Wir untersuchen morphologische Feinstrukturen im Energie-Proxy F²·h² rekonstruierter Gravitationswellenereignisse. Die Auswertung nutzt eine standardisierte Quellenzeit, eine Distanzkorrektur des Strains und eine Zerlegung des Gesamtverlaufs in eine glatte, nichtwellige Komponente (Chirp 1) sowie einen oszillatorischen Residualanteil (Chirp 2). Gegenüber dem früheren Entwurf wurde die Definition von Chirp 1 präzisiert: Chirp 1 ist eine geglättete Mittellinie zwischen benachbarten Minima- und Maxima-Hüllen des welligen Gesamtchirps. Chirp 2 ist das algebraische Residuum, sodass Chirp 1 + Chirp 2 = Gesamtchirp numerisch erfüllt ist. Zusätzlich wird der Anfangs-Inspiral-Offset jedes Ereignisses bei t = -0.24 s abgezogen, um Unsicherheiten in Entfernung und Rotverschiebung nicht als physikalische Anfangsenergie zu interpretieren. Die normierte erste Ableitung von Chirp 1 zeigt nach zeitlicher Peak-Ausrichtung ein auffällig einheitliches Verhalten. Das monoton akkumulierte Integral des positiven Chirp-1-Anteils korreliert nach Ausschluss von GW190521_074359 näherungsweise mit der abgestrahlten Masse ΔM_rad = M1 + M2 - M_final. Für GW190814 zeigt die Hilbert-Analyse der Chirp-2-Modulationsfrequenz ein Frequenzband im Bereich von etwa 150-200 Hz und einen späten starken Anstieg. Diese Befunde werden vorsichtig als Indizien für gezeitenvermittelte Spin-Bahn-Kopplung diskutiert; eine belastbare Bestätigung erfordert eine systematische Injection-Recovery-Analyse gegen LVK-Wellenformmodelle.
- Arbeit zitieren
- Ing Herbert Schöfnagl (Autor:in), 2026, Morphologische Signaturen gezeitenvermittelter Spin-Bahn-Kopplung in Gravitationswellenereignissen mit asymmetrischem Massenverhältnis, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1730598