Wir gebrauchen sie mitunter minutiös. Ob im Beruf, in der Freizeit, im Alltag, auf besonderen Veranstaltungen, beim Poesieren oder einfach nur beim Kaffeekranz mit den Großeltern.
Oft ist uns gar nicht bewusst, dass wir sie, und wenn, warum wir sie benützen. Wir tun es aus Gründen der Hervorhebung, der Veranschaulichung, der Beschönigung oder der Belebung und auch manchmal, weil uns nichts Besseres einfällt oder erst gar nicht existiert.
Die Rede ist von der Metapher.
„Metapher“ ist eine Entlehnung aus dem Griechisch-Lateinischem und deriviert vom Wort metaphorá, das zu gr. meta-phérein „anderswohin tragen; übertragen“ gehört. Gemeint ist also ein „übertragener, bildlicher Ausdruck“ . Wenn wir etwas verbalisieren und das Gesagte nicht wörtlich meinen, es also in einer uneigentlichen und übertragenen Weise verwenden, so referieren wir gewöhnlich auf diesen Umstand als metaphorisch bzw. auf diese Äußerung als metaphorisch gemeint. Dies ist ganz klar eine Sonderstellung, die der Metapher in unserer Sprache zukommt, nicht nur der des alltäglichen Lebens. Doch woher bezieht die Metapher ihre Wirkung, ihre Spezifität? Wenn gefragt ist, welche Domäne die Metapher darstellt, wird die Antwort Literatur und allem voraus Lyrik lauten. Mit dieser hat sie gemein, dass beide in ihrer sprachlichen Realisierung von der Norm abweichen. Das eine ist aber literarische Gattung, das andere sprachliches Mittel, dem diese Gattung ihre Wirkungskraft verdankt.
Jener sprachlichen (semantischen) Abweichung bzw. Anomalie widmet sich diese Hausarbeit.
Zu klären wird sein, worin diese Anomalie besteht. Daher wird in einem ersten Schritt die Funktionsweise der Metapher erläutert. Durch die Abgrenzung zu anderen mit der Metapher vergleichbaren Tropen, d.h. anderen „bildhaften Ausdrücken“ bzw. „sprachlichen Ausdrucksmitteln der uneigentlichen Rede“ , sollen noch bestehende Unklarheiten und Verwechslungsmöglichkeiten eliminiert werden, um letztlich einen tiefscharfe Definition der Metapher zu erhalten. Diese bildet alsdann die Grundlage und den Einstieg in die Metapherntheorie bzw. -geschichte, über die anschließend weitestgehend auf die Semantik fokussiert wird, um schlussfolgernd zu konstatieren, dass die Metapher nicht wirklich Anomalie und kein Mittel, sondern eher ein ‚Schöpfer’ unseres sprachlichen Systems ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Funktionsweise der Metapher
1.2. Abgrenzung zu anderen Tropen
2. Linguistische Analyse
2.1. Metapherntheorie und -geschichte
2.2. Bedeutung für die Semantik
3. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Metapher in der Semantik und geht dabei der zentralen Forschungsfrage nach, ob die Metapher als eine "sprachliche Anomalie" zu klassifizieren ist oder ob ihr eine grundlegende, sprachschöpferische Funktion zukommt.
- Funktionsweise und semantische Struktur der Metapher
- Abgrenzung der Metapher gegenüber anderen rhetorischen Tropen
- Historische Entwicklung der Metapherntheorien
- Bedeutung der Metapher für den semantischen Wandel
- Kategorisierung von Metapherntypen (innovativ, konventionell, lexikalisiert)
Auszug aus dem Buch
1.1 Funktionsweise der Metapher
Wie bereits in der Einleitung angedeutet, handelt es sich bei der Metapher um einen bildlichen, übertragenen Ausdruck, der wie andere Tropen uneigentlich ist. Uneigentlich in dem Sinne, dass mit einer Metapher etwas anderes gesagt wird, als die Wortsequenz es vorgibt – ähnlich der Ironie, die das Gegenteil von dem meint, was geäußert wird. Darin besteht im Übrigen die semantischen Anomalie der Metapher.
Die Trope im Allgemeinen hat zwei Ebenen: Eine wörtliche und eine übertragene. Die wörtliche Ebene ist die der uninterpretierten, die übertragene die der interpretierten Metapher. Das Hauptmerkmal der Metapher ist dabei der offenkundige Gegensatz, der innerhalb ein und derselben Aussage zwischen einem metaphorisch genommen und einem unmetaphorischen Wort besteht. Ein Beispiel: „Carlos es un tigre“. Es existieren zwei Ebenen, auf Grundlage derer die Äußerung zu interpretieren sei. Versteht man die Phrase als wörtlich gemeint, also in ihrer eigentlichen Bedeutung, so wird ersichtlich, dass Carlos der Name eines Tigers ist. Ist man jedoch geneigt, diesen Satz auf uneigentliche Weise zu deuten, ihm also eine übertragene Bedeutung abzugewinnen, so wird man zwar zuerst mit einer scheinbar sinnlosen Äußerung konfrontiert, durch eine bestehende Interpretationsverpflichtung allerdings dahin geleitet, den Sinn „umzudeuten“ und die Äußerung als insgesamt sinnvoll zu erachten:
Es ist die Bedeutungserwartung eines wörtlichen Kontextes, die zunächst den Sinn des Satzes orientiert, dann aber durch die Konterdetermination der metaphorischen Fügung enttäuscht und durch einen gegenläufigen, neuen Sinn ausgetauscht wird.
Diese „Umdeutung“ oder auch „Austauschung“ des Sinnes ist der Prozess der Übertragung. Möglich wird die Übertragung (der semantischen Merkmale) vom Nebensubjekt (hier: „tigre“) auf das Hauptsubjekt (hier: „Carlos“) dabei durch eine gewisse korrelative Ähnlichkeit (zwischen Verhältnissen) oder Analogie (zwischen Dingen oder Ideen) zwischen den Subjekten. Diese Ähnlichkeit wird als „tertium comperationis“ bezeichnet, i.e. die gemeinsame Eigenschaft zweier Gegenstände oder Bereiche. Da dieser Terminus ursprünglich einer anderen Trope, dem Vergleich, vorbehalten ist, scheint es indes angemessener, von einem „tertium metaphorae“ zu sprechen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, definiert die Metapher als bildlichen Ausdruck und umreißt die Forschungsfrage nach der metaphorischen Anomalie.
1.1 Funktionsweise der Metapher: Hier wird der Prozess der semantischen Übertragung sowie die Bedeutungserwartung und Umdeutung innerhalb metaphorischer Äußerungen analysiert.
1.2. Abgrenzung zu anderen Tropen: In diesem Abschnitt wird die Metapher von verwandten Stilmitteln wie dem Vergleich, der Metonymie, der Synekdoche, dem Symbol und der Allegorie abgegrenzt.
2. Linguistische Analyse: Dieses Kapitel verknüpft die theoretische Einordnung mit der semantischen Bedeutung der Metapher.
2.1. Metapherntheorie und -geschichte: Hier werden zentrale Theorien von Aristoteles bis hin zur Interaktionstheorie beleuchtet, um die Entwicklung des Metaphernbegriffs aufzuzeigen.
2.2. Bedeutung für die Semantik: Dieser Teil untersucht, wie Metaphern als Signale für semantische Anomalien dienen und zur Erschließung neuer Konzepte im sprachlichen System beitragen.
3. Resümee: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Metapher keine Anomalie, sondern ein essenzieller Schöpfer sprachlicher Bedeutung ist.
Schlüsselwörter
Metapher, Semantik, Sprachliche Anomalie, Metaphorologie, Bedeutungswandel, Tertium comparationis, Interaktionstheorie, Substitutionstheorie, Innovative Metapher, Konventionelle Metapher, Lexikalisierte Metapher, Bildfeld, Analogie, Rhetorik, Sprachwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der Metapher innerhalb der Semantik und untersucht, ob diese als sprachliche Anomalie zu betrachten ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung umfasst die Funktionsweise von Metaphern, deren Abgrenzung zu anderen Tropen sowie die historische und theoretische Entwicklung verschiedener Metapherntheorien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu klären, inwieweit die Metapher eine Anomalie darstellt oder ob sie vielmehr als ein grundlegender "Schöpfer" unseres sprachlichen Systems fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein theoretisch-analytischer Ansatz gewählt, der linguistische Fachliteratur sowie semiotische und philosophische Perspektiven (z. B. Gestaltpsychologie) zur Untersuchung metaphorischer Prozesse heranzieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Funktionsanalyse, die Abgrenzung zu anderen rhetorischen Figuren und eine fundierte Auseinandersetzung mit substitutionstheoretischen und interaktionstheoretischen Ansätzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Metapher, semantische Anomalie, Bedeutungswandel, tertium comparationis und die Unterscheidung zwischen innovativen und konventionellen Metapherntypen.
Wie unterscheidet der Autor zwischen einer "innovativen" und einer "lexikalisierten" Metapher?
Eine innovative Metapher weicht stark vom Sprachgebrauch ab und dient der Konstruktion neuer Wissensstrukturen, während eine lexikalisierte Metapher als "tote" Metapher ihren bildhaften Charakter verloren hat und als feste Bedeutung im mentalen Lexikon existiert.
Warum kommt der Autor zu dem Schluss, dass die Metapher keine "sprachliche Anomalie" ist?
Da die Sprache selbst von Metaphern durchdrungen ist und diese aktiv zur Bildung neuer Bedeutungen und Konzepte beitragen, ist der Begriff der Anomalie unpassend, da die Metapher vielmehr die Grundlage des sprachlichen Systems bildet.
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- Franco Dahms (Author), 2005, Die Metapher und ihre Bedeutung für die Semantik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/174570