Aus der Einleitung: Die Diskussion über Werte ist gerade in der letzten Zeit wieder etwas lauter geworden. Fast scheint dieser Begriff „Wert“ schon zu einem Modebegriff geworden zu sein. Es wurde noch nie zuvor so viel über Werte, Werteverlust und Wertewandel nachgesonnen. Überall hört oder liest man darüber. Sei es nun zur Kennzeichnung gesellschaftlicher Grundvorstellungen oder bei Forderung in politischen und/oder pädagogischen Belangen.
Der Zustand des Bildungs- und Erziehungssystems wird immer lauter beklagt. Die Jugend scheint moralisch in schlechter Verfassung. Die „richtigen Werte“ scheinen das Allheilmittel zu sein und werden immer wieder als Lösung der vielfältigsten Probleme heraufbeschworen.
In meiner Arbeit möchte ich mich nun diesem Thema etwas genauer widmen. Zunächst beschäftige ich mich einführend kurz mit dem Phänomen der Rückwärtsgewandtheit („Früher war alles besser“). Anschließend möchte ich etwas genauer auf den Begriff „Wert“ eingehen und dann versuchen, die Wertedebatte etwas genauer zu beleuchten. Im dritten Abschnitt widme ich mich einigen philosophischen „Wertebegründungsfiguren“ und gehe dann zu meinen abschließenden Gedanken über.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Früher war alles besser?!?
2 Werte und Wertedebatte
2.1 Werte – Was bedeutet das eigentlich?
2.2 Die Wertedebatte – unterschiedliche Positionen und Herangehensweisen
2.2.1 Einführendes
2.2.2 Die Vergangenheit als feste Größe
2.2.3 Die Vergangenheit als „Steinbruch“
2.2.4 Die kritische Betrachtungsweise
3 Philosophische Ansichten
3.1 Einführendes
3.2 Aristoteles
3.3 Utilitarismus
3.4 Max Scheler
3.5 Kommunitarismus
3.5.1 Einführendes
3.5.2 Alasdair MacIntyre
3.6 Wertrelativismus
3.6.1 Einführendes
3.6.2 Friedrich Nietzsche
3.7. Fazit
4 Abschließende Gedanken
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der aktuellen Wertedebatte und stellt die Frage, inwiefern philosophische Ansätze zur Begründung von Werten dazu beitragen können, gesellschaftliche Orientierungsprozesse verständlicher zu machen und den konstruktiven Umgang mit kultureller Pluralität zu fördern.
- Phänomen der gesellschaftlichen Rückwärtsgewandtheit ("Früher war alles besser")
- Differenzierung und Analyse des Begriffs "Wert"
- Philosophische Wertebegründungsfiguren (Aristoteles, Utilitarismus, Max Scheler)
- Kommunitarismus und moderne Moralkritik (Alasdair MacIntyre)
- Wertrelativismus und Friedrich Nietzsches Umwertung aller Werte
- Rolle der Werteerziehung in der modernen Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
3.4 Max Scheler
Scheler stellte die sittlichen Werte als unwandelbare „Wesenheiten“ dar und entwickelte auf dieser Grundlage seine „materiale Werteethik“. Dies geschah in bewusster Gegenüberstellung zu Kants „formaler“ Ethik.
Er betonte in dieser „materialen Werteethik“, dass nicht die Form, sondern eher der qualitative Inhalt einer Handlung (also der durch diese Handlung verwirklichte Wert) über ihre Moralität entscheide. Die Objektivität des Sittlichen wäre nur unter der Annahme eines vom menschlichen Dafürhalten unabhängigen Reiches der Werte zu begründen.
„Schön“, „herb“ – dies sind Wertqualitäten, die wir unmittelbar (ohne unser Dafürhalten) an den Dingen feststellen. Werte werden also nicht gedacht. Ein rein logisches Verstandeswesen wüsste nicht, was „Wert“ bedeutet. Im Menschen ist also etwas verankert, das auf das „Erfühlen“ des Werthaften eingerichtet ist. Dieses Wertfühlen ist eine von sich aus wirkende, zielgerichtete Tätigkeit. Die Werte stellen sich eigenständig dar als ideales Sein, als „Gültigsein“ und nicht als empirisches Sein. Sie sind durch innere Anschauung erfühlte, geistige, aber gleichwohl objektive Qualität. Die Gültigkeit der Werte hängt nicht davon ab, ob sie in einem Menschen oder Sachverhalt verwirklicht sind, denn sie sind auch dann immer noch gültig, wenn der Träger des Wertes nicht mehr existiert. Ihnen kommt somit Apriorität zu.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Debatte um Werteverlust und Wertewandel und skizziert den Aufbau der Untersuchung sowie das Vorgehen.
1 Früher war alles besser?!?: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit der historischen und gesellschaftlichen Tendenz auseinander, Veränderungen pauschal als Verfall zu interpretieren, und hinterfragt den Begriff "die Jugend".
2 Werte und Wertedebatte: Hier wird der theoretische Begriff des Wertes geklärt und die verschiedenen Herangehensweisen an die Wertedebatte, von idealisierten Traditionen bis hin zu kritischen Ansätzen, analysiert.
3 Philosophische Ansichten: Dieses Kapitel bietet eine Übersicht bedeutender philosophischer Entwürfe zur Wertebegründung, darunter klassische Ansätze und moderne Moralkritik.
4 Abschließende Gedanken: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit eines kritischen, toleranten Umgangs mit Werten als Angebote in einer pluralistischen Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Werte, Wertedebatte, Werteverlust, Wertewandel, Moralphilosophie, Kommunitarismus, Utilitarismus, Aristoteles, Max Scheler, Friedrich Nietzsche, Nihilismus, Tugendethik, Werteerziehung, Gesellschaft, Pluralismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die aktuelle gesellschaftliche Wertedebatte, ihre historischen Wurzeln sowie die Frage, wie verschiedene philosophische Ansätze zur Wertebegründung helfen können, gegenwärtige Herausforderungen im Umgang mit Werten besser zu verstehen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind der gesellschaftliche Wandel, die Kritik an der Jugend, die theoretische Definition von Werten sowie die philosophische Auseinandersetzung mit Ethik und moralischer Begründung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die häufig unscharfe und emotional geführte Wertedebatte durch einen fundierten, philosophisch orientierten Blick zu ergänzen, um Möglichkeiten einer reflektierten Werteerziehung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Ansätze werden verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse philosophischer Strömungen, von antiken Ansätzen wie dem Aristotelismus über den Utilitarismus bis hin zur modernen Kommunitarismuskritik (MacIntyre) und dem Wertrelativismus (Nietzsche).
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine kritische Bestandsaufnahme der aktuellen Wertedebatte und eine detaillierte Auseinandersetzung mit verschiedenen philosophischen Begründungsfiguren.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Werteerziehung, Wertedebatte, Moralphilosophie, gesellschaftlicher Wandel und ethische Pluralität charakterisiert.
Warum spielt das Zitat von Kurt Tucholsky eine besondere Rolle für die Autorin?
Es dient als methodischer und inhaltlicher Ankerpunkt, um die Schwierigkeiten in der Kommunikation zwischen den Generationen hinsichtlich ihrer jeweiligen Wertvorstellungen zu veranschaulichen.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Medien im Zusammenhang mit Werten?
Die Autorin argumentiert, dass Medien oft voreilig als Sündenbock für Erziehungsprobleme herhalten müssen, während eigentlich das fehlende Auseinandersetzen der Erwachsenen mit diesen Medien das Kernproblem darstellt.
Welche moderne philosophische Strömung wird besonders kritisch beleuchtet?
Besonders kritisch wird Alasdair MacIntyres Modernitätskritik und sein Konzept des Verlustes der Tugend sowie der Emotivismus in der modernen Moraltheorie diskutiert.
- Quote paper
- Maria Reichmann (Author), 2007, Werte und Wertediskurs, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/173572