Die gesellschaftliche Verantwortung von Multinationalen Unternehmen spielt mit zunehmenden globalen Aktivitäten eine immer größere Rolle. Umweltverschmutzung, schlechte Arbeitsbedingungen und geringe Löhne, bis hin zu Menschenrechtsverletzungen und Kinderarbeit in den Zulieferketten, sind die Vorwürfe der Öffentlichkeit gegen große Markenunternehmen. Besonders in Schwellen- und Entwicklungsländern sind soziale und ökologische Standards, aufgrund mangelnder Regulierungen und Durchsetzbarkeit, nicht gegeben (vgl. BDA 2005, S. 6). Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften fordern Multinationale Unternehmen auf Verantwortung für ihre Lieferkette zu übernehmen, indem sie über Missstände in den Zulieferketten berichten. Bücher wie „No Logo!“ von Klein (2005) oder „Das Neue Schwarzbuch Markenfirmen“ von Werner und Weiss (2009) tragen dazu bei, dass die Öffentlichkeit erfährt, unter welchen Bedingungen
Kleidung, Spielzeug oder Elektronikgeräte hergestellt werden. Moralisch nicht vertretbare Unternehmenstätigkeiten bergen ein Geschäftsrisiko, da diese zu Reputationsverlusten führen können, weshalb die Unternehmen zunehmend unter Druck geraten, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. Unternehmen,
die sich durch ein hohes Markenimage auszeichnen, sind besonders deshalb Zielscheibe der Anschuldigungen. Um auf Vorwürfe der Öffentlichkeit zu reagieren, bedienen sich Multinationale Unternehmen zunehmend dem Ansatz der Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung, welcher unter dem Begriff
Corporate Social Responsibility geläufig ist. Sie entwickeln sogenannte CSR-Strategien, die für sie und ihre Geschäftspartner verbindlich sein sollen. Doch besonders die Implementierung und Durchsetzung einer „Responsable Supply Chain“ stellt für Unternehmen eine große Herausforderung dar.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Corporate Social Responsibility
2.1 Stakeholder – Die Treiber von CSR
2.2 Die neue Rolle der Multinationalen Unternehmen
2.3 Verhaltenskodizes
3. Theoretischer Bezugsrahmen
3.1 Die Neue Institutionenökonomik
3.1.1 Transaktionskostentheorie
3.1.2 Prinzipal-Agenten-Theorie
3.2 Geschäftsbeziehungsmanagement
4. Mobilfunkhersteller und ihre Supply Chain – Das Fallbeispiel Coltan
4.1 Trends auf dem Mobilfunkmarkt
4.2 Die Tantal-Lieferkette der Mobilfunkhersteller
4.2.1 Die Rohstoffgewinnung
4.2.1.1 Der Konfliktrohstoff Coltan
4.2.1.2 Umweltzerstörung und soziale Missstände
4.2.1.3 Folgen für den Tantalmarkt
4.2.2 Zwischenhändler
4.2.3 Tantalverarbeitung
4.2.4 Kondensatorhersteller und Leiterplattenmonteure
4.3 Die CSR-Aktivitäten der Mobilfunkhersteller
4.3.1 Verhaltenskodizes und Coltan-Policy
4.3.2 CSR-Instrumente
5. Institutionenökonomische Analyse
5.1 Die Prinzipal-Agenten-Beziehungen in der Lieferkette
5.2 Bewertung der CSR-Instrumente
5.2.1 Monitoring
5.2.2 Lieferantenentwicklung
5.2.3 Brancheninitiativen und Stakeholderdialog
5.3 Zwischenfazit
6. Die Zertifizierung zur Schaffung von Transparenz
6.1 Die Zertifizierung von Handelsketten
6.2 Das Pilotprojekt Ruanda
6.3 Bewertung des Ansatzes
7. Schlussbemerkung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht, inwiefern CSR-Instrumente von Mobilfunkherstellern zur Lösung der Coltan-Problematik beitragen und ob diese Instrumente bestehende Lücken in den globalen Rahmenbedingungen effektiv schließen können. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Analyse der Akteure entlang der Lieferkette sowie deren vertraglichen und institutionellen Beziehungen unter Anwendung der Neuen Institutionenökonomik.
- Corporate Social Responsibility (CSR) in globalen Lieferketten
- Die Auswirkungen des illegalen Coltan-Abbaus in der Demokratischen Republik Kongo
- Analyse von CSR-Instrumenten mittels Transaktionskosten- und Prinzipal-Agenten-Theorie
- Bedeutung von langfristigen Geschäftsbeziehungen und Vertrauen
- Zertifizierungsansätze zur Schaffung von Transparenz und Rückverfolgbarkeit
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Die Rohstoffgewinnung
Das Tantalerz wird aus dem Columbit-Tantalit-Erz (Coltan), was Niob und Tantalenteile enthält, extrahiert (vgl. Angerer 2009, S. 280). Tantalerzreserven befinden sich in Brasilien und Australien (vgl. Papp 2008, S. 2), größere Reserven liegen auch in der DR Kongo vor (vgl. Fetherston 2004, S. 71). Basedau und Mehler berichten, dass sich 80 Prozent der Weltreserven in der DR Kongo befinden (2003, S. 40).
Abgebaut (Stufe 4) wird das Tantalerz hauptsächlich in Australien, Brasilien, Kanada und Afrika (vgl. bspw. Nokia 2010, S. 21 und Abb. 4.2). Die größten Bergwerke befinden sich in Australien (Wodgina Mine) und Brasilien (Mibra Mine und Pitinga Mine). Im Jahr 2006 stammten ca. 82 Prozent der Weltproduktion aus Australien, Brasilien und Kanada. Die restlichen 18 Prozent wurden in afrikanischen Ländern produziert. (Vgl. Wagner et al. 2007, S. 66) Die DR Kongo ist dabei der größte Tantalerzproduzent in Afrika (vgl. Fetherston 2004, S. 71). Besonders im Kleinbergbau (informeller Bergbau) in Entwicklungsländern, wie in der DR Kongo, führt die Rohstoffgewinnung zu immensen Umweltbelastungen, sozialen Missständen und förderte den kongolesischen Bürgerkrieg (vgl. Wagner et al. 2007, S. 7, 23). Verbesserte Standards können deshalb einen Beitrag zur Armuts- und Konfliktminderung leisten (vgl. Wagner et al. 2007, S. 13). Da der industrielle Bergbau (z. B. Australien) grundlegende Standards verfolgt, soll der Fokus auf dem informellen Bergbau in der DR Kongo liegen, und wurde deshalb in Abbildung 4.2 hervorgehoben. Auftretende Missstände in den einzelnen Stufen der Lieferkette werden in den nächsten Abschnitten erläutert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der gesellschaftlichen Verantwortung bei globalen Lieferketten ein und definiert das Ziel, CSR-Instrumente im Kontext des Coltan-Abbaus kritisch zu untersuchen.
2. Corporate Social Responsibility: Hier werden theoretische Grundlagen von CSR als Konzept der freiwilligen Selbstverpflichtung erläutert, wobei insbesondere die Rolle von Stakeholdern und Verhaltenskodizes im Mittelpunkt stehen.
3. Theoretischer Bezugsrahmen: Dieses Kapitel stellt die Neue Institutionenökonomik vor, wobei Transaktionskosten- und Prinzipal-Agenten-Theorie als Analysewerkzeuge für Geschäftsbeziehungen dienen.
4. Mobilfunkhersteller und ihre Supply Chain – Das Fallbeispiel Coltan: Es wird die komplexe Lieferkette von Mobiltelefonen beleuchtet und der Coltan-Abbau im Kongo als problematischer, intransparenter Prozess aufgezeigt, auf den Unternehmen mit spezifischen CSR-Policies reagieren.
5. Institutionenökonomische Analyse: Die in Kapitel 4 vorgestellten Instrumente werden hier hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei der Überwindung von Informationsasymmetrien und Anreizproblemen innerhalb der Lieferkette bewertet.
6. Die Zertifizierung zur Schaffung von Transparenz: Dieser Abschnitt diskutiert Zertifizierungssysteme wie den Coltan-Fingerprint als Lösungsansatz, um Transparenz in Handelsketten zu schaffen und Marktversagen zu minimieren.
7. Schlussbemerkung und Ausblick: Es erfolgt eine Synthese der Ergebnisse, die unterstreicht, dass Zertifizierungen zwar hilfreich sind, aber langfristig eine "Good Governance" in den Abbaugebieten unabdingbar bleibt.
Schlüsselwörter
Corporate Social Responsibility, CSR, Supply Chain Management, Coltan, Mobilfunkindustrie, Neue Institutionenökonomik, Konfliktrohstoffe, Transparenz, Zertifizierung, Lieferantenmanagement, Stakeholder, Nachhaltigkeit, Prinzipal-Agenten-Theorie, Rohstoffgewinnung, Demokratische Republik Kongo.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Herausforderungen bei der Durchsetzung von sozialen und ökologischen CSR-Standards in den komplexen, globalen Lieferketten von Mobilfunkherstellern, insbesondere am Fallbeispiel des Coltan-Abbaus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit verknüpft betriebswirtschaftliche Konzepte wie Supply Chain Management und Corporate Social Responsibility mit den theoretischen Ansätzen der Neuen Institutionenökonomik, um die Effizienz verschiedener Steuerungsinstrumente zu bewerten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, inwieweit CSR-Instrumente (wie Audits oder Lieferantenentwicklung) tatsächlich zur Lösung der Coltan-Problematik beitragen und ob sie in der Lage sind, regulatorische Lücken zu schließen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und wendet die theoretischen Instrumente der Transaktionskostentheorie und Prinzipal-Agenten-Theorie an, um die Anreizstrukturen und Kontrollmechanismen zwischen den Akteuren der Lieferkette zu modellieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Strukturen des Mobilfunkmarktes und der Lieferkette (Fallbeispiel Coltan) sowie die bestehenden CSR-Instrumente der Hersteller vorgestellt. Anschließend folgt eine institutionenökonomische Bewertung sowie eine Untersuchung von Zertifizierungsansätzen zur Transparenzschaffung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Corporate Social Responsibility, Supply Chain Management, Coltan, Neue Institutionenökonomik, Transparenz, Konfliktrohstoffe und Zertifizierung.
Welche Rolle spielt der sogenannte "Coltan-Fingerprint" in dieser Arbeit?
Der "Coltan-Fingerprint" wird als ein innovatives, technisches Instrument der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) diskutiert, das mittels chemisch-mineralogischer Analysen einen objektiven Herkunftsnachweis ermöglicht und somit zur Eindämmung des illegalen Handels beitragen kann.
Warum stoßen CSR-Audits laut der Autorin oft an ihre Grenzen?
Die Autorin argumentiert, dass Audits bei mehrstufigen Lieferketten unter Informationsasymmetrien und hohen Kosten leiden; zudem fehlt es an der nötigen Unabhängigkeit und Tiefe, um Missstände in informellen Bergbaugebieten verlässlich aufzudecken.
Warum ist das "Vertrauen" als Faktor für die Autorin so wichtig?
Im Kontext der Lieferantenentwicklung wird Vertrauen als zentrales Element neben der rein vertraglichen Kontrolle gesehen, da es die Zusammenarbeit erleichtert, Transaktionskosten senkt und in internationalen Beziehungen kulturelle Barrieren überbrücken kann.
- Quote paper
- Ulrike Drescher (Author), 2010, Durchsetzungsprobleme von Corporate Social Responsibility (CSR) in der Supply Chain, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/172964