Francis Bacon wurde am 28.10.1909 als Sohn englischer Eltern in Dublin geboren. Er litt von Jugend an unter schweren Asthmaanfällen. Sein Vater „Eddy“ Bacon war zunächst im militärischen Dienst, später beschäftigte er sich in Irland mit der Zucht und dem Training von Rennpferden. Er galt als sehr autoritäres, strenges und auch gewalttätiges Familienoberhaupt – von Francis selbst oft als „Haustyrann“ beschrieben. Diese dominante Vaterfigur hatte entscheidenden Einfluss auf sein Lebensbild und sein künstlerisches Schaffen.
Inhaltsverzeichnis
1. Biografie und künstlerische Entwicklung
2. Einflüsse und künstlerische Philosophie
3. Das Motiv des Papstes
4. Der Schrei als essenzieller Moment der Wahrheit
5. Analysen ausgewählter Tryptichen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das künstlerische Werk von Francis Bacon vor dem Hintergrund seiner biografischen Prägungen und seiner spezifischen Ästhetik des Entsetzens. Dabei wird analysiert, wie Bacon persönliche Traumata, psychologische Spannungsfelder und visuelle Anleihen aus verschiedenen Medien miteinander verwebt, um eine Kunstform zu schaffen, die den Betrachter unmittelbar existentiell konfrontiert.
- Biografische Einflüsse und die Bedeutung seiner Jugend in Irland
- Bacons Philosophie des menschlichen Seins und des Zufalls
- Die Rolle von Gewalt, Schmerz und Erotik in seinen Darstellungen
- Die künstlerische Bedeutung des "Schreis" und des Motivs des Papstes
- Intertextuelle und visuelle Inspirationen durch Fotografie und klassische Malerei
Auszug aus dem Buch
Das Motiv des Papstes
Bacon befasste sich mit Vorliebe in seiner Arbeit mit Variationen zu einem Thema. Ein häufig wiederkehrendes Motiv in seinen Bildern ist der Papst. Die Figur des Papstes verbindet die beiden wichtigsten Elemente in seinem Leben: Erotik und Ästhetik. Dabei wurde eigentlich das Velàzquez Porträt von Papst Innozenz X. parodiert. Die 1953 entstandene achtteilige Serie zeigt den Papst in zunehmender Erregung. Während auf dem Gemälde Papst I von 1951 Innozenz noch stark deskriptiv mit starrem, trauervollem Blick dargestellt wist, werden die Abbildungen in der Serie immer freier. Ornat und Thron zeugen weiterhin von päpstlicher Würde, die Gestalt selbst jedoch drückt wachsende Hysterie aus und macht aus dem Würdenträger schließlich eine angstgekrümmte, rasende Puppe.
In Studie nach Velázquez’s Porträt Papst Innozenz X. (1953) kann man sehen, wie die Vorhangfalten des Hintergrundes das Papstgesicht völlig durchziehen. So wird der Eindruck erweckt, das Fleisch selbst hinge in Falten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich Bacon hierbei an dem transparenten Vorhang orientiert hat, den Tizian benutzte, um sein Porträt des Kardinals Filippo Archinto (1561/62) zu verhüllen. Mithilfe dieses Mittels bekommt Bacons Gemälde eine sehr eindringliche Kraft. Bacon ist es in den verschiedenen Versionen gelungen, eine ganz bedeutende Vaterfigur an den Pranger zu stellen und damit zu verurteilen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Biografie und künstlerische Entwicklung: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg Bacons von seiner schwierigen Kindheit in Irland bis hin zu seiner Etablierung als Maler nach.
2. Einflüsse und künstlerische Philosophie: Hier wird beleuchtet, wie persönliche Erfahrungen, medizinische Fotografien und sein Verständnis von Zufall und Instinkt Bacons Malstil prägten.
3. Das Motiv des Papstes: Die Analyse konzentriert sich auf Bacons Auseinandersetzung mit dem Porträt von Papst Innozenz X. und dessen symbolische Bedeutung als Vaterfigur und Machtsymbol.
4. Der Schrei als essenzieller Moment der Wahrheit: Dieses Kapitel untersucht die Funktion des "Schreis" in Bacons Werken als Ausdruck von Aggression, Erotik und existenzieller Wahrheit.
5. Analysen ausgewählter Tryptichen: Abschließend werden zentrale Tryptichen wie Drei Studien zu Figuren am Fuß einer Kreuzigung auf ihre thematische Tiefe und kompositorische Struktur hin untersucht.
Schlüsselwörter
Francis Bacon, Malerei, Tryptichon, Entsetzen, Gewalt, Erotik, Papst-Porträt, Velázquez, Existentielle Kunst, Schrei, Verzerrung, Biografie, Fotografie, Surrealismus, Ästhetik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem künstlerischen Schaffen von Francis Bacon und untersucht die Verbindung zwischen seinem von Gewalt und Umbrüchen geprägten Leben und der daraus resultierenden, provokativen Bildsprache.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die biografischen Prägungen, die Rolle des Zufalls in Bacons Arbeitsweise, sowie die künstlerische Verarbeitung von religiösen und menschlichen Machtsymbolen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Faszination des Entsetzens in Bacons Werk zu ergründen und aufzuzeigen, wie er durch Verzerrung und die Kombination unterschiedlicher Inspirationsquellen eine tiefgreifende Wirkung beim Betrachter erzielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine kunsthistorische und biographische Analyse, in der Primär- und Sekundärquellen zur Deutung der Gemälde herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Bacons Lebensweg, seiner künstlerischen Philosophie, der intensiven Auseinandersetzung mit dem Papst-Motiv sowie einer detaillierten Analyse seiner Tryptichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Francis Bacon, Malerei, Tryptichon, Verzerrung, Gewalt, Erotik und Ästhetik charakterisiert.
Welche Bedeutung hat das Motiv des Papstes für Bacon?
Das Papst-Motiv fungiert für Bacon als komplexe Vaterfigur, die es ihm ermöglicht, sowohl seine Bewunderung für die traditionelle Kunst als auch sein Bedürfnis zur Demontage autoritärer Machtstrukturen auszudrücken.
Warum spielt der Schrei eine so zentrale Rolle in seinem Werk?
Der Schrei verkörpert für Bacon den Moment der Wahrheit und eine Verbindung von Aggression und Erlösung, die den Betrachter dazu zwingt, sich mit dem Unvorstellbaren auseinanderzusetzen.
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- Kathrin Ehlen (Author), 2007, Francis Bacon - Faszination des Entsetzens, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/174081