Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Schaffung von Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung durch den Happy Planet Index (HPI). Um die Lebensgrundlage und -qualität der Weltbevölkerung langfristig zu sichern, ist es von großer Bedeutung alle drei Aspekte von Nachhaltigkeit Ökologie, Soziales und Wirtschaft gleichermaßen in der gesellschaftlichen Entwicklung zu berücksichtigen. Die reine Konzentration auf die wirtschaftliche Entwicklung seit der Einführung des international einheitlichen Bruttoinlandsprodukts in den zwanziger Jahren ist nicht aktuell und unzureichend. Ergänzungsinstrumente, die mit nachhaltiger Entwicklung kompatibel sind, erweisen sich als notwendig. Außerdem setzt nachhaltige Entwicklung Bewusstsein in der Bevölkerung für die Notwendigkeit der Thematik voraus. Der Happy Planet Index (HPI), entwickelt von der new economics foundation (dt. Stiftung für neue Ökonomie), ist ein potenzieller Ergänzungsindikator zum BIP und ein Instrument zur Schaffung von Bewusstsein. Er wird für 143 Länder ermittelt und gibt Auskunft über das Ausmaß von nachhaltiger Entwicklung auf nationaler Ebene. Durch die Indikatoren Lebenserwartung und Lebenszufriedenheit werden die Hauptfaktoren für soziale Entwicklung analysiert und in das Bewusstsein der Bevölkerung gerufen. Die ökologisch nachhaltige Entwicklung wird mittels des ökologischen Fußabdrucks bewertet. Er stellt den Ressoucenverbrauch jedes/r Einzelnen der zustehenden Biokapazität gegenüber. Demzufolge wird Aufschluss über die Belastung der Ökosysteme sowie über die globale Ressourcenverteilung gegeben. Die Auseinandersetzung mit dem ökologischen Fußabdruck regt zur Reflexion der eigenen Konsum- und Verhaltensmuster an und stärkt die Gestaltungskompetenz und Handlungsbereitschaft durch das Aufzeigen von umweltfreundlichen Alternativen. Länder mit einem geringen Fußabdruck können auf diese Weise Druck auf Industrieländer ausüben und den ihnen zustehenden Ressourcenanteil einfordern. Außerdem entsteht eine neue Bewertung von Entwicklung auf internationaler Ebene. Lateinamerikanische Länder werden als fortschrittlich bezeichnet dank der ökologisch effizienten Wirtschaftsweise und der hohen Lebenszufriedenheit, die auf starken sozialen Bindungen basiert. Die Methode des HPI wird in der Region Caerphilly in Wales angewendet und als positiv bewertet ....
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Hintergrund und Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Methodik
1.4 Struktur
2 Nachhaltige Entwicklung
2.1 Nachhaltigkeit
2.2 Nachhaltige Entwicklung
2.3 Ökologische Nachhaltigkeit
2.4 Soziale Nachhaltigkeit
3 Umweltbewusstsein
3.1 Begriffserklärungen
3.2 Umweltbewusstsein in der empirischen Sozialforschung
3.3 Hindernisse bei der Schaffung von Umweltbewusstsein
3.4 Konzept „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE)
4 Happy Planet Index
4.1 New economics foundation
4.2 Nutzen des HPI
4.3 HPI-Elemente
4.4 Berechnungsmethodik
5 „Bewusst-Sein“ mittels HPI
5.1 „Bewusst-Sein“ mittels HLY
5.2 „Bewusst-Sein“ durch den öF
5.2.1 Förderung der Gestaltungskompetenz
5.3 „Bewusst-Sein“ durch internationalen Ländervergleich
5.3.1 HPI-Ranking
5.3.2 Gewinner des HPI-Rankings
5.4 HPI im Kontext EU und OECD
5.5 Regionale Verwendung des HPI am Beispiel UK/Wales/Caerphilly
6 Grenzen des HPI
7 Kritik am HPI
7.1 Politische Wahrnehmung
8 Schluss
8.1 Ergebnisse
8.2 Ausblick und Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potential des Happy Planet Index (HPI) als Instrument zur Bewusstseinsschaffung für eine ökologisch und sozial nachhaltige Entwicklung, indem sie das Modell theoretisch analysiert und mit Anforderungen an moderne Bildungskonzepte vergleicht.
- Analyse des Zusammenhangs zwischen BIP, Lebensqualität und nachhaltiger Entwicklung.
- Erforschung von Umweltbewusstsein und dessen Hindernissen in der Gesellschaft.
- Einführung in den Happy Planet Index (HPI) und dessen spezifische Berechnungsmethodik.
- Untersuchung der Anwendbarkeit des HPI zur Förderung ökologischer und sozialer Verantwortung.
- Fallbeispielanalyse zur regionalen Nutzung des HPI-Konzepts.
Auszug aus dem Buch
1.1 Hintergrund und Problemstellung
Durch den jahrzehnte langen Fokus auf die wirtschaftliche Entwicklung gemessen und gesteuert durch das Bruttoinlandsprodukt (BIP), wurden ökologisch und sozial nachhaltige Aspekte der gesellschaftlichen Entwicklung ausgeblendet. Seit der industriellen Revolution im 18. Jahrhundert ist das Ziel der Wirtschaft die Überwindung von Knappheit der Güter und Dienstleistungen, um Wohlstand zu ermöglichen. Im 21. Jahrhundert herrscht in den Industriestaaten größtenteils eine Gesellschaft der Überproduktion, wobei kaum noch die Grundidee der Ökonomie verfolgt wird. Die Konzentration auf Konsum und Produktion durch die international einheitliche Sozialproduktrechnung seit den zwanziger Jahren geht sogar so weit, dass natürliche Ressourcen, welche für die Menschen essentiell sind, ausgeschöpft und gefährdet sind.
Das BIP wird zur Bewertung des Lebensstandards herangezogen. Lebenszufriedenheit und -qualität sind allerdings nicht nur vom pro Kopf-Einkommen abhängig. Ganz im Gegenteil stagniert in Ländern mit einem jährlichen BIP über $ 8.000 bis $ 10.000 das Wohlbefinden bei einem BIP-Zuwachs. Dieses Phänomen wird „Easterlin Paradox“ genannt. Sogar der Erfinder der BIP-Formel, Simon Kuznets, hat mit der Formel des BIPs nicht die Messung von Lebensqualität, sondern die Messung der wirtschaftlichen Kraft bezweckt. Vor der Entwicklung des BIPs als Hauptindikator hat er sogar gewarnt. Das Sozialprodukt unterscheidet nicht zwischen produktiven und destruktiven Aktivitäten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definiert die Problemstellung durch die einseitige Fixierung auf das BIP und formuliert die Forschungsfrage bezüglich des Nutzens des HPI zur Bewusstseinsschaffung.
2 Nachhaltige Entwicklung: Erläutert die Grundlagen der Nachhaltigkeit sowie die ökonomischen, ökologischen und sozialen Dimensionen, die für eine ganzheitliche Entwicklung essenziell sind.
3 Umweltbewusstsein: Analysiert Begriffe rund um das Umweltbewusstsein und diskutiert die psychologischen und sozialen Barrieren, die einem ökologisch nachhaltigen Handeln entgegenstehen.
4 Happy Planet Index: Stellt die Entstehung, die Zielsetzung und die mathematische Berechnungsmethodik des HPI als Ergänzung zum BIP vor.
5 „Bewusst-Sein“ mittels HPI: Beleuchtet das Potenzial des HPI zur Steigerung des Bewusstseins durch die Verknüpfung von Lebenszufriedenheit, Lebenserwartung und ökologischem Fußabdruck.
6 Grenzen des HPI: Kritisiert die methodischen Einschränkungen des HPI und verweist auf die Komplexität menschlichen Wohlbefindens, das nicht durch einen einzelnen Indikator abgedeckt werden kann.
7 Kritik am HPI: Diskutiert die fehlende Akzeptanz des HPI in politischen und wirtschaftlichen Kreisen und betrachtet die dortige Wahrnehmung von Nachhaltigkeitsindikatoren.
8 Schluss: Fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bietet einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung und Implementierung alternativer Wohlstandsindikatoren.
Schlüsselwörter
Nachhaltige Entwicklung, Happy Planet Index, HPI, ökologischer Fußabdruck, Lebenszufriedenheit, Bruttoinlandsprodukt, Umweltbewusstsein, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Nachhaltigkeitsindikatoren, Wohlbefinden, Ressourcenverbrauch, Gestaltungskompetenz, Sozialprodukt, öF, Lebensqualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwieweit der Happy Planet Index (HPI) als alternatives Messinstrument dienen kann, um das gesellschaftliche Bewusstsein für ökologische und soziale Nachhaltigkeit zu stärken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Konzept der nachhaltigen Entwicklung, der Definition und Messbarkeit von Umweltbewusstsein sowie einer detaillierten Analyse des HPI als Instrument der Bewusstseinsschaffung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Inwiefern ist der HPI ein Instrument, um Bewusstsein für ökologische und soziale Nachhaltigkeit zu schaffen?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse wissenschaftlicher Quellen sowie einer kritischen Betrachtung der HPI-Reporte, um das Potenzial des Index theoretisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein, eine detaillierte Erläuterung des HPI sowie eine Analyse von Anwendungsmöglichkeiten und Grenzen des Instruments.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Nachhaltige Entwicklung, HPI, Lebenszufriedenheit, ökologischer Fußabdruck (öF) und die kritische Distanz zum klassischen Bruttoinlandsprodukt (BIP).
Wie unterscheidet sich der HPI von herkömmlichen Wirtschaftsindikatoren wie dem BIP?
Während das BIP lediglich die wirtschaftliche Effizienz misst, integriert der HPI zusätzlich ökologische Faktoren (ökologischer Fußabdruck) und soziale Faktoren (Lebenszufriedenheit und Lebenserwartung).
Welche Rolle spielt der ökologische Fußabdruck bei der Berechnung des HPI?
Der ökologische Fußabdruck fungiert im HPI als Korrekturfaktor, der sicherstellt, dass ein hoher HPI-Wert nicht durch einen exzessiven Ressourcenverbrauch erkauft wird.
Kann der HPI auch auf regionaler Ebene angewendet werden?
Ja, die Arbeit zeigt anhand des Beispiels der Region Caerphilly in Wales, wie ein auf dem HPI basierender lokaler Index (CSI) dazu beitragen kann, Nachhaltigkeitsstrategien auf kommunaler Ebene messbar zu machen.
- Arbeit zitieren
- Ilona Pertl (Autor:in), 2010, Bewusst-Sein dank HPI?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/173379