Kindertageseinrichtungen werden bereits seit dem Beginn des 20. Jahrhun-derts institutionell organisiert und finanziert . Sie entstanden überwiegend, um dem „moralischen Verfall“ der ansonsten unbeaufsichtigten Arbeiterkinder entgegenzuwirken. Durch die Bildungsreformen der 1960er Jahre bekam die Finanzierung von Kinderbetreuungseinrichtungen einen neuen Schub in Westdeutschland. Der Kindergarten konnte sich als Regelinstitution etablieren .
In der DDR war eine Grundposition der sozialistischen Politik die Erwerbsfähigkeit der Frau zu fördern. Aufgrund dessen und dem Ziel der frühzeitigen ideologischen Unterweisung des Nachwuchses wurde eine flächendeckende und ganztägige Betreuung von Kindern aller Altersklassen in der Deutschen Demokratischen Republik geschaffen und etabliert.
Aufgrund dieser unterschiedlichen Entwicklungen beider deutscher Staaten im Primärbereich der Kinderbetreuung lassen sich bis heute große Unterschiede in den Bereichen Ganztagsbetreuung, Versorgung mit Hort- und Krippenplätzen und der Wortortnähe feststellen.
Die Kinderbetreuung wird im wiedervereinigten Deutschland vor dem Hintergrund der PISA-Studien und deren zum Teil unbefriedigenden Ergebnissen unter dem Qualitätsaspekt intensiv diskutiert. Gleichrangig wird die Thematik der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in einem dauerhaften öffentlichen Diskurs erörtert.
Beide Diskussionsstränge finden sich auch in der vorliegenden Seminararbeit wieder, die sich mit einer Variante der Steuerung des Kinderbetreuungssystems auseinandersetzt und diese beleuchtet: dem Bildungsgutscheinmodell.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1) Historie und Konzept des Bildungsgutscheinmodells
2) Ausgestaltungsmerkmale für ein erfolgreiches Gutscheinmodell in verschiedenen Bildungssektoren
3) Gutscheinmodelle in kleinkindlichen Betreuungs- und Bildungseinrichtungen
4) Das Hamburger „Kita-Gutscheinsystem“ als Beispiel
III. Schlussteil / Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Vor- und Nachteile von Bildungsgutscheinen als Finanzierungsmittel im Bereich der frühkindlichen Bildung. Dabei wird analysiert, inwiefern eine Umstellung von der klassischen Objektförderung auf eine nachfrageorientierte Subjektförderung die Effizienz steigern und die Wahlfreiheit der Eltern stärken kann.
- Historische Entwicklung und theoretische Grundlagen des Gutscheinmodells
- Kriterien für eine erfolgreiche Ausgestaltung von Gutscheinsystemen
- Analyse der Auswirkungen auf Qualität und Wettbewerb in der Kinderbetreuung
- Das Hamburger Kita-Gutscheinsystem als Best-Practice-Beispiel
- Diskussion von Herausforderungen wie soziale Segregation und Finanzierung
Auszug aus dem Buch
1) Historie und Konzept des Bildungsgutscheinmodells
Die Idee, Bildungsgutschein einzuführen, soll auf Thomas Paine (18. Jh.) und John Stuart Mill (19. Jh.) zurückgehen. Milton Friedman, der anerkannte und 1976 mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnete US-amerikanische Ökonom, stellte 1955 erstmals seine Überlegungen zu einem Gutscheinmodell für den Erziehungs- und Bildungssektor vor. Grundlage seiner Überlegungen waren dabei Grundsätze der marktwirtschaftlichen Ordnung als Rahmen zu verwenden, um eine Verbesserung der Effizienz und mehr Gerechtigkeit in die Bildungs- und Sozialsysteme zu erreichen.
Der Staat greift in Märkte ein, die aus Sicht des Autors nicht funktionieren oder nicht die Ergebnisse erzielen, die gesellschaftlich erwünscht sind. Die Form der staatlichen Intervention ist dabei jeweils zu klären. Bei einem Gutscheinmodell handelt es sich um eine klassische Form von Subjektförderung. Der Nachfrager erhält einen Coupon vom Staat, der bei Kindertageseinrichtungen eingelöst werden kann. Die Eltern werden gestärkt und finanziell unterstützt. Der Bildungsgutschein ist somit vergleichbar mit einem Geschenkgutschein, den der Beschenkte in ein Produkt seiner Wahl beim Kaufmann eintauschen kann. Die Eltern können den Gutschein bei einem Anbieter ihrer Wahl gegen die vom Staat vorgesehene Betreuungs- und Bildungsleistung eintauschen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss über die Kinderbetreuung in Deutschland und führt in die Thematik der Steuerung durch das Bildungsgutscheinmodell ein.
II. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen des Modells, die spezifischen Ausgestaltungsmerkmale, eine Analyse für den frühkindlichen Bereich sowie die praktische Darstellung des Hamburger Kita-Gutscheinsystems.
III. Schlussteil / Fazit: Das Fazit bewertet die Einführung von Gutscheinsystemen als zielführend, um Ineffizienzen abzubauen, betont jedoch die Notwendigkeit einer sorgfältigen Ausgestaltung und des Ausbaus von Kapazitäten.
Schlüsselwörter
Bildungsgutschein, Kinderbetreuung, Objektförderung, Subjektförderung, Kita-Gutscheinsystem, Frühkindliche Bildung, Hamburg, Marktwirtschaft, Effizienz, Wahlfreiheit, Qualitätssicherung, Soziale Segregation, Finanzierung, Betreuungsbedarf, Wettbewerb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Bildungsgutscheinen als alternativem Finanzierungs- und Steuerungsinstrument für frühkindliche Betreuungseinrichtungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die theoretische Herleitung des Modells, die Funktionsweise von Gutscheinen, deren Ausgestaltungsmerkmale und die praktische Evaluation am Beispiel Hamburgs.
Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, welche Vor- und Nachteile Bildungsgutscheine bieten und ob sie geeignet sind, die Qualität und Effizienz im Bildungssektor zu steigern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die Konzepte der Sozialökonomik auf das aktuelle System der Kinderbetreuung anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die historische Entwicklung, die zehn zentralen Ausgestaltungsmerkmale von Gutscheinmodellen, die spezifischen Herausforderungen im U3-Bereich und das Hamburger Modell.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Bildungsgutschein, Subjektförderung, Wahlfreiheit, Produktionseffizienz und Qualitätssicherung.
Wie unterscheidet sich die Objekt- von der Subjektförderung?
Bei der klassischen Objektförderung erhält die Einrichtung die Mittel, bei der Subjektförderung (Gutscheinsystem) erhalten die Eltern das Budget, um die Leistung bei einem Anbieter ihrer Wahl einzulösen.
Was macht das Hamburger Kita-Gutscheinsystem aus?
Das Hamburger System ist durch eine freie Anbieterwahl, eine staatliche Qualitätssicherung via Vereinbarungen und eine stärkere Orientierung an den Wünschen der Eltern gekennzeichnet.
- Arbeit zitieren
- Dirk Sodenkamp (Autor:in), 2011, Welche Vor- und Nachteile bieten Bildungsgutscheine für Bildungseinrichtungen als Finanzierungsmittel am Beispiel frühkindlicher Bildungseinrichtungen? , München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/174048