„ ... erstens ist jedes Buch unverfilmbar und zweitens nur so lange, bis es verfilmt wird.“1
„Eine Literaturverfilmung ist ein auf einem literarischen Werk basierender Film.“2
Mit anderen Worten wurden und werden viele Filme der Literatur entlehnt; sie dient ihnen oft als Vorbild. Zum einem was die Handlung betrifft, vor allem aber auch was die Erzählweise angeht, da sich der Film meist literarischer Muster bedient, die dann entsprechend umgestaltet werden. Wie in einem Buch gibt es auch im Film einen Erzähler, der natürlich weder mit dem Drehbuchautor noch mit dem Regisseur identisch ist. Dieser ist in der Lage verschiedene Erzählperspektiven einzunehmen, so kann er eine fiktive Figur sein oder auch von einem der Schauspieler dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Verfilmung von Walt Disney
1.1. Die Literaturverfilmung allgemein
1.2. Die Verfilmung Pinocchios durch Walt Disney
2. Vergleich beider Werke anhand ausgewählter Sequenzen
2.1. Die „Geburt“ Pinocchios
2.2. Darstellung des Vaters Geppetto
2.3. Pinocchios Aufeinandertreffen mit der Grille
2.4. Die blaue Fee
2.5. Pinocchio soll zur Schule
2.6. Bekanntschaft mit Fuchs und Katze
2.7. Pinocchio im Puppentheater
2.8. Ist Pinocchio tot?
2.9. Wer lügt ...
2.10. Im „Schlaraffenland“
2.11. Die Rettung des Vaters
2.12. Pinocchio wird ein richtiger Junge
3. Und die Moral von der Geschicht’
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist ein tiefgreifender Vergleich zwischen Carlo Collodis literarischer Vorlage „Pinocchio“ und der gleichnamigen Disney-Verfilmung von 1940, um die medienbedingten Unterschiede in der Narration, Charakterzeichnung und moralischen Vermittlung herauszuarbeiten.
- Analyse der Transformation literarischer Stoffe in filmische Adaptionen
- Vergleich zentraler Handlungssequenzen zwischen Buch und Film
- Untersuchung der psychologischen Anpassung der Charaktere durch Disney
- Erarbeitung der pädagogischen Intentionen und moralischen Botschaften
- Hintergrund der Identitätskonstruktion in der postunitarischen italienischen Kultur
Auszug aus dem Buch
2.1. Die „Geburt“ Pinocchios
Im Buch beginnt die Geschichte damit, dass ein sprechendes Holzstück auf ungeklärte Weise beim Tischler Meister Ciliegia landet. Dieser ist sehr erschrocken über die Fähigkeiten dieses Holzes, nämlich zu lachen und zu weinen und schenkt es deshalb seinem Freund Geppetto, einem Holzschnitzer. Diese Sequenz wurde in Disneys Version weggelassen, stattdessen ist Geppetto, wie schon erwähnt ein Spielzeugmacher und zu Anfang des Film gerade dabei eine ganz normale Marionette aus Holz fertig zu stellen. Auch im Buch beschließt Geppetto sich eine Holzpuppe zu schnitzen, die singen und tanzen kann. So macht er sich voller Freude an die Arbeit und sucht für das Holz den Namen Pinocchio aus, da er eine gleichnamige Familie gekannt hatte und ihm der Name sicher Glück bringt. Geppetto ist auch in der Verfilmung derjenige der den Namen aussucht, doch es wird nicht geklärt, warum er diesen Namen für die Holzpuppe wählt. Er findet seine Marionette gut gelungen und wünscht sich in der Nacht vom Wunschstern, dass diese Puppe doch ein richtiger Junge sein möge. Sein Wunsch wird von der guten Fee erhört, weil Geppetto ein herzensguter Mensch ist; so erwacht die Puppe zum Leben. Im Buch ist Pinocchio von Anfang an lebendig und zeigt sich nicht von seiner besten Seite. Er ist frech, ungeduldig, hungrig und nur auf sich bedacht; schließlich läuft er sogar seinem Vater weg. Währenddessen erscheint Disneys Pinocchio wie ein liebens-würdiges und naives kleines Kind, das sehr wissbegierig ist. Da Pinocchio aus Holz ist, kann Feuer ihm in beiden Medien sehr gefährlich werden. Beides Mal unterschätzt er das Feuer, denn im Buch legt er seine Füße an das Kohlenbecken, damit sie trocknen (er war zuvor nass geworden), was zur Folge hatte, dass seine Füße am nächsten Morgen abgebrannt waren, sodass er nicht mehr laufen konnte. Im Film wurde das Element Feuer so umgesetzt, dass Pinocchio versucht mit den Fingern eine angezündete Kerze anzufassen, dabei beginnt sein Finger zu brennen und er schaut ganz interessiert zu und ist sich der Gefahr nicht bewusst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Verfilmung von Walt Disney: Einleitende Betrachtung über die allgemeine Herausforderung der Literaturverfilmung und die spezifische, auf US-Werte ausgerichtete Adaption durch das Disney-Studio.
2. Vergleich beider Werke anhand ausgewählter Sequenzen: Detaillierter Abgleich zentraler Episoden, von der Entstehung der Figur bis hin zur finalen Verwandlung zum Menschen, unter Berücksichtigung der inhaltlichen und charakterlichen Modifikationen.
3. Und die Moral von der Geschicht’: Abschließende Synthese über die pädagogische Funktion beider Werke und die Rolle des Pinocchio-Stoffes als Parabel auf das Erwachsenwerden.
Schlüsselwörter
Pinocchio, Carlo Collodi, Walt Disney, Literaturverfilmung, Identitätskonstruktion, Geppetto, Jiminy Grille, blaue Fee, Medienvergleich, pädagogische Intention, Erwachsenwerden, Adaption, Zeichentrickfilm, Moral, Charakteranalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen dem italienischen Kinderbuchklassiker von Carlo Collodi und der berühmten Walt-Disney-Verfilmung von 1940.
Welche Themenfelder stehen im Fokus?
Neben der allgemeinen Theorie der Literaturverfilmung stehen vor allem die filmische Adaption, die Charakterentwicklung des Protagonisten und die moralische Dimension des Stoffes im Zentrum.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, mittels eines sequenziellen Vergleichs zu ermitteln, welche Narrative Disney verändert, weggelassen oder hinzugefügt hat, um die Geschichte an ein amerikanisches Publikum und eigene Vorstellungen anzupassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse ausgewählter Schlüsselszenen der beiden Werke, unterstützt durch literatur- und filmwissenschaftliche Quellen.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung Pinocchios, die Rollen von Geppetto, der Grille (Jiminy) und der blauen Fee sowie die zentralen moralischen Prüfungen, denen sich Pinocchio stellen muss.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die zentralen Begriffe sind Literaturverfilmung, Identitätskonstruktion, Medienvergleich, pädagogische Moral und die Adaptionsgeschichte des Disney-Klassikers.
Warum wurde die Figur der Grille im Film so stark verändert?
Disney gestaltete die Figur als Jiminy um, damit sie als liebenswertere, zentrale Erzählerfigur und moralische Instanz (Gewissen) die Geschichte für das Publikum leichter zugänglich macht.
Welche Bedeutung hat das „Schlaraffenland“ in beiden Versionen?
In beiden Versionen dient die Vergnügungsinsel als Ort des moralischen Scheiterns, wobei die Verwandlung in Esel als drastische Konsequenz für Ungehorsam und Faulheit fungiert.
- Arbeit zitieren
- Alida Ziehm (Autor:in), 2008, Ein Vergleich von Carlo Collodis "Pinocchio" mit der gleichnamigen Disneyverfilmung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/172584