Seit einigen Jahren kann man auch von ähnlichen Prozessen innerhalb der Kinematographie Deutschlands sprechen. So wie literarische Texte erscheinen, die von Autoren mit Migrationshintergrund verfasst werden, werden auch Filme von Regisseuren gedreht, die ursprünglich nicht aus Deutschland stammen. Es stellt sich also die Frage, ob man neben einer interkulturellen Literatur auch von interkulturellem Film sprechen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Audiovisuelles Erzählen und Film
3. Filmanalyse: Gegen die Wand
3.1 Eröffnungsszene und Inszenierung
3.2 Aufbau und Aktstruktur
3.3 Sprachwechsel und Identität
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern der Film "Gegen die Wand" von Fatih Akin als interkulturelles Werk klassifiziert werden kann und welche erzähltheoretischen Mittel dabei zur Anwendung kommen.
- Analyse des deutsch-türkischen Kinos als eigenes Genre
- Übertragbarkeit erzähltheoretischer Ansätze auf den Film
- Untersuchung der filmischen Erzählweise und Struktur
- Die Rolle von Code-Switching und multikulturellen Handlungsräumen
- Bedeutung der Tongestaltung für die narrative Identitätsfindung
Auszug aus dem Buch
Inszenierung und musikalische Kommentierung in der Eröffnungsszene
Betrachten wir zunächst die Eröffnungsszene. Was kann der Zuschauer mittels der Kamera zu Beginn des Werkes visuell und was kann er auditiv wahrnehmen? Am Anfang des Filmes, noch während der Titel „Gegen die Wand“ in großen Buchstaben erscheint, beginnt die Off-Stimme, d.h. eine Quelle außerhalb des Bildes, das Lied auf Türkisch zu singen. Diese Technik der Überblendung der Tonspur verwendet Fatih Akin an vielen Stellen im Film. Danach ist Instrumentalmusik zu hören, deren Quelle man nun auf dem Bildschirm visuell wahrnehmen kann, und zwar ist es das Ensemble des Roma-Musikers Selim Sesler zusammen mit der Solistin Idil Üner. Sie stehen auf roten orientalischen Teppichen vor der Kulisse Istanbuls – eine Einstellung, die sehr einer Postkarte ähnelt, was ein deutliches Fiktionssignal ist. Es wird die Ballade „Saniye‘m“ vorgesungen, die von einer unerwiderten Liebe erzählt. Dadurch wird, was später auf der Handlungsebene stattfinden wird, an dieser Stelle bereits kommentiert. Der Auftritt des Ensembles ist mit dem griechischen Trauerspiel und dessen Chor vergleichbar, und gliedert den Film in fünf Hauptsequenzen oder -akte, die mit dem Geschehensablauf korrelieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Thema Globalisierung und Migration im Kontext der zeitgenössischen Literatur und des deutsch-türkischen Kinos.
2. Audiovisuelles Erzählen und Film: Erläuterung der Verbindung zwischen schriftsprachlichem und audiovisuellem Erzählen sowie die Relevanz der Medien für interkulturelle Fragestellungen.
3. Filmanalyse: Gegen die Wand: Detaillierte Untersuchung der Protagonisten, der Aktstruktur und der ästhetischen Mittel wie Musik und Kameraführung im Film.
3.1 Eröffnungsszene und Inszenierung: Analyse der einleitenden Sequenz und deren Funktion als choraler Kommentar zum weiteren Geschehen.
3.2 Aufbau und Aktstruktur: Beschreibung der fünf Akte und der zeitlichen Dehnung der Handlung über sechs Jahre.
3.3 Sprachwechsel und Identität: Diskussion des Code-Switching zwischen Deutsch und Türkisch als Ausdruck kultureller Hybridität.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Films als interkulturelles Werk, das nationale Grenzen des Kinos überschreitet.
Schlüsselwörter
Interkulturalität, Fatih Akin, Gegen die Wand, deutsch-türkisches Kino, Erzähltheorie, Migrationshintergrund, Identitätskonflikte, Code-Switching, Transkulturalität, filmisches Erzählen, audiovisuelle Medien, Hybridisierung, Globalisierung, Multikulturalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen des interkulturellen Films am Beispiel des Werkes "Gegen die Wand" von Fatih Akin.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen Migration, Identitätsfindung zwischen den Kulturen, Sprachwechsel (Code-Switching) und die filmische Umsetzung dieser Prozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist festzustellen, ob der Film aufgrund seiner spezifischen Erzählweise als "interkulturell" bezeichnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden erzähltheoretische Ansätze genutzt, die normalerweise auf Literatur angewendet werden, um sie auf audiovisuelle Erzählungen zu übertragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Struktur des Films, die Funktion der Musik, die Rolle der Akte und die Bedeutung der Sprache für die kulturelle Verortung der Figuren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Interkulturalität, Hybridisierung, Transkulturalität und deutsch-türkisches Kino.
Welche Rolle spielt der musikalische Chor im Film?
Der Chor dient als kommentierendes Element ähnlich dem griechischen Trauerspiel und gliedert den Film in fünf logische Hauptsequenzen.
Wie gehen die Protagonisten mit ihrer kulturellen Identität um?
Sibel und Cahit befinden sich in einer liminalen Phase zwischen den Generationen, wobei sie ihre Identität durch bewusste und unbewusste Sprachwahl sowie Grenzübertritte aushandeln.
- Quote paper
- Ievgeniia Bogomolova (Karashchuk) (Author), 2010, Interkulturalität im Film am Beispiel von Fatih Akins "Gegen die Wand", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/173436