„Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist.“ (Röm 12,2)
Angelo Giuseppe Roncalli liest diese Worte und stellt sich die Frage, wie er den Willen Gottes umsetzen kann. Er wird zum Papst gewählt, um einen Übergang zum nächsten Papst zu schaffen. Viele haben gehofft, dass er still und ruhig sein Amt ausführen und keine einschlägigen Entscheidungen treffen wird. Jedoch kommt es anders. Papst Johannes XXIII. möchte die Probleme in der Welt und in der katholischen Kirche angehen und angesichts der biblischen Worte ihre Lehre überprüfen und der heutigen Zeit anpassen. Allerdings stellt er sich die Frage, wie er dieses Projekt durchführen kann. „Ein Konzil!“ , lautet seine Antwort. Er beruft das Zweite Vatikanische Konzil ein, um seine Ziele umzusetzen. Allerdings verstirbt er nach der ersten Sitzungsperiode. Giovanni Battista Montini wird zum Nachfolger gewählt. Wird er diese große Aufgabe weiterführen? Er wird. Die Frage bleibt allerdings, ob Papst Paul VI. die gleichen Ziele erreichen will, wie sein Vorgänger oder ein anderes Ergebnis verfolgt.
Im Folgenden wird darauf eingegangen, warum Papst Johannes XXIII. ein Konzil für notwendig ansieht und worin seine Ziele liegen. Anschließend wird der Verlauf der ersten und der zweiten Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils vorgestellt. Hierbei liegt das Augenmerk auf dem Pontifikatwechsel. Es wird beleuchtet, warum Paul VI. das Konzil weiterführt und worin er dessen Aufgaben sieht. Um der Frage zu begegnen, ob es sich um zwei Päpste und ein Konzil oder zwei Konzilien handelt, werden die Ansichten der beiden Päpste gegenübergestellt und verglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ankündigung und Vorbereitung
3. Die erste Sitzungsperiode
3.1. Zum Verlauf der ersten Sitzungsperiode
3.2. Ziele von Papst Johannes XXIII.
3.2.1. Aggiornamento
4. Die zweite Sitzungsperiode
4.1. Zum Verlauf der zweiten Sitzungsperiode
4.2. Ziele nach Papst Paul VI.
5. Vergleich
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Pontifikatwechsel während des Zweiten Vatikanischen Konzils, um zu analysieren, ob Papst Paul VI. die von seinem Vorgänger Johannes XXIII. initiierten Reformziele konsequent fortführte oder veränderte.
- Die Notwendigkeit der Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils
- Die Zielsetzungen von Papst Johannes XXIII. und der Begriff "Aggiornamento"
- Der Verlauf der ersten und zweiten Sitzungsperiode des Konzils
- Die Ziele und die inhaltliche Ausrichtung unter Papst Paul VI.
- Gegenüberstellung der Ansichten beider Päpste zur Erneuerung der Kirche
Auszug aus dem Buch
3.2. Ziele von Papst Johannes XXIII.
Die Zielsetzung, die Papst Johannes XXIII. für das Konzil verfolgt, bleibt relativ vage, weil er sich selbst darüber nicht ganz im Klaren scheint. Erst in zahlreichen Diskussionen wird später deutlicher, welche Zwecke das Konzil verfolgen soll. Bei seiner Ankündigung des Zweiten Vatikanischen Konzils zeigt er sich besorgt angesichts der zunehmenden Materialität der Welt und der hohen Stellung des Fortschritts in der Gesellschaft, weil die Menschen sich dadurch nicht mehr „nach den höheren Gütern“ sehnen und sie vernachlässigen.
Aus diesem Grund möchte er den Menschen „das christliche Leben [...] erneuern“. In der offiziellen Einladung des Konzils „Ad Petri Cathedram“ erläutert er seine Ziele für das Konzil, die darin bestehen, dass die vorhandenen religiösen Fragen diskutiert werden sollen. Es soll „die Entwicklung des katholischen Glaubens [...] fördern, das christliche Leben der Gläubigen [...] erneuern, und die kirchliche Disziplin den Bedingungen der Zeit anpassen.“ In dem Rundschreiben liegt der Hauptakzent in der Einheit. Es wird betont, dass die Kirche aus drei Einheiten, die der Lehre, der Leitung und des Kultes, bestehe, welche „nur die katholische Kirche bietet“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Motivation und die Fragestellung der Arbeit vor, insbesondere den Pontifikatwechsel und die Kontinuität der Konzilsziele.
2. Ankündigung und Vorbereitung: Hier werden die Wahl von Johannes XXIII., seine Entscheidung für das Konzil und die formellen Vorbereitungsprozesse beschrieben.
3. Die erste Sitzungsperiode: Das Kapitel behandelt den Beginn des Konzils, die Eröffnungsrede sowie die ersten inhaltlichen Auseinandersetzungen und Ziele Johannes XXIII.
3.1. Zum Verlauf der ersten Sitzungsperiode: Detaillierte Darstellung der organisatorischen Abläufe und der ersten Diskussionsthemen zwischen Oktober und Dezember 1962.
3.2. Ziele von Papst Johannes XXIII.: Analyse der zentralen Anliegen des Papstes, wie die pastorale Erneuerung und die Bedeutung des "Aggiornamento".
3.2.1. Aggiornamento: Definition und Bedeutung dieses zentralen Begriffs als "Verheutigung" und Anpassung der Kirche an die moderne Zeit.
4. Die zweite Sitzungsperiode: Schilderung des Übergangs zu Papst Paul VI. und dessen entschlossene Fortführung des Konzils.
4.1. Zum Verlauf der zweiten Sitzungsperiode: Erläuterung der neuen Organisationsstruktur unter Paul VI. und der inhaltlichen Schwerpunkte wie die Kirchenkonstitution.
4.2. Ziele nach Papst Paul VI.: Darstellung der vier Hauptziele Pauls VI. und seines Wunsches nach einem verstärkten Dialog zwischen Kirche und Welt.
5. Vergleich: Zusammenfassende Gegenüberstellung der Zielsetzungen beider Päpste hinsichtlich ihrer Übereinstimmungen und Nuancen.
6. Fazit: Abschließende Betrachtung, die festhält, dass die Befürchtung eines Abbruchs nach Johannes XXIII. unbegründet war und Paul VI. die Linie fortführte.
Schlüsselwörter
Zweites Vatikanisches Konzil, Papst Johannes XXIII., Papst Paul VI., Aggiornamento, Kirchenerneuerung, Pontifikatwechsel, Ökumenismus, Dialog, Kirche, Konzil, pastorales Konzil, Einheit, Lehre, Religion, Weltkirche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Übergang der Konzilsführung vom verstorbenen Papst Johannes XXIII. auf seinen Nachfolger Papst Paul VI. und untersucht deren Zielsetzungen für das Zweite Vatikanische Konzil.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Vorbereitungsphase des Konzils, das Verständnis des Begriffs „Aggiornamento“, der Verlauf der ersten beiden Sitzungsperioden sowie die ekklesiologischen Zielvorstellungen der beiden Päpste.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Frage zu beantworten, ob Paul VI. die Konzilsarbeit seines Vorgängers lediglich fortführte oder ob er andere Schwerpunkte setzte, und ob man hierbei von einer Kontinuität sprechen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, bei der primäre Konzilsdokumente, Enzykliken und Reden der Päpste sowie theologische und kirchengeschichtliche Fachliteratur ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Konzilsanfänge, die spezifischen Ziele und den "Aggiornamento"-Begriff bei Johannes XXIII. sowie die organisatorischen und inhaltlichen Anpassungen unter Paul VI. bis hin zum direkten Vergleich der Konzilsausrichtung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Konzilsgeschichte, Aggiornamento, kirchliche Erneuerung, ökumenischer Dialog und die Rolle des Papstamtes im 20. Jahrhundert.
Wie unterschied sich die organisatorische Herangehensweise von Paul VI. von der seines Vorgängers?
Paul VI. sorgte für eine straffere Organisation des Konzils, führte ein Moderatorenkolleg ein und schaffte das Konzilgeheimnis für Generalkongregationen ab, um die Arbeit zu beschleunigen und effizienter zu gestalten.
Welche Bedeutung kommt dem Begriff "Aggiornamento" in diesem Zusammenhang zu?
Aggiornamento steht für eine "Verheutigung" der katholischen Kirche. Es geht darum, die christliche Lehre authentisch und zeitgemäß zu verkünden, ohne den Kern der Lehre zu verändern.
War der Tod von Johannes XXIII. eine Gefahr für den Fortbestand des Konzils?
Ja, zeitgenössisch gab es Befürchtungen, das Konzil könnte beendet werden. Jedoch waren diese unbegründet, da sein Nachfolger Paul VI. die Konzilsarbeit als sein wichtigstes Werk ansah und diese mit Nachdruck weiterführte.
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- Elisabeth Esch (Author), 2011, Zwei Päpste - Ein Konzil, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/176758