Gegenstand dieser Arbeit ist es, das Wirken und die Bedeutung der Pflegenden im beginnenden
abendländischen Mittelalter mit denen des frühen arabisch-islamischen Kulturkreises
unter dem Einfluss der beiden Religionen zu vergleichen. Ist es möglich in dieser
Epoche eine einheitliche Definition für Pflege bzw. Pflegende zu erkennen? Lassen sich
anhand der Quellen Rückschlüsse auf die Existenz eines organisierten Berufsstandes der
Pflege ziehen?
Um einen Einblick in die Pflege dieser Epoche zu erhalten, widmet sich daher Kapitel 3
der Definition des grundsätzlichen Begriffes der Pflege.
In den folgenden Kapiteln wird dann unter Berücksichtigung der religiösen Einflüsse, der
Aufbau und die Organisation der Krankenhäuser, die medizinische Entwicklung und das
pflegerische Wirken im Bezug zur Fragestellung beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Methodisches Vorgehen
2. Kurze Erläuterung der Begrifflichkeiten Christentum und Islam
2.1 Begriff Christentum und das daraus resultierende Menschenbild
2.2 Begriff Islam und das daraus resultierende Menschenbild
3. Begriff der Pflege im Mittelalter
4. Krankenhäuser im Christentum und im Islam
4.1 Krankenhäuser im abendländischen Mittelalter
4.2 Krankenhäuser im arabisch-islamischen Kulturkreis
5. Einfluss der Religionen auf die medizinischen Entwicklungen
5.1 Einfluss der christlichen Lehre auf die medizinische Entwicklung
5.2 Einfluss der islamischen Lehre auf die medizinische Entwicklung
6. Pflege im christlichen Mittelalter und im frühen Islam
6.1 Pflege im christlichen Mittelalter
6.2 Pflege im frühen Islam
7. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Wirken und die Bedeutung pflegerischer Tätigkeiten im beginnenden abendländischen Mittelalter im Vergleich zum frühen arabisch-islamischen Kulturkreis unter dem spezifischen Einfluss der jeweiligen Religionen. Ziel ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, ob in dieser Epoche bereits eine einheitliche Definition von Pflege existierte und ob sich Rückschlüsse auf die Ausbildung eines organisierten Berufsstandes ziehen lassen.
- Religiöse Prägung des Menschenbildes und der Krankenpflege
- Vergleich hospitaler Strukturen in Christentum und Islam
- Einfluss theologischer Lehren auf die medizinische Entwicklung
- Anfänge professioneller Pflege und pflegerischer Ausbildung
Auszug aus dem Buch
4.1 Krankenhäuser im abendländischen Mittelalter
In der karolinischen Zeit (742-814) wurde den Klöstern besondere Aufmerksamkeit gewidmet und in zunehmenden Maße setzte sich die Vereinigung von Kloster und Hospital durch. Ein Beispiel hierfür ist die Zeichnung eines Klosterplanes von St. Gallen um 820, der allerdings in dieser Form nicht erbaut wurde. Darauf bilden sich drei grundsätzliche pflegerische Bauelemente ab.
Zum Einen das Hospitale pauperum im Pfortenbereich. Es sollte der Aufnahme von Kranken, Pilgern und Armen dienen.
Zum Zweiten die Domus hospitus in der Nähe des Abthauses. Es sollte der Beherbergung und Pflege im Krankheitsfall von vornehmen Fremden (Kaisern, Landesfürsten und fremden kirchlichen Würdenträgern) dienen.
Als Drittes das Infirmarium, das eigentliche Klosterhospital, welches innerhalb der Klausur lag. In diesem war ein Aderlaßhaus, ein Bad, ebenso ein Arzthaus mit einem Schlafraum für Schwerkranke, ein Vorratsraum für Arzneimittel und ein Arztzimmer. Dahinter lag der Hortulus, der Kräutergarten. Ein weit vor der Ansiedlung oder der Stadt gelegenes Gebäude Leprosium, sollte der Unterbringung Kranker mit ansteckenden Erkrankungen dienen. Sowohl Klosterärzte als auch ihnen beigeordnete Hilfskräfte, die pflegerische Maßnahmen auszuführen hatten, waren vorgesehen.
In den späteren Jahrhunderten bildete sich ein weiterer wichtiger Hospitaltyp heraus, welcher in den Städten nahe der Hauptkirche und an großen Pilgerwegen erbaut wurde. Als Beispiel ist hier das Hotel-Dieu in Paris zu nennen, dass 660 als Fremdenherberge gegründete wurde und die Langhausform, im Stile eines Kirchenschiffes, aufweist. Charakteristisch ist, das der Pflegesaal und der Altar sich unter einem Dach befinden [7].
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die zeitliche Einordnung des Mittelalters und stellt die Forschungsfrage nach dem Wirken und der Bedeutung Pflegender in dieser Epoche sowie deren Definition.
2. Kurze Erläuterung der Begrifflichkeiten Christentum und Islam: Dieses Kapitel erläutert die religiösen Grundlagen sowie das daraus resultierende Menschenbild im Christentum und Islam als Basis für das pflegerische Handeln.
3. Begriff der Pflege im Mittelalter: Hier wird verdeutlicht, dass eine allgemeingültige Definition von Pflege für das Mittelalter kaum möglich ist und das Verständnis primär über die Motivation und das Menschenbild der Akteure erschlossen werden muss.
4. Krankenhäuser im Christentum und im Islam: Dieses Kapitel vergleicht die baulichen und organisatorischen Strukturen der Spitäler in beiden Kulturkreisen, von klösterlichen Hospitälern bis hin zu arabischen Bimaristanen.
5. Einfluss der Religionen auf die medizinischen Entwicklungen: Die Ausführungen beleuchten, wie christliche Nächstenliebe einerseits und islamische Interpretationen von Schicksal und Medizin andererseits die Entwicklung der Heilkunde beeinflussten.
6. Pflege im christlichen Mittelalter und im frühen Islam: Hier liegt der Fokus auf der konkreten pflegerischen Tätigkeit, angefangen bei der benediktinischen Regel bis hin zu den diätetischen und pflegerischen Ansätzen in der arabischen Heilkunde.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Pflege historisch stark religiös motiviert war und sich in beiden Kulturkreisen erste Ansätze eines beruflichen Pflegestandes innerhalb des Krankenhauspersonals entwickelten.
Schlüsselwörter
Mittelalter, Krankenpflege, Pflegegeschichte, Christentum, Islam, Hospital, Bimaristan, Menschenbild, Benedikt von Nursia, Medizin, Nächstenliebe, Heilslehre, Pflege, Pflegetätigkeit, Diätetik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Untersuchung von Pflege und der Bedeutung Pflegender im beginnenden abendländischen Mittelalter im Vergleich zum arabisch-islamischen Kulturkreis.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind die religiöse Beeinflussung der Krankenpflege, die Organisation von Krankenhäusern und die medizinischen Entwicklungen im Spannungsfeld zwischen Theologie und Praxis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es zu ermitteln, ob in der untersuchten Epoche ein einheitliches Verständnis von Pflege vorlag und inwiefern sich ein organisierter Berufsstand nachweisen lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche, bei der Fachliteratur und historische Quellen in Bibliotheken sowie Datenbanken analysiert und ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Menschenbild der beiden Religionen, vergleicht Hospitaltypen, erörtert den Einfluss religiöser Lehren auf die Medizin und beschreibt konkrete pflegerische Praktiken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Mittelalter, Pflegegeschichte, Hospitalwesen, religiöser Einfluss, Bimaristan und Pflegeberuf charakterisieren.
Welchen Stellenwert nimmt die Regel des Benedikt von Nursia ein?
Sie gilt als Grundstein für die Entwicklung eines christlichen Pflegegedankens, da sie die Sorge für Kranke als höchste Pflicht definiert und spezielle Anweisungen für die Betreuung vorgibt.
Wie unterscheidet sich der Umgang mit Krankheit im frühen Islam?
Im frühen Islam war die medizinische Behandlung anfangs theologisch umstritten, da man Krankheit als göttliches Schicksal sah; jedoch wandelte sich dies durch Hadithen des Propheten Mohammed hin zu einer Aufgeschlossenheit gegenüber Heilmitteln.
- Arbeit zitieren
- Sandy von Eichel (Autor:in), 2011, Geschichte der Krankenpflege, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/177234