Wenn man über das Thema Suizid nachdenkt, hat man häufig das Bild von verzweifelten jungen Menschen im Kopf. Namen wie Kurt Cobain, Avicii und Chester Bennington fallen einem ein. Alle haben eine Sache gemeinsam: Sie nahmen sich in jungen Jahren das Leben. Kaum aber jemand denkt über die große Mehrheit nach, die das Thema Suizid ausmacht: Menschen über 60 Jahre stellen über die Hälfte aller Suizide da. Im Jahr 2018 nahmen sich 9.396 Menschen das Leben, davon waren allein 46,7% Männer über 60 Jahre alt. Das Durchschnittsalter von allen Suizidtoten in der Bundesrepublik Deutschland lag im Jahr 2017 bei 57,2 Jahren. Dabei stechen besonders die Männer heraus: Sie machen den Großteil der Suizide im Alter aus. Um welches Alter handelt es sich, wenn von suizidalen alten Menschen gesprochen wird? Clemens Tesch-Römer formt 2017 eine Binnendefinierung, sodass sogenannte junge Alte, das Alter ab 60 Jahren haben. Über das Thema Suizidalität im Alter wird oft geschwiegen, deshalb haben die meisten Menschen keine älteren Menschen im Kopf, wenn sie über das Thema Suizid nachdenken. Auch Suizidversuche bleiben häufig unbemerkt und können somit nicht gezählt oder in einer Statistik festgehalten werden. Fakt ist jedoch, dass ältere Menschen mit einer gewissen Härte und Hartnäckigkeit an einen Suizid herangehen. Sie erschießen sich, sie erhängen oder strangulieren sich, sie stürzen aus großer Höhe in die Tiefe, sie stellen Essen und Trinken ein oder schaden sich auf andere Art und Weise selbst. Deshalb gibt es bei alten Menschen häufiger Suizide als Suizidversuche. Junge Menschen hingegen haben mehr Suizidversuche als Suizide, da sie meistens Methoden wählen, bei denen eine Rettung möglich ist. Dass das Problem der Suizidalität im Alter stetig vorhanden ist zeigt dass die Statistik der Menschen, die Suizid begehen in den letzten Jahren zurückgegangen ist, die der Suizide der älteren Menschen allerdings nicht. Diese hat stetig ähnliche Zahlen. Daran erkennt man, dass das Problem dauerhaft ist.
Inhaltsverzeichnis
Grundliegendes
Chancen und Grenzen
Verantwortung übernehmen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Phänomen der Suizidalität im Alter, beleuchtet die Ursachen sowie die Möglichkeiten der Prävention und Behandlung und erörtert die Rolle der sozialen Verantwortung im Umgang mit betroffenen Senioren.
- Statistische Relevanz und Charakteristika der Suizidalität bei älteren Menschen
- Einfluss von Verlusterfahrungen und Isolation auf die psychische Gesundheit
- Die zentrale Bedeutung der sozialen Einbindung und Netzwerkarbeit
- Therapeutische Ansätze und medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten
- Die präventive Rolle von professionellen Hilfesystemen und persönlicher Aufmerksamkeit
Auszug aus dem Buch
Chancen und Grenzen
Nun wird diese Fragestellung argumentativ von mir behandelt. Als Suizidalität beschreibt man das Verhalten und Denken von Menschen, das darauf abzielt, sich selbst das Leben zu nehmen und Suizid zu begehen. Dabei wird der Freitod als einziger Ausweg aus ihrer Situation gesehen (Vgl. Wolfersdorf, M.; Schüler, M. & Mauerer, C. 2017, S.58; Lindner R. 2019, S.7). Symptome sind häufig: „Eine depressive Verstimmung für die meiste Zeit des Tages, deutlicher Verlust von Freude und Interesse, sowie ein Gefühl des Energieverlusts und vermehrter Müdigkeit“ (Von Renteln-Kruse 2009, S.140).
Ein besonderer Grund für Suizidalität im Alter ist das Erleben von Verlusten. Sei es der Tod von Partner*in, der Tod von Freund*innen, der Verlust eines geregelten Arbeitstages, der Verlust von Selbstständigkeit, der Verlust des Eigenheims, der Verlust von Gesundheit oder der Verlust des Kontakts zur Familie (Vgl. Müller-Pein & Lindner 2020, S.536; Hirsch R. D., Teising M. & Wächtler C. 2008, S.1, Linder R. 2021, S.393). Alle diese Verluste haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind nicht oder kaum beeinflussbar und ubiquitär. Sie können also jeden alten Menschen in eine Krise stürzen, sodass suizidales Denken und Verhalten entstehen. Demnach ist die Schlussfolgerung, dass dieser Grund für Suizidalität nicht direkt behandelt werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
Grundliegendes: Dieses Kapitel liefert eine statistische Einordnung der Suizidalität bei Menschen über 60 Jahren und diskutiert die spezifische Dynamik sowie das häufige Fehlen professioneller Hilfe bei älteren Betroffenen.
Chancen und Grenzen: Hier werden Definitionen und Symptome der Suizidalität erläutert sowie die Problematik von Verlusten als zentralem Auslöser für suizidale Krisen im Alter analysiert.
Verantwortung übernehmen: Der abschließende Teil betont die Bedeutung der sozialen Anbindung, professioneller Therapieangebote und des persönlichen Hinsehens im Umfeld der Betroffenen zur Suizidprävention.
Schlüsselwörter
Suizidalität, Alter, Soziale Arbeit, Altersdepression, Isolation, Verlust, Hilfeannahme, Prävention, Soziale Anbindung, Psychische Gesundheit, Therapie, Krisenintervention, Verantwortung, Gemeinschaft, Suizidprävention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem sozialen Problem der Suizidalität bei älteren Menschen und hinterfragt, ob und wie ein Ausweg aus dieser existenziellen Krise gefunden werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die statistische Dimension, die psychischen und sozialen Ursachen von Suizidalität, die Bedeutung der sozialen Teilhabe sowie therapeutische und präventive Interventionsmöglichkeiten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die komplexen Hintergründe der Suizidalität im Alter zu entwickeln und aufzuzeigen, welche Rolle Ressourcen, Therapie und soziales Engagement bei der Bewältigung spielen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine essayistische Arbeit, die auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit Fachliteratur und aktuellen sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen zum Thema basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Suizidursachen wie Isolation und Verlust, die Notwendigkeit, Hilfe anzunehmen, sowie die Relevanz der sozialen Einbindung durch Programme der Sozialen Arbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Suizidalität, Alter, soziale Isolation, Prävention und psychosoziale Unterstützung geprägt.
Warum spielt die Scham bei älteren Menschen eine so große Rolle?
In der Generation der über 60-Jährigen wird psychische Belastung oft als Tabuthema wahrgenommen, was es den Betroffenen erschwert, professionelle oder familiäre Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Wie kann Soziale Arbeit konkret unterstützen?
Soziale Arbeit kann durch die Vermittlung in Treffs oder Seniorenzentren dazu beitragen, soziale Netzwerke zu stärken, Vereinsamung entgegenzuwirken und den Betroffenen ein Gefühl von Sinn und Zugehörigkeit zu vermitteln.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2023, Suizidalität im Alter. Gibt es einen Ausweg?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1738232