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Ist eine erfolgreiche Demokratisierung nur bei Bestehen einer freien Marktwirtschaft möglich?

Ausgangsbedingungen und Reformsequenz als Erklärung für erfolgreiche Demokratisierungen – eine empirische Untersuchung

Title: Ist eine erfolgreiche Demokratisierung nur bei Bestehen einer freien Marktwirtschaft möglich?

Doctoral Thesis / Dissertation , 2011 , 398 Pages , Grade: magna cum laude

Autor:in: Hans-Jakob Boesch (Author)

Politics - General and Theories of International Politics

Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Bei Diskussionen rund um das Thema Demokratisierungen von Staaten taucht auch die Frage nach der idealen Reihenfolge der Reformen auf: Müssen für eine erfolgreiche Demokratisierung die Reformen am politischen System vor oder nach der Implementierung einer freien Marktwirtschaft erfolgen?
In der vorliegenden Arbeit wird argumentiert, dass der Erfolg oder Misserfolg einer Demokratisierung von der Kombination aus der Reihenfolge der Reformen (Reformsequenz) und bestimmten Ausgangsbedingungen abhängt. Konkret wird vermutet, dass die Demokratisierung eines Staates dann erfolgreich verläuft, wenn die Reformen am politischen System vor der Implementierung einer freien Marktwirtschaft erfolgen und dabei eine hohe sozioökonomische Entwicklung, keine gesellschaftlichen Konflikte, starke pro-demokratische Akteure und keine Veto-Player bestehen. Ebenfalls zum Erfolg einer Demokratisierung führt gemäss dieser Annahme, wenn bei der Umsetzung der Reformen des politischen Systems bereits eine freie Marktwirtschaft vorhanden ist.
Zur empirischen Überprüfung dieser theoretisch begründeten Kausalbeziehungen zwischen Ausgangsbedingungen, Reformsequenz und Ausgang einer Demokratisierung werden 18 Transformationen auf diese Beziehung hin miteinander verglichen. Diese Querschnittsanalyse wird mit Hilfe der Methode fsQCA (fuzzy-set Qualitative Comparative Analysis) durchgeführt.
Die Ergebnisse dieser Analyse zeigen, dass für eine erfolgreiche Demokratisierung idealerweise eine der drei folgenden Konstellationen aus Ausgangsbedingungen und Reformsequenz geben sein sollte:
– Bei Beginn der Reformen am politischen System besteht bereits eine freie Marktwirtschaft, d.h. die Wirtschaft-Reformen wurden vor den Reformen am politischen System umgesetzt.
– Existieren starke pro-demokratische Akteure und sind keine Veto-Player aktiv, bestehen ebenfalls klare Kräfteverhältnisse zu Gunsten einer Demokratisierung. In einem solchen Fall können die Reformen am politischen System bereits vor den Wirtschaft-Reformen umgesetzt werden.
– In dieser Reihenfolge können die Reformen auch dann erfolgreich umgesetzt werden, wenn nebst starken pro-demokratischen Akteuren zusätzlich eine hohe sozioökonomische Entwicklung besteht und keine Konflikte in der Gesellschaft vorkommen.
Somit kann die eingangs gestellte Forschungsfrage wie folgt beantwortet werden: Der Erfolg einer Demokratisierung ist davon abhängig, welche Ausgangsbedingungen bestehen und in welcher Reihenfolge die Reformen umgesetzt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung und Forschungsfrage

1 Einleitung

2 Forschungslücke und Forschungsfrage

2.1 Forschungslücke

2.1.1 Die offene Frage nach der idealen Reformstrategie

2.1.2 Theoretische Erklärungsansätze

2.2 Forschungsfrage

2.2.1 Von der Forschungslücke zur Forschungsfrage

2.2.2 Verwertungszusammenhang

II. Theorie

3 Eine allgemeine Theorie zu Transformationen

3.1 Die Gesellschaft – das Objekt einer Transformation

3.1.1 Veränderung der gesamten Gesellschaft

3.1.2 Gesellschaft als System begriffen

3.1.3 Subsysteme der Gesellschaft

3.2 Unterscheidung der Gesellschaftssysteme nach Typen

3.2.1 Grundlegende Unterteilung und Unterscheidungskriterien

3.2.2 Ausprägungen des demokratischen Systems

3.2.3 Ausprägungen des autokratischen Systems

3.3 Transformation als Prozess

3.3.1 Transformation – ein Wechsel oder ein Wandel des Systemtyps

3.3.2 Grund für eine Transformation: fehlende Stabilität

3.3.3 Die verschiedenen Phasen der Transformation im Überblick

3.3.4 Institutionalisierung: Reformen der staatlichen Institutionen

3.3.5 Konsolidierung: informelle und nicht-staatliche Institutionen

3.4 Begriffserklärungen rund um die Transformation

4 Forschungsmodell: Reformsequenz und Conditions

4.1 Forschungsidee: Ausgangsbedingungen als zusätzliche Erklärung

4.1.1 Einleitung: Reformsequenz als Erklärungsansatz

4.1.2 Zusätzlicher Erklärungsansatz: die Ausgangsbedingungen

4.2 Forschungsmodell

4.2.1 Von der Forschungsidee zum Forschungsmodell

4.2.2 Forschungsmodell

4.3 Die einzelnen Elemente des Forschungsmodells im Detail

4.3.1 Ausgangsbedingungen (die Conditions)

4.3.2 Reformsequenzen

4.3.3 Ergebnis der Transformation (der Outcome)

4.3.4 Zusammenfassung und Ergänzung des Forschungsmodells

4.4 Wahl der Conditions

4.4.1 Vorgehen

4.4.2 Nennung potentieller Conditions in der Literatur

4.4.3 Auswahl der Conditions aufgrund theoretischer Argumente

4.5 Zusammenfassung: das Forschungsmodell mit allen Details

III. Empirische Untersuchung

5 Untersuchungsanordnung

5.1 Hypothesen, Untersuchungsdesign und Geltungsbereich

5.1.1 Hypothesen

5.1.2 Art des Designs

5.1.3 Geltungsbereich

5.2 Konzeptspezifikation (Spezifizierung der Hypothesen)

5.2.1 Konzeptspezifikation der Conditions

5.2.2 Konzeptspezifikation des Outcomes

5.2.3 Konzeptspezifikation der Messzeitpunkte T1 und T3

5.2.4 Konzeptspezifikation der Reformen

5.2.5 Konzeptspezifikation der Reformsequenz

5.3 Operationalisierung

5.3.1 Allgemeine Informationen zu den Operationalisierungen

5.3.2 Operationalisierung der Conditions

5.3.3 Operationalisierung des Outcomes

5.3.4 Operationalisierung der Messzeitpunkte T1 und T3

5.3.5 Operationalisierung der Reformen

5.3.6 Operationalisierung der Reformsequenz

5.4 Fallauswahl

5.4.1 Kriterien der Fallauswahl

5.4.2 Fallauswahl

5.5 Methode der Datenauswertung

5.5.1 Wahl der Methode für die Datenauswertung

5.5.2 fsQCA – Grundidee und die wichtigsten Schritte der Analyse

6 Analyse mit fsQCA (Datenerhebung und Datenauswertung)

6.1 Datenerhebung

6.1.1 Quellen und Erhebungsverfahren

6.1.2 Allgemeines Vorgehen bei der Datenerhebung

6.2 Datenauswertung mit fsQCA

6.2.1 Einleitung

6.2.2 Auswertung nach dem Outcome „erfolgreiche Demokratisierung“

6.2.3 Auswertung nach dem Outcome „gescheiterte Demokratisierung“

6.2.4 Sensitivitätsanalyse

IV. Schlussfolgerungen

7 Diskussion der Analyse-Ergebnisse

7.1 Interpretation der Analyse-Ergebnisse

7.1.1 Generelle Interpretation der Analyse-Ergebnisse

7.1.2 Interpretation ausgewählter Fälle

7.2 Beantwortung der Forschungsfrage

7.3 Bedeutung der Resultate für die PoD

7.4 Ausblick

8 Zusammenfassung

V. Anhang

9 Anhang A: Detaillierte Übersicht über die Institutionen-Wahl

10 Anhang B: Übersicht über die potentiellen Conditions

11 Anhang C: Ausprägungen der Fallauswahl

12 Anhang D: Grund- und Rohdaten

13 Anhang E: Weitere Ergebnisse der fsQCA-Datenauswertungen

14 Anhang F: Ergebnisse der Sensitivitätsanalysen

15 Anhang G: Darstellung der drei Konstellationen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Forschungsfrage, in welcher Reihenfolge (Reformsequenz) Reformen am politischen System und am Wirtschaftssystem idealerweise umgesetzt werden sollten, um eine erfolgreiche Demokratisierung von Staaten zu begünstigen. Es wird argumentiert, dass der Erfolg einer Demokratisierung nicht nur von dieser Reihenfolge abhängt, sondern stark mit bestimmten Ausgangsbedingungen (wie sozioökonomischer Entwicklung, gesellschaftlichen Konflikten, pro-demokratischen Akteuren und Veto-Playern) interagiert, wobei 18 Transformationsprozesse mittels der Methode fsQCA empirisch analysiert werden.

  • Reformsequenz als Erklärungsfaktor für Demokratisierungserfolge
  • Einfluss von sozioökonomischen Ausgangsbedingungen und politischen Akteurskonstellationen
  • Empirische Anwendung der Methode fsQCA (fuzzy-set Qualitative Comparative Analysis)
  • Analyse der Interaktion zwischen wirtschaftlichen und politischen Reformschritten
  • Ableitung von Empfehlungen für die praktische Politikberatung (Promotion of Democracy)

Auszug aus dem Buch

Die offene Frage nach der idealen Reformstrategie

Dank intensiver Forschung und Debatte ist das Verständnis von Transformationen bzw. Demokratisierungen sowohl auf theoretischer wie auch empirischer Ebene heute ziemlich umfassend. Dennoch bestehen gerade im Bereich der praktischen Politikumsetzung bzw. -beratung zwecks Förderung von Demokratisierungen (Promotion of Democracy, PoD) noch viele Unsicherheiten und Unwägbarkeiten, die eine effiziente Unterstützung von in Transformation befindlichen Ländern hindern oder sogar verunmöglichen. Dies ist besonders schwerwiegend, da Transformationen tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben der betroffenen Bürger und auf die regionalen und internationalen Beziehungen haben können.

Vor allem für Länder, in denen für eine erfolgreiche Demokratisierung sowohl ein Wechsel hin zu einer freien Marktwirtschaft als auch ein Wechsel hin zu einem demokratischen und rechtsstaatlichen politischen System stattfinden müssen, ist die Frage nach der idealen Reformsequenz (Reihenfolge der Reformen) zentral. Denn eine solche „doppelte“ Transformation ist entsprechend komplex und damit „fehleranfällig“. Aufgrund der Erfahrungen mit Westeuropa und Ostasien gingen dabei viele Experten bisher davon aus, dass die Einführung der freien Marktwirtschaft (Wirtschaft-Reformen) für eine erfolgreiche Demokratisierung zwingend vor den Reformen im politischen System (Demokratie-Reformen) kommen müsste.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung und Forschungsfrage: Einführung in das Thema der Demokratisierung, Definition der Forschungsfrage nach der idealen Reformsequenz und Erläuterung des methodischen Vorgehens mittels fsQCA.

II. Theorie: Herleitung einer allgemeinen Transformationstheorie sowie Entwicklung eines theoretischen Forschungsmodells zur systematischen Analyse von Reformsequenzen und Ausgangsbedingungen.

III. Empirische Untersuchung: Spezifizierung und Operationalisierung der Forschungsaspekte, Fallauswahl von 18 Transformationen sowie Durchführung der fsQCA-Analyse.

IV. Schlussfolgerungen: Diskussion der Analyse-Ergebnisse, Beantwortung der zentralen Forschungsfrage und Erörterung der Bedeutung der Resultate für die Praxis der Demokratieförderung.

V. Anhang: Detaillierte tabellarische Zusammenstellung der Institutionen, der Ausgangsbedingungen, der Fallausprägungen, der Rohdaten sowie weiterführende Analysedokumente.

Schlüsselwörter

Demokratisierung, Transformation, Reformsequenz, Marktwirtschaft, Ausgangsbedingungen, sozioökonomische Entwicklung, fsQCA, Politische Reformen, Wirtschaftsreformen, Veto-Player, Machtverteilung, Systemwechsel, Systemwandel, Regimewechsel, Politische Akteure.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, welche Faktoren und Abfolgen von Reformen maßgeblich dafür sind, ob ein Transformationsprozess in einem Land erfolgreich in eine Demokratie mündet oder scheitert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themenfelder sind die Reihenfolge von Wirtschafts- und Demokratie-Reformen (Reformsequenz) sowie die Rolle von sozioökonomischen und politischen Ausgangsbedingungen in Transformationsprozessen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, in welcher Reihenfolge Reformen umgesetzt werden müssen, damit eine Demokratisierung erfolgreich verläuft, und dabei die Wechselwirkungen zwischen Reformsequenz und Bedingungen aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Zur empirischen Analyse von 18 Transformationsfällen wird die Methode fsQCA (fuzzy-set Qualitative Comparative Analysis) verwendet, da sie für die Untersuchung komplexer Kausalbeziehungen besonders geeignet ist.

Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Transformation und ein daraus abgeleitetes Forschungsmodell entwickelt, gefolgt von einer detaillierten empirischen Untersuchung mit der fsQCA-Methode.

Welche Schlagworte charakterisieren die Untersuchung am besten?

Die Untersuchung wird maßgeblich durch die Begriffe Demokratisierung, Reformsequenz, sozioökonomische Ausgangsbedingungen und Kausalanalyse charakterisiert.

Welche Rolle spielen "Veto-Player" für den Erfolg einer Demokratisierung?

Veto-Player sind Akteure, die in der Lage sind, politische Prozesse zu blockieren oder zu verhindern. Die Abwesenheit solcher Akteure wird als förderliche Bedingung für eine erfolgreiche Demokratisierung identifiziert.

Warum wird zwischen "Systemwechsel" und "Systemwandel" unterschieden?

Diese Unterscheidung ist zentral, um zu differenzieren, ob sich der grundlegende Typ eines Gesellschaftssystems fundamental ändert (Systemwechsel/Demokratisierung) oder lediglich eine institutionelle Anpassung ohne Typänderung erfolgt (Systemwandel).

Wie gehen die Autoren mit widersprüchlichen Fällen wie Guyana oder Tansania um?

Die widersprüchlichen Fälle werden in der Diskussion explizit analysiert, da sie darauf hinweisen, dass die gefundenen Lösungsformeln zwar eine hohe, aber keine absolute Erklärungskraft besitzen und alternative Theorien oder Faktoren (wie strategische Fehler oder externe Einflüsse) eine Rolle spielen könnten.

Excerpt out of 398 pages  - scroll top

Details

Title
Ist eine erfolgreiche Demokratisierung nur bei Bestehen einer freien Marktwirtschaft möglich?
Subtitle
Ausgangsbedingungen und Reformsequenz als Erklärung für erfolgreiche Demokratisierungen – eine empirische Untersuchung
College
University of Zurich
Grade
magna cum laude
Author
Hans-Jakob Boesch (Author)
Publication Year
2011
Pages
398
Catalog Number
V174323
ISBN (Book)
9783640947454
ISBN (eBook)
9783640947584
Language
German
Tags
Demokratisierung freie Marktwirtschaft Reformen Transformation Reformsequenz Ausgangbedingung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Hans-Jakob Boesch (Author), 2011, Ist eine erfolgreiche Demokratisierung nur bei Bestehen einer freien Marktwirtschaft möglich?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/174323
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