In den letzten Jahren hat das Problem Out-of-Stock zunehmend an Dringlichkeit gewonnen. Durch technische Hilfsmittel (Internet/Smartphones) haben Kunden leichter die Möglichkeit an Produkt- und Verfügbarkeitsinformationen zu gelangen. Zudem wird ihnen eine Vielzahl von Einkaufsmöglichkeiten geboten, sei es durch einen Kauf im Internet oder in einem anderen Geschäft. Diese Entwicklung führt dazu, dass Konsumenten OOS-Situationen weniger tolerant gegenüberstehen und damit zu größeren Umsatzeinbußen für Händler und Hersteller als noch vor einigen Jahren. Das Problem OOS nicht zu lösen wird also zunehmend kostenintensiver und führt für einzelne Unternehmen mehr und mehr zu einer schlechteren Wettbewerbsposition.
Hinsichtlich des OOS-Managements wurde bisher fast ausschließlich der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) betrachtet. Zahlreiche Studien haben sich mit der Frage beschäftigt, wie Konsumenten auf OOS-Situationen reagieren, wie diese Reaktionen beeinflusst werden und welche Auswirkungen das Verhalten der Kunden auf Händler und Hersteller haben. Bisher offen geblieben ist jedoch, ob OOS auch in anderen Branchen eine Rolle spielen, welche Unterschiede es in anderen Branchen beim OOS-Management im Vergleich zum umfassend dargestellten LEH geben könnte oder auch ob sich die bisher ermittelten Ergebnisse auf andere Handelszweige übertragen lassen können.
Diese Arbeit möchte einen ersten Schritt in Richtung der Beantwortung dieser Fragen machen. Dazu wird im Folgenden zunächst allgemein (d.h. branchenunabhängig) auf OOS eingegangen. Hierbei wird als erstes eine für diese Arbeit sinnvolle Definition für OOS erarbeitet. Anschließend wird auf die Gründe für das Auftreten von OOS-Situationen und die Kosten, die durch OOS entstehen eingegangen. Darauf aufbauend werden Strategien erarbeitet, die allgemein das Auftreten von Stockouts verhindern können.
Um eine Vergleichsmöglichkeit bieten zu können, wird im anschließenden Kapitel zunächst der bereits hinreichend untersuchte LEH vorgestellt. Besonderer Augenmerk wird dabei auf die Produkteigenschaften, die Supply Chain Struktur und das Kundenverhalten bei auftretenden OOS-Situationen gelegt. Anschließend beschäftigt sich diese Arbeit mit dem Textil- und Elektronikeinzelhandel. Es wird dabei anhand von Informationen, die bisher allgemein über diese Branchen zu finden sind, erläutert, welche Unterschiede bei der Bewertung von OOS zum LEH bestehen und wie diese sich im Kundenverhalten auswirken.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. OOS allgemein
2.1 Definition OOS
2.2 Gründe für das Auftreten von OOS
2.3 Die Kosten von OOS
2.4 Vermeidungsstrategien
3. OOS in der Lebensmittel-, Textil- und Elektronikbranche
3.1 Die Lebensmittelbranche
3.2 Die Textilbranche
3.3 Die Elektronikbranche
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Problem von Out-of-Stock (OOS) Situationen im Einzelhandel, mit dem Ziel, branchenspezifische Unterschiede zwischen dem Lebensmittel-, Textil- und Elektroniksektor aufzuzeigen und deren Auswirkungen auf Händler, Hersteller und das Kundenverhalten zu analysieren.
- Grundlagen, Ursachen und Kosten von OOS-Situationen im Einzelhandel
- Kundenreaktionen bei Warenverfügbarkeitsproblemen (SDLC-Verhalten)
- Vergleich der Supply Chain Strukturen in verschiedenen Handelsbranchen
- Vermeidungsstrategien zur Steigerung der Regalverfügbarkeit
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition OOS
Chang/Niland (1967, S. 428) definieren OOS wie folgt: "Throughout this paper, a stock depletion (or stock-out) will be said to occur whenever the amount of an item demanded by a customer exceeds the amount on hand at a district warehouse, excluding any amount on order by the distributor firm at that warehouse." OOS treten demnach also auf, wenn die Nachfrage des Konsumenten den Bestand übersteigt, wobei bereits bestellte Ware außer acht gelassen wird. Diese Definition ist auf Grund ihrer Kürze jedoch wenig hilfreich. Es wird z.B. nicht darauf hingewiesen, dass es sich um einen Artikel handeln muss, der eigentlich zum Bestand des Händlers gehören sollte (gelisteter Artikel).
Helm/Stölzle (2005, S. 307) nehmen diesen Punkt in ihrer Definition auf: "Eine OOS-Situation ist in einer Einkaufsstätte immer dann festzustellen, wenn der mit dem entsprechenden Label bezeichnete Regalplatz leer ist oder ein vom Handel in Abstimmung mit dem Hersteller gelisteter Artikel faktisch keinen Regalplatz besitzt." Es wird also deutlich gemacht, dass es sich um einen gelisteten Artikel handeln muss und nicht um solche, die generell nicht zum Sortiment des Händlers gehören. Darüber hinaus wird auch der Hersteller mit einbezogen und es wird darauf hingewiesen, dass der zugewiesene ("mit dem entsprechenden Label bezeichnete") Regalplatz leer sein muss - es ist also möglich, dass eine OOS-Situation entsteht, obwohl der Artikel im Lager vorhanden ist. Ausreichend ist, dass der Kunde das Produkt nicht an seinem Platz im Regal vorfindet. Nicht beachtet wird in dieser Definition jedoch die Frage, ob überhaupt eine Nachfrage besteht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Einführung in die wachsende Bedeutung von OOS-Situationen durch verändertes Konsumentenverhalten und technische Möglichkeiten bei gleichzeitigem Mangel an branchenübergreifender Forschung.
2. OOS allgemein: Theoretische Fundierung von OOS durch Definitionen, Analyse der Ursachen (vorwiegend Händler) und Kosten sowie Vorstellung von Vermeidungsstrategien wie Lean-Retailing.
3. OOS in der Lebensmittel-, Textil- und Elektronikbranche: Detaillierte Untersuchung und Vergleich der drei Branchen hinsichtlich ihrer Supply Chain, Produktlebenszyklen und spezifischen Herausforderungen bei der Vermeidung von OOS.
4. Schluss: Zusammenfassung der Erkenntnisse, die aufzeigen, dass OOS-Reaktionen und -Kosten nicht eins zu eins vom Lebensmitteleinzelhandel auf andere Branchen übertragbar sind, und Plädoyer für weitere Forschung.
Schlüsselwörter
Out-of-Stock, OOS, Einzelhandel, Regalverfügbarkeit, Warenverfügbarkeit, Kundenverhalten, Supply Chain, Bestandsmanagement, LEH, Textilbranche, Elektronikbranche, Konsumentenreaktion, Umsatzverluste, Vermeidungsstrategien, ECR
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Problem von ausverkauften Artikeln (Out-of-Stock) im Einzelhandel und analysiert, wie sich dieses Phänomen in unterschiedlichen Branchen darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Definition und Ursachen von OOS, die dadurch entstehenden Kosten, das Reaktionsverhalten von Kunden sowie Vermeidungsstrategien für verschiedene Handelsbranchen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Unterschiede im OOS-Management zwischen Lebensmitteleinzelhandel, Textilbranche und Elektronikbranche herauszuarbeiten und zu prüfen, ob Erkenntnisse aus dem Lebensmittelbereich übertragbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse und einen systematischen Branchenvergleich auf Basis existierender Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine branchenübergreifende Analyse von OOS-Grundlagen sowie eine spezifische Untersuchung der Besonderheiten in der Lebensmittel-, Textil- und Elektronikbranche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Out-of-Stock (OOS), Regalverfügbarkeit, Kundenverhalten, Supply Chain, Konsumentenreaktion und Vermeidungsstrategien.
Wie unterscheidet sich die Textilbranche bei OOS-Situationen vom Lebensmitteleinzelhandel?
Die Textilbranche weist durch hohe Variantenvielfalt (Größe, Farbe, Design) und sehr kurze Produktlebenszyklen bei Modeartikeln besondere Herausforderungen auf, die eine Wiederbeschaffung deutlich erschweren.
Welche Rolle spielt das Verkaufspersonal im Elektroniksektor bei OOS?
Im Elektronikeinzelhandel kann geschultes Personal durch Beratung dazu beitragen, den Kunden von einem Alternativprodukt zu überzeugen und so negative Auswirkungen einer OOS-Situation für den Händler abzumildern.
- Quote paper
- Sarah Koch (Author), 2011, Out-of-Stock Situationen im Einzelhandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/173729