Sagen Sie: „Im Interesse des Wohlbefindens des Klienten spreche ich meinen Kollegen auf sein Verhalten an.“ – Oder: „Im Interesse des Wohlbefindens des Klienten spreche ich meinen Kollegen auf dessen Verhalten an.“?
Bleibt alles? Ziel und Aufgabe der Eingliederungshilfe bleiben auch bei weiteren Veränderungen bestehen! - Bleibt alles anders? Methoden und Steuerungsprozesse müssen sich verändern, um weiterhin dem Ziel und der Aufgabe gerecht zu werden! Ich will Mut machen QM (Qualitätsmanagement) als Methode der reflektierten Zuneigung zu den Menschen zu begreifen.
Um>>denken: ... Wir haben verstanden! So etwa lautet der Werbespruch einer deutschen Automarke. Dieses Leitbild würde auch Einrichtungen der Behindertenhilfe gut zu Gesicht stehen. Das Zitat am Anfang weist auf das Umdenken hin, verweist damit auf die veränderte
Bedarfslage von Menschen mit sogenannten Behinderungen.
Im offenen Markt für soziale Dienstleistungen sind Veränderungen notwendig, um dem veränderten Bedarf zu entsprechen. Dabei handelt es sich weniger um einen Wertewandel, weil die Werte und Ideen der Eingliederungshilfe bestehen bleiben, sondern um einen Rollenwechsel
oder Bildwechsel: Nicht mehr das Geld folgt der Leistung nach dem Subsidiaritätsprinzip, sondern das Geld folgt der Leistung nach Bedingungen der in den §§ 93 ff. BSHG benannten prospektiven Refinanzierung. Das bisherige Denken sagte: erst muss ich den Bedarf bestimmen, dann kann ich nach dem Preis fragen. Die einfache Umkehrung (erst den Preis bestimmen, dann nach dem Bedarf fragen) hilft nicht bei dem Umdenken und würde die Sozialarbeit zum Abhängigen der Ökonomie machen. Heute ist gefordert, erst die Erwartungen der Kunden zu erfragen, ein leistungsfähiges Angebot zu machen und dann den Preis zu bestimmen. Ohne mit der ökonomischen Komponente argumentieren zu können, wird es nicht mehr möglich sein, Leistungsvereinbarungen mit den Geldgebern abzuschließen.
In der Entwicklung des Helferbildes wird die Zielrichtung der Veränderungen zur weiteren ambulanten Betreuung benannt. Mit diesem Leitbild ist die Auswahl eines Qualitätsmanagementkonzeptes möglich, welches nachhaltig Orientierung für Kunden und Mitarbeiter bietet und dadurch einen wertschöpfenden Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung gestaltbar macht. Am Beispiel einer Basisgruppe der Behindertenhilfe werden Elemente des Qualitätskonzeptes diskutiert und Ausblicke auf kurz- und mittelfristig umzusetzende Aufgaben vermittelt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Die Neuregelungen der §§ 93 ff BSHG
A. Leistung folgt Geld ?
1. Die Reform der Sozialpolitik nach der „Wiedervereinigung“
2. Das Gesetz zur Reform des Sozialhilferechtes vom 23. Juli 1996 und die Gültigkeitsstufen zum 1. August 1996 und zum 1. Januar 1999
3. Die Landesrahmenverträge nach § 93 d BSHG n.F.
B. Von der Armenfürsorge zum Sozialdienstleister
1. Die Institutionalisierung der Ausgrenzung
2. Grundgesetz und Bundessozialhilfegesetz
3. Entwicklungen der 90er Jahre
C. Geld folgt Leistung !
1. – und wie geht’s weiter ?
2. Der Begriff der Behinderung – Eine Neuorientierung
3. Leistungskatalog oder persönliches Budget?
II. Was darf Behinderung kosten?
A. Die Ökonomisierung des Sozialen
1. Controlling
2. Was erwarten die Leistungsgeber?
3. Kundenrecht = Wahlrecht?
B. Der Paradigmenwechsel: Vom WAS zum WIE
1. Das medizinisch-psychiatrische Modell
2. Das rehabilitative Modell
3. Das Assistenz-Modell
C. Der Rollenwechsel
1. Die SIVUS-Methode
2. Enthospitalisierung und Deinstitutionalisierung
3. Ende der Ver-Anstaltung
III. Das Zauberwort: QM (Qualitätsmanagement)
A. Qualitätsmanagement
1. Definition und Ursprung
2. Qualitätsmanagement als Prozessgestaltung
3. Methoden der Prozessgestaltung
B. Der Qualitäts-Begriff
1. Definition
2. Festlegung von Qualitäts-Standards
3. Problematik
C. Das Qualitäts-Konzept
1. Qualitätsmanagement im industriellen Bereich
2. Qualitätsmanagement im Bereich sozialer Dienstleister
3. Vergleich und Kritik der Modelle
IV. Auswirkungen auf die Basisgruppe X
A. QM in der Komplexeinrichtung Y der Behindertenhilfe: Konzept, Prozessgestaltung und Ressourcennutzung
1. Elemente des normativen und strategischen Managements
2. Elemente der Struktur, der Aufbau- und Ablauforganisation
3. Elemente der Gemeinwesenorientierung
4. Dienstleistungsbezogene Elemente
B. Die Praxis auf der Basisebene
1. Betreuungsplanung und Dokumentationssystem
2. Bezugspersonensystem
3. DOKU, BZPS und jetzt auch noch QM?
C. Bewertung und Weiterführung
1. Kurz- und mittelfristig umzusetzende Aufgaben
2. Zukünftige Anforderungen an die Einrichtungen und ihre Mitarbeiter
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der Neuregelungen der §§ 93 ff. des Bundessozialhilfegesetzes (BSHG) auf die Praxis in Einrichtungen der Behindertenhilfe. Zentral ist dabei die Frage, wie ein Qualitätsmanagementkonzept in einem sich wandelnden, ökonomisch orientierten Umfeld zur Umsetzung fachlicher und menschenwürdiger Hilfeprozesse beitragen kann, ohne den individuellen Bedarf der Klienten zu vernachlässigen.
- Systemwandel in der Behindertenhilfe durch prospektive Refinanzierung
- Qualitätsmanagement als Steuerungsinstrument im sozialen Sektor
- Methoden der Bedarfserhebung und -planung
- Paradigmenwechsel: Vom Versorgungsmodell zum Rollenwechsel und zur Deinstitutionalisierung
- Anforderungen an ein modernes Controlling in der Behindertenhilfe
Auszug aus dem Buch
Die Neuregelungen der §§ 93 ff BSHG
Die Neuregelungen der §§ 93 ff. Bundessozialhilfegesetz (im folgenden kurz BSHG genannt) haben viel Bewegung ausgelöst. Die noch bis Anfang der 90er Jahre bestehende Gewährleistungsverpflichtung der öffentlichen Hand für die Bereitstellung der zur Durchführung der Eingliederungshilfe - als Teil der Sozialhilfe – in Einrichtungen notwendigen Bedarfe nach dem Kostendeckungsprinzip wurden mit dem Erlass des „Gesetzes zur Sicherung des föderalen Konsolidierungsprogramms“ in 1993 und durch das „BSHG-Reformgesetz“ von 1996 in das System der prospektiven Refinanzierung umgewandelt.
Die Rolle der Leistungserbringer hat sich im Verhältnis zu den Leistungsnehmern und Leistungsgebern verändert. Die neuen Rahmenbedingungen schaffen Möglichkeiten der Bedarfssteuerung und Kostendämpfung.
Bleibt alles - anders ? Das Ziel und die Aufgabe der Eingliederungshilfe haben sich in den Neuregelungen nicht verändert. Die Ideen, Prinzipien, Bedarfslagen, Umsetzungsformen und Rahmenbedingungen der Hilfegewährung haben sich aber in den letzten Jahrzehnten, in diesem Jahrhundert und davor schon stark gewandelt. Ein Blick zurück lohnt, um die Ansätze der heutigen Struktur der Hilfegewährung und -bereitstellung zu erkennen. Dem allzu menschlichen Prinzip „Niemand mag den Wechsel, nur ein nasses Baby“ folgend, ist das Festhalten erwachsener Menschen an alten Traditionen verständlich – verdeutlicht anderseits aber auch unsere derzeitige Lage: Die Rahmenbedingungen der Leistungserbringung (Stichworte: Europäische Einigung, Haushaltskonsolidierung) haben sich verändert: Fühlen wir nicht schon, dass uns klamm wird?
Zusammenfassung der Kapitel
I. Die Neuregelungen der §§ 93 ff BSHG: Dieses Kapitel erläutert den gesetzlichen Paradigmenwechsel vom Kostendeckungsprinzip zur prospektiven Refinanzierung sowie die strukturellen Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Leistungsträgern, Einrichtungen und Klienten.
II. Was darf Behinderung kosten?: Dieser Teil beleuchtet die zunehmende Ökonomisierung sozialer Dienstleistungen und diskutiert Methoden, wie das Spannungsfeld zwischen ökonomischen Zwängen und dem fachlichen Anspruch an individuelle Hilfegestaltung durch Methoden wie Controlling und Prozessorientierung bewältigt werden kann.
III. Das Zauberwort: QM (Qualitätsmanagement): Hier werden die theoretischen Grundlagen des Qualitätsmanagements aus der industriellen Wirtschaft auf den sozialen Sektor übertragen und die verschiedenen Modelle zur Qualitätsmessung und -sicherung kritisch evaluiert.
IV. Auswirkungen auf die Basisgruppe X: Das Kapitel reflektiert die Implementierung eines Qualitätsmanagementsystems in einer konkreten Komplexeinrichtung und bewertet die Auswirkungen auf die tägliche Praxis der Betreuung sowie auf die Rolle der Mitarbeiter.
Schlüsselwörter
Bundessozialhilfegesetz, BSHG, Eingliederungshilfe, Qualitätsmanagement, QM, Behindertenhilfe, Deinstitutionalisierung, Prozessgestaltung, Kostendeckungsprinzip, prospektive Refinanzierung, Controlling, Soziale Arbeit, Lebensqualität, Leistungsvereinbarung, Bedarfsdeckung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit analysiert die Auswirkungen der gesetzlichen Reformen der §§ 93 ff. BSHG auf die Praxis in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe, insbesondere vor dem Hintergrund der Einführung von Qualitätsmanagementsystemen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Umstellung der Finanzierung (Refinanzierung), die Einführung von Qualitätsmanagement, die Ökonomisierung sozialer Arbeit und der Wandel der Rolle von Einrichtungen hin zu einer stärkeren Nutzerorientierung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den „Paradigmenwechsel“ in der Behindertenhilfe aufzuzeigen und Strategien zu entwickeln, wie Qualitätsmanagement dazu dienen kann, fachliche Standards unter den neuen ökonomischen Rahmenbedingungen zu sichern.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine Analyse von Gesetzestexten, Literaturvergleichen, der Auswertung von Praxismodellen und reflektiert diese durch seine eigenen Erfahrungen in der stationären Behindertenhilfe.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der ökonomischen Transformation des Sozialsektors, der theoretischen Herleitung des Qualitätsmanagements und der praktischen Anwendung von QM-Instrumenten in einem spezifischen Einrichtungsbeispiel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem das BSHG (Bundessozialhilfegesetz), Qualitätsmanagement (QM), prospektive Refinanzierung, Deinstitutionalisierung und das Konzept des "Geld folgt Leistung".
Warum wird die SIVUS-Methode in der Arbeit erwähnt?
Die SIVUS-Methode dient als Beispiel für einen ganzheitlichen Planungsansatz, der menschliche Grundfähigkeiten in den Mittelpunkt stellt und dazu beitragen kann, den notwendigen Rollenwechsel von der rein versorgenden Einrichtung zum modernen Dienstleister zu vollziehen.
Was bedeutet der "Rollenwechsel" in der Behindertenhilfe laut dem Autor?
Der Rollenwechsel bezeichnet den Übergang der Mitarbeiter vom rein versorgenden "Helfer" zum "Wegbegleiter" oder "Navigatore", der gemeinsam mit den Klienten deren Selbstbestimmung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben fördert.
Warum steht das Thema "Qualitätsmanagement" so stark im Fokus der Arbeit?
Qualitätsmanagement wird vom Autor als notwendiges Werkzeug verstanden, um in einem offenen Markt für soziale Dienstleistungen bestehen zu können, Transparenz gegenüber den Kostenträgern zu schaffen und gleichzeitig die Qualität der Lebensbedingungen für behinderte Menschen zu legitimieren.
- Arbeit zitieren
- Martin Eickhoff-Drexel (Autor:in), 2000, Zauberwort QM – bleibt alles anders!?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/173245