Wir blicken zurück auf den Sommer des Jahres 2007. Weitgehend unbe-lastet von großem öffentlichem Interesse wurde im österreichischen Bundesland Kärnten ein Kaufvertrag geschlossen, der in seiner Folge- und Wirkungszeit nicht nur den Käufer selbst, sondern auch die bayerische und österreichische Finanzpolitik ins Wanken gebracht hat. Die Übernahme einer kleinen – aber maroden - österreichischen Bank sollte sich nach heutigem Wissen als Milliardengrab der Bayerischen Landesbank entpuppen.
Mit der Größe des Bilanzlochs der BayernLB wuchs auch das Medieninte-resse. Wie konnte es zu diesem Fehlkauf kommen? Wie konnte der Wett-bewerbsdruck auf dem deutschen Bankenmarkt die Landesbank in ein derartig risikobehaftetes Investment treiben?
Anhand der vorliegenden Arbeit soll ein neutraler Blick auf das Engagement der Bayerischen Landesbank geworfen werden. Es wäre ein Leichtes, im Strom der subjektiven Meinungsmache mit zu schwimmen. Nach Abschluss der Ermittlungsarbeiten zur Krise der Landesbank sollen die Tatsachen und Verantwortlichkeiten möglichst frei von öffentlicher Wertung herausgestellt werden.
Zu Beginn der Arbeit wird ein Überblick über Struktur und Geschäftsbereiche der Bayerischen Landesbank gegeben. Es wird auf deren Position in der Bankenlandschaft, ihren Aufbau und ihre Funktionen eingegangen.
Das Hauptaugenmerk der Arbeit soll auf die Krisensituation der Landesbank fallen. Es wird erläutert, weshalb die Bank bereits vor dem Erwerb der HGAA in die Kritik geraten ist, unter welchen Rahmenbedingungen der Kauf der österreichischen Bank abgewickelt wurde und wie dies nach aktueller Rechtsauffassung zu beurteilen ist. Ausgehend von diesen Informationen sollen die Auswirkungen der Krise – auch auf juristische Aspekte - geschildert sowie die Aufklärungsarbeit des Landtages dargestellt werden.
Besonderer Dank wird an dieser Stelle Herrn Prof. a. D. Dr. Winfried Bausback zuteil. Als Mandatsträger im Bayerischen Landtag und Mitglied im Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der zu schildernden Ereignisse hat er einen umfassenden Einblick in den Fortschritt der Ermittlungsarbeit gegeben.
Zum Abschluss der Ausführungen soll ein Ausblick auf die mögliche Zu-kunft der Landesbank gegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
1 STRUKTUR UND GESCHÄFTSBEREICHE DER BAYERISCHEN LANDESBANK
1.1 Position in der Bankenlandschaft
1.2 Aufbau
1.3 Funktionsdefinition im Wandel der Zeit
2 DIE LANDESBANK IN DER KRISE
2.1 Die BayernLB in der Kritik
2.2 Beteiligung an der Hypo Group Alpe Adria
3 RETTUNGSMAßNAHMEN UND JURISTISCHE FOLGEN
3.1 Inanspruchnahme des Bankenrettungspaketes
3.2 Juristische Folgen
4 ARBEIT DES UNTERSUCHUNGSAUSSCHUSSES IM BAYERISCHEN LANDTAG
5 AUSBLICK
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert die Krisensituation der Bayerischen Landesbank, insbesondere unter Berücksichtigung des problematischen Erwerbs der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) und der damit verbundenen finanziellen sowie rechtlichen Konsequenzen für das Institut.
- Strukturelle Analyse und Geschäftsbereiche der Bayerischen Landesbank
- Untersuchung der kritischen Investitionen in Asset Backed Securities
- Detaillierte Aufarbeitung des Erwerbsprozesses der Hypo Group Alpe Adria
- Darstellung der staatlichen Rettungsmaßnahmen und Bankenstützung
- Juristische Bewertung der Verantwortlichkeiten von Vorstand und Verwaltungsrat
- Auswertung der Ergebnisse des parlamentarischen Untersuchungsausschusses
Auszug aus dem Buch
2.2 Beteiligung an der Hypo Group Alpe Adria
Mittel- und Osteuropa gehören zu den Regionen mit außerordentlich guten Wachstumsaussichten. Mit der zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtung und dem wirtschaftlichen Aufholprozess bieten sich auch für Banken neue Ertragschancen. Veränderungen der Eigentümerstrukturen und der Rahmenbedingungen für Kreditvergaben des Bankensektors, die Finanzmarktpolitik sowie das positive konjunkturelle Umfeld haben eine rasche Entwicklung des Finanzsektors begünstigt. Infolgedessen erhielten Unternehmen und Verbraucher besseren Zugang zu Finanzprodukten, insbesondere zu Konsum- und Hypothekarkrediten. Ausländische Banken nahmen dies zum Anlass, ihre Präsenz in den MOE-Staaten weiter auszubauen.
Der Marktanteil der internationalen Banken belief sich in Mittel und Osteuropa Ende 2005 auf 78 %. Dabei dominierten vor allem die Institute, die sich schon zu Beginn des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Region engagiert haben. Zur Aufbesserung ihrer Eigenkapitalrendite richtete auch die BayernLB ihre Geschäftsstrategie immer mehr in die Richtung des Wachstumsmärktes MOE aus. Der Verwaltungsrat hat am 07.12.2004 einer Vorlage des Vorstands zufolge den Beschluss zur neuen Osteuropastrategie gefasst.
Diese sah vor, die Geschäftstätigkeit der Bank in die Länder Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Slowakei sowie Tschechien und Polen auszudehnen. Sie machte sich hierzu beteiligungsstrategische Maßnahmen zunutze. Dazu gehörte die Anteilsaufstockung an der ungarischen Tochterbank MKB und der Erwerb von diversen Minderheitsbeteiligungen in Bulgarien und Rumänien. Im Zeitraum 2006/2007 stieß die Landesbank auf ein neues Objekt: die im österreichischen Bundesland Kärnten beheimatete Hypo Group Alpe Adria.
Zusammenfassung der Kapitel
1 STRUKTUR UND GESCHÄFTSBEREICHE DER BAYERISCHEN LANDESBANK: Dieses Kapitel erläutert die Stellung der BayernLB als öffentlich-rechtliches Institut und beschreibt ihren organisatorischen Aufbau sowie ihre ursprünglichen Kernkompetenzen.
2 DIE LANDESBANK IN DER KRISE: Der Abschnitt beleuchtet die problematischen Investmentstrategien der Bank, insbesondere im Bereich der ABS-Papiere und der folgenschweren Beteiligung an der Hypo Group Alpe Adria.
3 RETTUNGSMAßNAHMEN UND JURISTISCHE FOLGEN: Hier werden die Inanspruchnahme staatlicher Rettungshilfen sowie die juristische Aufarbeitung der Verantwortlichkeiten von Gremienmitgliedern thematisiert.
4 ARBEIT DES UNTERSUCHUNGSAUSSCHUSSES IM BAYERISCHEN LANDTAG: Dieses Kapitel fasst die Tätigkeit und Ergebnisse des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zusammen, der die Hintergründe des HGAA-Kaufs aufklären sollte.
5 AUSBLICK: Der abschließende Teil diskutiert die strategische Zukunft der Bank und die Herausforderungen ihres Geschäftsmodells vor dem Hintergrund aktueller Fusionsbemühungen und regulatorischer Anforderungen.
Schlüsselwörter
Bayerische Landesbank, BayernLB, Hypo Group Alpe Adria, HGAA, Finanzkrise, Bankenrettung, staatliche Haftung, Risikomanagement, Due Diligence, Untersuchungsausschuss, Osteuropastrategie, Asset Backed Securities, Eigenkapitalrendite, Geschäftsmodell, Finanzmarktstabilisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit behandelt die Krise der Bayerischen Landesbank, die durch den gescheiterten Erwerb der österreichischen Hypo Group Alpe Adria und riskante Investmentgeschäfte ausgelöst wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Struktur der Landesbank, die risikobehaftete Expansion nach Osteuropa, die verfehlte Due-Diligence-Prüfung beim Bankenkauf und die anschließende staatliche Rettung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist eine neutrale Aufarbeitung der Krisenursachen, der politischen Verwicklungen sowie der rechtlichen Verantwortlichkeiten der Entscheidungsträger innerhalb der Bankgremien.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse von Geschäftsberichten, Protokollen des Untersuchungsausschusses, juristischen Dokumenten und aktueller Medienberichterstattung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der bankinternen Strukturen, die Analyse der Krisenursachen (Investments), die Rettungsmaßnahmen des Bundes und die juristische sowie parlamentarische Aufarbeitung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Finanzkrise, HGAA-Beteiligung, staatliches Rettungspaket, aufsichtsrechtliche Sorgfaltspflichten und strategische Neuausrichtung.
Warum war der Kauf der Hypo Group Alpe Adria aus Sicht der BayernLB problematisch?
Der Kauf erfolgte trotz gewarnter Risiken und ohne ausreichende Gewährleistungsrechte, was durch die instabile Finanzlage der HGAA und die hohen Abschreibungsbedarfe zu Milliardenverlusten führte.
Welche Rolle spielte der Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags?
Der Ausschuss sollte klären, inwieweit politische Vertreter ihre Kontrollpflichten verletzten und ob die Geschäftspolitik, die zum Schaden für den Staatshaushalt führte, rechtlich vertretbar war.
- Arbeit zitieren
- Jennifer Rudowicz (Autor:in), 2011, Die Krise der Bayerischen Landesbank, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/176565