Immer wieder werden in der Bundesrepublik Deutschland wissenschaftliche Debatten über den richtigen und angemessenen Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit geführt und auch darüber, wie diese Vergangenheit in der Gegenwart und auch in der Zukunft weltgeschichtlich eingeordnet werden sollte. Sollen wir die Vergangenheit vergessen oder nicht? Und wenn wir sie nicht vergessen sollen, wie gehen wir angemessen und richtig mit ihr um? Können wir mit der nationalsozialistischen Vergangenheit so umgehen wie mit allen anderen Epochen auch? Oder wird das Dritte Reich mit all seinen Verbrechen – vor allem dem Holocaust – dadurch verharmlost? Diese Fragen wurden häufiger diskutiert, entweder in Universitäten, an Schulen, im privaten Kreise, manchmal aber auch öffentlich, in Presse und Rundfunk. Die bekannteste und bedeutendste und auch am intensivsten und emotionalsten geführte öffentliche Auseinandersetzung ist zweifelsohne der so genannte „Historikerstreit“ aus den Jahren 1986 und 1987.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Auslöser des Historikerstreits
2.1. Die Geistig – moralische Wende in den achtziger Jahren
2.2. Ernst Nolte
3. Die Debatte und ihr Verlauf: „Linke Aufklärer“ gegen die „Viererbande“?
3.1. Kritik an Nolte
3.1.1. Jürgen Habermas
3.1.2. Rudolf Augstein
3.1.3. Eberhard Jäckel
3.2. Unterstützung für Nolte
3.2.1. Andreas Hillgruber
3.2.2. Michael Stürmer
3.2.3. Klaus Hildebrand
3.2.4. Joachim Fest
4. Nach dem Historikerstreit
5. Der Historikerstreit als politische Debatte
6. Abschließende Bemerkungen
7. Der Umgang mit der deutschen Vergangenheit
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den sogenannten „Historikerstreit“ der Jahre 1986/1987 als eine zentrale geschichtswissenschaftliche und politische Debatte in der Bundesrepublik Deutschland. Ziel ist es, die Auslöser, den Verlauf der Kontroverse sowie die verschiedenen Argumentationslinien der beteiligten Akteure zu analysieren und den Einfluss auf das deutsche Geschichtsbewusstsein sowie den Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit kritisch zu bewerten.
- Analyse der geistig-moralischen Wende unter Helmut Kohl als politischer Kontext.
- Untersuchung der Rolle und Thesen des Historikers Ernst Nolte.
- Gegenüberstellung der Positionen der sogenannten „linken Aufklärer“ und der Unterstützer Noltes („Viererbande“).
- Bewertung des Historikerstreits als politische Auseinandersetzung im Vergleich zu anderen Debatten.
Auszug aus dem Buch
Die geistig – moralische Wende in den Achtziger – Jahren
„Die Intensität der Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus ist mit der Zahl der Jahre, die uns vom Zusammenbruch seiner Herrschaft trennen, gewachsen.“
Die Vorgeschichte des Historikerstreits zeigt, dass vor allem politische Gründe ausschlaggebend für die Kontroverse waren und nicht ausschließlich der Artikel Ernst Noltes. Zu diesen zählt auch der Regierungswechsel von einer sozialliberalen Koalition unter dem Bundeskanzler Helmut Schmidt zu einer christliberalen Koaltion unter Helmut Kohl:
„Viele linke Intellektuelle waren nach dem Regierungsantritt der CDU/CSU – FDP – Koalition 1983 verunsichert, zumal in anderen westlichen Demokratien […] ein gewisser Rechtsdruck festzustellen war.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit und Definition des Historikerstreits als geschichtswissenschaftliche und politische Debatte.
2. Die Auslöser des Historikerstreits: Analyse der politischen Hintergründe, insbesondere der „geistig-moralischen Wende“, und der Rolle von Ernst Noltes Veröffentlichungen für den Beginn des Streits.
3. Die Debatte und ihr Verlauf: „Linke Aufklärer“ gegen die „Viererbande“?: Detaillierte Untersuchung der gegensätzlichen Argumentationen zwischen Noltes Kritikern und seinen Befürwortern.
4. Nach dem Historikerstreit: Darstellung der Reaktionen Noltes auf die Kritik und der Auswirkungen des Streits auf seine weitere berufliche Tätigkeit.
5. Der Historikerstreit als politische Debatte: Einordnung der Debatte als politisch motivierte Auseinandersetzung und Wahlkampf-ähnliche Polarisierung.
6. Abschließende Bemerkungen: Reflexion über die generationelle Prägung der Akteure und die methodischen Probleme der wissenschaftlichen Diskussion.
7. Der Umgang mit der deutschen Vergangenheit: Rückblick auf die Entwicklung der Erinnerungskultur in der Bundesrepublik von der Nachkriegszeit bis in die 1990er Jahre.
8. Fazit: Zusammenfassende Bilanz, dass der Streit zwar keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse brachte, aber maßgeblich die politische Deutungskultur prägte.
Schlüsselwörter
Historikerstreit, Ernst Nolte, Jürgen Habermas, Nationalsozialismus, Vergangenheitsbewältigung, Erinnerungskultur, Geistig-moralische Wende, Auschwitz, Holocaust, Revisionismus, Politische Debatte, Geschichtsbewusstsein, Identität, Zweiter Weltkrieg, Zeitgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Historikerstreit von 1986/87 und analysiert ihn als einen zentralen Konflikt über das deutsche Geschichtsbild und die nationale Identität nach der NS-Zeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Fokus stehen die Rolle von Ernst Nolte, die Kritik der „linken Aufklärer“, die politische „geistig-moralische Wende“ sowie der Umgang mit der Singularität des Holocaust.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die systematische Aufarbeitung der Kontroverse, um zu verstehen, warum dieser Streit eine derart scharfe politische und wissenschaftliche Polarisierung auslöste.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historiographische Analyse, indem sie Primärquellen (Zeitungsartikel der Debatte) und einschlägige wissenschaftliche Literatur systematisch vergleicht und bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Auslöser, die detaillierte Darstellung der gegensätzlichen Positionen (Habermas vs. Nolte/Hillgruber/Stürmer) und eine Analyse der politischen Dimension des Streits.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Historikerstreit, Vergangenheitsbewältigung, Revisionismus, Singularität des Holocaust und politische Deutungskultur.
Warum wird der Historikerstreit als "politische Debatte" bezeichnet?
Da die Beteiligten nicht nur fachliche Argumente austauschten, sondern ihre Positionen eng mit aktuellen politischen Lagern und dem Selbstverständnis der Bundesrepublik verknüpften.
Welche Rolle spielt die „geistig-moralische Wende“ für das Verständnis der Arbeit?
Sie dient als notwendiger historischer Kontext, um zu erklären, warum unter der Regierung Kohl ein neues, stärker identitätsstiftendes Geschichtsbild gefordert wurde, was den Konflikt maßgeblich befeuerte.
- Quote paper
- B.A. Kendra Schoppmann (Author), 2010, Der „Historikerstreit“, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/177897