Die Hausarbeit untersucht am Beispiel des oscarprämierten Animationskurzfilms "If Anything Happens I Love You" (2020), wie Affizierung – also das, was noch vor einer konkreten Emotion beim Zuschauer wirkt – durch filmische Gestaltungsmittel erzeugt wird. Theoretisch stützt sich die Arbeit auf Michaela Otts Begriff der Affizierung als Primärprozess emotionaler Wahrnehmung sowie auf Konzepte der Filmwissenschaft wie Montage und Animation. Methodisch kommt die dokumentarische Methode nach Bohnsack zum Einsatz, die zwischen dem explizit Darstellbaren und dem impliziten Sinngehalt eines Bildes unterscheidet.
In drei Sequenzanalysen zeigt die Arbeit, wie der Film auf nahezu wortlose Weise Trauer, Verlust und elterlichen Schmerz vermittelt – vor allem durch die Schattenfiguren der Protagonisten, die als visuelle Übersetzer innerer Zustände fungieren. Metamorphosen, Bildkomposition und Schnitt erzeugen dabei Irritation und affektive Spannung, die die Zuschauenden in einen aktiven Deutungsprozess einbeziehen. Affizierung erscheint so nicht als dargestelltes Gefühl, sondern als im Sehen selbst erfahrener Prozess.
- Arbeit zitieren
- Stella Bremer (Autor:in), 2026, Wenn Bilder fühlen lassen. Eine empirische Analyse filmischer Gestaltung von Affizierung im Animationsfilm "If Anything Happens I Love You", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1731392