Spätestens seit Anfang der 1990er Jahre fällt in der öffentlichen und politischen Diskussion zunehmend und immer wieder der Begriff der Nichtregierungsorganisationen, kurz NGOs genannt. Die gebräuchliche Abkürzung NGO geht auf die synonyme englischsprachige Terminologie „Non-Governmental Organisation“ zurück. Von einer an sich korrekten deutschen Abkürzung NRO wird hier jedoch abgesehen, da sich auch in der deutschsprachigen Literatur weitgehend die Abkürung NGO durchgesetzt hat. Diese Ausdrucksform einer modernen Zivilgesellschaft gewann insbesondere durch das Voranschreiten der Globalisierung als auch durch die allgemeine Internationalisierung an Bedeutung und nimmt verstärkt einen festen Platz in der modernen, europäischen Politikgestaltung ein.
Doch was ist das Besondere, das Neue an dieser Art von zivilgesellschaftlicher Initiative? Um eine Antwort auf diese Frage zu erhalten, befasst sich der erste Teil dieser Arbeit zunächst einmal mit einem allgemeinen Überblick, anschließend mit einer Definition und der Organisationspolitik von strukturierten Zivilgesellschaften.
Das erklärte Ziel des „Konvents zur Zukunft der Europäischen Union“, welcher seine Arbeit im Dezember 2001 aufnahm, war eine Stärkung der demokratischen Legitimation der EU Organe und eine höhere Transparenz bei der politischen Entscheidungsfindung gegenüber den Bürgern in Europa. Man hatte erkannt, dass ein fortschreitender Prozess der Entfremdung zwischen den Bürgern der EU und den politischen Organen der EU im Gange war. Dieses schwindende Interesse gegenüber europäischen Politikfeldern liegt sicherlich daran, dass sich der durchschnittliche Bürger in Zeiten des Wohlstandes weniger für Politik - insbesondere europäische - engagiert, aber auch an der unübersichtlichen Struktur der EU Organe, der intransparenten Politik und dem oft geäußerten Vorwurf der komplexen Bürokratie. Der mangelnde Raum, den die Medien europäischer Politik in ihrer Berichterstattung zumessen, verstärkt diese Distanz-Gefühle der Bevölkerung. Um diesen Auflösungserscheinungen entgegen zu wirken, wurde auch beschlossen, die Öffentlichkeit, insbesondere in Form der Zivilgesellschaften, verstärkt in die Arbeit des EU Konventes und den Prozess der politischen Willensbildung und Neustrukturierung der EU einzubeziehen. Es war ein Versuch, mittels der Nichtregierungsorganisationen eine europäische Öffentlichkeit zu schaffen und das Gefühl der Bürgernähe zu Europa wieder zu wecken.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Nichtregierungsorganisationen als zivilgesellschaftliche Initiative
2.1 Was sind NGO’s?
2.2 Definition
2.3 Der organisatorische Aufbau
3 Der Konvent zur Zukunft der EU
3.1 Intention des EU Konvents
3.2 Die Zusammensetzung
3.3 Das Arbeitsprogramm
3.4 Die Arbeitsweise
3.5 Kontakte mit der Zivilgesellschaft
3.6 Der Einfluss der NGO’s auf die Arbeit des EU Konvents
3.7 Öffentliche Wahrnehmung
4 Bewertung
Zielsetzung & Themen der Publikation
Diese Arbeit untersucht den Einfluss von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) auf den EU-Konvent, um zu analysieren, ob durch deren Einbindung die europäische Zivilgesellschaft gestärkt und das Demokratiedefizit der EU verringert werden konnte. Der Autor hinterfragt dabei, inwieweit die formulierten Ziele der Bürgernähe und Transparenz tatsächlich erreicht wurden.
- Rolle und Definition von NGOs als Akteure der Zivilgesellschaft
- Struktur und Zielsetzung des Konvents zur Zukunft der Europäischen Union
- Mechanismen der Kommunikation zwischen Zivilgesellschaft und EU-Institutionen
- Analyse der Einflussmöglichkeiten von Interessenvertretern auf den politischen Reformprozess
- Kritische Bewertung der öffentlichen Wahrnehmung und der Effektivität des Konvents
Auszug aus dem Buch
3.6 Einfluss der NGOs auf die Arbeit des EU Konvent
Der recht weitläufige Begriff der Zivilgesellschaften wurde von den Mitgliedern des Konvents in 8 spezifische Kontaktgruppen untergliedert, die sich aus Sachverständigen und Spezialisten des jeweiligen Themenkomplexes rekrutierten:
■ Sozialer Sektor
■ Umwelt
■ Akademische Kreise und Think Tanks
■ Bürgerinstitutionen
■ Gebietskörperschaften
■ Menschenrechte
■ Entwicklungspolitik
■ Kultur
Diese Organisationen der Zivilgesellschaft wurden in dem Plenum des Konvents am 24./25. Juni 2002 offiziell angehört. In dieser so genannten ersten Anhörungsphase stand jeder der 8 einzelnen Kontaktgruppen eine Zeitstunde zur Verfügung für den Dialog mit den Abgeordneten des Konvents. Jeder Gruppe standen davon in etwa 40 min zur Verfügung, in denen Sie ihre Vorschläge und Erwartungen über eine zukünftige Europäische Union vortragen konnten; die restlichen 20 min waren für eine anschließende Diskussion mit den Abgeordneten reserviert. Wie viele Redner pro Kontaktgruppe vortrugen, oblag dem Konsens aller Organisationen einer Gruppe.
Der Verbindung von Interessengruppen ist es durchaus möglich, Einfluss auf die Europäische Politik zu nehmen. Sie können als eine Art Vermittler zwischen den bürgerlichen Gedanken und Erwartungen und der europäischen „Bürokratie“ fungieren. Diese bestehende Einflussnahme auf die politische Willensbildung – wenn auch zumeist lediglich unverbindlich und komplementär – ist der Herausbildung einer europäischen Öffentlichkeit und politischen Identität durchaus dienlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung von NGOs in einer globalisierten Welt und stellt das Ziel des EU-Konvents dar, durch mehr Bürgernähe und Transparenz der Entfremdung zwischen Bürgern und europäischen Institutionen entgegenzuwirken.
2 Nichtregierungsorganisationen als zivilgesellschaftliche Initiative: Dieses Kapitel definiert NGOs als nichtstaatliche, gemeinnützige Akteure und erläutert ihre organisatorischen Strukturen sowie ihren Selbstanspruch als Interessenvertreter.
3 Der Konvent zur Zukunft der EU: Das zentrale Kapitel analysiert die Intention, Zusammensetzung und Arbeitsweise des EU-Konvents, wobei ein besonderer Fokus auf den Kanälen liegt, über die NGOs und Zivilgesellschaft in den Reformprozess eingebunden wurden.
4 Bewertung: Das Kapitel schließt mit einer kritischen Reflexion, in der der Konvent trotz der richtigen Ansätze zur Einbindung der Zivilgesellschaft aufgrund mangelnder öffentlicher Resonanz und begrenzter Einflussmöglichkeiten als teilweise verpasste Chance gewertet wird.
Schlüsselwörter
EU-Konvent, Nichtregierungsorganisationen, NGOs, Zivilgesellschaft, Europäische Identität, Demokratiedefizit, Politische Partizipation, Transparenz, Reformprozess, Europäische Union, Interessenvertretung, Öffentlichkeit, Laeken, Kontaktgruppen, Politische Willensbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Einbindung von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in den Prozess des EU-Konvents zur Zukunft der Europäischen Union.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind zivilgesellschaftliches Engagement, demokratische Legitimation europäischer Organe sowie die Wirksamkeit von Partizipationsinstrumenten in der EU-Politik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Untersuchung, welchen Einfluss NGO-Vertreter auf die Konventsabgeordneten ausüben konnten und ob der Konvent seine Zielsetzung, eine europäische Öffentlichkeit und Bürgernähe zu schaffen, erreichen konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine politikwissenschaftliche Analyse, basierend auf Literaturquellen, Dokumenten zum EU-Konvent und statistischen Daten (Eurobarometer).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Definition und Struktur von NGOs, der Aufbau des EU-Konvents, die Kontaktmöglichkeiten zwischen Zivilgesellschaft und Konvent sowie deren Einflussnahme analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind NGO, EU-Konvent, Zivilgesellschaft, Demokratiedefizit, politische Partizipation und europäische Öffentlichkeit.
Wie effektiv war die Einbindung der Kontaktgruppen während des Konvents?
Der Autor schätzt die Einbindung als hilfreich für die Debattenkultur ein, bemängelt jedoch die zeitliche Begrenzung auf 40 Minuten pro Gruppe als unzureichend für eine komplexe politische Einflussnahme.
Wie bewertet der Autor die öffentliche Wahrnehmung des EU-Konvents?
Der Autor bewertet diese als ernüchternd, da laut Eurobarometer-Daten nur 28% der EU-Bürger den Konvent kannten, was er als einen gravierenden Misserfolg gegenüber der Zielsetzung einer bürgernahen Reform ansieht.
Warum wird der Konvent als „verpasste Chance“ bezeichnet?
Obwohl die Ansätze zur Partizipation und Transparenz grundsätzlich richtig waren, scheiterte die effektive Umsetzung an der mangelnden Intensität des Dialogs und der geringen medialen Aufmerksamkeit.
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- Philipp Wansel (Author), 2004, Der Einfluss der NGO's auf die Arbeit des EU-Konvents, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/176672