsformen in der Forschung und Entwicklung der pharmazeutischen Industrie, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/177974