In der Hausarbeit wird Wielands Vorwort zum "Fräulein von Sternheim" von Sophia von la Roche genauer untersucht, und zwar hinsichtlich der Markierung weiblicher Autorschaft.
Zunächst wird die Beziehung Wieland - La Roche genauer betrachtet. Anschließend wird das Vorwort zum Fräulein von Sternheim inhaltlich beschrieben. Danach wird die Stellung der Frau in Deutschland im 18. Jahrhundert herausgearbeitet, um diese Erkenntnisse im letzten Schritt auf Wielands Vorwort anwenden zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Beziehung Wieland – La Roche
2. Das Vorwort Wielands in Sophie La Roches Roman „Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim“
3. Die Stellung der Frau in Deutschland im 18. Jahrhundert
3.1. Soziale Hintergründe
3.2. Weibliche Autorschaft
4. Wielands Markierung weiblicher Autorschaft im Vorwort zur „Geschichte des Fräuleins von Sternheim“
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die Funktion und Intention des Vorworts von Christoph Martin Wieland zu Sophie von La Roches Roman „Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim“. Die zentrale Forschungsfrage ist dabei, inwieweit Wielands Aussagen im Vorwort als Schutzmaßnahme für die Autorin vor dem Hintergrund der restriktiven sozialen Normen des 18. Jahrhunderts gegenüber weiblicher Autorschaft zu deuten sind.
- Beziehung zwischen Christoph Martin Wieland und Sophie von La Roche
- Soziale Stellung der Frau und Konzepte weiblicher Autorschaft im 18. Jahrhundert
- Analyse des Wieland-Vorworts zur „Sternheim“
- Strategien zur Verteidigung weiblicher Autorschaft gegen patriarchale Vorurteile
Auszug aus dem Buch
3.1. Soziale Hintergründe
Die soziale Stellung der Frau im 18. Jahrhundert zur Zeit der Frühaufklärung war in Deutschland im Wesentlichen von dem „Ein-Geschlecht-Modell“ bestimmt. Dieses Modell ging davon aus, dass sich die Frau graduell, jedoch nicht essentiell vom Mann unterscheidet. Die weiblichen und männlichen Geschlechtsorgane wurden nicht als grundsätzlich verschieden angesehen, eher wurde davon ausgegangen, dass die Vagina ein nach innen gestülpter Penis und somit nur eine billige Kopie des männlichen Geschlechtsorgans sei. Die Frau ist dem Mann demnach grundsätzlich untergeordnet.
Das „Ein-Geschlecht-Modell“ ging um 1800 in das „Zwei-Geschlechter-Modell“ über, das die beiden Geschlechter als prinzipielle Gegensätze ansieht und diese somit in verschiedenen Lebensbereichen – auch in sozialen Rollen – auf unüberbrückbare Weise voneinander verschieden und unterscheidbar macht. Die sozialen Rollen eines jeden Geschlechts wurden konstituiert: Der Mann wurde dem öffentlichen und gleichzeitig als einzig wesentlich erachteten, die Frau dem niedriger bewerteten Bereich des Haushalts zugeschrieben. Als natürliche Bestimmung einer Frau wurde die Rolle der Haus-, Ehefrau und Mutter bestimmt. Das schloss auch mit ein, dass sich die Frau aus dem dem Mann fest gelegten Bereich fern hielt: dem der öffentlichen Beteiligung. Frauen, die dem zuwider handelten, wurden schnell als Prostituierte diffamiert. Auch Rousseau trug zu der sozialen Stellung der Frau aufgrund seiner Meinung bei, dass das weibliche die Ergänzung zum männlichen Geschlecht sei (der supplementäre Weiblichkeitsentwurf) und der Lebenszweck der Frau darin bestünde, dem Mann zu gefallen. Rousseau sieht weiter „Tugend“ als weibliche Kompetenz an.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Beziehung Wieland – La Roche: Dieses Kapitel zeichnet die persönliche Verbindung und den regen Austausch zwischen den beiden Protagonisten nach, die das Entstehen des Romans maßgeblich beeinflussten.
2. Das Vorwort Wielands in Sophie La Roches Roman „Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim“: Hier wird der Inhalt von Wielands Vorwort analysiert, insbesondere seine Rechtfertigung der Veröffentlichung und die damit verbundene Instrumentalisierung zur Leserlenkung.
3. Die Stellung der Frau in Deutschland im 18. Jahrhundert: Dieses Kapitel erläutert die soziokulturellen Rahmenbedingungen, insbesondere das Geschlechtermodell und die diskriminierenden Vorurteile gegenüber schriftstellerisch tätigen Frauen.
4. Wielands Markierung weiblicher Autorschaft im Vorwort zur „Geschichte des Fräuleins von Sternheim“: Abschließend werden die Erkenntnisse des Vorworts mit der zeitgenössischen Rollenauffassung verknüpft, um Wielands Schutzabsicht für die Autorin darzulegen.
Schlüsselwörter
Sophie von La Roche, Christoph Martin Wieland, Frauenroman, 18. Jahrhundert, Weibliche Autorschaft, Ein-Geschlecht-Modell, Tugend, Vorwort, Geschichte des Fräuleins von Sternheim, Literarische Öffentlichkeit, Geschlechterrollen, Pädagogisches Alibi
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle von Christoph Martin Wieland als Herausgeber von Sophie von La Roches Roman „Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim“ und untersucht, wie er durch sein Vorwort die Autorin in einem patriarchalen Umfeld zu schützen versuchte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Geschichte der deutschsprachigen Frauenliteratur, die soziale Stellung der Frau im 18. Jahrhundert sowie die Strategien, mit denen Autorinnen versuchten, trotz gesellschaftlicher Vorbehalte schriftstellerisch tätig zu werden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass Wieland mit seinem Vorwort nicht die damals übliche Unterdrückung von Frauen weiterführte, sondern bewusst die herrschenden Ideale bediente, um La Roche vor dem Vorwurf der unweiblichen „Kunstproduktion“ zu schützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Inhalt des Vorworts vor dem Hintergrund zeithistorischer Diskurse zur Geschlechterrolle und Autorschaft interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der persönlichen Beziehung zwischen Wieland und La Roche, die Erläuterung der sozialen Rahmenbedingungen im 18. Jahrhundert und die detaillierte Auswertung der Argumentationsstrategien im besagten Vorwort.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Weibliche Autorschaft, 18. Jahrhundert, Geschlechterrollen, Literarische Öffentlichkeit und Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim charakterisieren.
Warum spielt die fiktive „Verräterei“ eine so zentrale Rolle?
Die „Verräterei“ dient dazu, den Eindruck zu erwecken, La Roche habe nicht aktiv die Öffentlichkeit gesucht, was sie als Frau legitimierte, da der Bereich der öffentlichen Autorschaft den Männern vorbehalten war.
Wie erklärt die Autorin Wielands angebliche „Mängelbeschreibung“ im Vorwort?
Wieland betont die sprachlichen Schwächen, um La Roche von dem Vorwurf der „Kunstproduktion“ zu befreien; denn ein perfektes Werk hätte als bewusste künstlerische Ambition gewertet werden können, was wiederum als unweiblich galt.
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- Julia Hans (Author), 2009, Weibliche Autorschaft im 18. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/173528